Blog-Archiv 2019

 

Weihnachten und Neujahr

Heinrich Löber schrieb am 20.12.2019
Kirche Moritzburg bei Dresden (1979)
Weihnachten vor 40 Jahren in der evangelischen Kirche Moritzburg bei Dresden (1979)
Allen unseren Benutzerinnen und Benutzern wünschen wir gesegnete Weihnachtstage sowie ein gutes neues Jahr. Mögen auch im Jahre 2020 der Forscherdrang anhalten und die Recherchethemen nicht ausgehen! So freuen wir uns auch künftig, wenn Sie sich mit Ihren Anliegen an uns wenden.
 
Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe
 

Nach Archivportal-D und der Deutschen Digitalen Bibliothek Erschließungsdaten unseres Archivs nun auch im Archivportal Europa

Heinrich Löber schrieb am 19.12.2019
Logo des Archiv Portals Europe.
Nachdem im Herbst die Beständeübersicht (Tektonik) und die Findmittel der zentralen Bestände unseres Archivs (General- und Spezialakten) im Archivportal-D und in der Deutschen Digitalen Bibliothek veröffentlicht wurden (s. Blogbeitrag vom 8.10.2019), sind die Erschließungsdaten nun auch im Archivportal Europa zu recherchieren. Denn im Zuge der Zusammenarbeit zwischen dem Archivportal-D / der DDB und dem 'Archivportal Europa' sind die für Ersteres bereitgestellten Daten unseres Archivs zugleich im 'Archivportal Europa' online gestellt worden: Die Übertragung der Erschließungsdaten erfolgt nach der Veröffentlichung oder Aktualisierung der Daten im Archivportal-D und in der DDB automatisch.
Die Onlinefindmittelbereitstellung nimmt also immer größere Formen an: Archivbenutzende können nun auch im 'Archivportal Europa' übergreifend in allen Findmitteln der teilnehmenden Archiveinrichtungen recherchieren und sich Suchergebnisse und ggf. digitalisierte Archivalien aus Archiven unterschiedlichster Träger anzeigen lassen.
 
 

Community der Autorinnen und Autorinnen von Ortsfamilienbüchern traf sich im Rahmen einer Tagung

Heinrich Löber schrieb am 3.12.2019
 "Gemeinsam einsam?" - unter diesem Thema fand am 29. November 2019 eine vom Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe veranstaltete Tagung für Verfasserinnen und Verfasser badischer evangelischer Ortsfamilienbüchern (OFB) im Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe statt.
Karte der Landeskirche mit Nadeln auf den Orten, die ein OFB aufweisen (grün), für die ein OFB in Bearbeitung (rot) oder in Neuauflage begriffen ist (gelb)
Karte der Landeskirche mit Nadeln auf den Orten, die ein OFB aufweisen (grün), für die ein OFB in Bearbeitung (rot) oder in Neuauflage begriffen ist (gelb)
Aus diesem Kreis heraus war der Wunsch nach einer derartigen Zusammenkunft entstanden. Immerhin wird derzeit - nach unseren Informationen - an 153 badischen evangelischen Ortsfamilienbüchern gearbeitet, darunter 20 Neuauflagen, sei es als Arbeitsgruppe oder Einzelkämpfer. Mit etwa 50 Teilnehmenden wurden etliche Facetten, die im Zusammenhang mit der Entstehung eines Ortsfamilienbuches stehen, zur Sprache gebracht.
Klaus Siefert
Klaus Siefert
Nach einer Begrüßung der Teilnehmenden durch KR Dr. Udo Wennemuth im Namen des Evangelischen Oberkirchenrats und einer Einführung durch Heinrich Löber, dem Bereichsleiter des Archivs, berichtete zunächst der langjährige Vertreter der IG Badischer Ortssippenbücher, Klaus Siefert aus Lahr, davon, wie er angeregt durch Albert Köbeles genealogische Forschungen von klein auf mit dieser Art genealogischer Arbeit vertraut war und diese als dessen Nachfolger bis heute fortführt.
Als ein Verfasser württembergischer Kirchenbuchabschriften skizzierte Jörg Heinrich, Berlin, sehr anschaulich Fallstricke und Stolperfallen bei der Transkription von Kirchenbüchern. Anhand von Beispielen seiner jahrelangen Arbeit an den Klein- und Großheppacher Kirchenbüchern konnte er ein Problembewusstsein, aber auch Wege aufzeigen, Lösungen zu finden und sich von "Unwegbarkeiten" nicht entmutigen zu lassen.
Friedrich Wollmershäuser und Plenum
Friedrich Wollmershäuser
Jörg Heinrich
Jörg Heinrich
Der Berufsgenealoge und Rezensent südwestdeutscher OFBs, Friedrich Wollmershäuser, Oberdischingen, ging der Frage nach "Was soll ein OFB bieten?". Als ein ausgewiesener Kenner der Materie, der allein in den SWDB 2019 sieben OFBs rezensierte, äußerte er seine Sicht auf ein "gutes OFB", betonte aber die Freiheit der Autoren. Sein Appell galt der zuweilen wenig beachteten konfessionellen Gegebenheiten: Wenn jemand in einem Kirchenbuch nicht nachgewiesen ist, heißt das noch lange nicht, dass er nicht ortsansässig war, sondern vielleicht als Reformierter in einem lutherischen Ort andernorts "versorgt" wurde. Gleiches gilt für jemanden, der vielleicht 60 Jahre ortsansässig war, aber, weil keine Kasualhandlung stattfand, er in den Standesbüchern (natürlich) nicht nachweisbar ist. Auch nannte Wollmershäuser ein gutes Beispiel für ein immer wiederkehrendes Aufführen ein und derselben Familie mit unterschiedlichen Namen im südbadischen Raum, die der offiziellen und der mundartlichen Schreibweise geschuldet ist: Wagner = Wangler und Steinhart = Steyert. "Entscheiden Sie sich bitte für eine Variante und nennen Sie die andere!".
Das Plenum lauscht Susanne Breuel und ihrer Kollegin
Susanne Breuel, Weißenthurm
, beleuchtete als Geschäftsführerin des Cardamina-Verlags technische, rechtliche und finanzielle Fragen der Veröffentlichung eines OFB. Dabei brach sie eine Lanze für das Medium Buch und stellte das Angebot einer Drucklegung auf Bestellung (Book-on-Demand) Ihres Verlages vor.
Konstantin Huber
Konstantin Huber
Unterschiedliche Möglichkeiten des Auffindens und der Auswertung von Quellen jenseits der Primärquelle der Kirchenbücher zeigte Konstantin Huber, Pforzheim, am Beispiel "seines" Archivs, des Kreisarchivs des Enzkreises, auf: Standesbücher, Genealogennachlässe (z. B. Ernst Hahner), Personalakten, Musterungslisten, Auswanderungsakten, Inventare von Nachlass- und Vormundschaftsakten, Lagerbücher, Beraine sowie Steuerbücher bilden Quellengattungen, in denen sich Angaben finden lassen, die ein weitgefassteres Bild eines Menschen, einer Familie geben können.
Löber und Goodwin
Gilbert Goodwin und Heinrich Löber (v.r.)
Den Abschluss machte Gilberg Goodwin, Stuttgart, indem er die Bestände des Archivs und der Bibliothek des Vereins für Familienkunde in Baden-Württemberg (VFKBW) vorstellte. Goodwin gab zu bedenken, dass man das Rad nicht in jedem Fall neu erfinden müsse, sondern zunächst die zahlreichen Hinterlassenschaften anderer zur Kenntnis nehmen solle (Ortschroniken, Festschriften, Nachlässe usf.).
Es ist gedacht, die Beiträge dieser Tagung zu veröffentlichen.
 

Am Anfang nicht erwünscht. Zur Geschichte des Theologischen Studienhauses Heidelberg

Frank Laubert schrieb am 28.11.2019

Erste eite Protokollbuch ThStH HD [120.09., Nr. 4]
"Im Namen Jesu" - 1. Seite des Protokollbuchs, angelegt von Dr. Ludwig Lemme (21.10.1917) [LkA KA, 120.09., Nr. 4]
Aller Anfang ist schwer! So ging es auch Dr. Ludwig Lemme, Professor für Systematische Theologie, im Jahre 1891 mit seiner Idee, ein Haus für Theologiestudenten zu gründen, in dem diese miteinander leben, lernen und sich austauschen können. Er selbst hatte während seiner Studienzeit die Förderung durch ein anderes Haus, wo er auch acht Jahre als Konviktsinspektor tätig war, erfahren und positiv in Erinnerung.

Vom Großherzog von Baden zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen wird sein Anliegen auf staatliche Unterstützung aber durch liberale Kräfte abgelehnt; auch die Landeskirche lässt ihn im Stich.

1917 schließlich wird anlässlich des 70. Geburtstages von Dr. Ludwig Lemme der Verein „Theologisches Studienhaus in Heidelberg“ e.V. von einflussreichen Männern der kirchlich–positiven Vereinigung in Baden gegründet, die er zuvor von seinem Projekt überzeugt hatte. Durch Gaben, Stiftungen und Spenden, darunter 50.000 Mark des Freiherrn Krupp von Bohlen und Halbach aus Essen, sowie angeregt durch seinen früheren Freund und Pfarrer Hermann Gilg aus Heidelberg und Mitglieder der Kirchlich-Positiven, konnte der Verein auch ohne jegliche andere Unterstützung im Frühjahr 1918 ein Anwesen in Heidelberg erwerben. In der Neuenheimer Landstraße 34 konnten so zum Wintersemester 1918/19 die ersten sechs Studenten in das Studienhaus, das Allen unterschiedslos offenstehen sollte, einziehen. Es war vollbracht!

Gedicht Adventsfeier ThStH HD (1973) [120.09.,Nr. 61]
Die ersten vier Strophen des von einem Konviktualen verfassten Gedichts zur Adventsfeier 1973 [LkA KA, 120.09., Nr. 61]
In seiner nunmehr über 100jährigen Geschichte haben das Haus sowie seine Bewohner und Mitarbeiter einiges erleben dürfen und müssen: Zunächst die Inflation, dann die Zeit der NS–Diktatur und der II. Weltkrieg sowie die schweren Jahre der Nachkriegszeit. Des Weiteren die allgegenwärtige Sorge um den Unterhalt des Hauses und das Ende des alten Hauses im Frühjahr 1965 wegen Einsturzgefahr durch Bergrutsch und dem schließlichen Abriss des Gebäudes.

Nach siebenjähriger Unterbrechung wegen Planung und Neubebauung eröffnete am 13.07.1973 ein jetzt größeres, moderneres, mit Bibliothek und Mehrzwecksälen sowie einer Sauna ausgestattetes Studienhauses für 60 Studenten.

Dann der Schock - erneut rutscht der Berg und das Studienhaus muss  1979 bis 1981 erneut geschlossen werden, um Absicherungsmaßnahmen durchführen zu können.

Ein ganz neues Konzept wird 1999 beschlossen. Es sieht vor, dass das Theologische Studienhaus und das Predigerseminar Petersstift zukünftig gemeinsam unter einem Dach sein sollen. Dazu wird von 2000 bis 2002 das Peterstift aus- und umgebaut. Mit dem Einzug ins Moratha–Haus, Neuenheimer Landstraße 2, ging es nun in eine neue Zeit und die Landeskirche hatte sich mit der Einrichtung in Heidelberg mittlererweile auch anfreunden können!

Neben Protokollen, Schriftverkehr und Berichten, Schadensmeldungen und Rechnungen gibt es aber auch Unterlagen zur Baugeschichte mit Plänen und Bildern. Arbeitsverträge, Zeugnisse und Bescheinigungen für Mitarbeiter und Praktikanten des Hauses sind ebenso vorhanden wie Festschriften zum zehnjährigen Bestehen des Vereins und zur Neueröffnung des Hauses 1973. Außerdem im Bestand gibt es jeweils eine maschinenschriftliche Kopie einer Vorlesung zum Thema „Der Begriff der Natur und seine Geschichte 1“, gehalten von Georg Picht im Wintersemester 1973/74, sowie Teil 2 gehalten von Gerhard Liedke im Sommersemester 1974.

Insgesamt hat der Bestand „Theologisches Studienhaus in Heidelberg“ eine Laufzeit von 1917 bis 2001 und einen Umfang von 1,8 lfden Metern. Recherchierbar ist der Bestand auch durch ein Onlinefindmittel.
 
 

Das Findbuch der Diasammlung ist online - es folgen die Dias selbst

Heinrich Löber schrieb am 22.11.2019
Diakasten 'Sinsheim 1' KBA
In derartigen Kästen sind die Dias des Kirchenbauamtes gelagert (gewesen) - hier Kasten "Kirchenbezirk Sinsheim 1".
Über zehntausend Dias umfasst die Diasammlung des Landeskirchlichen Archivs. 4000 von ihnen wurden in den letzten Jahren erschlossen. Das (vorläufige) Findbuch dieses Bestands '166., Dias' wurde nun online gestellt und ist damit komfortabel recherchierbar.
Dieser Bestand bildet sich in der Hauptsache aus der Diasammlung des Kirchenbauamtes mit Aufnahmen landeskirchlicher Gebäude. Sie wurde in den 1990er Jahren an das Landeskirchliche Archiv abgegeben
und lag seriell in Kassetten nach Kirchenbezirken sowie innerhalb der Kassetten alphabetisch nach Gemeinden/Orten vor.
Des Weiteren besteht die Sammlung aus Dias unterschiedlicher Provenienz, die bei der Abgabe von Beständen herausgelöst und dieser Sammlung hinzugefügt wurden (z. B. Frauenarbeit, Dorfhelferinnenwerk, Nachlässe, Spezialakten, Gustav-Adolf-Werk Baden etc.).
Die 4000 erschlossenen Dias haben ihre Provenienz in der Hauptsache im Kirchenbauamt. Ihr Wert besteht vor allem in der Dokumentation von Kriegsschäden und des (Wieder-)Aufbaus in den 1950er Jahren (s/w-Positive) sowie in der in den 1980er und 1990er Jahren durchgeführten fotografischen Bestandsaufnahme aller landeskirchlichen Gebäude und zahlreicher Baumaßnahmen (Farb-Positive) - vom Kirchengebäude bis hin zum Rüstzeitheim.
In der Sammlung finden sich zudem Motive ganz anderer Klassifizierungen: Personen, Orte und Landschaften, Ereignisse, Gruppenaufnahmen, Gegenstände (Vasa sacra etc.).
Da oftmals ein Dia das einzige Bildmedium eines Objekts zu einem bestimmten Zeitpunkt oder eines Ereignisses darstellt, ist ihr Quellenwert insgesamt als hoch anzusetzen.
Die Dias werden derzeit digitalisiert und künftig als Reprodigitalisate benutzbar sein: In der ersten Jahreshälfte 2020 können die interessierten Nutzenden das auch mit Bildern hinterlegte neu zu erstellende Findmittel einsehen und eine gute Vorstellung davon erhalten, welchen Quellenwert dieser Bestand bereithält. Die digitalisierten Dias werden den Nutzenden dann nicht nur für eine Ansicht, sondern auch für eine eigene Verwendung zur Verfügung stehen.
 
