Blog-Archiv 2016

 

Weitere 1.000 badische Kirchenbücher an das Kirchenbuchportal geliefert

Heinrich Löber schrieb am 23.12.2016

Weitere 1.000 Kirchenbücher unserer Landeskirche werden in absehbarer Zeit online einsehbar sein. Hier das lutherische Kirchenbuch Weiler (Pforzheim) 1791-1877 in dreierlei Gestalt: Im Original sowie reproduziert als Film und online gestellte Datei.
Das selbst gesteckte Ziel wurde erreicht, nämlich noch vor der Weihnachtspause weitere Dateien von digitalisierten Kirchenbüchern unserer Landeskirche an das Kirchenbuchportal zu liefern. Es handelt sich dabei um 1.000 Kirchenbücher der (ehemaligen) Kirchenbezirke Baden-Baden, Emmendingen, Lahr, Offenburg, Rastatt und Schopfheim. Darunter sind auch drei Familienbücher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Lahr, Öfingen, Todtnau-Schönau). Die Digitalisate wurden – wie bisher praktiziert - von den Verfilmungen der 1960er Jahre erstellt und sind mit dem Wasserzeichen „Landeskirchliches Archiv Karlsruhe“ versehen.

Es wird noch einige Zeit verstreichen bis Archion diese Bücher veröffentlicht. Nach Auskunft der Kirchenbuchportal GmbH werden zunächst Kirchenbücher der Württembergischen, Berlin-Brandenburgischen, Bayerischen, Kurhessen-Waldeckischen und Lippischen Landeskirchen eingespeist. Von einer Onlinestellung der badischen Bücher ist im April/Mai 2017 auszugehen. Archion veröffentlicht täglich unter dem Button „News“, welche Kirchenbücher online gestellt wurden, so dass man den Verlauf verfolgen kann.

Damit sind nun 6.660 von 7.300 Kirchenbüchern unserer Landeskirche an die Kirchenbuchportal GmbH geliefert. Knapp 700 Dateien von Kirchenbüchern warten demnach noch auf eine Prüfung und Lieferung. Anschließend folgen die 300 Familienbücher, die als Deposita im Landeskirchlichen Archiv aufbewahrt werden und im Lesesaal ihren Standort haben bzw. hatten. Denn diese werden derzeit in zwei Etappen verfilmt und digitalisiert. Eine Einsicht in diese Bücher wird dann im Lesesaal „nur noch“ als Film (bzw. in naher Zukunft an Benutzer-PC‘s) stattfinden, weil sie aus bestandserhalterischen Erwägungen heraus künftig im Magazin aufbewahrt werden. Oder durch Archion, das ja den von den Benutzerzeiten unabhängigen Zugriff am heimischen Rechner bietet!

Als letzter Schritt werden fehlerhafte Dateien nachgearbeitet. Es handelt sich hierbei um (derzeit) 105 Dateien/Bücher. Seitens unseres Archivs ist es geplant, Ende 2017 dieses große Projekt abgeschlossen zu haben. In einem Jahr können wir hoffentlich davon berichten.
 

Es geht auf Weihnachten zu

Mareike Ritter schrieb am 15.12.2016

Heimatbote Eschelbronn 1916
Heimatbote Eschelbronn, 1. Jg., Nr. 12, mit dem Text „Es geht auf Weihnachten zu“ [Quelle: LkA KA, 043., Nr. 470]
Heute vor genau 100 Jahren erschien der zwölfte Heimatbote für die Evangelischen Gemeinden Eschelbronn und Neidenstein im heutigen Kirchenbezirk Kraichgau. Pfarrer D. Dr. Leopold Cordier (1887-1939) wendet sich darin sowohl an seine Gemeindeglieder vor Ort als auch an die an der Front stehenden Soldaten.

