Blog-Archiv 2023

 

Weihnachtsgrüße

Das Landeskirchliche Archiv schrieb am 24.12.2023
Allen unseren Benutzerinnen und Benutzern wünschen wir gesegnete Weihnachtstage sowie ein gesundes und friedliches neues Jahr 2024.
 
Der Lesesaal ist vom 27. bis 29. Dezember geschlossen. Wir freuen uns jedoch Sie ab dem 02. Januar 2024 wieder bei Ihren Recherchen unterstützen zu können.
 
Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe
 

Advent in der Coleman-Kaserne

Andreas Müller schrieb am 18.12.2023
May our hearts be warmed as we unite in this day of peace among all men.
 
Vor 55 Jahren, am Sonntag den 10. Dezember 1967 fand in Mannheim-Sandhofen eine außergewöhnliche vorweihnachtliche Feierlichkeit statt: Der amerikanische evangelische Militärgeistliche Major Degi hatte den Mannheimer Dekan Schmidt und die evangelische Gemeinde zur ersten offiziellen deutsch-amerikanischen Adventsfeier in die Kirche der Coleman-Barracken eingeladen.
Der Gottesdienst sollte an diesem Sonntag gleich zweimal, vormittags und abends, gefeiert werden. 
Posaunenchor in der Coleman Kirche
Der Feuendheimer Posaunenchor spielt in der Mannheimer Coleman-Kirche.
(Quelle: LkA KA 043. Mannheim, Nr. 244)
Musik und Gesang standen dabei im Mittelpunkt. Um etwaige Peinlichkeiten aufgrund der Sprachbarriere zu vermeiden, denn die Amerikaner kannten die deutschen Weihnachtslieder nicht und die Deutschen waren wiederum mit den amerikanischen nicht vertraut, sang jede Seite ihre Lieder für die jeweils andere. Ansonsten sollten Gesangbücher über alle anderen Schwierigkeiten hinweghelfen, wobei die Mannheimer angehalten waren, eigene mitzubringen, da viele der deutschen Lieder in den Büchern der G.I.s nicht enthalten waren. Über alle Sprachgrenzen hinweg sollte so ein behagliches, besinnliches und christliches Miteinander zwischen Amerikanern und Deutschen entstehen.
Die Adventsfeierlichkeit brachte die Kirche der Coleman-Kaserne an den Rande ihrer Kapazität: Der Einladung des Majors folgten viele Mannheimer und einige musikalische Gruppen aus der ganzen Stadt: Der Chor der Stephanus-Gemeinde aus Mannheim-
Major Degi und Dekan Schmidt
Vermutlich Major Degi (links) und Dekan Schmidt (rechts) bei der ersten offiziellen deutsch-amerikanischen Adventsfeier am 10.12.1967.
(Quelle: LkA KA 043. Mannheim, Nr. 244)
Schönau, dem Mandolinenorchester „Rheingold“ und der Feudenheimer Posaunenchor. Begleitet von der Orgel und dem amerikanischen Kirchenchor, wurde die Feier ein voller Erfolg.
Bemerkenswert war der Abschluss der Feierlichkeiten, der im Zeichen der Versöhnung und Völkerverständigung lag: Dekan Schmidt betonte, „dass der letzte grausame Weltkrieg dazu beigetragen habe, daß wir heute gemeinsam diesen zweiten Advent feiern.“
Der Brief eines Mitorganisators der Feier, der Dekan Schmidt kurz nach Neujahr erreichte, fasst die Nachwirkung der Feier zusammen: Es habe bei der US evangelischen Gemeinde „einen ganz unerwarteten und tiefen Eindruck hinterlassen. Es war erstmalig in der Geschichte des deutsch-amerikanischen Protestantentums, dass wir in der vorweihnachtliche (sic!) Feier so christlich zusammenfanden.“
In diesem Sinne wünsche ich dem werten Leser eine schöne und besinnliche Adventszeit.
 

"Nach der Pandemie ist vor den Archivgesetzen - Neuer Podcast zu Masterarbeiten von Mitarbeitenden des Landeskirchlichen Archivs

Michael Hallerberg schrieb am 11.12.2023
Im Jahr 2023 haben zwei Mitarbeitende des Landeskirchlichen Archivs ihre berufsbegleitenden Masterstudiengänge nach drei Jahren erfolgreich abschließen können! Um diese Leistungen hervorzuheben und um die Inhalte der Abschlussarbeiten näher vorzustellen, sind über beide Texte kurze Episoden von „Laufender Meter“, dem Podcast des Landeskirchlichen Archivs, produziert worden.
Nachdem im November Aspekte der Masterarbeit von Vivian Ritter vorgestellt wurden, soll es in diesem Monat einen Einblick in die Abschlussarbeit von Michael Hallerberg geben. Er befasst sich mit dem Thema „Entwicklung und Zukunftsperspektiven von Archivgesetzen in Evangelischen Landeskirchen in Deutschland“.  Die Podcastepisode wird dabei den Schwerpunkt auf die Entstehung der kirchlichen Archivgesetze im Vergleich zu staatlichen Archivgesetzen legen. Sie kann ab sofort auf der Homepage des Landeskirchlichen Archivs angehört werden.
 
Da in der Episode die Situation der evangelischen Landeskirchen in der ehemaligen DDR nicht näher besprochen wird, sollen an dieser Stelle ein paar Worte zu diesem Aspekt der jüngeren Kirchengeschichte stehen: In der DDR wurde das Archivwesen als Fortsetzung des Kampfes von Sozialismus gegen Kapitalismus mit anderen Mitteln verstanden. Aufgrund dessen wurde schnell nach Kriegsende versucht, die Archivlandschaft der DDR nach sozialistischem Vorbild zu organisieren. Im Frühjahr 1946 wurde durch einen Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland eine Zentralisierung der Bestände in den ostdeutschen Archiven in die Tat umgesetzt. Im Zuge dessen wurde im selben Jahr das „Zentralarchiv in der sowjetischen Besatzungszone“ in Potsdam bezogen, sechs Jahre vor der Gründung des Bundesarchivs der BRD.
Die zentralistische Vorgehensweise wurde sogar in der DDR-Verfassung vom 7. Oktober 1949 festgehalten. Das komplette staatliche Archivwesen ebenso wie das des Wirtschaftssektors der DDR stand ab diesem Zeitpunkt unter der Fachaufsicht des Innenministeriums, genauer gesagt unter der dort aufgebauten „Staatlichen Archivverwaltung“. Diese Fachaufsicht erließ bereits 1950 mit einer Archivverordnung eine rechtliche Grundlage, die durch Überarbeitungen in den Jahren 1965 und 1976 aktualisiert wurde.
Die Überarbeitung von 1965 ist für die Kirchen der DDR besonders relevant gewesen, denn sie sollte den sog. „staatlichen Archivfonds" und damit die Qualität des DDR-Archivwesens stärken. Explizit ausgeschlossen von diesem Archivfonds wurden u.a. die Überlieferungen gesellschaftlicher Gruppierungen wie der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Teile von der DDR-Archivverordnung blieben auch nach der Wiedervereinigung noch in Kraft, bis schließlich in den neuen Bundesländern Archivgesetze an ihre Stelle traten, die auf der Basis des bundesdeutschen Grundgesetzes fußten.
Anders als in der Bundesrepublik mit seiner föderalen Struktur wurde eine einheitliche gesetzliche Regelung für unterschiedliche Formen des Archivguts in der DDR nicht als notwendig erachtet, weil alles an relevantem Schriftgut dem „Volkseigentum“ zugerechnet wurde. Bürgerliche und kirchliche Archive wurden hingegen in ihrer Struktur und Überlieferung als unterlegen angesehen, weil diese „bourgeoisen“ Institutionen nach sozialistischem Verständnis die Interessen und Ziele der jeweiligen Archiveigentümer vertreten würden. Diese Haltung gepaart mit dem zentralistischen Charakter des Archivwesens in der DDR sorgte dafür, dass gesellschaftliche Gruppen jenseits des Staatsapparats als Archiveigentümer mehr oder weniger ignoriert wurden.
Das Archivgut der Kirchen spielte für die sozialistisch eingestellten Archivare also augenscheinlich keine Rolle, weil einerseits die historischen Bestände aus der Zeit vor der Weimarer Republik quasi verstaatlicht waren und andererseits die Überlieferung ab 1918 nach Ansicht der DDR-Staatsarchivare keinen nennenswerten Beitrag zum vermeintlichen Sieg des Sozialismus über den westlichen Kapitalismus leisten würde. Insofern konnten die Landeskirchen in Ostdeutschland ihr Schriftgut mithilfe eigener Verordnungen archivieren, ohne staatliche Übergriffe in ihre Einflusssphäre fürchten zu müssen. Eine Debatte um die Entwicklung von Kirchenarchivgesetzen kam deshalb vor der Wiedervereinigung gar nicht in derselben Form wie in der Bundesrepublik zu Stande.
 

Das Projekt geht weiter

Vivian Ritter schrieb am 27.11.2023
Gute Nachrichten für das Projekt „Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive“. Im Oktober 2023 beschloss die Landessynode auf ihrer Herbsttagung in Bad Herrenalb die Verlängerung des Projekts bis zum 31.12.2025. Somit kann die wichtige Arbeit der Projektkräfte, welche in den Gemeinden sehr positiv aufgenommen wird, ein weiteres Jahr voranschreiten.
Seit Beginn des Projekts konnten bereits fünf Kirchenbezirke vollständig und viele weitere zum größten Teil abgeschlossen werden.
Das fünfköpfige Team freut sich über das Vertrauen und den Dank der Synode, welche sich in der Verlängerung widerspiegeln.
 

Neues vom Laufenden Meter

Michael Hallerberg schrieb am 13.11.2023
Im Jahr 2023 haben zwei Mitarbeitende des Landeskirchlichen Archivs ihre berufsbegleitenden Masterstudiengänge nach drei Jahren erfolgreich abschließen können! Um diese Leistungen hervorzuheben und um die Inhalte der Abschlussarbeiten näher vorzustellen, sind über beide Texte kurze Episoden von „Laufender Meter“, dem Podcast des Landeskirchlichen Archivs, produziert worden.
Den Anfang macht eine Ausgabe über die Masterarbeit „Corona und Archive “ von Vivian Ritter an der Hochschule der Medien in Stuttgart im Bereich Bibliotheks- und Informationsmanagement. Darin wurde auf Grundlage einer Befragung von baden-württembergischen Archiven ermittelt, wie staatliche und nicht-staatliche Archive auf die COVID-19-Pandemie reagierten und ihre Arbeitsweisen umstellten. Die Podcastepisode wird sich näher mit der Umstellung der Arbeitsweise des Landeskirchlichen Archivs Karlsruhe während der vergangenen drei Jahre beschäftigen. Diese Ausgabe kann ab sofort auf der Homepage Podcast und Podcast-Archiv des Landeskirchlichen Archivs angehört werden. Viel Vergnügen!
 