 

Die evangelische Gemeinde Dertingen und der Zauber der Literatur

Natascha Wetzel schrieb am 19.11.2019

Frhr. v. Stockhorn an Pfr. Duffing
Erste Seite des Schreibens von dem Geh. Regierungsrat von Stockhorn an Pfarrer Duffing (20.11.1870) [044. Dertingen, Nr. 289]
Vor 149 Jahren erreichte den Dertinger Pfarrer Johann Georg Duffing (1830-1895) ein Brief aus Karlsruhe. Noch konnte er nicht erahnen, welches Anliegen den Geheimen Regierungsrat Johann Freiherr von Stockhorn dazu veranlasste zur Feder zu greifen. Pfarrer Duffing las die ersten Worte: Lieber Herr Pfarrer! Wiewohl die Bibel – dieses Buch der Bücher, diese heilige Urkunde u. alleinige Richtschnur unseres Glaubens u. Lebens – nebst dem Gesangbuch das erste und herrlichste Lehrbuch für alle Christen sein u. bleiben muß, so trägt doch auch das Lesen guter Volks – u. Jugendschriften dazu bei, den Gedanken eine edlere Richtung zu geben […]. Der Geheime Regierungsrat pries den positiven Einfluss der guten Volksliteratur auf die Menschen an. Sie diene der Förderung der Religiosität u. Sittlichkeit, verhindere schlechte Gesellschaften und rufe mehr Verständnis für die Wege Gottes im Menschenleben hervor.

Johann Freiherr von Stockhorn hatte es sich daher zur Aufgabe gemacht, durch die Schenkung vorzüglicher und gemeinsam mit dem Pfarrer ausgewählter Literatur, Ortsbibliotheken zu gründen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Familienväter, sonst tägliche Wirtshaussitzer, bleiben jetzt Abends zu Hause, u. lesen den Ihrigen aus jenen Büchlein vor […] Bürger kommen auf dem Schul- oder Rathhauszimmer Abends an den Sonntagen zusammen, wo der Pfarrer oder ein Bürger vorliest; Kranke lesen mit großem Dank u. Freude; […] u. selbst ledige Bursche[n] kommen zum Vorlesen zusammen oder lassen sich das Gelesene erzählen, u. meiden das Wirthshaus; ja sogar die Zahl der unehelichen Kinder hat sich seitdem, wie mir ein Pfarrer schrieb, bedeutend vermindert.

Und wie reagierte Pfarrer Duffing auf diesen Brief? Ein Antwortschreiben ist in Akte Nr. 289 leider nicht enthalten. So bleibt uns nur ein weiteres Schriftstück des Geheimen Regierungsrates vom 9. Dezember 1870. Der Schreiber entnimmt dem Brief des Pfarrers welches Vergnügen ich [Johann Freiherr von Stockhorn] Ihnen u. Ihrer Gemeinde damit gemacht u. welch schöne Hoffnung ich habe, daß die Ortsbibliothek zum Segen der Gemeinde gedeihen werde. Welche Auswirkung die Literatur auf die Dertinger Bevölkerung hatte ist allerdings nicht überliefert …

Das Findbuch des Archivs der Kirchengemeinde Dertingen ist ab sofort online abrufbar. Die darin enthaltenen Schriftstücke spannen einen Bogen von 1705 bis in die Gegenwart. Pünktlich zur Winterzeit lädt die Kirchengeschichte Dertingens zum Entdecken und Forschen ein.
 
 

Von der Urkunde zur Datenbank – Aufbau eines digitalen Langzeitarchivs für die Diözesen und Landeskirchen in Baden-Württemberg

Verbund der vier Kirchenarchive Baden-Württemberg (18.11.2019)

DIMAG
Wie alle Mitarbeitenden der kirchlichen Verwaltung stehen auch die Kirchenarchivarinnen und -archivare vor den Herausforderungen der Digitalisierung. Die Kirchenarchive müssen sich angesichts von einer Vielzahl von digitalen Daten, die in Form von Fachverfahren, Dateiablagen und der E-Akte vorliegen, die Frage stellen, wie digitale Daten übernommen, bewertet und aufbewahrt werden können. Dabei stehen sie vor der Herausforderung, die digitalen Daten trotz einer Vielzahl von technischen Veränderungen und Neuerungen für die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte lesbar und benutzbar zu erhalten. Um ihrem rechtlichen und kulturellen Auftrag auch in Zukunft gerecht werden zu können, müssen die Kirchenarchive ein digitales Langzeitarchiv betreiben.

Schnell wurde dabei deutlich, dass sich ein Projekt zum Aufbau eines digitalen Langzeitarchivs ideal für eine Kooperation zwischen dem Erzbischöflichen Archiv Freiburg, dem Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe, dem Diözesanarchiv Rottenburg und dem Landeskirchlichen Archiv Stuttgart eignen würde. Die Kommunal- und Universitätsarchive hatten es bereits vorgemacht und sich im Verbund einer Kooperation mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg angeschlossen.

Auch die kirchlichen Archive kamen zur Übereinkunft, dass das Landesarchiv Baden-Württemberg ein idealer Partner für die Digitale Langzeitarchivierung darstellt. Das Landesarchiv entwickelte bereits 2006 das Archivierungssystem DIMAG (DIgitales MAGazin). Seit 2010 wird das System in einem Entwicklungsverbund, dem die Landesarchive Baden-Württemberg und Hessen, die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns und das Digitale Archiv Nord angehören, gemäß internationalen Standards kontinuierlich weiterentwickelt. Neben der Expertise des Landesarchivs und der bewiesenen Leistungsfähigkeit des Produkts, war eine starke Community und die öffentliche Trägerschaft ein entscheidendes Argument für DIMAG. Beides bürgt dafür, dass die Weiterentwicklung von DIMAG langfristig sichergestellt wird und die kirchlichen Archive einen dauerhaften Kooperationspartner gewinnen konnten.

Für die Auswahl eines Rechenzentrums zur Bereitstellung der technischen Infrastruktur bot sich mit dem Kirchlichen Rechenzentrum Südwestdeutschland in Eggenstein-Leopoldshafen bei Karlsruhe (KRZ SWD) ein idealer Partner an. Entscheidende Faktoren für das Kirchliche Rechenzentrum sind neben der kirchlichen Trägerschaft das kostengünstige und qualitätsvolle Angebot und die redundante Sicherung der Daten an zwei verschiedenen Standorten in Baden-Württemberg.

Zusammen mit den kirchlichen Partnern, dem Landesarchiv Baden-Württemberg und dem Kirchlichen Rechenzentrum wurde somit eine Infrastruktur geschaffen, die die Grundlage bildet, dass elektronische Informationsobjekte nun sicher und dauerhaft aufbewahrt und genutzt werden können.

 

 

Gamburg, Sowjetunion und viel mehr – Der Kirchliche Dienst auf dem Lande (KDL)

Frank Laubert schrieb am 15.11.2019

Gamburg in Moskau
Titelblatt des Berichts über die Studienfahrt des KDL "Gamburg in Moskau" im Sept. 1970 [LkA KA, 075., Nr. 29]
Die Wirkungszeit der beiden Pfarrer Friedrich Wernz (1917-2006) und Wolfgang Adelmann (1943-1988) beim KDL in Karlsruhe war angefüllt mit einer Menge an unterschiedlichsten Aufgaben. So organisierten sie Studien- und Fortbildungsreisen - eine führte die Teilnehmer der Heimvolkshochschule/Bauernschule Gamburg e.V. aus dem Main-Tauber Kreis schon im September 1970 nach Moskau und Umgebung -, aber auch das Planen und Durchführen vieler anderer Veranstaltungen,  z.B. der Dorfkirchenwochen in Meckesheim oder die musisch-kreativen Studientage (Tanz) in Ruit auf den Fildern gehörten dazu.

Ökumen. Gebet Sardinien (20.08.1972) [075.,Nr.30]
Wortlaut des Gebetes [LkA KA, 075., Nr. 30]
Natürlich kam auch die Verkündigung, das Abhalten von Gottesdiensten, nicht zu kurz. So sind die Predigttexte von Pfarrer Adelmann aus den Jahren 1972 bis 1988 vorhanden. Aber auch ein Gebet, das in einem ökumenischen Familiengottesdienst in der Kirche in Bosa–Marina, Sardinien, am 20.08.1972 gesprochen wurde. Korrespondenzen, Einladungen und Programme diverser Veranstaltungen sowie Protokolle ergänzen den Bestand.

Der Bestand KDL hat eine Laufzeit von 1955 bis 1988 und umfasst 0,9 lfm. Er wurde nun im Rahmen eines Praktikums abschließend technisch bearbeitet und dessen Findmittel ist als PDF online gestellt.

 

 

Vertrag der Evangelischen Gemeinde Lauda mit der BRD

Anna Ohnmacht schrieb am 15.11.2019

Vertrag Militärfürsorge Lauda (1967)
Vertrag der Standortverwaltung Tauberbischofsheim mit der Kirchgemeinde Lauda über die Mitnutzung von Gottesdiensträumen vom 18. Mai 1967 [LkA KA, 044. Lauda, Nr. 64]
Auch die Laudaer Diaspora blieb vom Krieg nicht verschont. An Ostern 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, fanden in Messelhausen, Königshofen und Grünsfeld größere Kampfhandlungen zwischen deutschen und alliierten Soldaten statt. In diesen gab es auf deutscher Seite viele, vor allem sehr junge Opfer. Deswegen wurde im August 1951 in Königshofen ein Soldatengrab eingeweiht, in welchem 48 bekannte und elf unbekannte Soldaten bestattet wurden. Am 27. Mai 1954 wurde in Messelhausen ein Heldenfriedhof eingeweiht. Neben der dortigen Kirche haben 46 Soldaten, darunter 25 Namenlose, ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Am 22. Februar 1957 wurde der Militärseelsorgevertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Evangelischen Kirche geschlossen. Dieser regelte die Seelsorge in der Bundeswehr. Da die Bundeswehr in Lauda bis 2004 eine Kaserne unterhielt („Tauberfranken-Kaserne“), wurde am 18. Mai 1967 zwischen der Kirchengemeinde Lauda und der Bundesrepublik Deutschland ein Vertrag über die Mitbenutzung der Gottesdiensträumen in der Kirche in Lauda geschlossen.
Die evangelische Kirche wurde für Militärgottesdienste daraufhin 1x monatlich (nach Bedarf auch mehrmals) für Kasualien für Militärangehörige (Taufen, Trauungen etc.) freigegeben.
Der Vertrag wurde auf unbestimmte Dauer geschlossen und endete schließlich mit der Aufhebung Laudas als Standort der Bundeswehr.

Dieser Vertrag ist bei der Bearbeitung des Pfarrarchivs der Kirchengemeinde Lauda zum Vorschein gekommen. Der bearbeitete Bestand der Kirchengemeinde umfasst 2,0 laufende Meter und beinhaltet 123 Verzeichnungseinheiten - das Findbuch ist als PDF auf unserer Homepage zu finden.
 
 

Sondergottesdienste im Kirchenbezirk Ladenburg-Weinheim

Michael Hallerberg schrieb am 18.10.2019

Abseits der normalen Sonntage des Kirchenjahrs und den regelmäßig wiederkehrenden kirchlichen Feiertagen gibt es immer wieder Gelegenheiten, zu denen besondere Gottesdienste organisiert werden. Gründe für solche Situationen umfassen besondere Jubiläen oder außergewöhnliche Ereignisse − sowohl aus positivem wie negativem Anlass.

Plakat Ramstein (1988) [159.,Nr. 420]
Inspiriert von Edvard Munch − Plakat zum ökumenischen Gedenkgottesdienst für die Opfer des Flugtagunglücks in Ramstein in der Peterskirche Weinheim am 31.08.1988 [LkA KA, 159., Nr. 420]
Auch im Dekanatsarchiv Ladenburg-Weinheim, das in den Magazinen des Landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe aufbewahrt wird, finden Schriftwechsel zu solchen Sondergottesdiensten Niederschlag. Eine Akte umfasst diverse Gottesdienste zu besonderen Anlässen, die in den 1980er Jahren abgehalten wurden. Neben regelmäßig vorkommenden Veranstaltungen wie den Gottesdiensten „Kirche im Grünen“, die alljährlich an mehreren Orten des Kirchenbezirks abgehalten wurden, sind auch spezielle Anlässe in dieser Akte zu finden. Hierzu zählen Unterlagen zu Veranstaltungen im Lutherjahr 1983, Informationen zum ökumenischen Gedenkgottesdienst am 31. August 1988 anlässlich des Flugtagunglücks von Ramstein wenige Tage zuvor oder Schriftwechsel zur Organisation eines ökumenischen Sondergottesdienstes am Vorabend des ersten „Tags der deutschen Einheit“ am 2. Oktober 1990 in der Peterskirche Weinheim mit Landesbischof Dr. Klaus Engelhardt (vgl. Beitrag vom 2.10.2019). (LkA KA, 043. Ladenburg-Weinheim, Nr. 383)

Ein besonderer Vorgang ist in einer anderen Akte nachzulesen. Er befasst sich mit Bittgottesdiensten, die auf Geheiß der Kirchenleitung in Karlsruhe am 18. Oktober 1977 in allen Orten Badens angeboten werden sollten. Anlass für diese besonderen Gottesdienste war die Flugzeugentführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ durch palästinensische Terroristen, die zu diesem Zeitpunkt bereits über vier Tage andauerte. Ziel dieser Aktion war es, die im Gefängnis Stuttgart-Stammheim inhaftierten RAF-Mitglieder um Andreas Baader freizupressen. Nachdem die „Landshut“ bereits einen Irrflug mit Stops an mehreren Flughäfen im arabischen Raum hinter sich hatte, landete sie am 17. Oktober am Flughafen von Mogadishu/Somalia. Die Entführer setzten ein finales Ultimatum bis zum Nachmittag desselben Tages, das bis 1:30 Uhr am Morgen des 18. Oktobers verlängert wurde, als die Bundesregierung scheinbar auf die Forderung eingegangen war. Dies war aber nur vorgeschoben worden, um den Transport der „Grenzschutzgruppe 9“ (GSG 9) der Bundespolizei nach Somalia zu ermöglichen. Kurz nach Mitternacht stürmte diese Antiterrorismuseinheit das Flugzeug, tötete drei der vier Geiselnehmer und befreite die Passagiere aus der Geiselhaft. Kurz nachdem die Befreiung in der Presse bekanntgeben wurde, begingen die RAF-Mitglieder in Stammheim Selbstmord. Der von anderen RAF-Mitgliedern im Vormonat gekidnappte Vorsitzende des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Hanns Martin Schleyer, wurde ebenfalls am 18. Oktober erschossen und tags darauf entdeckt.

Die Kirchenleitung der badischen Landeskirche hatte die Dekanate am 17. Oktober telefonisch auf die Durchführung von Bittgottesdiensten für besorgte Menschen angewiesen. Diese Information sollte dann von den Dekanaten an die einzelnen Pfarrämter im Kirchenbezirk weitergeleitet werden. Am 21. Oktober bat Landesbischof Hans-Wolfgang Heidland um eine Rückmeldung aus den Dekanaten, damit man aus diesen Erfahrungen für zukünftige Vorkommnisse Schlüsse ziehen könne. In den Tagen darauf übermittelten die Pfarrämter im Kirchenbezirk Ladenburg-Weinheim ihre Erlebnisse an Dekan Gerhard Blail.