Vor hundert Jahren, zu Kriegszeiten, wollte bei Pfarrer D. Dr. Cordier zunächst keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Dies beschreibt er in seinem geistlichen Grußwort. Erst mit dem Packen von Weihnachtspaketen für die Soldaten an der Front wird ihm bewusst: „es geht auf Weihnachten zu“. „Denn zur Weihnachtsstimmung gehört, dass man jemand etwas Liebes erweisen darf.“

Der Heimatbote für die Ev. Gemeinden Eschelbronn und Neidenstein wurde von Pfarrer D. Dr. Cordier im Jahr 1916 begonnen. Vermutlich sollten durch ihn die Soldaten im Krieg über die Geschehnisse in der Heimat informiert werden. Es finden sich in den Heimatboten vor allem Berichte von gefallenen Soldaten (zum Teil auch mit Fotos), aber auch eine Fortsetzungsgeschichte mit Kriegserinnerungen von 1807-1815, Gedichte, ein Bericht über die Landung eines Flugzeugs in Neidenstein sowie die Beschreibung der abgenommenen Glocken. Des Weiteren wird dem verstorbenen ehemaligen Pfarrer Richard Schmidt (+ 28.12.1916) gedacht. Eine Ausgabe beinhaltet die Abschiedspredigt von Pfarrer Dr. Cordier und in der letzten überlieferten Ausgabe ist die Antrittspredigt von Pfarrer Otto Friedrich Hessig (1883-1945) abgedruckt.

Insgesamt zwölf Ausgaben des Heimatbotens (vom Dezember 1916 bis Januar 1918) sind im Dekanatsarchiv Sinsheim überliefert. Sie sind bei Umverpackungsarbeiten aufgetaucht.

 

Schüler entdecken und erforschen Kirchengeschichte

Heinrich Löber schrieb am 4.11.2016

Schülergruppe des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums Mosbach mit ihrer Geschichtslehrerin nimmt Akteneinsicht in unserem Archiv
Der Altersdurchschnitt der Archivbenutzer wurde in der letzten Zeit massiv gesenkt, weil sich Schülergruppen aufgemacht haben, um im Rahmen ihrer Teilnahme am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2016/17 Einsicht in Akten zu nehmen. Dass sie dabei auch in das Landeskirchliche Archiv Karlsruhe kamen, ist kein Zufall, denn der von der Körber-Stiftung ausgeschriebene Wettbewerb steht unter dem Thema „Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“. Voraussetzung für eine Teilnahme ist, dass das gewählte Thema entweder einen regionalen Bezug zu dem Wohn- oder Heimatort oder einen biografischen Bezug zur Familie der Schülerinnen und Schüler hat.

So beleuchtet eine Schülergruppe des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums Mosbach die Lebensgeschichte des Neckarburkener Pfarrers August Frick (1913-1995) sowie die Umstände der Türöffnung im Mosbacher Simultaneum der Stiftskirche im Jahre 2008. Zwei Schülerinnen des landeskirchlichen Elisabeth-von-Thadden-Gymnasiums Heidelberg kamen in das Landeskirchliche Archiv, um die Aktenlage zur Geschichte der Heidelberger Mormonen zu sichten.

 

 

Bestand Bad Antogast und Altschweier erschlossen

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 28.10.2016:

Begrüßungsrede des Lagerleiters vom März 1956 (LKA KA 071.01 Nr. 32)

Ab sofort steht im Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs ein neuer Bestand zur Benutzung zu Verfügung. Der Bestand 071.01 Flüchtlingslager Bad Antogast und Altschweier beinhaltet vor allem Unterlagen aus dem Lager Bad Antogast im Maisachtal bei Oppenau in Südbaden. Dort wurde zu Beginn der 1950er Jahre ein sogenanntes Landesdurchgangslager vom Land Baden-Württemberg eingerichtet. In dem Lager waren zunächst Jugendliche aus der DDR untergebracht, dann ungarische Jugendliche und später geflüchtete Familien aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Baden beschäftigte dort Fürsorgerinnen, die sich vor Ort um die Belange der Menschen kümmerten. Bei dem Bestand handelt es sich denn auch um die Unterlagen des Hilfswerks, dessen Hauptstelle im Gebäude des Evangelischen Oberkirchenrats in Karlsruhe war. Ein kleiner Teil der Unterlagen bezieht sich auf den Kindergarten des Landesdurchgangslagers Altschweier bei Bühl (Baden). Gertrud Hamman, damals Landesfürsorgerin des Hilfswerks, kümmerte sich in dieser Eigenschaft auch um den dortigen Lagerkindergarten.