Abschied von unserem langjährigen Kollegen Heinrich Löber

Mareike Ritter schrieb am 18.09.2023
Heute ist Tag 1 ohne Heinrich Löber, der seit 1.1.2009 Mitarbeiter des Landeskirchlichen Archivs der Evang. Landeskirche in Baden war und nun zu unseren „östlichen“ Kollegen nach Stuttgart-Möhringen gewechselt ist.
Heinrich Löber
Heinrich Löber war in den vergangenen fast 15 Jahren der erste Ansprechpartner für Anfragende, für Benutzende unserer Bestände, aber auch für Praktikant*innen und Projektkräfte. Er hat in dieser Zeit den Service für Recherchierende u.a. auf der Homepage des Landeskirchlichen Archivs stark verbessert. Genannt werden kann hier beispielsweise die Onlinestellung unserer Findmittel ebenso wie die Onlinestellung der badischen Kirchenbücher im Kirchenbuchportal Archion. Für beide Onlinestellungen mussten aber zunächst viele Vorarbeiten geleistet werden, die Heinrich Löber vorbildlich erledigt hat (siehe seinen Blogbeitrag vom 08.09.2023). 
Aber nicht nur die Benutzung gehörte zu seinem Aufgabenbereich, sondern auch die Sammlungen und Nachlässe betreute Heinrich Löber. Eine Vielzahl an Nachlässen wurde in dieser Zeit durch ihn oder auch durch die von ihm begleiteten Praktikant*innen und Projektkräfte bearbeitet. Jeden Nachlass beschrieb er mit kurzen Angaben zur Biografie sowie einer Bestandsinformation, die er auch an die „Zentrale Datenbank Nachlässe (ZDN)“ des Bundesarchivs weiterreichte. Ein großes Verdienst war auch die Erstellung von Findmitteln zu den Sammlungsbeständen (bspw. Plakate, Karten und Pläne, Siegel, Grafiken und Gemälde, Bilder und Fotos), die er mit Hilfe von Projektkräften bearbeitet hat.
In seiner Zeit ist die Homepage des Landeskirchlichen Archivs zu einer Service-Homepage gewachsen, auf der man nicht nur als Nutzerin und Nutzer gerne recherchiert, sondern auch als 
Heinrich Löber
Mitarbeiter und Mitarbeiterin der Landeskirche fündig werden kann. In vielen Termine hat er gemeinsam mit den zuständigen Mitarbeitenden des Zentrums für Kommunikation im EOK und Kolleginnen und Kollegen des Archivs die neue Homepage erstellt.
Mit Heinrich Löber verliert das Landeskirchliche Archiv einen engagierten Mitarbeiter, der den Kolleginnen und Kollegen mit seinem Wissen und seiner Hilfsbereitschaft immer zur Seite stand. Sein Einsatz war auch immer geprägt davon, das, was er begonnen hat, auch zu Ende zu bringen, so dass sein Name auch immer mit dem Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe verbunden sein wird. Das ist das Schöne am Archivar-Dasein, dass man immer etwas Bleibendes hinterlässt. Und das ist nicht wenig bei Heinrich Löber!
Wir sagen daher DANKESCHÖN und freuen uns auf weitere Treffen, denn wir Archivarinnen und Archivare sind ja immer in Kontakt miteinander!
 

Hilfe zur Selbsthilfe

Vivian Ritter schrieb am 11.09.2023
"Das Landeskirchliche Archiv berät und unterstützt die kirchlichen Rechtsträger bei der Schriftgutverwaltung, der Errichtung und Erhaltung ihrer Archive und bei der Archivierung.“ (Archivgesetz – ArchG, §5 (3),1)
Startfolie Onlineschulung How it works - Archivierung
Hinter diesem sperrigen Juristensatz verbirgt sich eine der Hauptaufgaben des Landeskirchlichen Archivs. Wir helfen allen kirchlichen Einrichtungen in Baden dabei, ihre Unterlagen zu sortieren, bewerten und zu archivieren. Dies kann durch persönliche Unterstützung vor Ort oder telefonische und schriftliche Beratungen erfolgen. 
Startfolie Onlineschulung How it works - Analoge Ablage
Wir leisten aber auch Hilfe zur Selbsthilfe. Seit Ende 2022 bieten wir mehrmals im Jahr verschiedenen Online-Schulungen zu diversen Themen der Schriftgutverwaltung an. Diese werden ab sofort von unsere kurzen Schulungsvideos ergänzt. Hier können sich Neueinsteiger*innen einen ersten Überblick über die Themen der analogen und digitalen Ablage und Archivierung verschaffen oder bereits erfahrene Mitarbeiter*innen ihr Wissen in diesen Bereichen auffrischen. 
 

In eigener Sache

Heinrich Löber schrieb am 8.09.2023
Schön war's. Danke!
Schön war's. Danke!
Nach fast 15 Jahren Dienst im Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche in Baden scheide ich nun aus und trete eine neue Arbeitsstelle an. Über zehn Jahre hatte ich die Benutzendenberatung und -betreuung inne, so dass ich mit zahllosen Menschen in Kontakt getreten und ihnen begegnet bin. Von ihnen möchte ich mich verabschieden. Ein besonderes Anliegen war mir, jedes an uns herangetragene Rechercheanliegen ernst zu nehmen und Wege aufzuzeigen, die im besten Falle zum Erfolg verhalfen.
Für mich ist dies ein Anlass, eine kleine Rückschau zu halten: Was ist in diesen Jahren für Sie als Nutzende an Wesentlichem passiert?
Zu nennen ist die Tiefenerschließung der reichlich 7.600 Kirchen- und Familienbücher. Sie mündete - neben dem Erstellen von Findmitteln - in der Digitalisierung und Veröffentlichung im Kirchenbuchportal sowie möglichen Einsichtnahme des Gesamtbestandes in unserem (digitalen) Lesesaal. Unser Archiv - und damit unsere Landeskirche - war übrigens von Anfang an (2015) im Kirchenbuchportal überdurchschnittlich stark vertreten und hatte bereits ein Jahr später seinen Gesamtbestand als erstes beteiligtes Archiv überhaupt geliefert.
Ostregal des Lesesaals
Das "Ostregal" des Lesesaals mit seinen bemerkenswerten Beständen der Ortsfamilien- und Pfarrerbücher
Des Weiteren ist der im Jahre 2021 gemeinsam mit der Landeskirchlichen Bibliothek in Betrieb genommene Lesesaal (vgl. Blogbeiträge von Anfang 2021) zu erwähnen. Damit ging ein jahrzehntelang gehegter Wunsch in Erfüllung. Und ein Archivbesuch lässt die Nutzenden seitdem in eine historische Aura eintauchen.
In der Präsenzbibliothek des Lesesaals ist für Archivnutzende das "Ostregal" von Belang, wo neben (territorial)kirchen- und familiengeschichtlicher Literatur die Bestände badisch-evangelischer Ortsfamilienbücher sowie evangelischer Pfarrerbücher wegen ihrer Vollständigkeit bemerkenswerte Instrumente sind. Sie sind über den Landeskirchlichen Bibliothekskatalog recherchierbar.
Viel Freude hatte ich an den von mir betreuten Deposital-, Sammlungs- und Nachlassbeständen. Der Bearbeitungsstand kann durch die in die Tektonik eingepflegten Onlinefindmittel auf unserer Homepage vollständig nachvollzogen werden.
Ich konnte also ein Stück weit am "Gedächtnis unserer Landeskirche" mitarbeiten, es gestalten und manch' Bleibendes hinterlassen. "Schön war's - Danke!"
 

Nachlass des Schwiegersohns von Landesbischof Kühlewein, Pfarrer August Wasmer, bearbeitet

Heinrich Löber schrieb am 28.08.2023
Die am 20.01.1997 durch Pfarrer Ulrich Schadt aus dem Pfarrarchiv der Luthergemeinde Karlsruhe per Depositalvertrag dem Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe übergebenen Unterlagen von Pfarrer August Wasmer (1895-1944) wurden zu einem Nachlass formiert und liegen nun bearbeitet vor.
Lutherkirche Karlsruhe (1938)
Lutherkirche Karlsruhe zur Zeit von Pfarrer August Wasmer (Postkarte mit Druck einer Federzeichnung von Herbert Menchau, 1938) [LkA KA, 154., Nr. 226/1]
Wasmer war ein Kind seiner Zeit: Wie zehntausende Andere meldete er sich 1914 als Kriegsfreiwilliger. Erst im November 1919 wurde er aus englischer Gefangenschaft entlassen. Nach den theologischen Examina (1922/23) trat Wasmer in den Dienst am Diakonissenhaus Karlsruhe, 1924 am Evangelischen Stift Freiburg. Im November 1924 begann er das Vikariat an der Christuskirche Freiburg, bevor Wasmer 1926 rezipiert wurde. 
Heiratserlaubnis Wasmer (Apr. 1927)
Heiratserlaubnis für Pfarrer August Wasmer mit "Frl. Hildegard Kühlewein, Tochter des Prälaten D. Kühlewein" durch den Evangelischen Oberkirchenrat: "Von einem Zeugnis für die Braut wird Abstand genommen, da sie hier wohl bekannt ist." (13.04.1927) [LkA KA, 2.00., Nr. 7213]
Ab Juni 1926 trat er zunächst als Pfarrverwalter und ab April 1927 schließlich als Pfarrer in Schweigern den Dienst an. Im November 1933 wechselte Wasmer an die Luthergemeinde Karlsruhe. Ab 1938 war er als Leutnant, dann als Kriegspfarrer in Weinsberg eingesetzt. Am 4.12.1944 kam August Wasmer beim Luftangriff auf Heilbronn ums Leben.
Aus seiner 1927 geschlossenen Ehe mit Hildegard geb. Kühlewein (1900-1994), einer Tochter von Landesbischof Julius Kühlewein, gingen vier Kinder hervor.
Der nun bearbeitete Nachlass besteht erwartungsgemäß aus pfarramtlichen Unterlagen:  Pfarrsynodalarbeit (1925); Predigten (1924-1939), Bibelstunden, Christenlehre, Passionsandachten sowie Kasualpredigten; aber auch Studienmitschriften (1919/20) sind vorfindlich. Die Erschließungsdaten sind in einem Onlinefindbuch veröffentlicht.
Als 19jähriger zog August Wasmer in den Krieg und kehrte erst über fünf Jahre später heim. Knapp zwanzig Jahre später war durch seinen Einsatz als Leutnant und Kriegspfarrer wiederum das Militär sein Arbeitsfeld. Tragischerweise wurde er selbst Opfer kriegerischer Handlungen. Inwieweit lassen die Nachlassunterlagen eine (theologische) Auseinandersetzung mit dem an der Front Erlebten erkennen? Reflektierte Wasmer in der Weimarer Republik als öffentliche Person darüber und ist eine kirchlich-theologische Haltung und/oder Konsequenz herauszulesen?
 

1,3 x 1,3 m Kirchengeschichte

Heinrich Löber schrieb am 21.08.2023
Arbeiterfahne Waldkirch
Vorderseite der Fahne des Evang. Arbeitervereins Waldkirch-Kollnau (1904) mit eingesticktem badischen Greif nach ihrer Restaurierung (Mai 2021)
Ein fast 120 Jahre altes, einen bemerkenswerten Umfang von 1,69 m2 aufweisendes textiles Stück Kirchengeschichte wurde unserer Landeskirche - und damit unserem Archiv - von der Evangelischen Kirchengemeinde Waldkirch Anfang des Jahres als Schenkung übereignet. Es handelte sich hierbei um die Fahne des 1891 gegründeten Evangelischen Arbeitervereins Waldkirch-Kollnau, die 1904 geweiht wurde. 2017 hatte man das Stück in den feuchten Kellerräumen des Pfarrhauses wiederentdeckt, seinen Wert erkannt und die beträchtlichen Schäden durch eine restauratorische Maßnahme beseitigen lassen.
Pfarrhaus Waldkirch
In den feuchten Kellerräumen des Pfarrhauses Waldkirch wurde die Fahne 2017 entdeckt (Bild: Sept. 1984) [LkA KA, 166., Nr. 1043]
Dem Anspruch auf eine fachgerechte Aufbewahrung konnte die Waldkircher Kirchengemeinde nicht genügen, daher wandte sie sich an uns. Aber auch unsere Möglichkeiten ergaben für ein derartiges Format keine zufriedenstellenden Mittel und Wege. Doch führten Verhandlungen mit den Kolleginnen und Kollegen des Landeskirchlichen Archivs Stuttgart zum Erfolg, nämlich die Aufbewahrung dieses Textils als Depositum ebenda. Damit fand sich eine gute, Landeskirchengrenzen überschreitende Lösung.
Die Geschichte des Evangelischen Arbeitervereins Waldkirch-Kollnau endete 1939/40. Nicht nur seine Fahne, sondern vor allem sein Zweck und seine Wirksamkeit sind bemerkenswert (vgl. Blog 'Württembergische Kirchengeschichte online').
 