Die Bittgottesdienste waren in fünf der 14 Orte mit evangelischen Kirchengemeinden nicht angeboten worden. Als Begründung hierfür erklärten die Pfarrer meistenteils, dass der Vorlauf zur Vorbereitung eines Gottesdienstes zu so einem vielschichtigen Thema wie Terrorismus zu kurz gewesen sei. Ferner empfanden einige Geistliche, dass sich die Situation durch die Befreiung der Geiseln überholt hätte und ein Bittgottesdienst daher als nicht mehr notwendig erachtet wurde. Kritisch betrachtet wurde auch, dass viele Pfarrer über die Medien von der geplanten Abhaltung erfuhren und nicht von den ihnen übergeordneten Stellen. Dies hing damit zusammen, dass Dekan Blail im Anruf, den er am 17. Oktober aus Karlsruhe erhielt, nicht die Ansage erhielt, die Nachricht an die Kirchengemeinden weiterzuleiten. Er verstand die Aufforderung dergestalt, dass nur ein zentraler Gottesdienst im Kirchenbezirk in Weinheim durchgeführt werden sollte.

Dort, wo die Bittgottesdienste am 18. Oktober organisiert wurden, war die Rückmeldung aber positiv. Die Teilnehmerzahlen schwankten zwischen 40 Personen in Orten wie Neckarhausen oder Dossenheim und bis zu knapp 200 Besuchern in der Stadtkirche von Weinheim. Während der Gottesdienst in Neckarhausen spontan improvisiert wurde, da sich unerwarteterweise Menschen vor der Kirche versammelt hätten, wurde in Dossenheim am 21. Oktober noch ein weiterer Sondergottesdienst durchgeführt, an dem sogar 90 Personen teilnahmen. Es wurde mehrfach bemerkt, dass sich auch Menschen unter die Gottesdienstbesucher gemischt hätten, die sonst nicht regelmäßig zur Kirche kommen würden. Aus Schriesheim-West, wo der Bittgottesdienst ökumenisch gestaltet war, da die örtliche katholische Kirche keine eigene vergleichbare Veranstaltung organisiert hatte, berichtete Pfarrer Helmut Zeller: „Hätten wir den Bittgottesdienst nicht gehalten, hätte uns etwas gefehlt.“ Darüber hinaus wurden in allen Kirchengemeinden − auch denjenigen, die nicht am 18. Oktober Bittgottesdienste durchführten − die Ereignisse in den Sonntagsgottesdienst vor und nach diesem Termin in Predigten und Fürbittgebeten oder in Gemeindekreisen unter der Woche thematisiert. (LkA KA, 043. Ladenburg-Weinheim, Nr. 287)

Die erwähnten Unterlagen sind im Zuge der Verzeichnung von Altakten des Dekanats Ladenburg-Weinheim zu Tage getreten. Der Bestand lagert im Magazin des Landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe und kann von interessierten Nutzern unter Wahrung der Schutzfristen während unserer Öffnungszeiten eingesehen werden. Ein Findbuch des Bestands ist als PDF-Datei zum Download auf unserer Homepage verfügbar.
 
 

Studienreise im Jahre 1910 nach England und Schottland

Heinrich Löber schrieb am 15.10.2019
Bündel Briefe von Joh. Diemer mit den Kindern [150.118]
Briefwechsel zwischen dem Pfarrerehepaar Diemer und ihren sechs Kindern (1912-1938) [LkA KA, 150.118, o. Nr.]
Bemerkenswerte Unterlagen zu einer vierwöchigen Studienreise von Pfarrer Johannes Diemer (1873-1940) nach England und Schottland im Jahre 1910 sowie Korrespondenz von ihm und seiner Frau mit ihren sechs Kindern (1912-1938) wurden dem Landeskirchlichen Archiv von einer Enkelin übergeben. Diese Unterlagen werden fortan als Nachlass Johannes Diemer mit der Bestandssignatur 150.118 archiviert.
V
Studienreise nach England und Schottland [150.118]
Reisetagebuch, Karte mit Reiseverlauf und Gepäckaufkleber der Studienreise nach England und Schottland (Mai/Juni 1910) [LkA KA, 150.118, o. Nr.]
or allem das Tagebuch von der Studienreise Diemers, die die Nationalvereinigung der Evang. Jünglingsbündnisse Deutschland e.V. veranstaltete und die den 36jährigen Nöttinger Pfarrer im Frühsommer 1910 nach England und Schottland führte, ist dabei hervorzuheben. Aber auch einige Fotos und zahlreiche Postkarten von dieser Reise sowie die Druckschrift In Freundesland. Erlebnisse und Eindrücke der bayerischen Teilnehmer an der Studienreise nach England (München 1910) sind ein beredtes Zeugnis über eine für Theologen gewissenhaft geplante und durchgeführte Studienfahrt vor dem Ersten Weltkrieg. So befindet sich im Reisetagebuch auch eine gedruckte so genannte 'Arbeitsverteilung' für die täglichen Morgenandachten sowie das zu erstattende Referat.
Es ist geplant, diesen kleinen, aber gehaltvollen Nachlass zeitnah zu erschliessen und mit einem Findbuch recherchierbar zu machen. Den Bestandsnachweis, ein Biogramm und eine Bestandsbeschreibung finden sich schon jetzt in der Nachlassdatenbank des Bundesarchivs.
 
 

Enogrin gegen Magenleere. Ergreifende Zeugnisse im Nachlass des Dekans Friedrich Bossert (1885-1963)

Johannes Kabbe schrieb am 10.10.2019

Enogrin [150.107,Nr. 18]
Gutschein von Leonore an ihren Bruder Hellmut [LkA KA, 150.107, Nr. 18]
Papierknappheit Brief an Hellmut [150.107,Nr.12]
Papierknappheit lässt sogar Todesanzeigen zu Briefpapier werden [LkA KA, 150.107, Nr. 12]
Die Magenleere ist ein Problem für Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Doch das ist nicht das einzige, was aus dem neu erschlossenen Nachlass Bossert herauszulesen ist. Aber auch an der Heimatfront sieht die Lage nicht rosig aus, was zum Beispiel der Papiermangel sichtbar macht - Dekan Friedrich Bossert schreibt lieber noch einige historische Fakten auf die Rückseite eines Briefes anstatt diese ungenützt zu lassen. Doch trotz solcher Sparmaßnamen mussten spätere Briefe auf Todesanzeigen des Onkels geschrieben werden. Von solchen, damals ganz alltäglichen Ereignissen, die heute jedoch kaum mehr vorstellbar sind, berichtet der Nachlass Bossert.

Friedrich Bossert wurde am 3.12.1885 als Sohn des Bierbrauers Daniel Bossert in Ladenburg geboren. Nach dem Theologiestudium und der Vikariatszeit war er im I. Weltkrieg Kriegsteilnehmer und wurde 1916 mit dem Kriegsverdienstkreuz ausgezeichnet. Danach wurde er im April 1918 zum Pfarrverwalter und im Oktober 1918 zum Pfarrer von Schönau bei Heidelberg berufen. Am ersten November 1934 schließlich trat er die Pfarrstelle in Neckargemünd an und wurde zugleich Dekan ebenda. Anfangs noch Befürworter des Nationalsozialismus, rückt Friedrich Bossert später davon ab, was Äußerungen wie „Heil Kakadu“ belegen.

Inhalt Offizierskiste Sohn Daniel (15.08.1942) [150.107,Nr. 20]
Trauring, Aktentasche, Schuhcreme und Neues Testament - das Nachlassverzeichnis von Daniel (gef. 15.08.1942) [LkA KA, 150.107, Nr. 20]
Der Nachlass besteht hauptsächlich aus dem Briefverkehr seiner Söhne untereinander und mit der Familie daheim. Zwei Dinge werden sofort ersichtlich, wenn man sich diesen Nachlass anschaut. Zum einen ist Familie Bossert eine besondere Familie, die bedingungslos zusammensteht, sehr herzlich und innig verbunden ist und die schwere Zeit mit Humor zu meistern versucht. Zum anderen zeigen sich aber die Probleme des Krieges und wie stark die Familie durch ihn belastet ist.
Skizze zum Tode von Sohn Daniel bei Rschew [150.107,Nr.20]
Skizze zum Todeshergang und -ort von Daniel, gefallen als Oberleutnant am 15.08.1942 in der Schlacht bei Rschew [LkA KA, 150.107, Nr. 20]
So zum Beispiel in der Zeit nach August 1942, als der älteste Sohn Daniel gefallen ist, gut ein Jahr vor seinen Brüdern. Die grenzenlose Trauer wird ersichtlich und das Zusammenrücken der Familie, obwohl sie über das ganze Einflussgebiet des damaligen Deutschen Reiches verteilt sind. Nach dem Tod der anderen beiden Söhne, die innerhalb einer Woche fielen, bleibt den Eltern nur noch ihre Tochter, die durch die Kinderlähmung behindert ist.

Der Nachlass ist besonders, da er direkt aus dem Leben der Familie berichtet und dies aus den verschiedenen Blickwinkeln der einzelnen Familienangehörigen. Desgleichen malt er ein Bild des Lebens, das viele Familien im Krieg erlebten. Dieses ist gezeichnet von Leid, Trennung, Hunger etc., jedoch auch von Hoffnung, Liebe und Zusammenhalt im Zeichen der Not und des Krieges.

Mit 27 Akten und 0,2 lfden. Metern ist der Nachlass nun erschlossen und mit einem Findmittel recherchierbar.
 
 

Zentrale Bestände unseres Archivs nun im Archivportal-D und der Deutschen Digitalen Bibliothek recherchierbar

Heinrich Löber schrieb am 8.10.2019
Screenshot AP-D
"Auf einen Schlag" sind nun über 42.000 Aktentitel recherchierbar
Seit wenigen Wochen sind die Findmittel der zentralen Bestände unseres Archivs, die General- und Spezialakten, im Archivportal-D und in der Deutschen Digitalen Bibliothek online gestellt.
Im Archivportal-D werden neben Informationen über registrierte Archive vor allem Findmittel von archivischen Beständen, also Angaben zu einzelnen Akten, veröffentlicht. Das Angebot des Portals wird durch die Gewinnung neuer Datenlieferanten sukzessive ausgebaut.
Das Einzigartige: Archivbenutzende können im Archivportal-D übergreifend in allen Findmitteln der teilnehmenden Archiveinrichtungen recherchieren und sich Suchergebnisse und ggf. digitalisierte Archivalien aus Archiven unterschiedlichster Träger anzeigen lassen.
Logo des Archivportals-D.
Unser Archiv ist nun mit über 42.000 Aktentiteln vertreten. Eine Onlinestellung von Findmitteln anderer Bestände unseres Archivs ist geplant und soll allmählich erfolgen.
 
 

Glockenläuten nur für kirchliche Anlässe? Der Sondergottesdienst zur Wiedervereinigung am 2. Oktober 1990 in Weinheim

Michael Hallerberg schrieb am 2.10.2019

Besondere Ereignisse erfordern bekanntlich besondere Maßnahmen. Wie für viele andere Bereiche trifft dies auch für die Kirche zu. Häufig stellen sich die kirchlichen Akteure aber die Frage über die Form und das Ausmaß der Beteiligung − besonders wenn die Anlässe nicht religiöser Natur sind.

Als Beispiel hierfür kann die Feier der Vereinigung der zwei deutschen Staaten im Jahr 1990 dienen. In der Peterskirche Weinheim im Kirchenbezirk Ladenburg-Weinheim organisierten die evangelischen und katholischen Dekanate zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen einen Sondergottesdienst am Vorabend des ersten „Tags der deutschen Einheit“, für den der damalige Landesbischof Klaus Engelhardt die Predigt hielt. Ähnliche Gottesdienste zum Dank für die Vereinigung und für die Bitte um den Segen für die weitere politische Entwicklung sollten am 2. oder 3. Oktober in allen evangelischen Kirchengemeinden Badens gefeiert werden.

Während also an der Abhaltung dieses Sondergottesdienstes kein Zweifel gelassen wurde, kam zumindest in Weinheim eine Debatte um das Glockenläuten zu diesem Anlass auf. Auslöser hierfür war eine Verlautbarung des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), derzufolge erklärt worden sei, dass mit Ausnahme des Silvesterläutens zu Jahresbeginn Glocken nur zur Andacht und zu Gottesdiensten läuten sollten. Zu politischen Anlässen sollten die Kirchenglocken stumm bleiben.

Dass dies auch für den ersten „Tag der deutschen Einheit“ 1990 gelten sollte, sorgte in der Öffentlichkeit für Verwunderung und Enttäuschung, die sich auch in Briefen an Dekan Hans Walter Blöchle niederschlug, welche im Dekanatsarchiv Ladenburg-Weinheim nachzulesen sind. Die Autoren der Briefe kritisierten, dass die Kirchen als Mitglieder des Gemeinwesens bei solchen Ereignissen nicht passiv am Rande stehen sollten. Dies ließe die Kirchen als Institution in den Augen vieler Menschen als unglaubwürdig erscheinen und würde die Entfremdung bei vielen Leuten verstärken, so die in den Leserbriefen geäußerten Befürchtungen.

Das evangelische Dekanat Ladenburg-Weinheim reagierte auf diese Situation, indem die Vorgabe der EKD durch die Hintertür umgangen wurde. In einem Schreiben vom 24. September 1990 an alle evangelischen Pfarrämter im Kirchenbezirk regte Dekan Blöchle an, dass anlässlich des Gottesdienstes in der Peterskirche Weinheim am 2. Oktober, der die zentrale Veranstaltung des Kirchenbezirks war, alle evangelischen Kirchen der Region „als Erinnerung und Einladung zu diesem Gottesdienst“ ihre Glocken läuten lassen sollten.

Die Presse sprach von einem „eindrucksvollen ökumenischen Gottesdienst“ in der vollbesetzten Peterskirche. In der Predigt betonte Landesbischof Engelhardt vor den Gottesdienstbesuchern, darunter der erste Umweltminister Baden-Württembergs, Erwin Vetter (CDU), die Rolle der Christen in der DDR: Seit 1983 hätten sie in den Kirchen ihre Bedrängnis geteilt und miteinander die Hoffnung entwickelt, eines Tages frei zu sein. Dies sei die Grundlage für die friedliche Revolution vom 9. November 1989 gewesen. Auf die Zukunft gerichtet, erklärte Engelhardt weiter: „Wir erhalten morgen von Gott die Chance, miteinander in einem Land zu leben, in dem soziale Wachheit, Achtung vor der Würde des Menschen, Respekt vor der Rechtsordnung, Liebe und Barmherzigkeit gegenüber der Schöpfung, Rücksicht auf unsere Umwelt, offene Augen und offene Hände für die unendliche Not in der Welt einen hohen Rang haben.“ (LkA KA, 043. Ladenburg-Weinheim, Nr. 383)

Der Bestand des Dekanatsarchivs Ladenburg-Weinheim lagert im Magazin des Landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe und kann von interessierten Nutzern unter Wahrung der Schutzfristen während unserer Öffnungszeiten eingesehen werden. Ein Findbuch des Bestands ist als PDF-Datei zum Download auf unserer Homepage verfügbar.
 

"Bei Regen sind wir in der Halle des Hasenvereins" - Die chronikalischen Berichte von Pfarrdiakon Häfner sind nun recherchierbar

Johannes Kabbe schrieb am 20.09.2019

Flyer Waldfest der Gemeinde Forst (26.08.1990) (150.115,Nr.8)
Bei Regen sind wir in der Halle des Hasenvereins - Flyer für das Waldfest der Gemeinde Forst am 26.08.1990 (LkA KA, 150.115, Nr. 8)
Keine vier Wochen nach der Übernahme ist der Bestand 150.115, Nachlass Bruno Häfner, nun erschlossen (s. Beitrag vom 28.08.2019).