Bericht vom März 1958 „Das Flüchtlingsproblem heute“ (LKA KA 071.01 Nr. 15)

Der Bestand enthält einen hohen Anteil personenbezogener Daten. Für die betreffenden Akten wurden daher Schutzfristen hinterlegt. Diese können auf Antrag im Einzelfall verkürzt werden.

In dem Gebäude in Bad Antogast, in dem sich in den 1950er Jahren das Flüchtlingslager befand – ein mondänes Kurhaus aus der Zeit der Jahrhundertwende – befindet sich heute übrigens ein internationales Zentrum für Yoga und Ayurveda.

Die Abbildungen – Auszüge aus den Bad Antogaster Unterlagen – zeigen grundlegende Probleme der Flüchtlingsthematik von damals auf. Diese sind heute aktueller denn je.

 

 

Frisch restauriert

Anna Eifler schrieb am 12.10.2016

Neue Regale, Planschränke und Arbeitsflächen

Hin und wieder muss sogar eine Restaurierungswerkstatt restauriert werden: Nachdem viele Wochen mit vereinten Kräften überlegt und geplant wurde, konnte die frisch renovierte Restaurierungswerkstatt des Landeskirchlichen Archivs kürzlich mit neuen Möbeln bestückt werden. Im Gegensatz zu der Restaurierung von Büchern oder Archivalien, wurde bei diesen „restauratorischen“ Maßnahmen auf die Erhaltung von Originalsubstanz fast komplett verzichtet und das alte Mobiliar gegen eine neue zweckmäßige Einrichtung getauscht, die an die räumlichen Gegebenheiten und individuellen Ansprüche optimal angepasst ist. Durch die vielen Ablageflächen und den großzügigen Stauraum werden viele Arbeitsabläufe zukünftig erleichtert und beschleunigt. Dank der zwei großen fahrbaren Tische steht zudem der Bearbeitung von großformatigen Archivalien wie Karten oder Plänen ab sofort nichts mehr in Weg.

Die Schneidemaschine ist schon lange im Dienst, der Stapeltrockner aber ein Teil der Neueinrichtung

 

Pfarrarchiv Knielingen erschlossen

Hartfried Depner schrieb am 6.09.2016

Entlassschein eines wegen Bürgerverletzung verurteilten Strafgefangenen (1894) [LkA KA, 044. Knielingen, Nr. 307]
Im Sommer 2016 wurde das Pfarrarchiv der Evangelischen Kirchengemeinde Knielingen gesichtet und bearbeitet. Der archivierte Bestand umfasst 316 Verzeichnungseinheiten mit einem Umfang von 4,5 laufenden Regalmetern.

Er beinhaltet Vorgänge aus dem kirchlichen und weltlichen Leben der Gemeinde beginnend mit dem Jahre 1738 und enthält u. a.  Informationen  über den Neubau der Kirche, Fronfuhren zur Erbauung derselben, über das Schulwesen im 18. und 19. Jahrhundert sowie über das sittliche Leben, ersichtlich aus den so genannten Kirchenzensurprotokollen.

Historische Quellen berichten über Namensänderungen der Ortschaft bis hin zu Knielingen im Jahre 1568, über historische Funde in Knielingen oder der näheren Umgebung, die in „Kunstdenkmäler Badens“ von Emil Lacroix, Peter Hirschfeld und Wilhelm Paeseler dokumentiert sind.