Bestand 'Heinz-Kappes-Freundeskreis e.V.' zum 130. Geburtstag des Namensgebers erschlossen

Maximilian Tschan schrieb am 14.08.2023
Ausweis Heinz Kappes ausgestellt von der Regierung Palästinas (20.09.1945)
Ausweis von Heinz Kappes, ausgestellt von der Regierung Palästinas (20.09.1945) [LkA KA, 163.05., Nr. 164]
Nachdem im Februar 2022 in zweiter Bearbeitung der persönliche Nachlass von Heinz Kappes (1893-1988; Bestand 150.009) abgeschlossen wurde, konnte in den vergangenen Monaten der Bestand des Freundeskreises aus Stuttgart nun zu Kappes‘ 130. Geburtsjahr ebenfalls zu Akten formiert werden. Dieser besteht inhaltlich fast zur Hälfte aus Unterlagen zu dem indischen Yoga-Philosophen Sri Aurobindo (1872-1950), vor allem Vorträge, Aufsätze und Übersetzungsarbeiten. Des Weiteren bilden Familienkorrespondenzen und private Dokumente sowie Arbeiten als religiöser Sozialist und zum Rotary Club einen beachtlichen Teil des Bestands. Darüber hinaus sind Unterlagen zu den Anonymen Alkoholikern, Kappes‘ Zeit in Palästina sowie zu seiner Arbeit als Pfarrer vorfindlich.
Pforzheimer Kurier (Ausschnitt v. 21.07.1988)
Pforzheimer Kurier mit geschichtlichem Rückblick zum Tod von Kappes (Ausgabe v. 21.07.1988) [LkA KA, 163.05., Nr. 127]
Der Heinz-Kappes-Freundeskreis wurde 1992, vier Jahre nach Kappes‘ Tod, in das Handelsregister eingetragen, aus welchem es jedoch 2021 gelöscht wurde. Die Homepage ist ebenfalls nicht mehr aktiv. 
Karten und Pläne wurden herausgelöst und dem Bestand 156. hinzugefügt. Dort bilden sie die Signaturen 2475-2478. Gleiches gilt für Fotos und Bilder, welche ebenso herausgelöst wurden und im Bestand 154. die Signaturen 1561/62 bilden.
Die schweizerische religiös-sozialistische Zeitschrift „Neue Wege“ wurde in diesem Sammlungsbestand beibehalten, da diese ansonsten lediglich in Boppard (Archiv evang. Kirche Rheinland) nachgewiesen ist.
Heinz Kappes hatte ein bewegtes Leben mit etlichen Stationen im In- und Ausland, welches durch den Freundeskreis festgehalten wurde, um zukünftigen Generationen einen Einblick zu gewähren. Das Findbuch ist auf unserer Homepage veröffentlicht.
 

Alle fünf evangelische Pfarrarchive aus Rheinfelden sind erschlossen

Anna Ohnmacht schrieb am 7.08.2023
Bereits 1523 verbreitete der Theologe Johann Eberlin von Günzburg (1470-1533) erstmals den reformatorischen Gedanken unter der Bevölkerung Rheinfeldens, allerdings blieb Rheinfelden durch die österreichische Herrschaft genuin katholisch. Erst im 19. Jahrhundert formierten sich wieder Protestanten in Rheinfelden. 1820 wurden die ersten evangelischen Gottesdienste im Schloss Beuggen gefeiert. 
Pfarrarchive Rheinfelden
Evangelisches RHEINFELDEN - 5 Archive, 9 Laufmeter, 517 Akten ergaben 7 Monate Arbeit
1899 gründete sich die evangelische Diasporagenossenschaft mit eigener Pastorationsstelle, 1903 erlangte die Kirchengemeinde schließlich ihre Selbständigkeit mit eigener Pfarrei. 
Acht Jahre später wurde die Christusgemeinde gegründet. Im Laufe der Jahrzehnte errichtete man weitere Pfarrstellen in Rheinfelden: 1957 kam die Pfarrstelle II mit Dienstsitz in Beuggen hinzu, welche seit 1974 als Johannesgemeinde gilt. 1959 errichtete man die Pfarrstelle III, die heutige Pauluspfarrei. 1981 wurde der Ortsteil Herten in die Kirchengemeinde eingemeindet, wo man 1983 die Pfarrstelle IV, genannt Petruspfarrei, einrichtete. 
Nach gut sieben Monaten ist die Kirchengemeinde Rheinfelden nun fertig bearbeitet und das Archiv kann somit in die einzelnen Pfarrgemeinden zurückgebracht werden. 
Die Bearbeiterin hat in dieser Zeit fünf einzelne Archive erschlossen: Die einzelnen Pfarrgemeinden (Christus, Johannes, Paulus und Petrus) und die Gesamtkirchengemeinde. Insgesamt sind dies gut 9 laufende Meter mit 517 Verzeichnungseinheiten. Vor allem die Bauunterlagen machen einen großen Teil der Bestände aus.  
Die Findmittel dieser fünf Bestände stehen fortan zur Verfügung und sind online recherchierbar.
 

Eine Gemeinde hält zusammen

Vivian Ritter schrieb am 31.07.2023
Heiliggeistkirche Weißenstein
Heiliggeistkirche nach ihrem Wiederaufbau 1951 [LkA KA, 044. Dillweißenstein, Nr. 56]
Am Nachmittag des 24. Dezembers 1944 traf eine Fliegerbombe den Pforzheimer Stadtteil Weißenstein. Das eigentliche Ziel, die ansässige Papierfabrik, wurde dabei verfehlt. Stattdessen zerstörte die Bombe einige Häuser sowie die im Jahr 1783 erbaute Kirche. Ein Mann kam durch herabfallende Trümmerteile ums Leben. Lediglich der Turm blieb in einem desolaten Zustand erhalten. Auch der 400 Jahre alte Taufstein und der Grabstein des 1717 verstorbenen Huchenfelder Pfarrers Johann Jacob Rothenbach überstanden den Angriff. Letzterer wurde aus Denkmalschutzgründen 1948 in die Schlosskirche verlegt.
Da die Pforzheimer Innenstadt im Februar 1945 ebenfalls von Bomben getroffen und dabei fast vollständig zerstört wurde, konnte die Pforzheimer Kirchengemeinde den kleinen Stadtteil nicht finanziell unterstützen.
Schreiben an die Papierfabrik Weißenstein
Schreiben der Evang. Gemeinde an die Papierfabrik Weißenstein A.G. (6.11.1948) [LkA KA, 044. Dillweißenstein, Nr. 56]
Allerdings ließen sich die Weißensteiner nicht unterkriegen. Bereits im Frühjahr 1948 begannen Holzfällerarbeiten für den Wiederaufbau der Kirche. Im Sommer trugen die Ehrenamtlichen und Freiwilligen hunderte Kubikmeter Schutt ab. Unterstützung in Form von Lebensmitteln erhielten sie dabei von ehemaligen Bürgern, welche in die USA emigriert waren. Die Finanzierung der Arbeiten wurde durch die Währungsreform wiederum erschwert. Im November 1948 schrieb Pfarrer Gustav Sittig (1896-1990) an den Vorstand der Papierfabrik: „[…] Da allgemein die Meinung vorherrscht, dass die Bomben, die unsere Kirche zerstört haben, eigentlich der Papierfabrik zugedacht waren, halten wir es nicht für unangebracht, wenn wir hiermit die Papierfabrik Weissenstein A.G. bitten, sie wolle uns beim Wiederaufbau unserer Weißensteiner Kirche ihre Hilfe leihen und uns die Geldmittel für die oben angeführten Arbeiten zur Verfügung stellen. […]“. Es scheint, dass die Papierfabrik einwilligte und die Gemeinde unterstützte.
Die Nachricht, dass die Gemeinde den Wiederaufbau ihres Gotteshauses unter diesen schwierigen Umständen trotzdem vorantrieb, brachte den Evangelischen Oberkirchenrat dazu, der Gemeinde ein Darlehen von 20.000 DM zu gewähren.
Am 5. Oktober 1951 waren die Rohbauarbeiten so weit abgeschlossen, dass die Gemeinde ihr Richtfest feiern konnte und am 11. Februar 1951 der Innenausbau abgeschlossen wurde. Eine Urkunde, welche die bewegende Geschichte des Weißensteiner Kirchenwiederaufbaus erzählt, wurde in das Fundament des Altars eingelassen.
 

SIEGEL - 1443 Erschließungsdatensätze und 81 Abbildungen online

Heinrich Löber schrieb am 24.07.2023
Siegel der Jonagemeinde Mannheim mit Lutherrose
"Großsiegel" (∅ 35 mm) der Jonagemeinde Mannheim mit Lutherrose [LkA KA, 160., Nr. 1048]
Ein weiteres Findmittel eines Sammlungsbestandes, nämlich das der Siegelsammlung (Bestand 160.) mit ihren 1443 Erschließungsdatensätzen und 81 Abbildungen, wurde veröffentlicht.
Siegel wird definiert als ein Abdruck, der mittels eines individuell gestalteten Stempels hergestellt wird und als rechterhebliches Zeichen des Siegelführers für die Echtheit, Unversehrtheit oder Gültigkeit eines Sachverhalts oder einer Willensbekundung eintreten soll (Toni Diederich).
Großsiegel der Nordpfarrei Heidelberg-Handschuhsheim
Ovales "Großsiegel" der Nordpfarrei Heidelberg-Handschuhsheim mit einem Strahlenkreuz [LkA KA, 160., Nr. 456]
Warum hat unser Archiv so viele Siegel? Sobald eine landeskirchliche Einrichtung ein Siegel nicht mehr verwendet, muss es dieses an uns abgeben, damit im Zweifelsfall die Echtheit eines Siegels (oder anderen Beglaubigungsmittels) nachgewiesen werden kann. Durch die erheblichen Strukturreformen in unserer Landeskirche erhält diese Sammlung einen dementsprechenden Zuwachs.
Neben ihrer "Rechtserheblichkeit" erweisen sich Siegel aber auch als ein Quellentyp eigener Art, der einen hohen Aussagegehalt besitzt. Allein durch ihre Bildmotive besitzen sie einen hohen Quellenwert, durch den man zu unerwarteten Erkenntnissen gelangen kann, die auf anderem Wege manchmal nicht zu gewinnen sind.
 

Blumen im Pfarrarchiv

Mareike Ritter schrieb am 17.07.2023
Herbarium in einem Rechnungsband des 19. Jahrhunderts im Pfarrarchiv Unteröwisheim
Herbarium in einem Rechnungsband des 19. Jahrhunderts im Pfarrarchiv Unteröwisheim
Bei einer Pfarrarchivpflege konnte vor einiger Zeit wieder einmal ein kurioser Fund gemacht werden. Im Rahmen der Pfarrarchivpflege in Unteröwisheim wurden Rechnungsbände sortiert und dabei zugleich etwas gesäubert. Dabei stellte sich bei einem Rechnungsband aus dem frühen 19. Jahrhundert ein weiterer Nutzungszweck heraus. Denn dieser wurde zum Pressen von Blumen und Blättern genutzt. Die Blumen haben dabei richtige Abdrücke im Papier hinterlassen. Von wann die Blumen stammen, lässt sich leider nicht mehr feststellen. Es zeigt sich aber, dass ein früherer Pfarrer wohl mehr Interesse an der Botanik als am Rechnungswesen hatte.
 