Durch die Tagebuchform, die durch viele Berichte, Protokolle, Briefe, aber vor allem fotografische Untermalung bereichert wird, ist der "Nachlass" des Pfarrdiakons Bruno Häfner etwas Besonderes in unserem Archiv. Bruno Häfner hat über knappe 30 Jahre seinen Dienst in der Evangelischen Landeskirche in Baden detailliert beschrieben.

Jungscharfreizeit des KB Oberheidelberg nach Neckarzimmern (1971) (150.115,Nr.1)
Jungscharfreizeit des KB Oberheidelberg unter der Regie des Bezirkjugendreferenten Bruno Häfner nach Neckarzimmern (1971) (LkA KA, 150.115,Nr.1)
Beginnend mit dem Amt als Bezirksjugendreferents im Kirchenbezirk Oberheidelberg (1968) geben die Berichte weiterhin ein buntes Zeugnis über Häfners Arbeit als Landesjugendreferent (ab 1973). Während dieser Zeit studierte er am Homiletischen Oberseminar in Freiburg und wurde 1976 durch Landesbischof Heidland ordiniert. Es folgen die Jahresberichte über seine Arbeit als Pfarrdiakon (ab 1980 mit der Amtsbezeichnung 'Pfarrer') in den Jahren 1978 bis 2000.
Häfnersche Entwürfe für den Grundstein des Gemeindehauses Neuthard (1990) (150.115,Nr.8)
Entwürfe von Pfarrdiakon Häfner für den Grundstein des Gemeindehauses Neuthard (1990) (LkA KA, 150.115,Nr.8)
In dieser Zeit arbeitete Bruno Häfner erst in der neu gegründeten Gemeinde Karlsdorf-Neuthard-Forst und wechselte dann 1991 nach Legelshurst, wo er bis zu seinem Ruhestand arbeitete. Besonders wichtig war ihm die Jugendarbeit, wodurch es nicht verwundert, dass er in nahezu jedem Jahr eine Jungscharfreizeit geplant und durchgeführt hat, bei denen meistens Waldhütten gebaut wurden, die Herr Häfner nicht müde wurde, zu dokumentieren.

Der Bestand hat einem Umfang von 0,25 lfde. Metern mit zwölf Akten, vielmehr gebundenen Büchern, die jeweils über eine eigene Inhaltsangabe verfügen. Besonders an diesem "Nachlass" ist die Tatsache, dass Herr Häfner Privates und Gemeindliches stark mischt, woran zu erkennen ist, wie außerordentlich er und seine Familie in der Gemeinde eingebunden waren. Des Weiteren liefert diese Art der Häfnerschen Dokumentation ein sehr umfassendes Bild über das Leben, den Werdegang sowie das gemeindliche Wirken eines Pfarrdiakons in dem letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts.
Das Findbuch ist online einsehbar, die Akten selbst unter Wahrung der Schutzfristen im Lesesaal des Archivs.
 
 

„Predigen, dass jeder Schuster es versteht“ – Der kleine, aber feine Nachlass des bedeutenden Predigers Georg David Kaibel (1756-1805) ist erschlossen

Johannes Kabbe schrieb am 16.09.2019

Predigtband Kaibel (1791-1803) (150.033, Nr. 2)
In Buchform gebundener Predigtfaszikel (1791-1803) (LkA 150.033, Nr. 2)
„Predigen, dass jeder Schuster es versteht“. Das war Kaibels Motto, mit dem er sich als Prediger charakterisierte. In der Tat gilt er als bedeutendster Prediger der Deutsch-reformierten Kirche in Mannheim, war Kirchenrat sowie die starke Persönlichkeit, die die Deutsch-reformierte Gemeinde in Mannheim durch die frühen Napoleonischen Kriege geführt hat: Georg David Kaibel. Der 1756 geborene Sohn eines Dorfpfarrers aus Rheinhessen studierte ab 1771 in Heidelberg Theologie, absolvierte sein Kandidatenjahr mit Bravour in Mülheim am Rhein und trat seine erste Pfarrstelle 1775 in Geldern an.
Dimission Kaibel (Aug. 1779) (150.033, Nr. 1)
Dimission für das Ausscheiden aus rheinisch-preußischen Diensten in das deutsch-reformierte Predigeramt in Mannheim (Aug. 1779) (LkA KA, 150.033, Nr. 1)
Doch schon nach vier Jahren wechselte er nach Mannheim. Hier wurde er der I. Pfarrer der Deutsch-reformierten Gemeinde. Schon 5 Jahre später, im Alter von nur 28 Jahren wurde er Kirchenrat. Er erlangte vor allem große Bekanntheit durch seine herausragenden Predigten. Zudem schuf Kaibel eine starke Bindung zu der Lutherischen Gemeinde, so dass beide Gemeinden in jener Notzeit einen besonderen Zusammenhalt lebten. So kam es zum Beispiel dazu, dass unter Kaibels Regie die Lutherische Gemeinde, nachdem deren Kirche zu einem Mehllager umfunktioniert worden war, in der Reformierten Kirche ihre Gottesdienste abhalten konnte. Umgekehrt fanden die Reformierten nach dem Brand ihrer Kirche (20. Nov. 1795) in der Lutherischen Kirche Aufnahme.

Nach langen Jahren der Lagerung im Archiv konnte der Nachlass nun endlich erschlossen werden. Er reiht sich mit der Signatur 150.033 in die 115 Nachlässe des Archivs ein. Der Nachlass ist mit 6 Akten nicht sehr umfangreich, aber durch den historischen Gehalt, die gute Erhaltung und nicht zuletzt wegen der Persönlichkeit Kaibels etwas ganz Besonderes. Das Findbuch ist als PDF online recherchierbar. Zudem kann der interessierte Leser in der landeskirchlichen Bibliothek 28 Bücher von Georg David Kaibel finden.
 
 

Gemeinsam einsam? Tagung für Verfasserinnen und Verfasser von Ortsfamilienbüchern am 29. Nov. 2019

Heinrich Löber schrieb am 13.09.2019

Ortsfamilienbücher in der Präsenzbibliothek des Lesesaals
Ortsfamilienbücher in der Präsenzbibliothek des Lesesaals
Die Bibliothek des Landeskirchlichen Archivs kann derzeit auf etwa 350 (badische evangelische) Ortsfamilienbüchern (OFB) verweisen. Und der Bestand wächst: Nach unseren Informationen wird derzeit an 154 badischen evangelischen Ortsfamilienbüchern (OFB), darunter 20 Neuauflagen, gearbeitet.

Aus diesem Kreis ist die Anfrage an uns herangetragen worden, ob das Landeskirchliche Archiv Karlsruhe eine Tagung für Verfasserinnen und Verfasser badischer evangelischer Ortsfamilienbücher ausrichten könne. Den Anfragenden war es ein Anliegen, dass die unterschiedlichen Arbeitsgruppen und/oder „Einzelkämpfer“ in einem solchen Rahmen zusammenkommen.

Eine derartige Tagung ist nun zustande gekommen und findet am Fr., 29.11.2019, 13-17 Uhr, statt. Die Referentin und Referenten beleuchten zahlreiche Facetten der Entstehung eines Ortsfamilienbuches: Von der Idee bis zur Manuskripterstellung; vom Aufbau bis hin zu Fragen der Veröffentlichung; von den unterschiedlichen Möglichkeiten des Auffindens und der Auswertung von Primär- und Sekundärquellen.
Öffentlich ausgeschrieben wird diese Veranstaltung nicht, denn sie soll ja den eng gefassten Kreis der (badischen evangelischen) OFB-Verfasserinnen und Verfasser beibehalten und keine allgemeingenealogische Veranstaltung werden. Das schließt es aber nicht aus, dass sich auch interessierte Personen jenseits dieses Rahmens zu dieser Tagung anmelden können (Anmeldeschluß: 18.10.2019). Das Programm und das Anmeldeformular finden Sie im:
 
 

„DIMAG“ nun auch im Landeskirchlichen Archiv eingeführt

Rebekka Hofmann schrieb am 9.09.2019

DIMAG
Elektronische Unterlagen werden selten ausgedruckt und so zu den Akten gegeben. Es droht ein massiver Informations- und Erinnerungsverlust, das dem Grundgedanken eines Archives als Gedächtnisinstitution widerspricht und dem es zu begegnen gilt.

Um das geänderte digitale Verwaltungshandeln dokumentieren und nachverfolgen zu können und den Verlust archivwürdiger Informationen, die nur in elektronischer Form vorliegen, entgegen zu wirken, wurde nun auch im Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe „DIMAG“ eingeführt.

Das Archivierungssystem „DIMAG“ steht für „Digitales Magazin“ und wurde 2006 vom Landesarchiv Baden-Württemberg entwickelt. Seit 2010 wird das System in einem Entwicklungsverbund, dem die Landesarchive Baden-Württemberg und Hessen, die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns und das Digitale Archiv Nord angehören, gemäß internationalen Standards kontinuierlich weiterentwickelt.

Ab sofort werden nun auch im Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe digitale Daten elektronisch langzeitarchiviert und damit dem Nutzer künftig und dauerhaft zur Verfügung gestellt. Das Programm wird vom Kirchlichen Rechenzentrum Südwestdeutschland (KRZ.SWD) in Eggenstein-Leopoldshafen gehostet, das diverse Module für die Archive bereitstellt.

 
 

Orkan Lothar am 2. Weihnachtstag 1999 in Legelshurst

Heinrich Löber schrieb am 28.08.2019
Legelshurst Kirchturm nach Orkan Lothar (1999)
Schäden am Turm der Legelshurster Kirche nach Orkan Lothar am 26.12.1999; zu sehen ist nicht, dass auch der Turmhahn nur noch schräg auf der Spitze hing (LkA KA, 150.115, o. Sign.)
... ist ein Ereignis von vielen Geschehnissen, die Pfarrer Bruno Häfner während seiner Dienstjahre miterlebte und dokumentiert hat, wenngleich nicht alle eine derartige Außerordentlichkeit aufweisen. Als um 11 Uhr der Orkan urplötzlich aufbrach, waren die meisten Gottesdienstbesucher glücklicherweise bereits zu Hause.
Der ehemalige badische Landesjugendreferent und Pfarrer i. R. Bruno Häfner übergab 2015 und im Sommer 2019 dem Landeskirchlichen Archiv insgesamt zwölf chronikalische Jahresberichte.
Häfner ging 1958 auf die Diakonenschule Karlshöhe in Ludwigsburg, wurde 1962 Jugenddiakon in Saarbrücken, bevor er im Jahre 1968 die Stelle des Bezirksjugendreferenten des Kirchenbezirks Oberheidelberg antrat. 1973 wurde Häfner Landesjugendreferent der Landeskirche und drei jahre später zum Pfarrdiakon ordiniert. Als solchen übertrug man Häfner 1978 die Versorgung der neu gebildeten Gemeinde Karlsdorf-Neuthard-Forst, ab 1980 mit der Amtsbezeichnung "Pfarrer". 1991 wechselte Bruno Häfner die Pfarrstelle und wurde Pfarrverwalter Legelshurst. Im Jahre 2000 ging er in den Ruhestand.
Legelshurst Aufräumarbeiten nach Orkan Lothar (1999)
Zusammenfegen der Ziegel und Schieferplatten noch am selben Tage (LkA KA, 150.115, o. Sign.)
Dadurch, dass diese Jahresberichte kein amtliches Schriftgut darstellen, wurden diese zum "Nachlass Häfner, Bruno" formiert. Sie stellen aufgrund ihrer tagebuchartigen und reich bebilderten Aufmachung eine herausragende Sekundärquelle dar, die mit den Überlieferungen der Pfarrarchive und des Oberkirchenrats korrespondieren und diese ergänzen. Vor allem für ortskirchengeschichtliche Studien zu den Gemeinden Karlsdorf-Neuthard-Forst (1978-1991) und Legelshurst (1991-2000) haben die Häfnerschen Dokumentationen einen bemerkenswerten Aussagehalt.
Der nun gebildete "Nachlass Häfner, Bruno" hat die Bestandssignatur 150.115 erhalten und reiht sich ein in nun insgesamt 115 Nachlässe von Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens unserer Landeskirche. Er ist nach dem im letzten Jahr übernommen Nachlass Eugen Müller (150.114) der zweite Nachlass eines als Pfarrdiakons eingesetzten Theologen. Damit schließt er eine Lücke, weil diese Jahresberichte beispielhaft und eindrücklich aufzeigen, wie ab den 1970er Jahren eingesetzte Pfarrdiakone theologisch und gemeindlich gearbeitet haben.
Er wird hoffentlich zeitnah erschlossen werden können. Mit einem Antrag auf Schutzfristenverkürzung ist er allerdings schon jetzt für die interessierte Öffentlichkeit einsehbar. Den Bestandsnachweis, ein Biogramm und eine Bestandsbeschreibung finden sich in der Nachlassdatenbank des Bundesarchivs.
 
 

„Eier, wir brauchen Eier!“

Michael Hallerberg schrieb am 26.08.2019

Eiersammlung Großsachsen (044. Hir-Gro, Nr. 89)
Zeitungsbericht vom 29. April 1960, u.a. über die Eiersammlung aus Großsachsen für Menschen in den Heidelberger Übergangswohnheimen „Im Mörgelgewan“ und in der Oberen Rödt (LkA KA, 044. Hirschberg-Großsachsen, Nr. 89)
So verlangte es einst ein ehemaliger Karlsruher Fußballtorhüter, aber vielleicht hallte solch ein Ruf in den 1950er und 1960er Jahren auch durch den nordbadischen Ort Großsachsen. Die dort ansässige Kirchengemeinde sammelte nämlich neben Geldspenden mehrfach pro Jahr auch Naturalien für karitative Organisationen, wie das Schifferkinderheim Mannheim oder die Jugendhilfe Baden. Zu den gesammelten Naturalien zählten Obst und Gemüse, Backzutaten, Nudeln oder ganze Kuchen.

Ab 1953 wurden zudem jährlich zu Ostern Eier für das Hilfswerk der Evang. Kirche in Heidelberg gesammelt. Als Sammlungszwecke wurden im Lauf der Jahre die Alten- und Armenspeisung, aber auch die Versorgung von Flüchtlingen aus der ehemaligen DDR, die in Heidelberg zunächst u.a. im Übergangsheim in der Oberen Rödt einquartiert wurden, in den Akten vermerkt. Nachdem im ersten Jahr knapp 340 Eier zusammenkamen, steigerte sich die Zahl in den Folgejahren und erreichte 1968 mit ca. 1400 Eiern ihren Höhepunkt. Insgesamt wurden in den 1950er und 1960er Jahren über 12.000 Eier in Großsachsen gesammelt. Wie das nebenstehende Foto zeigt, nahm auch die Presse Notiz von diesen Sammlungen.

Sammelzettel, Belege über die diversen Geld- und Naturalsammlungen, die die ev. Kirchengemeinde in Großsachsen durchführte, sind in den jüngst verzeichneten Akten des Pfarrarchivs ebenso auffindbar wie Dankschreiben der mit den Spenden bedachten Organisationen (LkA KA, 044. Hirschberg-Großsachsen, Nrn. 89, 124). Nach der Bearbeitung in Karlsruhe geht der Bestand zurück in das Pfarrbüro der Kirchengemeinde Hirschberg-Großsachsen, aber das Findbuch ist im PDF-Format auf der Homepage des Landeskirchlichen Archivs herunterladbar.
 