Den Aufzeichnungen des Pfarrers und Dekans Friedrich Kobe (1877-1959) entnehmen wir Berichte über das Kriegsgeschehen im 2. Weltkrieg in Bezug auf das kirchliche Leben und die kirchlichen Gebäude sowie das Brauchtum der Gemeinde. In „Die letzte Glocke von Knielingen“ beschreibt Dekan Kobe die Ereignisse von Advent 1944 bis zum Buß-und Bettag 1945.

Desgleichen erfahren wir einiges über die „Knielinger pieta“ (Knielinger Madonna), eine oberrheinische Straßburger Skulptur um 1500, heute zu sehen im Badischen Landesmuseum.

Der erschlossene Bestand befindet sich im Pfarramt der Pfarrgemeinde Knielingen.
 
 

Imagefilm über den Verband kirchlicher Archive

Heinrich Löber schrieb am 5.09.2016
Seit dem 30. Aug. 2016 ist bei Youtube ein Trickfilm über den Verband kirchlicher Archive in der Arbeitsgemeinschaft Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche (AABevK) veröffentlicht. Dieser Videoclip entstand von Mai bis August diesen Jahres in Zusammenarbeit mit der Trickfimklasse der Kunsthochschule Kassel. Der Vorschlag zur Erstellung eines Imagefilms über den Verband kirchlicher Archive entstand im November 2015 in einer Vorstandssitzung in Nürnberg, die eine Arbeitsgruppe beauftragte. Angesichts der Anzahl von 65 evangelischen Archiven wurde ein Konzept für einen Trickfilm erarbeitet, der es erlauben soll, diese Vielfalt abstrakter abzubilden und auf diese mannigfaltige Archivwelt aufmerksam zu machen. "Sind Sie bereit für eine Reise in die Vergangenheit?"
 
 

In den Kirchenbüchern entdeckt ...

Heinrich Löber schrieb am 5.07.2016
Eintrag im Beerdigungsbuch Zell i. W. 1886-1948 über den Gedächtnisgottesdienst für die siebenköpfige Pfarrersfamilie Specht, die am 4. Dezember 1943 bei dem schweren Angriff auf Leipzig ums Leben kam
 

Ein Eintrag hebt sich in dem Beerdigungsbuch Zell im Wiesental 1886 – Jan. 1948 von den anderen ab: Es handelt sich hierbei um die sieben Mitglieder der Pfarrersfamilie Hugo Specht, für die am 19. Dezember 1943 um 14 Uhr in der Evangelischen Kirche Zell ein Gedächtnisgottesdienst abgehalten wurde.

Wer war die Familie Specht? Hugo Specht wurde am 6. Oktober 1893 in Zell i. W. als Sohn des langjährigen Zeller Pfarrers und späteren Schopfheimer Dekans Hermann Specht (1862-1949) und seiner Frau Hanna geb. Ullmann geboren. Nach dem Theologiestudium in Heidelberg, Kiel und Marburg und seinem Dienst als Kriegsfreiwilliger im I. Weltkrieg wurde er am 5. Oktober 1919 durch seinen Vater in Zell ordiniert. 1919 erfolgt die Rezeption, bevor er seinen Dienst als Vikar an der Ludwigspfarrei Freiburg antrat. In Freiburg lernte er seine Frau, Hanna Auguste Mayer, kennen, die er am 5. Dezember 1922 ehelichte. 1924 wurde Specht ebenda Pfarrverwalter und im Jahre 1929 trat er als Pfarrer der Unteren Pfarrei Schopfheim seinen Dienst an. Acht Jahre später, 1937, schied Hugo Specht aus der Badischen Landeskirche aus und wurde Pfarrer an der Evangelisch-Reformierten Gemeinde Leipzig. Eine schicksalshafte Entscheidung, denn bei dem schweren Bombenangriff auf Leipzig am 4. Dezember 1943 kam er mit seiner gesamten Familie und der Gemeindehelferin Hippe ums Leben.