Zweieinhalbtausend Karten- und Planwerke recherchierbar

Heinrich Löber schrieb am 10.07.2023
Situations- und Grundplan des Pfarrhauses Bargen (1844)
Situations- und Grundplan des Pfarrhauses Bargen (1844) [LkA KA 156., Nr. 146]
Mit Stand von Juli 2023 wurden etwa 2.600 Karten- und Planwerke in 2478 Motiven erschlossen, die eine Gesamtlaufzeit von 1752 bis 2023 aufweisen. Durch ein Online-Findmittel ist dieser bedeutende Bestand 156., Karten und Pläne, seit heute recherchierbar.
Stadtplan von Jerusalem (1845)
auf Leinen gezogener Stadtplan von Jerusalem (1845) [LkA KA, 156., Nr. 2478]
Zahllose weitere Karten und Pläne sind allerdings unerschlossen, aber im Wortsinn "planmäßig" aufbewahrt, um bestandserhalterischen Ansprüchen Genüge zu tun. Über diese als archivwürdig bewerteten, unerschlossenen Karten- und Planwerke gibt es ein (nur unveröffentlichtes) Verzeichnis.
Insgesamt handelt es bei diesem Sammlungsbestand vorwiegend um Baupläne kirchlicher Gebäude aus dem Kirchenbauamt, nicht selten herausgelöst aus Spezialakten. Aber auch Karten und Pläne unterschiedlicher Gattungen sind vorfindlich, z. B. Landkarten (zumeist für den Lehrbetrieb), Stadtpläne, Gemarkungspläne und -bücher, Bebauungspläne und Liegenschaftspläne. Die Provenienz ist - soweit bekannt - aufgeführt.
Plan von Jerusalem mit Mülheimer Krankenhaus-Bibliotheksstempel (1845)
Rückseite mit Mülheimer Krankenhaus-Bibliotheksstempel sowie den beiden Aufhängern [LkA KA, 156., Nr. 2478]
Ein besonderes Stück tauchte in Bestand 163.05., Heinz-Kappes-Freundeskreis Stuttgart e.V., auf: Ein auf Leinen gezogener und mit zwei Aufhängern versehener Stadtplan von Jerusalem aus dem Jahre 1845 (55 cm x 71 cm). Merkwürdigerweise weist er einen Bibliotheksstempel "Krankenhaus Mülhiem [sic!] (Ruhr)" auf. Welche Wege mag er zurückgelegt haben?
Reichlich ein Dutzend Karten und Pläne sind zudem digital hinterlegt und in o. g. Findmittel abgebildet.
Es handelt sich hierbei um einen offenen Sammlungsbestand, denn er erfährt fortwährend Zuwachs.
Die größtenteils überformatigen Originalpläne können nur im Lesesaal vorgelegt werden.
 

Verstärkung für das Projekt

Jana Sänger schrieb am 28.06.2023
Jana Sänger
Jana Sänger an ihrem vor zehn Tagen bezogenen Arbeitsplatz im Oberkirchenrat
Seit Anfang Mai 2023 ergänze ich, Jana Sänger, das jetzt wieder vierköpfige Team des landeskirchlichen Projekts „Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive“.
Ich habe vor zwei Jahren meinen Bachelor in Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Mannheim absolviert und mache im Juli den Master im Fach Geschichte.
Bereits während meiner Studienzeit arbeitete ich im Universitätsarchiv Mannheim. Dort habe ich wertvolle Erfahrungen im Umgang mit historischen Dokumenten gesammelt und mein Interesse an Archivarbeit vertieft. Ich freue mich sehr auf mein neues Arbeitsumfeld und darauf, neue Erfahrungen zu sammeln und zum Gelingen des Projekts beizutragen.
 

Abschied aus der Paul-Gerhardt-Kirche

Andreas Müller schrieb am 21.06.2023
Über eine Bühne wurde der Auszug bewerkstelligt
Über eine Bühne wurde der Auszug bewerkstelligt (19. Juni 2023)
Mit dem 19. Juni 2023 hat das landeskirchliche ‚Projekt zur Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive‘ die Räumlichkeiten der Paul-Gerhardt-Kirche in Karlsruhe-Beiertheim verlassen und ist in das Hauptgebäude des Evangelischen Oberkirchenrats in die Blumenstraße gezogen, in dem sich auch das Landeskirchliche Archiv befindet.
Vorderansicht Paul-Gerhardt-Kirche
So schön präsentiert sich die Paul-Gerhardt-Kirche
Der Abschied aus der Paul-Gerhardt-Kirche fiel uns Kolleginnen und Kollegen allerdings nicht leicht. An der Alb zwischen Schatten spendenden Bäumen in einem ruhigen Wohngebiet gelegen beheimatete die Kirche das Projekt und seine Mitarbeitenden seit 2018 (vgl. Blogbeiträge vom Okt. 2018). Eine Kollegin ist von Anfang an dabei, die anderen kamen im Laufe der Zeit hinzu. Einige Kolleginnen und Kollegen begleiteten das Projekt auch nur ein Stück weit.
Der Kontakt mit den Mitarbeitern der Gemeinde war dabei durchweg ein positiver. Für die Unterstützung und das gute Miteinander über die Jahre möchten wir uns auch an dieser Stelle noch einmal herzlich bei der Südkreuzgemeinde Karlsruhe bedanken.
das leer gezogene Hebel-Zimmer
Einer der beiden leergezogenen Diensträume
Aus dieser idyllischen Lage in Beiertheim ging es nun in die geschäftige Karlsruher Innenstadt. Einiges wird sicher einfacher werden, da beispielsweise lange Dienstwege quer durch Karlsruhe zukünftig entfallen. Andere Dinge, wie das Be- und Entladen der Pfarrarchive an der belebten Blumenstraße, dürften sich im Vergleich mit der Paul-Gerhardt-Kirche weniger angenehm gestalten.
Letztlich wird sich aber in den nächsten Tagen und Wochen ein neuer Arbeitsalltag herausbilden, denn an der Arbeit mit den und für die Pfarrämter wird sich nichts ändern.
 

Über 80 Jahre danach: Zum Einsatz von Religionslehrern in der NS-Zeit

Zoe Werner schrieb am 25.05.2023
Stundenplan Konkordien Mannheim
Einsatzstundenplan der Konkordiengemeinde Mannheim für das Schuljahr 1939/40, ausgefüllt von Vikar Herbert Walter (1912-1990) [LkA KA, GA 7371]
Es hat über acht Jahrzehnte gedauert, bis ein 30 cm hoher Stapel mit Schriftstücken über den tatsächlich erteilten Religionsunterricht für die Jahre 1935 – 1942 endlich zu Akten formiert wurden. Diese Unterlagen haben ihre Provenienz bei der (durch die NS-Behörden eingesetzten) Finanzabteilung beim Oberkirchenrat.
Der Religionsunterricht unterlag der Kirche. Dieser wurde nach 1933 von den Nationalsozialisten von sechs Wochenstunden auf eine „nötige“ Anzahl heruntergekürzt. Durch die zunehmend kirchenfeindliche Haltung der Politik setzte der Staat immer mehr Religionslehrer ab, um diese durch staatliche Lehrer zu ersetzen. Das erregte den Widerstand der Kirche. Um diesem entgegenzuwirken, verlangten die staatlichen Stellen auch von den Religionslehrern ein Treuegelöbnis auf Adolf Hitler.
Ab 1937 wurde der Religionsunterricht schließlich auf die Randstunden verlegt und in höheren Klassen sogar ganz eingestellt. Die Proteste der Kirche verliefen zunehmend ins Leere und die NS-Behörden gingen rigoros vor: Zeugnisnoten des Religionsunterrichts wurden auf Extrablätter ausgegeben und für Pfarrer wurden Unterrichtsverbote eingeführt; in Lehrpläne wurde eingegriffen, indem das Alte Testament nicht mehr unterrichtet werden durfte, da es als „veraltet“ galt.
Bericht des Bevollmächtigten der FA Mannheim
Bericht des Bevollmächtigten der Finanzabteilung Mannheim an die FA beim Oberkirchenrat über den Unterricht im Alten Testament (10.01.1939) [LkA KA, GA 7371]
Zudem wurden nicht selten Klassen zusammengelegt, woraus sich enorme Klassengrößen ergaben. Der Schriftverkehr mit dem Kultusministerium durfte nur noch über die 1938 installierte Finanzabteilung beim Evangelischen Oberkirchenrat geschehen. Die Kirchenleitung versuchte sich gegen all' diese Auflagen zu wehren, v. a. gegen die Verdrängung des Religionsunterrichts an den Rand beziehungsweise gänzlich aus den Schulen.  Diese rigide Politik dauerte bis zum Ende der nationalsozialistischen Herrschaft.*
Im Rahmen meiner FAMI-Ausbildung durfte ich ein 14tägiges Praktikum im Landeskirchlichen Archiv in Baden absolvieren. Während dieser Zeit habe ich die losen Unterlagen über den tatsächlich erteilten Religionsunterricht von 1935 – 1942 nach Kirchenbezirken sortiert und anschließend in bereits vorhandene Generalakten (GA 7254, 7350-7386) verzeichnet oder zu neuen GAs (GA 15252-15255) formiert. In Baden gab es damals 28 Kirchenbezirke. Die losen Unterlagen wurden in Stapeln und nach Datum sortiert, sodass das älteste Datum die erste Seite der Akte bildet. Während des Vorgangs habe ich gelernt, wie man eine Akte aufbewahrt, damit diese möglichst lange erhalten bleibt, wie man eine neue Akte erstellt und wie man einzelne Unterlagen in bereits bestehende Akten (nach)verzeichnet.
 
* Vgl. Udo Wennemuth: Religionsunterricht in Baden 1933-1945. In: Bildatlas zur badischen Kirchengeschichte 1800-2021. Ubstadt-Weiher u. a. 2021, S. 199.
 

Die Gegenwart bildet die Zukunft – Abschließende Nachverzeichnung des Nachlasses von Pfarrer und Kirchenrat Hans Herrmann