 

"Die Moral- und Würdelosigkeit der Bevölkerung ist erschreckend" – Auswirkungen des II. Weltkriegs auf die Kirchengemeinden des Kirchenbezirks Ladenburg-Weinheim

Michael Hallerberg schrieb am 2.08.2019

Bereits früh sollte sich der Einfluss des Zweiten Weltkriegs auf die Kirchengemeinden im Kirchenbezirk Ladenburg-Weinheim zu erkennen geben, wie die Akten des unlängst bearbeiteten Dekanatsarchivs dieses Kirchenbezirks belegen. Ein Jahr nach Kriegsausbruch stand mit elf Männern die Hälfte aller Geistlichen im Feld, während nur die älteren und kranken Pfarrer nicht eingezogen wurden. Bis Anfang Juli 1941 sollte die Zahl der Geistlichen im Militärdienst auf 13 ansteigen.

Bericht Ladenburg im 2. WK - Foto 3
Die Besatzung Dossenheims erfolgte ohne Widerstand der deutschen Wehrmacht am Karfreitag 1945 (043., La-Wei, Nr. 876)
Als die amerikanischen Truppen in der Karwoche 1945 den Kirchenbezirk einnahmen, sei an allen Orten die Dienstversehung weiterhin gewährleistet, wie Dekan Hans Philipp (1883-1965) in einem Bericht vom 6. Juni 1945 über die allgemeine Situation im Kirchenbezirk festhielt. Da sich die deutschen Truppen überall relativ kampflos zurückgezogen hätten, seien die meisten Kirchen und Pfarrhäuser nur in relativ geringem Maße beschädigt worden. Den größten Schaden habe das Pfarrhaus in Ilvesheim genommen. Nach zwei Artillerietreffern seien eine Außenwand teilweise zusammengebrochen und das Dach sowie der obere Treppenstuhl beschädigt worden. Im Keller des Pfarrhauses in Ladenburg detonierte eine Granate, das dadurch - nach den Ausführungen von Dekan Philipp - die meisten Schäden im Kirchenbezirk davon getragen habe.

Auf der ersten Pfarrerkonferenz nach Kriegsende wurde berichtet, dass seit dem Einmarsch der Amerikaner 82 Menschen in den Gemeinden gestorben seien, darunter die Frau des Oberkirchenrats i.R. Ernst Schulz (1876-1949), der den Pfarrdienst in Hohensachsen-Lützelsachsen versah, sowie jeweils ein Sohn von Pfarrer Siegfried Erwin Farr (1898-1970), Pauluspfarrei Weinheim, und Dekan Philipp. Von den eingezogenen Pfarrern sei einer als gefallen gemeldet worden, während sieben andere noch vermisst seien. Der Pfarrer aus Laudenbach, Erwin Schenck (1890-1964), sei auf Anordnung des Rathauses seines Amtes enthoben worden, was die Dienstversehung dort schwierig gestalte, ebenso die Räumung von vier Pfarrhäusern in Hohensachsen, Heddesheim, Heiligkreuz sowie in der Scheffelstraße in Weinheim. Während sich Dekan Philipp über die allgemeine Moral- und Würdelosigkeit der Zivilbevölkerung in dieser Phase nach Kriegsende beschwerte, hielt er positiv fest, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher in allen Kirchengemeinden zugenommen habe.

Der Dossenheimer Pfarrer Johann Steger (1887-1952) lieferte ebenfalls einen Bericht über den Einmarsch der US-Truppen in seinen Ort Ende März 1945 und betonte dabei das seitdem überwiegend positive Verhältnis zwischen den Besatzern und den Besetzten. So habe der US-Kommandant es ihm erlaubt, am Karfreitag, dem Tag als Dossenheim besetzt wurde, und am Ostersonntag bereits wieder Gottesdienste abzuhalten. Ferner habe der US-Feldgeistliche in Absprache mit ihm in der evangelischen Kirche an fast jedem Sonntag ebenfalls seinen Gottesdienst abgehalten. Auch in der Zivilbevölkerung hätten sich schnell freundschaftliche Bande entwickelt, wobei einige Frauen und Mädchen mit den US-Soldaten sogar intimen Verkehr gehabt hätten. Pfarrer Steger betonte jedoch, dass es sich seines Wissens nach dabei nicht um Vergewaltigungen gehandelt habe. Um diesen Umgang zu unterbinden, veröffentlichte die Stadtverwaltung die Namen aller daran beteiligten Frauen und Mädchen.

Bericht Ladenburg im 2. WK - Foto 2
Pfarrer Steger berichtet über plündernde Polen, Ukrainer und andere Ausländer, während sich das Verhältnis zu den Besatzungssoldaten schnell positiv entwickelte (043., La-Wei, Nr. 876)
Während er die US-Amerikaner also weitestgehend positiv darstellte - abgesehen von der Besetzung von Wohnhäusern -, beschrieb er deutlich negativer andere Ausländer, insbesondere Polen, die plündernd über die Höfe und Güter des Dossenheimer Umlandes gezogen seien.

Bericht Ladenburg im 2. WK - Foto 1
Pfarrer Steger bemerkt, dass seit Kriegsende sowohl die Zahl der Wiedereintritte in die evangelische Kirche als auch die Gottesdienstbesucherzahl und die Kollekten angestiegen sind (043., La-Wei, Nr. 876)
Ebenso wie Dekan Philipp bei der Pfarrkonferenz konnte auch Pfarrer Steger für seine Kirchengemeinde eine Zunahme der Gottesdienstbesucher seit April 1945 erkennen. Desgleichen schilderte er, dass aufgrund des verlorenen Krieges und des zusammengebrochenen Nationalsozialismus wieder vermehrt Menschen in der Kirche Halt suchten und deshalb Anträge auf Wiederaufnahme gestellt hätten.

Die in diesem Artikel erwähnten Unterlagen sind im Zuge der kürzlich abgeschlossenen Verzeichnung von Altakten des Dekanats Ladenburg-Weinheim zu Tage getreten. Der Bestand lagert im Magazin des Landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe und kann von interessierten Nutzern während unserer Öffnungszeiten eingesehen werden. Ein Findbuch des Bestands ist als PDF-Datei zum Download auf unserer Homepage verfügbar (LkA KA, 043 La-Wei, Nrn. 250, 271, 876).
 
 

Von staubigen Dachkammern und Urlaubsgefühlen – Bezirksbereisung in Konstanz

Anna Ohnmacht schrieb am 19.07.2019

Dachkammer Pfarrarchiv in Engen
Der Klassiker: Pfarrarchiv in einer Dachkammer (Pfarramt Engen)
Vom 9. bis 11. Juni begaben sich Vivian Ritter und Anna Ohnmacht mit einem bis oben hin beladenen Sprinter auf Bezirksbereisung in den Kirchenbezirk Konstanz.
Innerhalb dieser Zeit bereisten sie den gesamten Konstanzer Raum rund um den schönen Bodensee. Dass dort bei wunderbarem Wetter auch ein wenig Urlaubsstimmung aufkam, war ein schöner Nebeneffekt.

Mit geballter Frauenpower wurden fünf Archive den jeweiligen Pfarrgemeinden zurückgeben; vier Archive wurden gesichtet und mit nach Karlsruhe genommen. Dabei kamen auch diesmal wieder einige kuriose Dinge zum Vorschein – wie z.B. durchaus archivwürdige Akten, die bis dato jahrelang (oder gar Jahrzehnte?) unbemerkt in einem Schrank lagerten; oder auch eine Dachkammer, in welcher die Akten munter vor sich hinstaubten.
So wurde auch diese Fahrt wieder einmal nicht langweilig und blieb spannend und abwechslungsreich. Nach einem langen und anstrengenden Tag konnten die beiden Kolleginnen diesen aber mit Sonnenschein am Bodensee ausklingen lassen und die Abendstimmung genießen – fast wie Urlaub eben!

Am letzten Tag wurden die vier Archive eingesammelt und es ging Richtung Heimat. Pünktlich zur Rückkehr nach Karlsruhe hat es dann in Strömen geregnet – und das Urlaubsfeeling war damit auch wieder vorbei ...
 
 

Das Puzzle wird vollendet

Heinrich Löber schrieb am 11.07.2019

Am gestrigen Tage hat der Import der letzten bisher unveröffentlichten Kirchen- und Familienbücher begonnen
Seit gestern werden die letzten Puzzleteile eingesetzt- die Kirchenbuchportal GmbH importiert unsere Lieferung digitalisierter Kirchen- und Familienbücher vom Frühjahr 2019: es handelt sich dabei um 31 Bücher (vgl. unseren Beitrag vom 18.03.). Doch damit nicht genug: Im Anschluß werden die Kirchen- und Familienbücher online gestellt, durch deren Laufzeiten noch Klärungsbedarf bezüglich einer Veröffentlichung vorlag und sie aus diesem Grunde noch nicht online gestellt waren.

Archion teilt täglich unter dem Button „News“ mit, welche Bücher online gestellt wurden, so dass man den Verlauf verfolgen kann. Der Bestand der badischen Kirchenbücher wird in Kürze lückenlos online recherchierbar sein.

Mit dem als PDF veröffentlichten Findmittel zu den verfilmten und digitalisierten Kirchen- und Familienbüchern unserer Landeskirche können Sie sich einen Überblick über die komplette Kirchenbuchüberlieferung unserer Landeskirche sowie der verfilmten/digitalisierten Familienbücher verschaffen. Der interessierte Benutzer hat also die komfortable Wahl, den Komplettbestand im Kirchenbuchportal (bis 1876) gegen Gebühr zu recherchieren, oder - unverändert - in unserem Archiv Einsicht in die verfilmten Büchern zu nehmen (hier über das Schwellenjahr 1876 hinaus bis in die 1960er Jahre). Es ist übrigens auch in unserem Lesesaal eine Archion-Recherche (auch Bücher anderer Landeskirchen!) zu den üblichen Tages- und Reprogebühren (vgl. Gebührenordnung) möglich. D. h., Sie müssen sich dafür nicht zwangsläufig bei Archion registrieren, sondern können - wenn das für Sie reizvoll ist - innerhalb der Benutzerzeiten das Portal nutzen. Dafür müssen Sie sich bei einer Anmeldung den sogenannten 'PC-Platz' reservieren lassen. Vor Ort stehen wir auch mit Rat und Tat zur Seite, wenngleich Sie die Recherche natürlich selbst durchführen müssen.
 
 

Anstandsregeln für Konfirmanden

Vivian Ritter schrieb am 8.07.2019

Strafarbeit Wollmatingen_1
Strafaufsatz eines Wollmatinger Konfirmanden aus den 1940er Jahren (LkA KA, 044. Konstanz-Wollmatingen, Nr. 45)
Strafarbeit Wollmatingen_2
2. Seite des Strafaufsatzes eines Wollmatinger Konfirmanden
Wie sollen sich Konfirmanden nicht nur während, sondern auch vor und nach dem Konfirmandenunterricht verhalten?

Dieser Frage musste ein Konfirmand in den 1940er Jahren als Strafaufsatz nachgehen. Was man nicht tun sollte: sich „[…] wie eine Hammelherde stoßend und streitend, mit wildem Indianergeheul von der Kirche aus den Berg hinunter […]“ zu bewegen. Ein ruhiger Hinweg solle immerhin dabei helfen, sich auf den Unterricht vorzubereiten, sowie ein "gesitteter" Rückweg die Möglichkeit geben, über das Gesprochene nachzudenken.

Ob diese Einsicht auch für die restliche Konfirmandenzeit galt und entsprechend beachtet wurde, ist leider nicht überliefert. (LkA KA, 044. Konstanz–Wollmatingen, Nr. 45)

 

Anzahl der Onlinefindmittel von Nachlässen erheblich erweitert

Heinrich Löber schrieb am 5.07.2019
Beständeübersicht Nachlässe
Auszug aus der alphabetischen Auflistung der Nachlässe. Die PDF's der Onlinefindmittel sind mit dem Namen hinterlegt eingestellt.
Die Anzahl der Onlinefindmittel von Nachlässen ist erheblich erweitert worden. Während von den 114 vorhandenen Nachlässen 59 und damit über die Hälfte erschlossen sind, sind davon nun 43 Nachlässe mittels Onlinefindbücher komfortabel recherchierbar. Das entspricht einem reichlichen Drittel aller im Archiv aufbewahrten Nachlässe.
Veröffentlicht wurden in den letzten Tagen die Findmittel der Nachlässe:
  • 150.012, Fink, Dr. Ernst Friedrich (1806-1863) – Pfarrer;
  • 150.034, Fischer, Ernst (1862-1940) - Oberhofprediger, Kirchenrat;
  • 150.022, Camerer, Johann Ludwig (1864-1944) – Dekan, Kirchenrat, Synodaler;
  • 150.004, Bender, Heinrich (1869-1954) - Pfarrer, Vereinsgeistlicher der IM, Inspektor der Stadtmission Karlsruhe;
  • 150.050, Klein, Dr. Paul (1871-1957) - Pfarrer, Kirchenrat;
  • 150.089, Doerr, Emil (1882-1948) - Oberkirchenrat, Vorsitzender der Finanzabteilung beim EOK;
  • 150.002, Heinsius, Prof. Dr. Wilhelm (1890-1967) - Pfarrer;
  • 150.078, Meerwein, Adolf (1898-1969) - Pfarrer und Anstaltsleiter;
  • 150.010, Schilling, Dr. Otto (1899-1940) - Pfarrer;
  • 150.017, Schnebel, Diebold (1899-1969) - Pfarrer, Dekan;
  • 150.005, Hof, D. Otto (1902-1980) - Kreisdekan,
    Oberkirchenrat;
  • 150.102, Hammann, Gertrud (1910-1990) - Landesfürsorgerin, Geschäftsführerin des Frauenwerkes der Evang. Landeskirche in Baden;
  • 150.058, Jaeger, Hans-Otto (1910-1997) - Pfarrer.
Eingebaut sind die Findmittel in die Beständeübersicht der Nachlässe. Die Akten selbst können im Lesesaal nach vorheriger Terminabsprache eingesehen werden.
Daneben sind alle Nachlässe unseres Archivs über die Zentrale Datenbank Nachlässe (ZDN) des Bundesarchivs nachgewiesen, mit Bestandsinformationen und Biogrammen sowie einer Verlinkung zu den Onlinefindmitteln versehen.
 
 

Findbuch Bestand '164., Pfarramtliche Urkunden und Druckschriften' online

Heinrich Löber schrieb am 28.06.2019

Beschrifteter Konfirmationsschein (1897) [164.,Nr.212]
Konfirmationsschein von Wilhelmine Egger, konfirmiert in Ettlingen am 4. April 1897, ausgestellt von Pfarrer Spengler (LkA KA, 164., Nr. 212)
Das Findbuch des Bestands '164., Pfarramtliche Urkunden und Druckschriften' wurde online gestellt und ist nun komfortabel recherchierbar.

Derartige kirchliche Urkunden und Druckschriften werden nicht selten auf Flohmärkten oder Versteigerungsplattformen angeboten. Oftmals in Nachlässen oder als „Dachbodenfund“ entdeckt, wird ihnen gemeinhin ein hoher intrinsischer Wert beigemessen. Aber ihr kirchen- und kunstgeschichtlicher Quellenwert wird bisweilen unterschätzt. Erst in jüngerer Vergangenheit hat man erkannt, dass sie sich hervorragend als Grundlage oder Bereicherung für Ausstellungen zu historischen oder theologischen Themenkomplexen eignen.