Diese Nachricht erschütterte auch die Gemeinde, die sich mit der Familie Specht sehr verbunden fühlte und wo man reichlich zwei Wochen später einen Gedächtnisgottesdienst abhielt. Ihn hielt der Dekan Kirchenrat Karl Müller (1880-1953) zusammen mit dem Zeller Pfarrer Karl Pöritz (1902-1975). Als Predigttexte dienten Joh. 10,12 und Ps. 73, 25 f. Dem Eintrag entnimmt man, dass alle fünf Kinder als Schüler starben.
 
 

Neuer Bestand erschlossen: Landeskonvent Baden der zerstreuten evangelischen Ostkirchen

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 20.06.2016

Seit Neuestem steht allen Interessierten ein frisch erschlossener Bestand im Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs zur Verfügung: Der Bestand 112. Landeskonvent Baden der zerstreuten evangelischen Ostkirchen.

Dabei handelt es sich um einen kleinen, aber feinen Bestand: 43 Verzeichnungseinheiten in vier Archivboxen. Inhaltlich finden sich darin Unterlagen zum Landeskonvent Baden, der 1968 in Mannheim in Anlehnung an den großen Konvent der ehemaligen evangelischen Ostkirchen e.V. mit Sitz in Hannover gegründet wurde. Das Findbuch ist als PDF auf unserer Website einsehbar: http://www.ekiba.de/html/content/bestaende486.html

Der Landeskonvent Baden hat sich der Bewahrung und Weitergabe des kirchlichen Erbes der jeweiligen Heimatkirchen verschrieben. Diese Kirchen waren ursprünglich in Landstrichen wie Pommern, Ost- und Westpreußen, Schlesien beheimatet. Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten sich die Vertriebenen ein neues Leben und Gemeindeleben in der Bundesrepublik auf. So auch in Baden.

Der Landeskonvent Baden besteht noch immer und nimmt die gemeinsamen Interessen der verschiedenen Ostkirchen innerhalb Badens wahr. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Seelsorge an Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern und die Unterstützung von zurückgebliebenen evangelischen Minderheiten. Auch Öffentlichkeitsarbeit gehört zu den zentralen Aufgaben, etwa durch öffentliche Tagungen, was sich auch im Archivbestand widerspiegelt.

Der Bestand lädt ein, sich aus der kirchlichen Perspektive heraus mit dem Verlust von Heimat, mit Flucht und Vertreibung und den Ursachen dafür zu beschäftigen. Ein Thema, das gerade heute wieder brandaktuell ist.
 
 

Ganz frisch erschlossen: Das Pfarrarchiv Hoffenheim!

Dr. Tabea Mußgnug schrieb am 31.05.2016
Feldpostbriefe von Kriegsteilnehmern des Deutsch-französischen Krieges an das Pfarramt Hoffenheim  [LkA KA, 044. Hoffenheim, Nr. 353]
Mit einem Umfang von 357 Verzeichnungseinheiten ein mittelgroßes Archiv, in dem sich die Ortsgeschichte von 1652 bis 2000 spiegelt. Besonderes Highlight war eine Kladde voller Feldpostbriefe, und zwar nicht aus den Weltkriegen, sondern aus dem Deutsch-französischen Krieg 1870/71! Der damalige Hoffenheimer Pfarrer hatte gemeinsam mit dem Frauenkreis und dem Jünglingsverein für die Soldaten aus dem Ort gesammelt und jedem ein Päckchen mit Selbstgestricktem und Geld geschickt. Darauf trudelten viele Dankesschreiben von der Front ein. Zwischen den Zeilen erfährt man dabei auch von der Sorge um die daheim Zurückgelassenen, von den Ängsten der Soldaten, von Verwundeten und den lobenswert eifrigen französischen Lazarettschwestern, die sich auch um die verletzten Deutschen kümmerten. Ein interessantes Stück Zeitgeschichte!
 