Maximilian Tschan schrieb am 4.05.2023
Reisepass von Pfarrer Hans Herrmann (1932)
Reisepass von Vikar Hans Herrmann (ausgestellt 17.08.1932) [LkA KA, 150.104, Nr. 60]
Nun ist es vollbracht. Nach mehrmaliger Bearbeitung wurde der Nachlass von Landesjugendpfarrer und Kirchenrat Hans Herrmann (1907-2014), übergeben von Witwe Ingeborg Herrmann (2015) sowie Sohn Hans Jürgen Herrmann (2019), im April 2023 vollständig bearbeitet und damit für die Nutzung fertiggestellt. Besonders präsent ist dabei das Engagement Herrmanns für die Kirchenjugend, um die er sich schon in frühesten Jahren bemühte.
Hans Herrmann wurde am 14.07.1907 in Wilferdingen als Sohn des Pfarrers Adolf Herrmann und dessen Frau Adelheid geb. Calvino als drittes von sieben Kindern geboren. Nach seinem Theologiestudium in Bethel, Tübingen, Erlangen und Heidelberg, während dem er bereits ehrenamtlich als Landeswart im Bund Deutscher Bibelkreise (BK) tätig war, folgten von 1931 bis 1933 Anstellungen als Vikar in Karlsruhe, Durlach und Bruchsal. Anschließend trat er seine erste Pfarrstelle in Sulzfeld an, welche er bis 1946 innehatte. Dabei widmete er sich auch der Geschichte Sulzfelds. 1935 heiratete er in Bethel seine erste Frau, Elisabeth geb. Ehmann. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Wie viele seiner Kollegen musste auch Hans Herrmann im Zweiten Weltkrieg als emotionaler Rückhalt für seine Gemeinde dienen, was auch anhand der überlieferten Feldpostbriefkorrespondenz und in Sulzfeld gehaltenen Gedächtnisgottesdienste deutlich wird. Von 1946 bis 1955, das Jahr, in welchem seine Frau verstarb, war er als Landesjugendpfarrer in Karlsruhe tätig, und engagierte sich somit wiederum um die evangelische Jugend. Im Anschluss war Herrmann als Direktor des Evangelischen Seminars für Wohlfahrtspflege und Gemeindedienst bis 1968 in Freiburg. Parallel dazu hatte er von 1961 bis 1967 den Vorsitz der Evangelischen Jugend Deutschland inne.
Einladung zur 70jährigen Jubiläumsfeier des Bibellandheims Brandmatt (1997)
Einladung zur 70jähr. Jubiläumsfeier des Bibellandheims Brandmatt (1997) [LkA KA, 150.104, Nr. 121]
Als Kirchenrat und Hauptgeschäftsführer des Diakonischen Werks Baden wurde er erneut nach Karlsruhe berufen, wo er bis 1976 verweilte. In jener Zeit heiratete er seine zweite Frau Ingeborg geb. Gunkel; aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Nach seiner Arbeit im Diakonischen Werk trat Hans Herrmann 1976 in den Ruhestand ein, welchen er ab 1980 in Spielberg/Karlsbad verbrachte, wo er schließlich am 3.04.2014 hochbetagt verstarb.
Der vorhandene Nachlass besteht zu einem Großteil aus persönlichen Unterlagen (Briefe, Postkarten, Zeitschriften), Predigten, weiteren Arbeitsbereichen wie die Bibelwochen, Konfirmandenarbeit und dem Badischen Bibellandheim Brandmatt, seinen Aufgaben im Zweiten Weltkrieg (Feldpost, Gedächtnisgottesdienst) sowie einigen Aufsätzen seines Vaters Adolf Herrmann (1870-1930). Des Weiteren beinhaltet der Nachlass Unterlagen aus Herrmanns Studienzeit, sowie Pfarramtskalender, Materialien zu den Hugenotten und Waldenser, weitere Arbeitsbereiche (EJD, Seniorenkonvent Karlsruhe, Diakonie, Theologendienst) sowie gesammelte eigene Vorträge.
Der Nachlass „Hans Herrmann“ (Bestand 150.104) kann nun im Findmittel online recherchiert und im Lesesaal eingesehen werden. Allerdings wurden die darin enthaltene Bildwerke in den Bestand 154., Fotos und Bilder, aufgenommen (vgl. Findbuch).
 

Erster kollegialer Brückenschlag

Heinrich Löber schrieb am 27.04.2023
Die Sachgebiete des Stuttgarter Archivs werden vorgestellt
Michael Bing stellt einen Teil der Sachgebiete des Stuttgarter Landeskirchlichen Archivs vor
Es ist entschieden: Die Archive und Bibliotheken der badischen und württembergischen Landeskirchen fusionieren. Doch wer eine Verbindung eingehen will, sollte sich gut kennen.
Zahlreiche Gespräche und Austausche haben auf Leitungs- und Fachebene bereits stattgefunden. Nun folgte am 20. April ein "Kennenlerntag" in Stuttgart, zu dem die Kolleg*innen des Landeskirchlichen Archivs Stuttgart und der Evangelischen Hochschul- und Zentralbibliothek Württemberg (EHZ) die Kolleg*innen des Landeskirchlichen Archivs und der Landeskirchlichen Bibliothek Karlsruhe eingeladen hatten.
Nach einer Begrüßung durch den Referatsleiter Dr. Claudius Kienzle und einer Vorstellungsrunde gab die Möhringer Standortleiterin Sabine Susanne Kreitmann eine Führung durch die Präsenz- und Freihandhandbereiche sowie Magazine der Bibliothek. Dr. Johannes Grützmacher, Sachgebietsleiter des Archivs, zeigte die Magazine des Archivs. Dabei ergaben sich bereits etliche erhellende Einblicke in das Alltagsgeschäft der württembergischen Kolleg*innen.
Baustelle des Erweiterungsbaus des Landeskirchlichen Archivs Stuttgart
Die Kolleginnen und Kollegen werfen einen Blick auf die Baustelle des Erweiterungsbaus
Anschließend stellten die gastgebenden Mitarbeitenden ihre Arbeitsbereiche mit Impulsreferaten vor. Dabei hat die Vielfalt und Leidenschaft sowohl des archivarischen als auch bibliothekarischen Handelns "uns Badener" sehr beeindruckt. Ein Mittagsessen und Austausche in "Fachgruppen" folgten.
Den Abschluss bildeten eine Besichtigung der Baustelle des Magazin-Erweiterungsbaus (für weitere 15 Laufkilometer), ein Kaffeetrinken sowie ein Schlußwort von Dr. Kienzle und Feedback-Wortmeldungen der Teilnehmenden den Abschluß.
Wir Badener sind erfüllt und kenntnisreicher zurückgereist und nun gespannt, was die Zukunft bereit hält. Gewiß aber ist: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ..." (Hermann Hesse).
 

Ich kenne den Schwarzwald nur aus Bildern von Hans Thoma

Andreas Müller schrieb am 20.04.2023
Programm der Sommermusik Babelsberg 7.07.1963
Durch den Künstler Ernst Grunwald illustriertes Programm der Sommermusik der Kirchengemeinde Potsdam-Babelsberg am 7.07.1963 [LkA KA, 044. Rinklingen, Nr. 51]
Am Sonntag, den 7. Juli 1963, schrieb der Kunstmaler und Grafiker Ernst Grunwald (1894-1972) aus der DDR an Pfarrer Konstantin Mudrack (1931-2001) in Rinklingen, einem Stadtteil Brettens. Rinklingen war die Patengemeinde brandenburgischen Kirchengemeinde (Potsdam-)Babelsberg, der Grunwald angehörte. Beide Gemeinden hatten zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahren regen Kontakt in Form von Briefwechseln, Besuchen und Paketen, die „nach drüben“ geschickt wurden. Kaffee, Tee, Schokolade, Pudding und Damenstrümpfe wurden besonders gerne versandt, wie sich erhaltenen Listen entnehmen lässt.
Grunwald schildert in seinem Brief den Verlauf einer beschaulichen Gemeindeveranstaltung, einer sommerlichen Musik, die an ebenjenem etwas kühlen, aber klaren Sonntag hinter dem Gemeindehaus stattgefunden hatte. Damit der Rinklinger Pfarrer sich ein Bild von der Veranstaltung machen könne, hatte Grunwald ein Programm beigefügt. Neben der Musik wurden u. a. auch Verse von Christian Morgenstern und Friedrich Rückert vorgetragen.  Natürlich hatte es sich der Grafiker nicht nehmen lassen, noch einige Skizzen hinzuzufügen, die von seinem Talent zum Zeichnen zeugen. Zwei der Abgebildeten würde der Pfarrer wohl aus seinem Besuch vom Vorjahr noch erkennen. Da lediglich zwei der drei Porträts benannt sind – Pfarrer Kambach auf der rechten und Kantor Albrecht auf der linken Seite – spielt Grunwald wahrscheinlich auf diese beiden an.
Abgeschlossen wird der Brief mit einem regelrechten Fragenkatalog. Wie dem Pfarrer der Gemeinderaum gefallen habe, ob Grunwald Bilder aus dem Inneren der Rinklinger Kirche erhalten könne, da er ein Interesse an Altären und Kirchenfenstern habe oder ob der Pfarrer einen benachbarten Lektoren kenne, um nur einiges zu nennen. Die Aussage, Grunwald kenne den Schwarzwald nur aus Bildern von Hans Thoma, erinnert derweil an eine Zeit, in der das freie Reisen innerhalb Deutschlands nicht möglich war.
In seiner Alltäglichkeit ist der Brief ein spannendes historisches Zeugnis. Es zeigt, wie Gemeindeleben in der DDR aussah. Kultur wurde gepflegt und gelebt. Das Interesse am „andern Deutschland“ war ebenfalls groß. Den Kontakt zwischen den Gemeinden und Gemeindegliedern zu vermitteln, ist indes als Leistung der Kirche anzuerkennen.
 

Gedächtnis an gefallene Gemeindeglieder

Vivian Ritter schrieb am 10.04.2023
Lebenslauf Hermann Bühn, der im I. Weltkrieg gefallen ist
Vom Pfarrer verfasster Lebenslauf von Hermann Bühn [LkA KA, 044. Oberöwisheim, Nr. 191]
Während des I. Weltkriegs verloren viele Millionen Menschen ihr Leben. Die Erinnerungen an sie verblassten in den letzten 100 Jahren nach und nach.
Pfarrer Schweikhart (1875-1945; 1910-1926 Pfarrer in Oberöwisheim) gedachte den gefallenen Gemeindegliedern bei Gottesdiensten und erzählte über deren Leben. Übrigens wurde der Pfarrer selbst Weltkriegsopfer: In den letzten Kriegstagen starb er bei einem Luftangriff auf Gochsheim am 7. April 1945.
Diese Lebensläufe sind im Pfarrarchiv vorhanden. Ein Beispiel ist der Lebenslauf von Hermann Bühn aus dem Jahr 1917:
Lebenslauf
Unser entschlafener christl. Mitbruder Hermann Friedrich Bühn wurde hier geboren am 8. Jan. 1894 und am 16. dess. Mts. & Js. dem dreieinigen Gott in der hl. Taufe übergeben. Seine Eltern sind der hiesige Bürger & Maurer Karl Bühn & dessen + erste Ehefrau Christine geb. Knosp.
Vom 6.–14. Lebensjahr besuchte der Entschlafene die hiesige Volksschule & wurde am Sonntag Judika, den 5. April 1908, in dieser Kirche konfirmiert. Nach seiner Schulentlassung diente er 2 Jahre lang hier im Gasthaus zum Schwanen, dann arbeitete er an verschiedenen Orten als Hausknecht, zuletzt in Trebur bei Mainz.
Von dort wurde er am 5. Juli 1915 nach Darmstadt zum Militär einberufen. Nach einigen Wochen kam er auf den Truppenübungsplatz Grießheim bei Darmstadt & nicht lange darauf ins Feld auf den westlichen Kriegsschauplatz, wo er der 3. Komp. des Inf.-Reg. Ner 398 zugeteilt wurde.
Seite 2 des Lebenslaufes von Hermann Bühn
Seite 2 des Lebenslaufes von Hermann Bühn (gef. 17.09.1917) [LkA KA, 044. Oberöwisheim, Nr. 191]
Es ging ihm nach seinen eigenen Berichten immer ganz gut, obwohl er viele & schwere Kämpfe mitmachte. Nach der Ernte bekam er einen längeren Urlaub, den er z. T. hier bei seinen Eltern, z. T. in Trebur bei seinem letzten Dienstherrn & Arbeitgeber verlebte. Kaum war er wieder zu seiner Kompagnie zurückgekehrt, so wurde er am 31. August an Ober- und Unterschenkel schwer verwundet. Am 3. Sept. wurde er ins Feldlazarett 173 eingeliefert, von wo er unterm 4. & 11. zweimal mit eigener, allerdings zitternder Hand an seine Eltern kurz über sein Befinden schrieb. Auf eine von mir an den Chefarzt des Lazaretts gerichtete Anfrage wurde unterm 17. Sept. folgende Antwort gegeben: „Der Musketier Bühn ist durch rechtsseitigen Oberschenkelschußbruch mit totaler Zersplitterung des Knochens schwer verwundet. Die Wunden sehen jetzt ganz gut aus. Aber er hat seit mehreren Tagen eine linksseitige Lungenentzündung dazu bekommen & leidet an schweren Durchfällen. Unter diesen Umständen ist leider die Hoffnung, daß er mit dem Leben davonkommt, gering. Es tut mir sehr leid. Denn er ist einer meiner liebsten Patienten. Es geschieht natürlich für ihn alles, was nur getan werden kann.“
Noch am gleichen Tag, an welchem sein Arzt mir diesen Brief schrieb, ist der Patient seinem Leiden erlegen. Am Dienstag, den 18. Sept., traf die […] Nachricht ein, daß Hermann am 17. Abends sanft entschlafen sei. Erst einige Tage darauf traf der vorhin erwähnte Brief des Oberarztes ein, fast gleichzeitig mit einem Schreiben des Lazarettinspektors, in dem die näheren Umstände des Todes angegeben sind. Es heißt darin: „Er wurde am 3. Sept. schwer verwundet am rechten Oberschenkel eingeliefert. Es trat eine schwere Lungenentzündung hinzu, welche wohl der Hauptgrund seines Todes war. Der Pfarrer spendete ihm den letzten Segen. Sein Grab befindet sich in Pierrepont auf dem Soldatenfriedhof unter Nr. 140, welches von Kameraden hübsch geschmückt wird. So ruht also seine sterbliche Hülle inmitten vieler Kameraden zwar in fremder, aber in geweihter Erde & schlummert dem großen Auferstehungsmorgen entgegen. Am 28. Sept. erhielt die Eltern des Entschlafenen das eiserne Kreuz II. Klasse, welches ihrem Sohne nicht mehr ausgehändigt werden konnte. In dem Begleitschreiben heißt es: „Er war schon früher zu der Auszeichnung eingereicht, leider war es ihm nicht vergönnt, die Freude noch zu erleben. Die Komp. bedauert sehr den Verlust seines so lieben & braven Kameraden.“ Seine irdische Wallfahrt brachte der Entschlafene auf 23 Jahre, 8 Monate und 9 Tage. Er ruhe in Frieden & und das ewige Licht leuchte ihm!
 