Entsprechend bemerkenswert ist daher dieser Bestand. In der Hauptsache beinhaltet er Muster von Tauf-, Konfirmanden-, Trau- und Patenurkunden/-bescheinigungen, die vom landeskirchlichen Hans-Thoma-Verlag Karlsruhe, welcher 2009 in die Liquidation ging, übergeben wurden. Zudem besteht er aus einer Sammlung Einzelstücke unterschiedlicher Provenienz, zumeist aus Privatbesitz oder auch aus Pfarrämtern, in denen Blankomuster, aber auch ausgefüllte und gerahmte derartige Schmuckscheine überliefert sind.

Im September 2012 wurde der Bestand von Tabea Mußgnug bearbeitet. Seitdem wurden die Zugänge der letzten Jahre fortlaufend erschlossen.

Der Bestand hat eine Laufzeit von 1786 (Nr. 182: Kopie!) bzw. 1850 bis 2000. Von den 526 Akten sind sieben Konfirmationsscheine mit Bildern hinterlegt (Nrn.  212-215. 239. 498. 514), die auch in dem Findbuch abgebildet sind, so dass der interessierte Leser eine gute Vorstellung davon erhält, welche Vielfalt dieser Bestand bereithält. Einsehbar ist er im Lesesaal unseres Archivs.

 

Einflussnahme auf den Religionsunterricht im Kirchenbezirk Ladenburg-Weinheim während des Nationalsozialismus

Michael Hallerberg schrieb am 25.06.2019

Heutzutage existiert in jedem Kirchenbezirk der Badischen Landeskirche ein Schuldekanat, das die Aufsicht über die Religionslehrer an den Schulen des Kirchenbezirks innehat. Früher allerdings oblag diese Aufgabe noch jedem Dekanat selbst. Der Dekan bildete mit den örtlichen Pfarrern oder Kirchenältesten eine Kommission und verabredete mit den Schulleitern Termine, an denen sie die Unterrichtsstunden der Lehrkräfte besuchen konnten. In vielen Orten erteilten die lokalen Pfarrer selbst Religionsunterricht und ergänzten das Lehrerkollegium.

Anhand der unlängst verzeichneten Akten des Dekanatsarchivs Ladenburg-Weinheim lassen sich diese Prüfungen für die unterschiedlichen Orte des Kirchenbezirks z.T. bis zu 200 Jahre zurückverfolgen. Auch die Zeit des Nationalsozialismus ist dokumentiert und spiegelt sich in den Unterlagen wider. Diese Phase der Geschichte der Evangelischen Kirche im Deutschen Reich war durch den „Kirchenkampf“ zwischen den NS-treuen „Deutschen Christen“ auf der einen und der „Bekennenden Kirche“ auf der anderen Seite geprägt.

Implizit geben auch die Prüfungsunterlagen für Religionslehrer an den Volksschulen in Weinheim Auskunft über die Beeinflussung des Religionsunterrichts und Glaubens durch den Nationalsozialismus.

RU_Prüfung KB Ladenburg_Weinheim
Sonderbescheid der Prüfungskommission über den am 28. März 1933 besuchten Unterricht des Hauptlehrers
Ebert in Weinheim (LkA KA, 043. Ladenburg-Weinheim, Nr. 835)
So beurteilte ein Sonderbescheid der Prüfungskommission den am 28. März 1933 besuchten Unterricht des Hauptlehrers Ebert an der Pestalozzi- und Diesterwegschule in Weinheim. Der Lehrer vermittelte den Schülern der 7. Klasse neben Inhalten des Neuen Testaments auch Choralgesang. Während der Gesang sicher und gut gewesen sei, fand die Kommission jedoch Kritik an dem Vergleich des „Opfertodes“ vom SA-Mann Horst Wessel, der 1930 von KPD-Mitgliedern ermordet und daraufhin von den Nationalsozialisten zum Märtyrer hochstilisiert wurde, mit dem Opfertod Jesu Christi. Es fehlte den Prüfern dabei an einer Distanzierung bzw. Erläuterung der Unterschiede zwischen beiden Männern. Es werde „als selbverständlich [sic!] vorausgesetzt, daß Sie Ihre Schüler bei aller Begeisterung für Horst Wessel nicht im Unklaren darüber lassen, daß der Opfertod Jesu Christi doch auf einer ganz anderen Ebene zu bewerten ist.“ Nichtsdestotrotz wurde der Hauptlehrer aber dafür gelobt, dass er seinen „Unterricht gerade durch den Vergleich mit dem vaterländischen Geschehen der Gegenwart sehr anschaulich und wirklichkeitsnah“ gestaltet habe. Hieran zeigt sich, wie stark sich der Einfluss des Nationalsozialismus auf die Lehrkräfte bereits zwei Monate nach Hitlers Machtantritt äußern konnte.

Bis zum Ende der 1930er Jahre sollte die Einflussnahme immer weitreichender greifen. Jeglicher Unterrichtsinhalt, der dem Weltbild der Nationalsozialisten zuwider lief, sollte gegen „völkische“ Inhalte ausgetauscht oder ersatzlos gestrichen werden. In einem Erlaß vom 1. Juli 1937 forderte der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust, dass vom „nationalsozialistischen Lehrer […] bei der Erteilung des Religionsunterrichts, insbesondere bei der Darstellung des Judentums, nichts verlangt wird, was den Grundsätzen des Nationalsozialismus zuwiderläuft.“ Insbesondere nach dem Tod des deutschen Botschafters in Paris, Ernst vom Rath, durch einen jüdisch-stämmigen Attentäter, den die Nationalsozialisten auch als Vorwand für die Judenpogrome vom 9. November 1938 nutzten, legten viele Religionslehrer den Unterricht ganz oder teilweise nieder. Im zweiten Fall wurde angegeben, dass das Alte Testament nicht mehr Teil des Lehrstoffes sein sollte, da es darin vornehmlich um das Judentum ging.

Der Oberkirchenrat in Karlsruhe seinerseits bat am 9. Dezember 1938 alle Geistlichen in Baden darum, Bericht über die Situation des Religionsunterrichts in ihren Städten und Dörfern an die Dekanate zu erstatten. Ein weiteres Rundschreiben vom 9. Januar 1939 stellte das Zwischenergebnis der Befragung als recht unterschiedlich für die badischen Kirchenbezirke dar: Auf der einen Seite stehen Mosbach oder Neckargemünd, wo über 70 Prozent der evangelischen Lehrkräfte zu einer Niederlegung des Religionsunterrichts gezwungen worden seien. Andererseits habe es aber auch Kirchenbezirke gegeben, in denen sich die Quote zwischen zwei und zehn Prozent bewegte. In absoluten Zahlen ausgedrückt, hätten von 1465 Lehrern 507 den Unterricht komplett niedergelegt, 486 würden auf das Alte Testament verzichten und 505 würden ihn ohne Einschränkungen erteilen.

Die Position der Landeskirche zu dem Thema wurde in einem Rundbrief vom 30. November 1938 bereits verdeutlicht, als die vom Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) „planmäßig vorbereitete und durchgeführte Bewegung“ verurteilt wurde. „Wir enthalten uns eines Urteils darüber, in welchem Maße die Ablehnung der Erteilung des Religionsunterrichts ‚freiwillig‘ erfolgte.“ In einem Schreiben vom 9. Januar 1939 wurde die Haltung der Landeskirche und der Auftrag an die Geistlichen erneut klar formuliert: „Grundsatz muss sein: Sicherung des geordneten Religionsunterrichts an den Volksschulen! Ohne Not ist keine Position aufzugeben!“

Für den Kirchenbezirk Ladenburg-Weinheim sah die Situation so aus, dass in fast jedem Ort Lehrkräfte zwischen November 1938 und April 1939 den Religionsunterricht ganz oder teilweise niederlegten. Lediglich für Lützelsachsen lässt sich aus der Akte nicht erkennen, dass die dortigen Lehrer den Unterricht verweigerten. Die Einflussnahme des NSLB war mitunter ebenfalls deutlich spürbar: Pfarrer Hugo Engler aus Ilvesheim teilte im Dezember 1938 mit, dass drei der vier Lehrkräfte auf Ersuchen des NSLB den Unterricht niedergelegt hätten und auch aus Laudenbach teilte Pfarrer Erwin Schenck mit, dass „die Gründe [für die Niederlegung] bekannt sein dürften“. In Steinklingen nahe Oberflockenbach musste im Januar 1939 sogar der gesamte Schulunterricht für das restliche Schuljahr aufgehoben werden.

Die Geistlichen waren also zum Teil in erheblichen Maß dazu gezwungen, die Vermittlung des Religionsunterrichts zu übernehmen. Besonders in Weinheim war die Lage angespannt, da an den drei Volksschulen zeitweise 20 Lehrer den Unterricht verweigerten. Die drei Pfarrer errechneten, dass sie im Schuljahr 1939/40 111 Wochenstunden zu erteilen hätten. Der Religionsunterricht an anderen Schulformen, die es in Weinheim neben den Volksschulen noch gab, war darin noch nicht berücksichtigt, sei aber aufgrund der Personalsituation nicht zu realisieren. Wenig hilfreich war, dass die staatliche Schulbehörde sich gegen eine Reduzierung der Wochenstunden pro Klasse in Weinheim aussprach und den Unterricht zudem nur auf die ersten und letzten Schulstunden legen wollte, wodurch die anderen Arbeitsaufgaben der Pfarrer noch weiter eingeschränkt würden.

Eine Entspannung der prekären Personallage für den gesamten Kirchenbezirk lässt sich aus der Akte nicht mehr ermitteln. Bis zum letzten Schreiben vom 1. Mai 1939 trat sie noch nicht ein, aber da bereits vier Monate später mit dem Angriff auf Polen der II. Weltkrieg ausbrechen sollte, ist anzunehmen, dass sich an der Situation nichts geändert haben dürfte. (Vgl. insgesamt LkA KA, 043. Ladenburg-Weinheim, Nrn. 306. 835)

Die in diesem Artikel erwähnten Unterlagen sind im Zuge der kürzlich abgeschlossenen Verzeichnung von Altakten des Dekanats Ladenburg-Weinheim zu Tage getreten. Der Bestand lagert im Magazin des Landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe und kann von interessierten Nutzern während unserer Öffnungszeiten eingesehen werden. Ein Findbuch des Bestands ist als PDF-Datei zum Download auf unserer Homepage verfügbar.
 
 

Von außergewöhnlichen Funden und Fernsehaufnahmen – Team Nord auf Bezirksbereisung

Natascha Wetzel schrieb am 17.06.2019

Nach der ersten Bereisung des Kirchenbezirks Wertheim durch Team Nord im Herbst letzten Jahres liegt nun ein Großteil der bearbeiteten Archive vor. Diese erhielten die Kirchengemeinden nun zurück.

Anfang Juni machte sich also das Team Nord mit einem voll beladenen Transporter nach Wertheim auf. Am Ende des ersten Tages war der gesamte Laderaum bis auf gefaltete Umzugskartons und zwei Sackkarren leer und somit bereit, erneut beladen zu werden. Noch am Anfahrtstag begann das Team damit, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen: Der „Arbeitsalltag“ einer Bezirksbereisung begann.

Arbeit im Pfarrarchiv
Kiloweise Akten - schwere körperliche Arbeit

Auch wenn sich die Tätigkeiten während eines Pfarrarchivbesuchs mehr oder minder gleichen, hierzu zählt beispielsweise die Trennung zwischen relevanten und irrelevanten Schriftgut – in der Fachsprache Bewertung genannt -  sowie die Besichtigung der Räumlichkeiten im Hinblick auf ihre Eignung als Lagerungsort von Archivgut, so gilt dies nicht für die Verhältnisse innerhalb eines Pfarrarchivs. Auf jede Pfarrgemeinde muss sich das Team neu einstellen. In manchen Fällen existieren bereits (begonnene) Findbücher – Hilfsmittel zur Auffindung von Schriftgut -, in anderen steht das Team einer teilweise Jahrhunderte umfassenden unbearbeiteten Kirchengeschichte gegenüber.

Über diese und andere Aspekte ihrer Arbeit sprach das Team am zweiten Tag seines Wertheimaufenthaltes. „Licht an, Kamera läuft!“ hieß es in einem Biergarten vor der beschaulichen Kulisse des Klosters Breitenbronn. 

Filmaufnahmen Kloster Breitenbronn
Filmaufnahmen Kloster Breitenbronn
Während eines Interviews beantworteten die drei MitarbeiterInnen einem Filmteam, welches im Auftrag der Landeskirche einen Film über das Projekt drehte, bei strahlendem Sonnenschein alle an sie gestellten Fragen. Doch dabei blieb es nicht: Im Rahmen der anschließenden Besichtigung hatte das Produktionsteam die Möglichkeit, Team Nord über die Schulter schauen – oft nicht ohne ein gewisses künstlerisches Augenzwinkern.

„Archivare – Sind das nicht diese Menschen, die im Keller mit alten Schriften arbeiten?“ In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Berufsbild weitgehend mit falschen Vorstellungen und Klischees – die Spannweite reicht von der grauen Maus bis zum Indiana Jones des Archivguts - verbunden.

Sonderriet Truhe
Eine über Jahre verschlossene Truhe des Pfarrarchivs Sonderriet wird geöffnet
Doch wie die vergangene Bezirksbereisung zeigte, bestätigen Ausnahmen die Regel. Zum einen wurden die Projektmitarbeiter in einer Gemeinde von einem Pfarrer auf dessen Fund – einer Schatztruhe ähnelnden Holzkiste – aufmerksam gemacht. In dieser Truhe befanden sich allerlei Schriftstücke, die nun auf ihre genauere Betrachtung warten. Eine weitere „abenteuerliche“ Entdeckung machte eine andere Pfarrgemeinde: Im Zuge von Lichtinstallationen im Keller kamen in einem Holzschrank alte Rechnungen zum Vorschein. 
Waldenhausen alte Rechnungen
Nach Jahrzehnten der Vergessenheit wieder ans Licht gekommen: Rechnungen der Gemeinde Waldenhausen
 Die in Vergessenheit geratenen Akten legte das Pfarramt den MitarbeiterInnen in einer Plastiktüte vor. Zum Vorschein kam stark verschmutztes Schriftgut, welches vor seiner Archivierung mittels eines Latexschwamms gereinigt werden muss. Diese Geschichten werden dem Team sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben.

Nach vier Tagen fuhr ein bis obenhin mit Umzugskisten beladener Sprinter auf den Parkplatz der Paul-Gerhardt-Gemeinde Karlsruhe vor. Nun heißt es: Erschließung der Bestände. Welche interessanten Schriftstücke Team Nord dabei entdeckt? Wir halten Sie auf dem Laufenden.
 

Not lehrt beten – Feldpostbriefe Offenburger Soldaten im Pfarrarchiv der Stadtkirchengemeinde

Vivian Ritter schrieb am 15.05.2019

Feldpostbriefe an Erzieher Erich Krumm (044., Nr. 45)
Feldpostbriefe und Manuskript von Erich Krumm (LkA KA, 044. Offenburg, Nr. 45)
[…] Wenn dann aber dunkle Wolken drohend den Himmel verhängen, wenn alle Stützen u. Hilfen brechen u. fallen, wenn das Unterste zu oberst u. das Oberste zu unterst gekehrt wird, wenn die dämonischen Kräfte der Tiefe mit teuflischen Grinsen eine Umwertung aller Werte in Szene setzen, wenn das gesamte Dasein fragwürdig u. inhaltslos zu werden droht, wenn allüberall Auflösungs- u. Niedergangserscheinungen den Tag beherrschen – dann klammert der gläubige Mensch sich an ewige Worte, greift zu ewigen Worten Licht u. Segen von Höchsten erflehend.
In solcher Zeit aber legt man wohl auch gerne einmal das Ohr an den Herzschlag der jungen Generation, die aus den Urgründen des Seins emporstieg.“

Mit diesen Worten beginnt das Sammelwerk von Erich Krumm (1893-1981). Krumm war in den 1930/40er Jahren Lehrer am Offenburger Schiller-Gymnasium und Jugendleiter in der evangelischen Kirchengemeinde. Daher gibt sind im Archiv der Stadtkirchengemeinde auch Unterlagen von ihm überliefert.

