Lesesaal

 

Das historische Haupttreppenhaus des Evangelischen Oberkirchenrates Karlsruhe, 1905 bis 1907 erbaut
Absatz der 1./2. Etage des Haupttreppenhauses des EOK im Jahre seiner Erbauung (1907) mit Blick auf den Eingang zur Dienstbibliothek (in: Moderne Bauformen. Monatshefte für Architektur 7 (1908), S. 145) [LkA KA, 154., Nr. 1089/1]
Der ursprünglich als Dienstbibliothek eingerichtete Raum im 1905 bis 1907 erbauten Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe wurde 2020/21 als gemeinsamer Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs und der Landeskirchlichen Bibliothek eingerichtet und hat als solcher im Frühsommer 2021 den Betrieb aufgenommen. Damit ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, denn die Nutzenden des Landeskirchlichen Archivs waren über die Jahrzehnte hinweg in weit weniger repräsentativen Räumlichkeiten des Dienstgebäudes der Landeskirche in Karlsruhe untergebracht.
Der Weg zum Lesesaal durch das ebenso historische Haupttreppenhaus des von den Jugendstilarchitekten Robert Curjel und Karl Moser errichteten und unter Denkmalschutz stehenden Gebäude des Evangelischen Oberkirchenrates in der II. Etage des Hauses lässt dieses Fluidum bereits erahnen: Die Vorhalle und das Haupttreppenhaus sind ein architektonisches Kleinod. Ihre Ausmaße sind herrschaftlich und großzügig und zugleich wohlproportioniert, die Details liebevoll durchgearbeitet und aufeinander abgestimmt, so dass es ein Genuss ist, sich in das Gebäude hineinführen zu lassen (Anne Sick).
Für die Nutzenden des Archivs und der Bibliothek wurden acht Arbeitsplätze eingerichtet worden. Drei davon wurden als Onlinerecherche- oder EDV-Arbeitsplatz sowie einer als Mikrofilmlesearbeitsplatz eingerichtet. Letzterer ist mit einem PC verknüpft, so dass dieser - wie schon im alten Archivlesesaal - zum Digitalisieren von verfilmten Kirchenbucheinträgen, parallel oder eigens für die Einsicht im Kirchenbuchportal (www.archion.de) zur Verfügung steht. Ein Login in das Kirchenbuchportal ist unverändert durch den Archivaccount möglich und in den Benutzergebühren enthalten. Hier kann dieser Onlineservice also ausprobiert oder genutzt werden.
Daneben sind seit Anfang 2022 die über 7.500 reprodigitalisierten Kirchen- und Familienbücher "digital und ohne Archion" im Lesesaal recherchierbar, jenseits der magischen Grenze des 1. Februar 1876 (Einführung der Personenstandsgesetzgebung unter Reichskanzler Bismarck) bis in die 1960er Jahre hinein. Eine neue Qualität konnte damit erreicht werden (digitaler Lesesaal). Was heißt das für die Nutzenden? Alles ist wie immer, nur dass die Bücher, deren Laufzeit nach 1876 beginnt, nicht mehr als Verfilmung vorgelegt werden, sondern diese als Gesamtbestand in einem separaten Laufwerk vereint an drei PC-Arbeitsplätzen komfortabel einsehbar sind. Ein Schreib-, Lösch- und Kopierschutz wurde eingerichtet. Auch ist das Erstellen von Reproduktionen unkompliziert möglich. Der Probebetrieb wurde bestanden.
Natürlich steht das Mikrofilmlesegerät weiterhin zur Verfügung, denn die Verfilmungen weisen - entgegen den digitalen Dateien - kein Wasserzeichen auf.
Des Weiteren wurden zwei Lesesaal-Aufsichtsplätze installiert und bezogen: Einer für den/die diensthabende/n Bibliothekar/in und einer für die/den diensthabende/n Archivar/in.
Die Neuausrichtung des Lesesaals hatte auch Konsequenzen für den Präsenzbestand der Landeskirchlichen Bibliothek. Dieser hat eine veränderte Gestalt erhalten u. a. durch seine Erweiterung um den Präsenzbestand der Archivbibliothek. Letztere hat in den Regalen der Ostseite seinen Platz gefunden und ist den Nutzenden des Landeskirchlichen Archivs vor Augen und für eine Lektüre in Griffhöhe aufgestellt. Das betrifft die einschlägige Literatur wie die der Ortsfamilienbücher, Pfarrerbücher, orts(kirchen)historischen Literatur sowie Monographien zur badischen Landeskirchengeschichte und zu Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens.
 
 

  
Dass Nutzende des Landeskirchlichen Archivs im heutigen Lesesaal des Evangelischen Oberkirchenrates Karlsruhe recherchieren, ist erst seit dem Frühsommer 2021 der Fall. Die Archivbesuchenden arbeiteten bis dahin in weit weniger repräsentativen Räumlichkeiten ...
Beim Bau des Evangelischen Oberkirchenrates (1905-1907) war ein Archiv nicht vorgesehen. Erst 1939/40 wurde ein Landeskirchliches Archiv beim Evangelischen Oberkirchenrat eingerichtet und zwar in den Kellerräumen des Hauses, wo sich offensichtlich auch das Dienstzimmer des ersten Kirchenarchivdirektors Hermann Erbacher (1909-1999) befand. Im Keller wurde auch der "Lesesaal" eingerichtet, der über Jahrzehnte bis zum Ende der 1980er Jahre ebenda Bestand hatte und damit alle Klischees eines Archivs bediente.
Ende der 1980er Jahre zog der "Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs " zu den Diensträumen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs im Erdgeschoss des Oberkirchenrates. Dort, in einem ehemaligen Zimmer einer Dienstwohnung für Oberkirchenräte mit Blick gen Osten hin zum Nymphengarten, wurde dieser Raum eingerichtet. Doch die Bezeichnung 'Lesesaal' war auch hier vielversprechender als sich dieser Raum wirklich präsentierte. Diese Lösung war seinerzeit ein Kompromiss und könnte nur ein Interim sein, das aber immerhin über 30 Jahre Bestand hatte.
Ob die Archivnutzenden diese Räume vermissen? Wohl kaum! Denn ein lang gehegte Wunsch ging 2020/21 in Erfüllung: Der historische Raum, welcher anfänglich als Dienstbibliothek des 1905 bis 1907 erbauten Evangelischen Oberkirchenrats Karlsruhe diente, dann die Landeskirchliche Bibliothek beherbergte, wurde als gemeinsamer Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs und der Landeskirchlichen Bibliothek eingerichtet und hat als solcher im Frühsommer 2021 den Betrieb aufgenommen.
Auch die Nutzenden der Bibliothek werden „ihre Bibliothek“ kaum wieder erkennen. Die Zettelkatalogkästen, die den Raum in seiner Mitte beherrschten, sind verschwunden und der Platz wurde für acht Nutzendenplätze nutzbar gemacht. In der Westseite des Raumes fanden die Lesesaal-Aufsichtsplätze für die diensthabenden Archivar*innen und Bibliothekar*innen sowie die Empfangstheke ihren Platz.
Dieser neu gestaltete Lesesaal wirkt nun gänzlich anders: Ein mit historischer Holzvertäfelung ausgestatteter heller, hoher Raum mit Arbeitsplätzen in seiner Mitte, die umgeben sind von Büchern und umrahmt durch eine Galerie, versprüht seine Aura schon beim Betreten. Schon von der Blumenstraße her betrachtet ist der Lesesaal in der Eingangsfassade ablesbar: Er springt etwas nach vorne und seine hohen Fenster erstrecken sich über zwei Geschosse.
  
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