Für derartige Momente ist man Archivar*in: 194 Jahre altes Standesbuch aufgetaucht

Heinrich Löber schrieb am 3.04.2023
Herausgerissene Seiten und massiver Schimmelbefall
Ein erbärmliches Erscheinungsbild der in einem Sulzfelder Haus gefundenen Doppel-Schrift der evangelischen Stadtgemeinde Karlsruhe 1829-1832: Herausgerissene Seiten und massiver Schimmelbefall .
Es war wie es im Buche steht. In der letzten Woche erreichte unser Archiv ein Paket mit der Kartonaufschrift "Danke für Ihren Einkauf" (in verschiedenen Sprachen). Absender: Eine Privatperson aus Sulzfeld.
Natürlich haben wir es geöffnet. In einer Plastiktüte eines Turnschuhgeschäfts fand sich ein "Buch". Im Anschreiben hieß es: Bei Umbauarbeiten in einem [...] älteren Bauernhaus [...] habe ich unter sehr altem Stroh versteckt ein Buch gefunden. Der Zustand des Buches ist nicht gut und ich kann die Sütterlin Schrift nicht lesen, denke aber, dass es sich um ein Kirchenbuch handelt [...]. Damit lag der aufmerksame Mitbürger goldrichtig: Das Buch stellte sich als 'Doppel-Schrift der evangelischen Gemeinde der Residenz-Stadt Karlsruhe' der Jahre 1829-1832 heraus.
Lose Blätter
Doppel-Schrift der evangelischen Stadtgemeinde Karlsruhe 1829-1832: Was hat dieses Buch wohl alles erlebt?
Es handelt sich bei dieser Gattung um Zweitschriften der Kirchenbücher der evangelischen, katholischen und israelitischen Gemeinden, die im Großherzogtum Baden von 1810 bis 1870 geführt wurden. Sie enthalten wie die Kirchenbücher die Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen in chronologischer Reihenfolge und wurden als "Sicherungskopie" angelegt. Eine 'Doppel-Schrift' könnte dabei die Abschrift der Abschrift sein, denn die Zweitschrift des genannten evangelischen Kirchenbuchs Karlsruhe 1829-1832 ist im Generallandesarchiv überliefert und digital recherchierbar (jeweils ein Geburts-, Trau- und Beerdigungsbuch).
Allerdings ist dieses Buch in einem hanebüchenen Zustand: Schimmel, Risse, Fehlseiten, fragmentarische Einträge, eingelegte Einzelseiten lassen eine bestandserhalterische Maßnahme (auch Digitalisierung) unbedingt nötig werden. Dies wird durch das Landesarchiv passieren,  wo die genannten Zweitschriften (nicht Kirchenbücher) planmäßig aufbewahrt werden und das diese 'Doppel-Schrift' in dieser Woche übernimmt.
 

23 Kirchen- und Familienbücher verfilmt und digitalisiert

Heinrich Löber schrieb am 27.03.2023
Das verloren geglaubte Wiesleter Kirchenbuch 1726-1739
Das verloren geglaubte Wiesleter lutherische Kirchenbuch 1726-1739 [vgl. Blogbeitrag vom 29.06.2022] ist auch reproduziert worden.
Weitere 23 neu verfilmte und digitalisierte Kirchen- und Familienbücher des alten Kirchenbezirks Schopfheim wurden in der letzten Woche zurückgegeben und sind fortan im Lesesaal zu recherchieren, sei es verfilmt oder digital. Es handelt sich dabei um folgende Bücher:
1. Schopfheim Beerdigungen 1961 – 1978 mit Register;
2. Wieslet (luth.) Mischbuch Nov. 1726 – März 1739 mit Befehlbuch 1739-1769, Pfarrbesoldung 1758;
3. Diedelsheim Familienbuch 1823 – Febr. 1906 mit Register;
4. Diedelsheim Familienbuch Febr. 1906 – Aug. 1961 mit Register;
5. Diedelsheim Familienbuch Aug. 1961 – 2001 mit Register;
6. Dürrenbüchig Familienbuch 1838 – 1974 (angelegt 1877) mit Register;
7. Endenburg (luth.) Familienbuch 1778 – 1873 (angelegt 1827 von Pfarrer Karl Specht) mit Register;
8. Endenburg Familienbuch 1874 – Juli 1990 mit Register;
9. Schlächtenhaus (luth.) Familienbuch 1783 - 1873 (angelegt 1827 von Pfarrer Karl Specht) mit Register;
10. Schlächtenhaus Familienbuch 1874 – 1985 mit Register;
11. Weitenau (luth.) Familienbuch 1777 – 1873 (angelegt 1827 von Pfarrer Karl Specht) mit Register;
12. Weitenau Familienbuch 1874 – 1988 mit Register;
13. Wieslet (luth.) alphabetisches Familienbuch 1666 – 1789 (angelegt 1935 von Pfarrer Julius Karl Förster);
14. Wieslet (luth.) Familienbuch (1800) 1819 – 1935 [Register in eigenem Band];
15. Wieslet (luth.) Register Familienbuch (1800) 1819 – 1935;
16. Wieslet Familienbuch Mai 1935 - 1967 mit voranstehenden Flüchtlingen 1947-1951 [masch.], Register, Beiakten, Gefallenen [masch.], Vermißten II. Weltkrieg [masch.];
17. Neuenweg (luth.) Familienbuch 1807 - März 1944 (angelegt 1865 von Pfarrer Karl Fuhr) mit Memorabilia 1903-1914 [Feuerkatastrophe vom 8.10.1903, Zeitungsschau u. a.], Register;
18. Schopfheim (luth.) Nebenorte (Gündenhausen, Wiechs, Eichen, Kürnberg, Fahrnau, Raitbach, Sattelhof, Schweigmatt, Langenau) Familienbuch (nach Orten) 1729 - 1895 mit Register;
19. Schopfheim (luth.) Familienbuch (alphabetisch; angelegt 1849) (1730) 1820 – 1876 (1881) mit Register (angelegt 1842);
20. Schopfheim Familienbuch 1877 – Okt. 1889 mit Register;
21. Schopfheim Familienbuch Nov. 1889 – Okt. 1898 mit Register;
22. Schopfheim Familienbuch Okt. 1898 – 1909 mit Register;
23. Schopfheim Familienbuch 1910 – Mai 1928 mit Register.
Diese Bücher waren bisher nicht reproduziert und stehen nun der interessierten Öffentlichkeit zur Einsicht bereit (vgl. das Findmittel zu den verfilmten Kirchen-, Familien- und Israelitischen Standesbüchern oder Sammlungsbestand 155., Mikrofilme, verfilmte Bestände). Dem Kirchenbuchportal wurden sie ebenso geliefert, so dass diese in absehbarer Zeit ebenda recherchiert werden können (außerhalb der Schutzfristen).
Zugleich wurden sechs neue Familienbücher aus dem alten Kirchenbezirk Müllheim für eine Verfilmung und Digitalisierung abgegeben. Der Prozess ist also bei Weitem nicht abgeschlossen ...
 

Hunderte Plakate

Heinrich Löber schrieb am 20.03.2023
Slogan der Landeskirche nach dem II. Weltkrieg
Kirchlicher Slogan nach dem II. Weltkrieg (ca. 1950) [LkA KA, 159., Nr. 331]
Landkarte Ekiba 2023
Gebietskarte der Landeskirche (1.01.2023) [LkA KA, 159., Nr. 442]
Die vom Zentrum für Kommunikation im Evangelischen Oberkirchenrat herausgegebene Gebietskarte für unsere Landeskirche (gemäß Beschlußlage vom 1.01.2023) mit Bezirks- und Gemeindegrenzen sowie Detailansichten der fünf größten badischen Städte war der Auslöser, das Findmittel des Plakatbestandes zu aktualisieren und zu veröffentlichen. Durch seinen plakatähnlichen Charakter fiel die Entscheidung, dieses Kartenwerk nicht in die Sammlung 156., Karten und Pläne, sondern in die Plakatsammlung aufzunehmen.
In dieser Sammlung werden fortwährend Plakate nachverzeichnet, die von landeskirchlichen Einrichtungen an das Landeskirchliche Archiv abgegeben worden oder auf anderem Wege in das Archiv gelangt sind. Mit Stand von März 2023 sind 442 Plakate erschlossen, die eine Laufzeit von (1874, 1883, 1892) 1917 bis 2023 aufweisen. Ein Dutzend Plakate sind zudem digital hinterlegt und im Findmittel ebenso angezeigt.
Dieser Sammlungsbestand ist ein bemerkenswert vielfältiger und - natürlich - ansehnlicher Teil unseres Archivs. Die 442 Plakate sind ein die planmäßig landeskirchliche Sachaktenüberlieferung herausragend ergänzendes Zeugnis des Lebens und Handelns unserer Kirche.
 

Haus zerstört. Neue Anschrift unbekannt

Heinrich Löber schrieb am 13.03.2023
Ungeöffneter Brief: Haus zerstört. Neue Anschrift unbekannt.
Empfänger in Pforzheim ausgebombt und nicht ermittelbar. Ungeöffneter Brief, zum ersten Mal abgesendet am 25.05.1948 [LkA KA, 071., Nr. 184]
Das unter dem Eindruck des Kriegsendes und seiner Folgen im August 1945 ins Leben gerufene 'Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland' leistete mit und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unschätzbare Arbeit gegen die außerordentlichen Notstände. So auch das Hilfswerk der Badischen Landeskirche. In dessen Bestand (071., Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Baden) werden die katastrophalen Auswirkungen des Krieges auch für die einzelnen Betroffenen sichtbar.
In diesem umfangreichen Bestand (5,7 Laufmeter) findet sich ein ungeöffneter Brief. Absender war die "Einkaufs- und Beschaffungsstelle des Hilfswerks und der Inneren Mission der Evang. Landeskirche in Baden, Blumenstraße 1, 17a Karlsruhe/Bd.". Dieser Brief (Poststempel vom 25.05.1948) kam mehrfach zurück, wurde zunächst nach Pforzheim geschickt: Maurerstraße 1 (Stempel "Haus zerstört. Neue Anschrift unbekannt"), anschließend nach Stuttgart, Hohenheimer Straße 8, (Stempel: "Zurück!") und schließlich zu den Akten gelegt. Weiteres ist nicht überliefert. Damit ist der Verbleib und das Schicksal der hilfsbedürftigen Person völlig unklar.
Kleiderausgabe des Evangelischen Hilfswerks (1947)
Kleiderausgabe des Bad. Evang. Hilfswerks im Treppenhaus des Lutherhauses Heidelberg (1947) [LkA KA, Nr. 1541/2]
Deutlich aber wird die enorme Leistung des Hilfswerks in der Beschaffung von Lebensmitteln, Kleidern und Medikamenten, aber auch beim Bau von zehntausenden Wohnungen und dutzenden Notkirchen an Orten besonders großer Zerstörungen. Das Wachstum und die Leistung des Hilfswerks sind in seinen ersten Jahren untrennbar verbunden mit Eugen Gerstenmaier (1906-1986), der sich in der NS-Zeit der Bekennenden Kirche anschloss und als Mitglied des Kreisauer Kreises in die Pläne des Attentates auf Hitler eingeweiht war und daraufhin vom Volksgerichtshof zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Gerstenmaier begann sofort nach Kriegsende mit dem Aufbau dieses großangelegten kirchlichen Wiederaufbauwerkes, dessen Leitung er bis 1951 innehatte.
Dieser gehaltvolle Bestand ist durch ein Online-Findmittel (PDF) recherchierbar.
 