Erich Krumm, Einleitung Feldpostbriefe (044., Nr. 45)
handschriftliche Einleitung von Erich Krumm (LkA KA, 044. Offenburg, Nr. 45)
Als Lehrer sammelte Krumm die Feldpost seiner ehemaligen Schüler aus dem 2. Weltkrieg, tippte sie ab und vereinte sie zu einem Werk. Dies geschah sicherlich auch aus persönlichen Gründen, da sein eigener Sohn unter den Gefallenen war, was man der Widmung entnehmen kann: „Dies Büchlein widme ich dem Gedächtnis meines toten Sohnes“ und „Deutscher Jugend zum Gedächtnis, ein Denkmal aus Dankesschuld“.
 Da Prof. Erich Krumm die Briefe nach den Schreibern sortiert hat, wird eindrucksvoll gezeigt, wie sich die Sicht der Jugendlichen während der Fronteinsätze veränderte und sie in den schlimmsten Stunden ihres Lebens zu Gott beteten und Trost bei den Feldseelsorgern suchten, aber auch die Ruhe der Heimat zu schätzen lernten.

Im Jahre 2005 veranstalteten die Kirchengemeinde und das Stadtarchiv Offenburg eine Ausstellung im Museum im Ritterhaus zur 60jährigen Wiederkehr des Kriegsendes mit dem Titel „BRIEFE AUS DEM KRIEG. Junge Offenburger schreiben an ihren Lehrer Erich Krumm“.
 

Offenburger Gottesdienstbesuch um 1850 von „sehr fleißig“ bis „gar nicht“

Heinrich Löber schrieb am 16.04.2019

Gottesdienstbesuch in Offenburg anno 1849
Eingelegter Zettel im Familienbuch Offenburg (1835) 1852, 1857 (LkA KA, 045.02, Nr. 372)
Im ältesten Offenburger Familienbuch (1835, 1852-1857) ist ein Zettel mit der Überschrift „Kirchenbesuch“ eingelegt. Offenbar war es dem ersten hauptamtlichen Pfarrer Friedrich Müller (1814 – 1871; ab 1847 Diasporapfarrer Offenburg) ein Anliegen, den Gottesdienstbesuch in der neu errichteten evangelischen Gemeinde Offenburg (1854) zu notieren. Vielleicht bildete die am 4. November 1849 durchgeführte erste Kirchenvisitation den Anlass? Denn erst zwölf Jahre zuvor, im Jahre 1842, konnten sich die Evangelischen in Offenburg offiziell als Diasporagemeinde von Sand konstituieren.

Offensichtlich hat Offenburg als ein genuin katholischer Ort die Evangelischen ihrer Konfession und Praxis pietatis besonders bewusst sein lassen. Daher verwundert es nicht, dass der Kirchenbesuch als überwiegend „sehr fleißig“ beurteilt wurde, während die Spalten „fleißig“, „ziemlich“ und „gar wenig“ sich etwa die Waage halten. „Gar nicht“ hat die wenigsten Einträge, wenngleich das ja eigentlich den Ausfall eines Gottesdienstes mangels Beteiligung bedeutet.

Leider erschließt es sich nicht, ob jeder Strich einen Gottesdienst der Offenburger Gemeinde in den Anfangsjahren bedeutet. Die Anzahl der Striche lässt aber vermuten, dass der Gottesdienstbesuch eines Kirchenjahres beurteilt wurde.
 

Die Wahrheit liegt im Archiv! Warum Archivpädagogik für die Wahrheitsfindung wichtig ist

Natascha Wetzel schrieb am 25.03.2019

Warum sind Archive heute, im Zeitalter der schnellen Informationsbeschaffung, wichtig? Dieser aktuellen Frage ging die 20. Karlsruher Tagung für Archivpädagogik am 22. März 2019 auf vielfältige Weise unter dem Titel „Fake oder Fakt? Wahrheitsfindung im Archiv“ nach. Zum zweiten Mal nahm das Landeskirchliche Archiv den nachmittäglichen Markt der Möglichkeiten wahr, um mit LehrerInnen, Institutionen und anderen Archiven zum Thema Archivpädagogik in Kontakt zu treten. Der Vormittag mit dem Einführungsvortrag „Mit Akten gegen Fake-News“ sowie drei Workshops regte zum Austausch an und gab Einblick in die Konzepte anderer Institutionen.

Markt der Möglichkeiten 2019 Stand bevölkert
Es gab genug zu entdecken
Auf dem Markt der Möglichkeiten thematisierte das Landeskirchliche Archiv die Problematik von Fake oder Fakt anhand eigener Bestände. Interessierte versuchten sich an der Interpretation zweier Fotos, die ohne Angaben für den Beleg alternativer Fakten genutzt werden könnten. Wer denkt nicht beim Anblick junger, weiß gekleideter Mädchen an eine Kommunion? Nicht wenige Teilnehmer waren überrascht, dass die Kinder anlässlich der Grundsteinlegung einer Kirche feierlich angezogen waren. Ein Roll-Up mit einem angeblichen Zitat Martin Luthers („Wo der Geist des HERRN ist, da ist Freiheit“) problematisierte die praktizierte Methode des sprichwörtlichen „Worte-in-den-Mundlegens“. Es handelt sich in Wahrheit um einen Bibelvers (2. Kor. 3,17).
Markt der Möglichkeiten 2019 Stand
Unser Stand mit "Fake oder Fakt"-Beispielen

Neben der thematischen Anlehnung erhielten die Besucher mittels Informationsbroschüren und der Projektion des Blogs des Landeskirchlichen Archivs einen Einblick in dessen Arbeit.

Wir blicken auf einen ereignisreichen Tag mit fruchtbarem Austausch zurück und freuen uns, wenn aus den Gesprächen Schülerbesuche oder Projekte folgen.
 

Letzter planmäßiger Import badischer Kirchenbücherer bei Archion

Heinrich Löber schrieb am 18.03.2019
Neue Digitalisate - letzte Dateien gehen online
Archion veröffentlicht tageweise die online gestellten Bücher
Ende November 2018 hatte unser Archiv die letzten 122 Kirchen- und Familienbuchdateien an Archion geliefert (s. unser Beitrag vom 23. Nov. 2018). Diese werden in diesen Tagen online gestellt, soweit es die Laufzeit (bis 31. Jan. 1876) zulässt.
Damit ist die Komplettüberlieferung (ca. 7650 Bücher) unserer Landeskirche geliefert - sieht man von 31 Dateien ab, die entweder fehlerhaft vorliegen (elf Bücher) bzw. derzeit erst gänzlich digitalisiert (20 Bücher) werden.
Wir haben das Findmittel zu den verfilmten und digitalisierten Kirchen- und Familienbüchern unserer Landeskirche als PDF-Dokument auf unserer Website veröffentlicht. Mit dieser Übersicht können Sie sich einen Überblick über die komplette Kirchenbuchüberlieferung unserer Landeskirche sowie der verfilmten/digitalisierten Familienbücher verschaffen. Der interessierte Benutzer hat also die komfortable Wahl, den Komplettbestand im Kirchenbuchportal (bis 1876) gegen Gebühr zu recherchieren, oder - unverändert - in unserem Archiv Einsicht in die verfilmten Büchern zu nehmen (hier über das Schwellenjahr 1876 hinaus bis in die 1960er Jahre). Es ist übrigens auch in unserem Lesesaal eine Archion-Recherche (auch Bücher anderer Landeskirchen!) zu den üblichen Tages- und Reprogebühren (vgl. Gebührenordnung) möglich. D. h., Sie müssen sich dafür nicht zwangsläufig bei Archion registrieren, sondern können - wenn das für Sie reizvoll ist - innerhalb der Benutzerzeiten Archion nutzen. Dafür müssen Sie sich bei einer Anmeldung den sogenannten 'PC-Platz' reservieren lassen. Vor Ort stehen wir auch mit Rat und Tat zur Seite, wenngleich Sie die Recherche natürlich selbst durchführen müssen.
 
Beachten Sie auch die Rabattaktion zum 4. Jahrestag des Kirchenbuchportals (bis 1. Mai 2019):
Rabattaktion Archion_2019
 
 

„Das Gegenteil von gut …

Anna Eifler schrieb am 6.03.2019
… ist bekanntlich gut gemeint". Alte Reparaturen mit Selbstklebebändern oder nass verklebten Stabilisierungen wie sie im lutherischen Kirchenbuch Lahr-Dinglingen 1652 - 1702 (mit Konfirmanden 1655-1659, Chronik und Kollektenregister 1655-1658) vorkommen, sind in vielen Kirchenbüchern anzutreffen. Bei Rissen, Fehlstellen und Tintenfraß wusste man sich oft nicht anders zu helfen und schritt selbst zur Tat, um die Nutzbarkeit dieser wichtigen Dokumente zu gewährleisten. 
Im Falle des Mischbuchs aus Lahr-Dinglingen haben diese Reparaturen jedoch mehr geschadet als genutzt und wurden daher in der Restaurierungswerkstatt des Landeskirchlichen Archivs entfernt. Anschließend wurden der Tintenfraß behandelt, Fehlstellen und Risse mit Japanpapier ergänzt bzw. stabilisiert. 
Die Benutzbarkeit des Buches wurde dadurch wiederhergestellt und sogar die Lesbarkeit im Vergleich zum Mikrofilm (1960er Jahre) an vielen Stellen verbessert, wie beispielhaft an den Taufeinträgen 1674/75 zu erkennen ist (S. 65 f.).
Dinglingen Seite 65 vorher und nachher
Vorher-Nachher-Ansicht (S. 65) [KB Lahr-Dinglingen (luth.) Mischbuch 1652 - Jan. 1702; Depositum]
Dinglingen Seite 65 vorher vom Film (ca. 1960)
Kirchenbuch Dinglingen S. 65 im Mikrofilm (ca. 1962)
 
Dinglingen Seite 66 vorher und nachher
Vorher-Nachher-Ansicht (S. 66) [KB Lahr-Dinglingen (luth.) Mischbuch 1652 - Jan. 1702; Depositum]
 

Unser Archiv ist am 22. März auf dem Markt der Möglichkeiten vertreten

Heinrich Löber schrieb am 1.03.2019
Flyer 20. Karlsruher Tagung für Archivpädagogik
Unser Archiv wird am Freitag, den 22. März 2019, auf dem Markt der Möglichkeiten im Landesmedienzentrum Baden-Württemberg mit einem eigenen Stand vertreten sein, der im Rahmen der 20. Karlsruher Tagung für Archivpädagogik stattfindet.
Auf diesem Markt stellen neben Archiven auch Museen, Schulen und weitere Kultureinrichtungen ihre pädagogischen Angebote vor, präsentieren Materialien und Projekte zum Tagungsthema 'Fake oder Fakt? Wahrheitsfindung im Archiv' und stehen für Gespräche zur Verfügung.
Auf der Tagung werden Methoden und Kriterien der Quellenkritik sowie zur Unterscheidung von Original und Fälschung diskutiert. Dabei geht es auch um die Frage, ob und wie sich das archivarische Selbstverständnis vor dem Hintergrund von "fake news" verändert.
 

Fundstücke im Archiv: Gefallene des II. Weltkriegs

Marco Tänzer schrieb am 14.02.2019

GedenkfeierNassig1995

Bericht von Kurt Treu und einem ehemaligen Funker des Hauptquartiers Armee-Oberkommando 19. Zeitungsausschnitt über die Gedenkfeier am 31. März 1995 in Nassig. [LkA KA, 044. Eichel-Hofgarten, Nr. 15]

Beim Sichten und Erschließen der Archivunterlagen des Pfarrarchivs der evangelischen Kirchengemeinde Eichel-Hofgarten wurden Dokumente zutage gebracht, die detailliert über die Schrecken des II. Weltkriegs berichten.

Im Kampf um Nassig, ein Ort im Nordosten Badens, der seit dem 1. Januar 1972 Teil der Großen Kreisstadt Wertheim ist, sind am 30. und 31. März 1945 insgesamt 34 deutsche Soldaten in einem Feuergefecht mit der amerikanischen Artillerie gefallen. Eine kleine Kampfgruppe kam von einem Einsatz in Nassig und sollte bei Eichel mit einem Fischer-Schelch (ein größerer Kahn) über den Main setzen, als plötzlich die amerikanische Artillerie das Feuer auf die Gruppe eröffnete. Ein Bericht des Postoberinspektors K. Treu, der als Grenadier im 42. Inf.-Ersatz-Bataillon aus Ansbach eingesetzt war, gibt detaillierte Auskunft, welchen Verlauf dieser Kampfeinsatz nahm.

Zunächst sollte die Einheit in den Westerwald marschieren, um dort für Kampfhandlungen noch weiter ausgebildet zu werden. Ihre Ausrüstung wie Panzerfäuste, Maschinen- und Sturmgewehre wurden von Bauern mit Pferdegespannen transportiert. Es wurde überraschend gemeldet, dass Einheiten der Amerikaner bereits vorstießen. Die Kampfgruppe des Berichterstatters wurde dem Gelände außerhalb des Friedhofs zugeteilt. Die Soldaten gruben sich in Panzerdeckungslöcher ab und konnten mit Panzerfäusten zunächst zwei Panzerfahrzeuge abschießen und die amerikanische Einheit zu einem Rückzug bewegen. Daraufhin begann die Artillerie, Nassig zu beschießen und nach dem Ende des Beschusses mit Infanterie das Dorf anzugreifen. Der Angriff konnte erneut abgewehrt werden. Am nächsten Tag jedoch griffen die Amerikaner mit starkem Artilleriefeuer und Panzerunterstützung erneut an und die deutsche Kampfgruppe konnte dem nichts entgegensetzen. Wertheim wurde eingenommen und der Berichterstatter konnte sich mithilfe Zivilkleider bei den Amerikanern melden und entging der Kriegsgefangenschaft.

50 Jahre später, am 31. März 1995, spricht Georg Hatt als Veteran der 12. US-Panzer-Divison „Hellcats“ im Zuge der Gedenkfeier auf dem Nassiger Friedhof über die Versöhnung mit dem ehemaligen Feind: „Wir waren Feinde, weil unsere Regierungen sich im Krieg befanden, doch heute ist die Situation ganz anders: Wir sind Freunde und Verbündete.“ Des Weiteren rief Hatt dazu auf: „die Bemühungen unserer Nationen für Frieden und Freundschaft zu unterstützen.“

 

Nachlass der Pfarrerin und Frauenhistorikerin Hilde Bitz ist nutzbar

Sarah Banhardt schrieb am 12.02.2019

Bitz,Hilde (1959) [PA Bd. I in RG]
Hilde Bitz als junge Religionslehrerin (1959) [Registratur, PA, Bd. I]
Hilde Bitz war keine gewöhnliche Pfarrerin. Von ihrem Lebens- und Berufsweg beeinflusst bezeugte sie einerseits die Genese des Berufes der Pfarrerin in der badischen Landeskirche, andererseits nahm sie aber auch bei dessen historischer Aufarbeitung eine entscheidende Rolle ein. Sie trug wie keine andere dazu bei, dass die Schicksale früher badischer Theologinnen nicht in Vergessenheit gerieten. Sie sammelte die Lebensgeschichten ihrer Vorgängerinnen und Amtskolleginnen und gab ihnen ihre Stimme.