 

KR Dr. Udo Wennemuth zum Vorsitzenden des Verbandes kirchlicher Archive gewählt

Heinrich Löber schrieb am 30.05.2016
KR Dr. Udo Wennemuth
Auf der 11. Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche, die vom 9 bis 11. Mai 2016 in Wittenberg tagte, wurde die Vorsitzende Frau Dr. Bettina Wischhöfer (Landeskirchliches Archiv Kassel) durch KR Dr. Udo Wennemuth als neuen Vorsitzenden des Verbandes kirchlicher Archive (https://vkaekd.wordpress.com) abgelöst. Dr. Wennemuth ist der Leiter der Abteilung Archiv, Bibliothek und Registratur im Evangelischen Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche in Baden.
Im Verband kirchlicher Archive sind derzeit 62 evangelische Archive vereinigt, darunter neben landeskirchlichen Archiven auch Diakonie- und Missionsarchive und andere evangelische Archive. Der Verband nimmt Aufgaben wahr, die einzelne Archive allein nicht leisten können wie Grundsatzfragen des Archivrechts, der Archivtechnik und Bestandserhaltung. Zugleich dient der Verband dem Erfahrungs- und Wissensaustausch, der durch regionale, jährlich stattfindende Arbeitstagungen wahrgenommen wird und mit dem Jahrbuch 'Aus evangelischen Archiven' eine gemeinsame Zeitschrift unterhält.

Dr. Bettina Wischhöfer wiederum wurde in Wittenberg zur neuen Vorsitzenden der AABevK gewählt und tritt damit die Nachfolge des bisherigen Vorsitzenden Dr. Michael Häusler (Archiv für Diakonie und Entwicklung Berlin) an. Erstmals in der 80jährigen Geschichte der Arbeitsgemeinschaft steht somit eine Frau an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft.

 

Etwas zum Schmunzeln aus dem Archiv der Kirchengemeinde Bruchsal

Mareike Ritter schrieb am 12.05.2016

Die Bearbeitung von Pfarr- und Kirchengemeindearchive ist immer abwechslungsreich und keineswegs eintönig und langweilig. Etwas zum Schmunzeln fand die Bearbeiterin im Archiv der Kirchengemeinde Bruchsal. Hier tauchten in den Bauakten Zahlungserinnerungen der „Herforder Elektricitäts-Werke“ in Gedichtform auf.

Am 9. Mai 1957 erhielt das Pfarramt folgende Zahlungserinnerung:

Eine weitere Zahlungserinnerung folgte am 7. Juni 1957:

Die Archive der Luthergemeinden Bruchsal Nord und Süd sowie das Archiv der Kirchengemeinde Bruchsal werden momentan bearbeitet. Bisher gab es nur ein Pfarrarchiv für Bruchsal Nord sowie ein gemeinsames Archiv für Bruchsal Süd und die Kirchengemeinde. Im Pfarrarchiv Nord fanden sich neben eigenen Akten auch Akten des Dekanats Karlsruhe-Land (Pfarrstelleninhaber war auch Dekan) sowie der Kirchengemeinde. Hier konnte durch die Bearbeitung der Bestand stark verkleinert werden. Sehr viel aufwändiger ist die Bearbeitung des Archivs der Kirchengemeinde, da hier keine Unterscheidung zwischen Luthergemeinde Süd und Kirchengemeinde gemacht wurde. Der gesamte Bestand muss daher gesichtet und Akten meist auseinander genommen werden. Zur Kirchengemeinde Bruchsal gehören momentan neben der Luthergemeinde (Bruchsal Nord und Süd fusionierten im Jahr 2004), die Paul-Gehrhardt-Gemeinde Bruchsal sowie die Christusgemeinden Unter- und Obergrombach. Zeitweise waren auch die Evangelischen in Karlsdorf, Forst und Ubstadt der Kirchengemeinde zugeordnet.