Religion in der Kunst: Der Nachlass der Karlsruher Künstlerin Erika Nöldeke-Christaller (1896-1963)

Maximilian Tschan schrieb am 6.03.2023
Selbstporträt Erika Nöldeke-Christaller
Selbstporträt von Erika Nöldeke-Christaller (um 1930) [LkA KA, 153., Nr. 213]
Im 60. Todesjahr konnte nach kurzer Bearbeitungszeit nun der Nachlass von Erika Nöldeke-Christaller (1896-1963), bereits im Jahr 2009 übergeben, vollständig erschlossen und damit nutzbar gemacht werden. Dabei lässt sich mühelos erkennen, welchen zentralen Punkt die Kunst im Leben von Erika Nöldeke-Christaller einnahm und wie ihre Zuneigung zum Glauben darauf mit den Jahren zunehmend Einfluss ausübte.    
Erika Nöldeke-Christaller wurde am 12. November 1896 in Rudmersbach (Ottenhausen) als viertes Kind des Pfarrers Gottreich Erdmann Christaller und der Schriftstellerin Helene Christaller geboren. 1913 erlernte sie, ohne zuvor eine öffentliche Schule besucht zu haben, an der Kunstschule in Bensheim die Grundlagen von Malen und Zeichnen. Von 1914 bis 1917 studierte sie an der Kunstakademie in München und arbeitete anschließend u.a. als Haustochter. Am 12. März 1919 heiratete Erika Nöldeke-Christaller den angehenden Juristen Alexander Nöldeke und beide bezogen eine Wohnung in Karlsruhe.
Zeichnung zum Gedicht 'Erwachen'
Zeichnung zum Gedicht 'Erwachen' aus dem Zyklus 'Aus einem Frauenleben' (1935) [LkA KA, 150.075, Nr. 37]
Aufgrund mütterlicher Verpflichtungen musste die Kunst zu dieser Zeit immer kürzertreten und erst in den 1930er Jahren, nachdem Nöldeke-Christaller im vorausgegangenen Jahrzehnt auch mit vielen Krankheiten zu kämpfen hatte, findet sie wieder Muse und Kraft für graphische Arbeiten. Am 9. Juni 1963 verstarb Erika Nöldeke-Christaller und wurde in Rüppurr bestattet.
Der übergebene Nachlass beinhaltet ausschließlich künstlerische Arbeiten. Darunter fallen etwa Bilder mit dazugehörigen Gedichten, etliche Bilder- bzw. Skizzenbücher und Zeichenhefte, Entwürfe für Büchereinbände, Bilder zu bestimmten Bibelversen sowie Bilder mit dazu entworfenen Notenblättern, zwei posthum veröffentlichte Buchexemplare (durch Witwer Alexander Nöldeke: ‚Wir rufen Dich Gott‘, 1966 und ‚Der Kampf mit dem Engel und andere Erzählungen‘,1966), Gedichte und eine Kunstmappe. Zudem liegen zahllose Werke retrodigitalisiert vor.
Der Nachlass „Erika Nöldeke-Christaller“ (Bestand 150.075) kann nun im Findmittel online recherchiert und im Lesesaal eingesehen werden. Allerdings wurden über 400 Werke in den Bestand 153., Grafik- und Gemäldesammlung, aufgenommen. (Vgl. Online-Findbuch)
 

"Wenn nur der böße Krieg bald ein Ende hätte"

Heinrich Löber schrieb am 27.02.2023
Dieser Wunsch von Wilhelm Schmidt aus dem ersten Kriegsjahr (1915) erfüllte sich nicht (Nr. 10). Der Erste Weltkrieg sollte noch über drei Jahre dauern.
Diesen Feldpostinhalt und weitere derartige Zeugnisse überliefert der Sammlungsbestand 157., Feldpost, dessen Findmittel nun online gestellt wurde. Es ist eine überschaubare, aber gehaltvolle Sammlung, die aus 16 Titeln besteht und sich speist aus einer Übergabe durch Theresia Cuntz, Schopfheim, im Februar 2005 (Nrn. 1-8) sowie den aus den Pfarrarchiven Epfenbach (Nr. 14-16) und Stein bei Bretten (Nrn. 9-13) herausgelösten Feldpostsendungen.
Grüße aus dem Schützengraben (ca. 1915)
Gruß aus dem Schützengraben, bin bis jetzt gesund (ca. 1915) [LkA KA, 157., Nr. 13]
Kirchengemeinden nutzten die Feldpost, um den Kontakt zu den im Felde stehenden Gemeindegliedern zu halten, sei es durch das Übersenden von Gemeindeboten, Gaben des täglichen Bedarfs oder persönliche Grüße des Pfarrers, gemeindlicher Vereine oder Gruppen.
Ein eindrückliches Beispiel ist die Feldpostüberlieferung der Kirchengemeinde Stein bei Bretten, deren Glied eingangs zitierter Wilhelm Schmidt war. Diese Post von der Front erreichte den Gemeindepfarrer (hier: Ludwig Walther (1876-1954), der allerdings selbst den Heeresdienst ableistete, 1915 als Militärpfarrer auf dem Heuberg), dessen Frau, die Pfarrersfamilie, den Frauenverein  oder schlichtweg die "liebe Heimatgemeinde" (aus Nr. 10).
Die Laufzeit der Sammlung entspricht der der beiden Weltkriege im letzten Jahrhundert.
Neben einem Lebenszeichen für die Angehörigen (und die Gemeinde) enthielten sie zudem Informationen, die über die allgemeine Berichterstattung hinausgingen, Freude und Dank über die Sendungen aus der Heimat sowie Mitteilungen über das eigene Ergehen, die nicht selten Töne existenzieller Angst aufweisen.
Ob Wilhelm Schmidt aus dem Krieg heimkehrte, ist nicht aktenkundig1. Die Tatsache aber, dass Krieg vor allem Not und Elend, Zerstörung und Tod, Flucht und Vertreibung bewirkt, ist millionenfach erfahren worden. Gleichsam furchterregend ist die Tatsache, dass seit einem Jahr wieder Krieg in Europa herrscht ...
 
1 Die Verlustlisten des I. Weltkriegs des Deutschen Reichs nennen vier in Frage kommende Wilhelm Schmidt (Schmitt).
 

Von des Kaisers Großmutter – oder: Von der Kirchhofsmauer ins Museum

Andreas Müller schrieb am 20.02.2023
Das Pfarrarchiv Kälbertshausen birgt interessante Funde (vgl. Beitrag vom 16.01.2023). Darunter eine Akte mit dem vielversprechenden Titel „Römischer Taufstein“, die Schreiben des großherzoglich-badischen Konservators von 1860 bis 1863 beinhaltet, der dem Pfarramt Kälbertshausen bezüglich der Akquise eines römischen Inschriftensteins schrieb. Wie einem Brief vom 25. April 1860 zu entnehmen ist, war der Stein als Spolie in der örtlichen Kirchhofsmauer verbaut und von großem Interesse für die großherzogliche Altertumssammlung, da man ihn gerne ausstellen und der wissenschaftlichen Bearbeitung zur Verfügung stellen würde.
Das Vorgehen des Konservators zeugt indes von einem ausgeprägten politischen Verständnis. Durch den gesamten Briefwechsel hindurch lässt sich beobachten, dass die Akquise streng nach dem Motto quid pro quo ablief. Dem Pfarramt sollte in keiner Weise ein Schaden aus der Abgabe des Steins entstehen. So wurden sämtliche Transport- und Arbeitskosten selbstverständlich von der großherzoglichen Sammlung übernommen und selbst für den entfernten Inschriftenstein wollte man Ersatz schaffen. Das Pfarramt zeigte sich so gerne bereit, den Stein abzugeben.
Nachdem der Konservator noch im Februar 1863 letzte Instruktionen zu Polsterung und Verpackung des Steins gab, sollte dieser schließlich mit der Eisenbahn nach Karlsruhe gebracht werden. Peinlicherweise wurde die Lieferung im Heidelberger Postamt aus dem Verkehr gezogen und gelangte erst zwei Monate später und nach einer Beschwerdeführung der großherzoglichen Sammlung wohlbehalten an ihrem Zielort an.
Entgegen dem Titel der Akte handelt es sich aber nicht um einen römischen Taufstein, sondern um einen sogenannten Votivstein, wie der Konservator in seinem letzten Schreiben vom 10. Juni 1863 klarstellt. Den Stein verortet er im 3. nachchristlichen Jahrhundert. Ein Taufstein wäre als Zeugnis für frühchristliche Religiosität in Kälbertshausen, in römischer Zeit in der Provinz Germania Superior gelegen, ein bemerkenswerter Fund gewesen. Ein Votivstein hingegen ist in der paganen Religion verortet und vom 2. bis ins 3. Jahrhundert in den germanischen Provinzen recht weit verbreitet. Die Steine waren ein Zeugnis dafür, dass man gelobt hatte, einem Gott eine Inschrift zu stiften, wenn dieser ein gewünschtes Ereignis eintreten ließ. Das glückliche Gelingen einer Reise oder die Heilung einer Krankheit wären dafür unter Anderem mögliche Ereignisse.
In Karlsruhe machte man sich sofort an die Bearbeitung der Inschrift, denn bereits in o. g. Schreiben (10.06.1863) dankte der Konservator dem Pfarrer und der Gemeinde und erläutert die erhaltene Inschrift. Da römische Inschriften hauptsächlich in Abkürzungen verfasst wurden, sind sie zunächst nicht ohne Weiteres zu lesen. Die Votivsteine folgen aber meist einer bestimmten Formel und können so entschlüsselt werden:
Inschrift Votivstein Kälbertshausen
Schreiben des großhzgt.-bad. Konservators vom 10.06.1863 mit der Inschrift des Votivsteins aus dem 2./3. Jh. [LkA KA 044., Kälbertshausen, Nr. 284]
 
IN H D D               (In honorem domus divinae
DÆ VIRODDI      deae Viroddi
AVITA MXM       Avita Maximi-
NI V S L L M        ni votem solvit libens laeta merito)
 
Die erste Zeile ehrt das Kaiserhaus, die zweite Zeile nennt den Gott, dem die Inschrift gestiftet ist. In diesem Fall handelt es sich wohl um eine lokale Gottheit, deren Name ansonsten unbekannt ist. Die dritte Zeile nennt den Stifter: Die Großmutter des Maximinus. Die Schlusszeile gibt an, dass der Stifter sein Gelübde gern und nach Verdienst eingelöst hat.
Wohl etwas zu enthusiastisch bemerkt der Konservator, es könnte sich bei der genannten Großmutter um jene des römischen Kaisers Maximinus Thrax handeln, des ersten der sogenannten Soldatenkaiser. Zwar war Maximinus Thrax durchaus in den wenigen Jahren seiner Herrschaft in den germanischen Provinzen präsent, aber dennoch scheint hier eher der Wunsch Vater des Gedankens zu sein. Ein Zeugnis der Präsenz des Kaiserlichen Hofes in einem süddeutschen Dorf gefunden zu haben wäre sensationell. Wahrscheinlicher aber ist, dass es sich bei der Stifterin um eine Einwohnerin handelte, deren Enkel zufälligerweise denselben Namen wie der Kaiser trug.
Mittlerweile befindet sich die Kälbertshausener Inschrift im Römermuseum in Osterburken und wird auf eine Zeitspanne vom Beginn des 2. bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts datiert.
 