1929 in Mannheim geboren, erlebte Hilde Bitz den 2. Weltkrieg als Schülerin und wurde nach einem schweren Bombenangriff im Zuge der Kinderlandverschickung nach St. Blasien gebracht. Nach Kriegsende konnte Hilde Bitz das Liselotte-Gymnasium in Mannheim besuchen und dort 1949 das Abitur ablegen. Geprägt durch ihren Religionsunterricht bei Dr. Doris Faulhaber hegte sie den Wunsch, Theologie zu studieren – in einer Zeit, in der das Pfarramt Frauen noch verwehrt war. Unterstützt und ermutigt durch Faulhaber, mit der sie eine mehr als vier Jahrzehnte überdauernde „Lebens-, Arbeits- und Wohngemeinschaft“ (Hilde Bitz an Irmtraud Bankes, 16.09.2008; Nr. 378) verbinden sollte, studierte Hilde Bitz von 1949 bis 1954 evangelische Theologie an der Universität Heidelberg. Nach dem Besuch des Praktisch-theologischen Seminars in Heidelberg trat sie 1955 ihre erste Stelle als Religionslehrerin in Mannheim an.

Bitz,Hilde Gottesdienst zum 40. Einführungsjubiläum P.-G.-Gem. Mannheim (18.12.2011)
Gottesdienst zum 40jährigen Jubiläum der Einführung von Hilde Bitz als erste gleichgestellte Pfarrerin der badischen Landeskirche, Paul-Gerhardt-Kirche Mannheim (18. Dez. 2011) [LkA KA, digit. Bildersammlg., o. Sign.]
Als die Landessynode nach zahlreichen Eingaben badischer Theologinnen 1971 endlich die Gleichstellung von Männern und Frauen im Pfarramt beschlossen hatte, bewarb sich Hilde Bitz als erste badische Theologin offiziell um eine Stelle als Gemeindepfarrerin. Vor ihr waren zwar Waltraud Sattler (1925-2012) und Ilse Hasenfratz-Frank (1931-2010) als Pfarrverwalterinnen in Kirchengemeinden in Heidelberg und Mannheim tätig, dies jedoch mit Ausnahmegenehmigungen. Am 19. Dezember 1971 wurde Hilde Bitz als Pfarrerin der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Mannheim eingeführt. Ihre letzten Dienstjahre verbrachte sie als Pfarrerin in der Klinikseelsorge in Mannheim.

Nach dem Tod von Doris Faulhaber (1991) begann Hilde Bitz mit ihrer kirchenhistorischen und frauengeschichtlichen Forschungstätigkeit. Sie verfasste u.a. für das „Lexikon früher evangelischer Theologinnen“ mehr als 45 Artikel. Zahlreiche Aufsätze erschienen im Jahrbuch für badische Kirchen- und Religionsgeschichte und in den ‚Lebensbildern aus der Evangelischen Kirche in Baden‘. Bitz steuerte Beiträge zu Festschriften bei und hielt regelmäßig Vorträge. Völlig zu Recht beschreibt sie Hans-Georg Ulrichs als „Nestrix der badischen kirchlichen Frauengeschichte“. 

Am 23. Juli 2017 verstarb Hilde Bitz im Alter von 87 Jahren in Mannheim. Am 1. August 2017 wurde sie auf dem Mannheimer Hauptfriedhof im gemeinsamen Grab mit Doris Faulhaber beigesetzt.

Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit machte Bitz immer wieder die Erfahrung, wie mühsam Informationen zuweilen zusammengetragen werden müssen. Und nicht selten erlebte sie, dass verlässliche Quellen nicht (mehr) zur Verfügung standen und begonnene Recherchen nicht zu Ende geführt werden konnten. Es war ihr ein Bedürfnis, die Ergebnisse ihrer Forschungstätigkeit nachfolgenden Generationen leicht zugänglich zu machen.

So bilden Rechercheunterlagen und Dokumente zur Geschichte der badischen Theologinnen Hauptbestandteile ihres Nachlasses. Aber nicht nur ihre eigenen Publikationen und Vortragsmanuskripte, sondern auch zahlreiche Arbeiten zur Theologinnengeschichte anderer Verfasser*innen, darunter einige unveröffentlichte Werke, sind überliefert. Neben der Theologinnengeschichte befasste sich Bitz mit der (Kirchen-)Geschichte des Nationalsozialismus.

Unterlagen zum Konvent evangelischer Theologinnen in der Bundesrepublik Deutschland und dem badischen Theologinnenkonvent zeugen von ihrem kirchenpolitischen Interesse und Engagement. Des Weiteren finden sich im Nachlass dienstliche Unterlagen, wie z.B. Material zum Weltgebetstag und zur ökumenischen Bibelwoche, Fotos und einige wenige Predigten. Umfangreich ist jedoch die erhaltene Korrespondenz. 

Der Nachlass von Hilde Bitz ist mit einem Onlinefindbuch recherchierbar und kann im Lesesaal des landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe eingesehen werden.
 
 

Suche Frieden und jage ihm nach! Die diesjährige Jahreslosung ...

Vivian Ritter schrieb am 6.02.2019

Predigt Friedenslinde (15.10.1983) [044. Stockach, Nr. 88]
Predigt von Pfarrer Claus von Criegern zur Pflanzung der Friedenslinde am 15.10.1983 auf dem La-Roche-Platz Stockach [LkA KA, 044. Stockach, Nr. 88]
... mit ihrem Thema „Frieden finden“ stand schon immer für die Kirche im Vordergrund. So wählte der damalige Stockacher Pfarrer Claus von Criegern am 15.10.1983 diesen Text aus Ps. 34 für seine Ansprache anlässlich der Pflanzung der „Friedenslinde“. Dies war ein besonderes Zeichen des Friedens, da dieser Baum auf dem La-Roche-Platz gepflanzt wurde, dessen Namensgeberin die französische Partnerstadt, La Roche sur Foron, von Stockach ist.

Mitten in der Zeit des Wettrüstens und des kalten Krieges spricht Pfarrer v. Criegern von den Träumen der Menschen und der „großen Verheißung Gottes“ – Friede auf Erden. Aber auch davon, dass diesem Versprechen immer großes Leid und großer Schmerz vorangeht und welche Rolle gerade Politiker und deren Sachzwänge dabei spielen. Zum Schluss ruft er dazu auf, den Frieden zu leben: „Sind wir in Gottes Hand, dann wird uns für den Frieden nichts zu teuer; wir können für ihn alles auf uns nehmen.“
Der Blick in die Akten lässt uns über drei Jahrzehnte später ihren zuweilen zeitlosen Bezug deutlich werden.
 

Manuskript des Ortsfamilienbuches Wolfartsweier übergeben

Heinrich Löber schrieb am 18.01.2019

Übergabe OFB Wolfartsweier.
Iris Riedlsperger übergibt dem Landeskirchlichen Archiv ein Exemplar
Am heutigen Tage übergab Frau Iris  Riedlsperger eine gebundene Arbeitskopie des Ortsfamilienbuches Wolfartsweier 1692 - 1944. Sieben Jahre Arbeit des Autorenteams, zu dem auch Frau Sigrid Faigle-Kirchenbauer und Herrn Ulrich Kindler gehören, haben damit ihr vorläufiges Ende gefunden. 

Dieses Werk findet seinen Platz in der Präsenzbibliothek des Lesesaals und ist damit fortan einer breiten Leserschaft vor Augen und zugänglich. Berichtigungen und Ergänzungen können dem Autorenteam mitgeteilt werden, denn erst in einem weiteren Schritt ist es angedacht, dieses Manuskript in den Druck zu geben.

Über das Findmittel zu den Ortssippenbüchern in der Präsenzbibliothek unseres Archivs, das wir als PDF auf unsere Website gesetzt haben ist, ist der Bestand dieses Buches online recherchierbar.

 

Vom Umgang mit finanziellen Nachlässen

Sarah Banhardt schrieb am 15.01.2019

Kondolenzschreiben an Frau Bitz (1991) mit einem 100-DM-Schein
Kondolenzschreiben an Frau Bitz (1991), in dessen Kuvert nach 27 Jahren 100 DM gefunden und ihrer Bestimmung zugeführt wurden [LkA KA, 150.113, Nr. 391]
Mehr als 27 Jahre ist es her, dass Pfarrerin Dr. Doris Faulhaber am 17. Juli 1991 in Mannheim verstarb. Zahlreiche Kondolenzbriefe erreichten in den darauf folgenden Wochen ihre langjährige Weggefährtin Pfarrerin Hilde Bitz und sind Teil ihres Nachlasses, der zur Zeit im Landeskirchlichen Archiv erschlossen wird.

Im Brief einer Verwandten Doris Faulhabers kam dabei ein kurioser Fund zum Vorschein: ein 100-DM-Schein. Da die Verfasserin nicht zur Beerdigung anreisen konnte, hatte sie Hilde Bitz gebeten, mit dem beigelegten Schein eine Blumenschale für das Grab zu besorgen. Diese sollte aufgestellt werden, sobald das Grab abgeräumt war. Es ist anzunehmen, dass dieser Wunsch in den Wochen nach der Beerdigung einfach unterging. Der 100-DM-Schein jedenfalls befand sich noch immer im Briefumschlag.

Grabaulhaber Bitz
Die gemeinsame Grabstelle von Doris Faulhaber und Hilde Bitz auf dem Hauptfriedhof in Mannheim mit dem von dem gefundenen Geld gekauften Weihnachtsbäumchen (2018)
Nach dem Umtausch bei der Bundesbank konnte sein Zweck aber zu Weihnachten 2018 endlich erfüllt werden. Von dem Betrag wurde ein Weihnachtsbäumchen gekauft, das das inzwischen gemeinsame Grab von Doris Faulhaber und Hilde Bitz (+ 2017) zum Fest schmückte.

 

Die Evangelische Akademie Baden – neuer Bestand erschlossen

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 15.01.2019

Logo Evangelische Akademie Baden
„Gesellschaften brauchen immer Gelegenheiten und Orte des Austauschs und der Meinungsbildung, Orte des zivilisierten Ringens um Positionen und Werte“, schreibt Akademiedirektorin und Pfarrerin Arngard Uta Engelmann im Vorwort zum Veranstaltungsprogramm der Evangelischen Akademie Baden für das erste Halbjahr 2019. In Zeiten, in denen sich Austausch häufig auf drastische Kommentare in digitalen Chats und Foren beschränkt, ist das wichtiger denn je.

Die Arbeit der Evangelische Akademie Baden hat vor diesem Hintergrund eine besondere gesellschaftliche Relevanz. Seit ihrer Gründung im Juni 1947 hat sie sich auf die Fahnen geschrieben, solche Gelegenheiten und Orte zu schaffen, um den gesellschaftlichen Dialog zu fördern und aktiv mitzugestalten. Mittel zum Zweck sind Veranstaltungen aller Art, Tagungen, Seminare, Vorträge usw., die von den MitarbeiterInnen der Akademie organisiert und  durchgeführt werden. Welche Veranstaltungen das in der Vergangenheit gewesen sind, welche unterschiedliche Personenkreise teilgenommen haben und wie sich Themen und Schwerpunkte im Laufe der Zeit gewandelt haben, das alles lässt sich an dem neu erschlossenen Bestand [066.02] ablesen, der seit Kurzem im Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe zur Nutzung zur Verfügung steht. Er beleuchtet schlaglichtartig alle Phasen der Akademiearbeit in Baden seit der Gründung bis in die jüngere Vergangenheit. Das Findbuch zu Bestand 066.02 kann als PDF-Datei eingesehen werden. Der Bestand ergänzt die bereits vorhandene Überlieferung zur Badischen Akademiearbeit [066.01], für die eigens ein Bewertungskonzept entwickelt wurde, das archivfachlichen Anforderungen genügt. Die Unterlagen der Akademie sollen in Zukunft einheitlich nach diesem Konzept im Hinblick auf ihre Archivwürdigkeit bewertet und ggf. ins Archiv übernommen werden. Weitere Zuwächse des Akademie-Bestandes werden also folgen.

 

Team Nordbaden erhält Verstärkung

Anna Ohnmacht schrieb am 11.01.2019
Das Team Nordbaden des Projekts 'Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive' hat Verstärkung erfahren. Als dritte Kollegin dieses Teams ist das Projekt nun mit fünf Mitarbeitern voll besetzt:
 
Ohnmacht, Anna
Man beachte die Zuckertüte am Fenster vom ersten Arbeitstag.
Nun aber wird die erste Akte erschlossen ...
Als Nachzüglerin im Team Nordbaden habe ich, Anna Ohnmacht, im Januar meinen Dienst beim EOK im Projekt Pfarrarchiverschließung angetreten. Nach meiner Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (kurz: FaMI) in der Fachrichtung Bibliothek habe ich in den letzten beiden Jahren in der Stadtbibliothek Rottenburg am Neckar gearbeitet. Dort durfte ich beim Aufbau einer ganz neuen Stadtbibliothek helfen - und auch jetzt zieht es mich wieder zu einem besonderen Projekt. Ich freue mich auf mein neues Arbeitsumfeld und bin mir sicher, dass ich hier interessante Arbeitsstunden verbringen werde und meinen (beruflichen) Horizont erweitern kann.
 
 
 
 

Wer kann helfen?

Heinrich Löber schrieb am 7.01.2019
Crowdsourcing I Architekt F. Eberhard (Saal)
Großer Saal des Gebäudes von Arch. F. Eberhard [LkA KA, 154., o. S.]
Archivarinnen und Archivare wissen viel oder sind im Stande, sich die nötigen Informationen zu besorgen - sei es aus den Akten, aus Büchern oder Nachschlagewerken. Dennoch tritt immer mal wieder der Fall ein, dass auch ihnen Grenzen in der Wissensbeschaffung gesetzt sind. Wie in diesem Fall:
Crowdsourcing I Architekt F. Eberhard (Speisesaal)
Speisesaal des Gebäudes von Arch. F. Eberhardt [LkA KA, 154., o. S.]
 
Es handelt sich hierbei um archivierungswürdige Fotos aus einer Mappe von dem freien Architekten Friedrich Eberhard aus Freiburg, die das Kirchenbauamt vor etlichen Jahren dem Archiv übergeben hat. Alle darin enthaltenen Bilder
Crowdsourcing I Architekt F. Eberhard (Außenansicht)
Außenansicht des Gebäudes von Arch. F. Eberhard [LkA KA, 154., o. S.]
konnten zugeordnet werden - nur bei diesen drei Aufnahmen ist keine Zuordnung möglich. Es handelt sich bei dieser Mappe durchweg um kirchliche Gebäude im Großraum Freiburg, die in den Jahren von ca. 1975 bis 1990 geplant und erbaut wurden, so dass auch in diesem Fall von einem Gebäude / von Gebäuden aus dieser Region auszugehen ist.
Nun versuchen wir, über Ihre Mithilfe an die nötigen Informationen zu kommen. Wer kann helfen: Um welche(s) Gebäude handelt es sich?
 
Wir freuen uns über eine Kontaktaufnahme (T.: 0721/9175-795; Email: archiv@ekiba.de)