Das Archiv der Kirchengemeinde umfasste bisher ca. 10 lfdm. Daneben gibt es noch die Registraturakten der Kirchen- und der Pfarrgemeinde mit einem Umfang von ca. 60 Ordner, die im Zuge der Archivbearbeitung auch durchgesehen werden.

 

Adieu Badische Oberrandheftung!

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 15.03.2016

Seit 01.01.2016 wird die Badische Oberrandheftung im Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe nicht mehr verwendet. Stattdessen befindet sich seitdem die Standard-Zweifachlochung zum Zusammenhalten der Akten in Gebrauch.

Diese Meldung klingt zunächst eher unspektakulär, sofern sie überhaupt Aufmerksamkeit erregt. Betrachtet man jedoch die historischen Hintergründe, wird deutlich, was für einen Einschnitt der Abschied von der Badischen Oberrandheftung tatsächlich bedeutet.

Die Badische Oberrandheftung bezeichnet eine Art und Weise, Akten zu binden. Alle Blätter der Akte werden am linken oberen Rand im Abstand von ca. 4 cm zweifach gelocht und zwischen zwei stabilen Aktendeckeln mit Hilfe eines sogenannten Aktenstechers, eines Metallspießes, auf einer Schnur aufgefädelt. Auf der Rückseite des so entstandenen Bündels wird die Schnur durch einen speziellen Knoten, den Badischen Knoten gesichert. Zum Bearbeiten oder Erweitern der Akte wird dieser Knoten gelöst, zum Blättern in der Akte verhindert man durch Knüpfen eines Leseknotens (einer einfachen Schlaufe), dass Seiten herausrutschen.

Dieses Verfahren Akten zu bilden ist einfach, praktisch, mit geringen Materialkosten verbunden und einzigartig in Baden! Dort ist es nachweislich seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Gebrauch. Der Geheime Rat Nikolaus Brauer beschreibt das Verfahren in einer Archivordnung von 1801, die er im Auftrag von Markgraf Carl Friedrich zu Baden und Hochberg erarbeitete. Vermutlich wurde diese Art der Aktenheftung aber bereits vorher in der Verwaltung der Badischen Markgrafschaft verwendet.

Seit dem 14. Jahrhundert fand Papier immer weitere Verbreitung in den Verwaltungsapparaten der verschiedenen Herrschaften. Und dieses Papier musste in irgendeiner Form geordnet und gelagert werden, um bei Bedarf darauf zurückgreifen zu können. Die gängige Praxis, Dokumente des Verwaltungshandelns stapelweise in Regalen oder Schränken zu lagern, brachte einen entscheidenden Nachteil mit sich: Eine lose Blattsammlung gerät leicht durcheinander. Einzelne Blätter können entnommen werden, die innere Ordnung der Dokumente kann verloren gehen. In Preußen löste man dieses Problem, indem man die Akten zusammennähte. Die Badener dagegen entwickelten die beschriebene Variante. Diese hatte auch den Vorteil, dass das Papier geschont und jedes Dokument vollständig und bequem lesbar blieb.

Die Badische Aktenheftung hat sich zum Teil bis heute gehalten, etwa bei den Staatsanwaltschaften und Gerichten im Bezirk des Oberlandesgerichts Karlsruhe oder eben in Registratur und Archiv des Evangelischen Oberkirchenrats.

Warum heißt es jetzt also Abschied nehmen von der altbewährten Heftung? Und gibt es in Zeiten, in denen der Großteil der Kommunikation elektronisch geführt wird, überhaupt noch Papier, das vor dem Durcheinander bewahrt werden müsste?