(Quelle: LkA KA, 044. Kälbertshausen, Nr. 284; Corpus Inscritpionum Latinarum 13, 06486)
 

1385 Filme mit 8500 Büchern, Akten, Zeitschriften, ...

Heinrich Löber schrieb am 9.02.2023
Neben dem Bestand 'Audiovisuelle Medien' (Bestand 161.; vgl. Beitrag vom 25.10.2022) weist unser Archiv auch einen Bestand 'Mikrofilme, verfilmte Bestände' (Bestand 155.) auf. Dieser ist komplett erschlossen und nun auch mit einem veröffentlichten Findbuch recherchierbar.
Nutzendenarbeitsplätze
Blick auf die acht Nutzendenarbeitsplätze, drei davon EDV-gestützt und einer als Mikrofilmleseplatz nach ihrem Aufbau (Febr. 2021)
Bei diesem Sammlungsbestand handelt es sich hauptsächlich um mikroverfilmte Kirchen- und Familienbücher. Aber auch jüdische Standesbücher, Gesangbücher, Kirchenordnungen, Druck- und Zeitschriften, Akten sowie Buchtitel aus der Landeskirchlichen Bibliothek und Historischen Stiftsbibliothek Wertheim befinden sind darunter.
Die Verfilmung der Kirchenbücher und einzelner Familienbücher geschah planmäßig als Sicherungsmaßnahme Anfang der 1960er Jahre durch die Mormonen. Bis in die Gegenwart hinein werden einzelne Bücher nachverfilmt (und retrodigitalisiert) – zum einen, weil ihre Erstverfilmung schlechte Qualität aufwies oder weil einzelne Fehlbestände ergänzt werden konnten. Zum anderen werden als Deposita abgegebene Familienbücher sukzessive erstverfilmt (und zugleich retrodigitalisiert).
Insgesamt handelt es sich - mit Stand von jetzt - um 1385 Mikrofilme mit 2488 „Einheiten“ (= „Aktentitel“) und ca. 8.500 Büchern u. a. Archivalien. In den 1960er Jahren wurden Bücher geteilt, so dass es nicht selten vorkommt, dass ein Buch o. Titel auf zwei Filmen nachzuweisen ist. Dies ist in den „Einheiten“ vermerkt.
Es ist eine Laufzeit von 1300 (Wertheimer Buchbestand) bis in die jüngste Gegenwart (2010) hinein zu verzeichnen; die „Hauptlaufzeit“ ist aber von 1555 (dem Beginn der Kirchenbuchüberlieferung) bis in die Anfangszeit der 1960er Jahre (der Zeit der planmäßigen Verfilmungen).
Die Kirchen- und Familienbücher wurden in den 2010er Jahren von den Filmen für das Kirchenbuchportal reprodigitalisiert.
 

Nach 91 Jahren (falsch) zugestellt

Heinrich Löber schrieb am 23.01.2023
Weinhaus Münzerei - ein tschechisches Lokal bei Leobschütz (1931)
Weinhaus Münzerei - ein tschechisches Lokal bei Leobschütz in Oberschlesien (1931) mit Fremdenzimmer und Garagen, geführt von Richard Münzer.
Über Weihnachten haben wir es gelesen oder selbst erlebt: Die Unzufriedenheit mit den Diensten der Post ist nicht kleiner geworden. Doch nun hat sich ein sehr spezieller Fall ereignet:
Die Poststelle des Evangelischen Oberkirchenrats erhielt in diesen Tagen eine Postkarte, abgesendet am 9. Oktober 1931. War diese Post wirklich 91 1/4 Jahre unterwegs? Dies wird sich wohl nicht abschließend klären können. Fakt ist aber, dass sie nicht an den Oberkirchenrat adressiert worden ist, sondern an Delia Stiefel, Bunsenstraße 4, Karlsruhe. Bunsenstraße wurde offenbar als Blumenstraße gelesen. Geschrieben hat diesen Gruß "Charly" aus dem Weinhaus Münzerei bei Leobschütz in Oberschlesien. Dieses Weinhaus befand sich bereits auf  tschechischem Territorium - die Karte ist auch mit einer tschechischen Briefmarke und einem tschechischem Poststempel versehen. Beschrieben wird das Weinhaus Münzerei auch als "erstes an der tschechischen Grenze. Inhaber Richard Münzer. Beliebter Ausflugsort für Sommerfrischler und Ausflügler".
Nach 91 Jahren (erneut) zugestellt
Nach über 91 Jahren (erneut) falsch zugestellt. Ein Gruß von Charly an seine Verlobte aus dem schlesisch-tschechischen Grenzland (9.10.1931) erreichte den Oberkirchenrat
Offenbar handelt es sich bei der Empfängerin um die Verlobte des Absenders. Dem geschilderten starken Heimweh wurde mit reichlich Bier begegnet: Nach 7 Glas Bier sind wir in seliger Stimmung. Morgen fahren wir nach Troppau wie Charlys Reisebegleitung ergänzt. Ansonsten handelt es sich um einen klassischen Urlaubsgruß, den Charly seinem kleinen Lieb schickt: Herr Sprung hat mich heute Abend nach einem beliebten tschechischen Lokal geführt, wo wir tadellos zu Abend gegessen und Pilsner Bier getrunken haben. Herrliches Wetter, gute Stimmung - nur etwas sehr stark Heimweh! Morgen Neustadt-Neiße. Hoffentlich mit ebenso gutem Erfolg wie heute. Grüsse an Opa, Alfi, [...] und Du, mein Lieb, laß Dich innig umarmen. Wir wohnen in Leobschütz. Dein Charly.
Ob es Nachfahren gibt, denen man diese Postkarte (endlich) zustellen könnte? Ein sicher lohnendes Projekt ...
 

Auf den Hund gekommen

Andreas Müller schrieb am 16.01.2023
Hund Gadi
Der Kälbertshäuser Hund Gadi, überliefert in den Heiligenrechnungen des Jahres 1763 [LkA KA, 044. Kälbertshausen, Nr. 171]
Bei der Erschließung von Heiligenrechnungen der nordbadischen Kirchengemeinde Kälbertshausen tat sich folgendes kleines Fundstück auf: Auf der Rückseite einer Heiligenrechnung für das Jahr 1763 fanden sich drei kleine Skizzen oberhalb einer hastig verfassten Rechnung.
Neben einer floralen Ornamentik wurden zwei Profile eines schlappohrigen Hundes gezeichnet. Auf dem detaillierteren Profil findet sich ein Name auf dem Halsband: Gadi. Der hebräische Name hat einen alttestamentarischen Bezug und bedeutet so viel wie »mein Glück«. Der Künstler hatte wohl eine namhafte Vorlage für seine Skizze. Das gröber gezeichnete Hundeprofil wurde dem andern in zweiter Hand mit weniger Verständnis für die Formgebung nachempfunden. Es ist gut möglich, dass es sich dabei um eine Kinderhand handelte. Mit diesen Zeichnungen das Zeugnis einer kleinen, ganz alltäglichen Familienszene vor sich zu haben, ist vorstellbar.
Wer die Urheber der Skizzen waren und wem Gadi gehörte, ist allerdings nicht mehr festzustellen. Zudem müssen die Zeichnungen nicht zeitlich nah beieinander oder im Erstellungsjahr der Rechnung entstanden sein. Der Aussagewert bleibt damit sehr begrenzt.
Sicher bleibt eines: Auch vor Jahrhunderten schon bekämpfte man seine Langeweile mit kleinen Kritzeleien auf Papier.
 

Innenstadtgemeinden Pforzheim - Folge V: Thomaspfarrei

Vivian Ritter schrieb am 9.01.2023 (Fortsetzung vom 2.01.2023)
Thomaskirche Pforzheim
Die 1972 errichtete Thomaskirche in Pforzheim mit frei stehendem Glockenturm
1911 wurde die Stadtpfarrei VII mit dem Namen Nordstadtpfarrei gegründet, da es sich dabei um das Einzugsgebiet der Gemeinde handelte. Durch einen starken Zuwachs der Bevölkerung gründete man 1926 die Stadtpfarrei IX, welche den Namen Nordweststadtpfarrei erhielt. Diese Stadtpfarrei IX wurde 1948 in Thomaspfarrei und 1966 die Stadtpfarrei VII in Petruspfarrei umbenannt. Mit der Auflösung der Petruspfarrei 1999 wurden die Gemeindeglieder der Thomasgemeinde zugewiesen. Im Jahr 2019 fusionierte die Thomasgemeinde gemeinsam mit den Gemeinden Stadtkirche, Thomas, Altstadt und Michael zur Friedensgemeinde Pforzheim, welche den Großteil der Innenstadt und den kompletten Norden betreut. FINIS (7. und letzter Beitrag der am 14.11.2022 begonnenen Folge)
 

Innenstadtgemeinden Pforzheim - Folge IV: Markuspfarrei

Vivian Ritter schrieb am 2.01.2023 (Fortsetzung vom 19.12.2022)
Pforzheim Markuskirche (nach 1963)
Seitenansicht der Markuskirche Pforzheim Mitte der 1960er Jahre mit Blick ins Tal [LkA KA, 166., Nr. 1633]
Im Jahr 1911 wurde die Nordstadtgemeinde gegründet, die in den folgenden Jahren einen starken Aufschwung erlebte. Durch die rasche Vergrößerung der Gemeinde wurde es bereits 1919 nötig, die bestehende Gemeinde in eine Nordstadt- und eine Oststadtpfarrei zu teilen. 1923 erhielt die Oststadtpfarrei auch ihren ersten eigenen Pfarrer: Max Theodor Achtnich (1888-1945). Im Jahre 1947 erhielt die Gemeinde ihren Namen "Markusgemeinde". Gottesdienste wurden in der Altstadtkirche gefeiert. Nach der Zerstörung vom 23. Februar 1945 wurden die Gottesdienst im ausgebrannten, aber wieder notdürftig hergerichteten Kindergarten gefeiert, bis am 11. März 1953 der Spatenstich für die neue Markuskirche mit angeschlossenem Gemeindezentrum gelegt erfolgte. Dieses Bauvorhaben konnte u. a. durch finanzielle Unterstützungen aus Amerika, wo Pfarrer Friedrich Allinger (1903-1974) auf Reisen war, und durch die Opferbereitschaft der Gemeindeglieder umgesetzt werden. Die Einweihung des Gemeindezentrums der Markusgemeinde fand am 28. August durch Landesbischof Bender statt und die Glockenweihe durch Oberkirchenrat Dürr am 29. März 1959. Mit Paul Gromer (* 1948) wurde 1978 ein Teil der "Pforzheimer Viererbande" Pfarrer der Markusgemeinde. Die Pforzheimer Viererbande waren vier Pfarrvikare, die sich um neue Gottesdienst- und Seelsorgestrukturen bemühten
Im Jahr 2019 fusionierte die Markusgemeinde gemeinsam mit den Gemeinden Stadtkirche, Thomas, Altstadt und Michael zur Friedensgemeinde Pforzheim, welche den Großteil der Pforzheimer Innenstadt und den kompletten Norden betreut. Fortsetzung folgt ...