Die Digital Natives werden verwundert den Kopf schütteln, aber es ist tatsächlich so: Noch immer dominiert in der täglichen Verwaltungsarbeit auf dem Gebiet der Badischen Landeskirche das Papier. Um die Transparenz und Nachvollziehbarkeit des Verwaltungshandelns zu dokumentieren, ist nach wie vor die Papierakte ausschlaggebend. Und das bedeutet, dass die Ordnung derselben immer noch Thema ist.

In der Handhabung hat sich die Badische Art zu Lochen und zu Fädeln inzwischen als doch recht umständlich und nicht mehr zeitgemäß erwiesen. Und so ist die Entscheidung getroffen worden: Akten werden künftig standard-gelocht.

Die Traditionalisten und Romantiker unter den Lesern möchte ich an dieser Stelle beruhigen: Im Archiv der Badischen Landeskirche bleibt die Badische Oberrandheftung selbstverständlich erhalten. In den Magazinen des Archivs lagern knapp 3000 laufende Meter Archivgut, der Großteil davon Akten, die in der beschriebenen Weise geheftet sind und dies auch bleiben werden.

Zum Weiterlesen:

Reform des badischen Archivwesens zwischen 1771 und 1803:

http://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/120/53276/A%2020_John.pdf

 

Pfarrarchiv Sinsheim erschlossen

Tabea Mußgnug schrieb am 09.03.2016

In den letzten Monaten wurde das Pfarrarchiv Sinsheim erschlossen, das mit 6,8 lfd Metern und 453 Verzeichnungseinheiten beachtliche Ausmaße besitzt. Doch nicht nur der Umfang, auch das Alter der Akten ist bemerkenswert – immerhin stammt die älteste Akte aus dem Jahr 1692! In den alten Akten erfährt man von dem schweren Leben der einfachen Sinsheimer Familien, die von ihrer mühsam eingebrachten Ernte immer wieder den Zehnten abgeben mussten – und nicht nur in Form von Getreide, Gemüse, Obst und Fleisch: Es gab auch exotischere Zehntregelungen, wie den Tabak-Zehnten und den Mohn-Zehnten. Einen Teil davon bekam der Pfarrer als Besoldung; inklusive Holz für den Winter. Zum Glück sind die Zeiten, in denen der Pfarrer von seinen Schäfchen mit Naturalien bezahlt werden musste, inzwischen vorbei!

 

Unterlagen von Pfarrer und Dekan Friedrich Bossert (1885-1963) aus dem II. Weltkrieg

Heinrich Löber schrieb am 11.02.2016
Feldpostkorrespondenz Pfarrer Bossert mit seinen drei Söhnen [LkA KA, 150.107, unverz.]

Ergreifende Zeugnisse aus der Zeit des II. Weltkrieges wurden dem Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe aus dem Nachlass des Neckargemünder Pfarrers und Dekans Friedrich Bossert (1885 – 1963)  abgegeben.

Es handelt sich dabei um die Feldpostkorrespondenz als Adressat und Absender [größtenteils masch.] mit seinen drei Söhnen Daniel, Friedrich (Fritz), Hellmut (alle 1942/43 im Osten gefallen) sowie Gefallenenanzeigen, Todesnachrichten, Zeitungsannoncen, Unterlagen zu den Trauergottesdiensten und Wehrpässe.

Diese 0,2 lfde. Meter sind bislang unverzeichnet, aber dennoch einseh- und überblickbar, weil diese Unterlagen chronologisch und nach Söhnen sortiert übergeben wurde. Insgesamt ergibt sich dem Leser ein erdrückendes Bild jener Jahre und einer vom Schicksal heimgesuchten Amtsperson unserer Landeskirche.

Die Unterlagen sind als ‚Nachlass Bossert, Friedrich‘ (Sign.: 150.107) in die Bestände des Landeskirchlichen Archivs aufgenommen und - nach vorheriger Anmeldung - für eine Einsicht im Lesesaal offen. Eine Bestandsbeschreibung findet man in der Zentralen Nachlassdatenbank (www.nachlassdatenbank.de).