Blog-Archiv 2018
Weihnachten und Neujahr
Nachlass von Karl Dürr (1892-1976) neu erschlossen
Dr. Tabea Mußgnug hat im Zeitraum März bis Mai 2018 1,6 der 1,8 lfm. neu verzeichnet, die alten Signaturen aber beibehalten und durch unerschlossene Nachlassteile insgesamt 50 Akten gebildet. Die verbliebenen 0,2 lfm. wurden nun nachverzeichnet (Nrn. 51-66).
Auf eine Klassifikation musste verzichtet werden, weil dieser (Dienst-)Nachlass größtenteils in seiner historischen Gestalt belassen wurde, die schlechterdings keine sinnvolle Systematik erlaubt. So ist der Bestand "nur" chronologisch recherchierbar.
Fundstücke im Archiv: Gesangunterricht in Grenzach im 19. Jahrhundert
Das Phänomen dürfte bekannt sein: Unterlagen sammeln sich an, werden immer mal wieder von einer Ecke zur anderen geräumt. Ja, so etwas kann auch mal in einem Archiv vorkommen. Zum Glück ist das dort kein Dauerzustand, denn eine der Hauptaufgaben von Archivarinnen und Archivaren ist die Sicherung, Ordnung und Zugänglichmachung von archivwürdigen Unterlagen. Wenn sich der Archivar oder die Archivarin den unbearbeiteten Stapeln annimmt, kann es so manch schöne Überraschung geben. So geschehen im Fall von Unterlagen aus dem 19. Jahrhundert, die der Landeskirchenkasse zuzurechnen sind. Diese werden derzeit bearbeitet und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Beim Sichten und Ordnen der Unterlagen kam es zu einem Zufallsfund, der zum Schmunzeln einlädt. Inmitten von Unterlagen zum Kirchensteuerwesen und zur Rechnungsprüfung in den Kirchengemeinden fand sich ein Dokument mit dem schönen Betreff
„Gehorsamste Beantwortung der Frage: Welche Methode im Gesangunterricht führt am schnellsten und sichersten zum Treffen der Töne?“
Die Abhandlung umfasst fünfzehn dicht beschriebene Seiten, die von Schullehrer Wilhelm Fischer aus Grenzach im Juli 1841 verfasst wurde. Es lässt sich nur vermuten, in welchem Zusammenhang Lehrer Fischer den Text verfasste. So wurde er dem Dekanatsarchiv Lörrach zugeordnet.
Der fehlende Kontext mag für ArchivarInnen und HistorkerInnen Mangel und Ansporn zugleich sein, dem Inhalt des Textes tut das keinen Abbruch. Schullehrer Fischer jedenfalls gibt hilfreiche Tipps zur Stimmausbildung. Falls nun der eine oder die andere SängerIn neugierig geworden sind, der Text steht allen Interessierten im Landeskirchlichen Archiv zur Einsicht zur Verfügung. Singen und dabei die Töne treffen – gerade im Advent genau das richtige!Als hätte eine Armada von Schutzengeln diesen Ort und die Region bewacht
So sahen das auch die Pfarrer in Owingen, die, neben einem spontanen Gottesdienst, einen ökumenischen Dankgottesdienst am 21.7.2002 in der katholischen Pfarrkirche in Owingen ausrichteten. Der Gottesdienstplan sowie die Predigt von Dekan i. R. und Vakanzpfarrer Gert Ehemann lassen sich in den Archivunterlagen der Gemeinde Owingen finden. Sie führen uns heute noch einmal das erlebte Grauen vor Augen.
Diese und weitere Unterlagen kamen im Rahmen des Projekts „Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive“ nach Karlsruhe, wo sie derzeit bearbeitet werden.Es geht los! – Die Reise von Team Nordbaden nach Wertheim
Eine der Hauptaufgaben war die Bewertung der Akten nach ihrer Überlieferungswürdigkeit. Während der Sichtung stießen die Projektmitarbeiter auf prägende Schwerpunktthemen der Kirchengemeinden, etwa im Bereich der Ökumene, interessante bis amüsante Korrespondenz, z.B. auf die Richtigstellung eines Zeitungsartikels aus der Zeit des Nationalsozialismus über den Ursprung des Weihnachtsfestes, auf ein reich ausgeschmücktes Schreiben über das dauerhafte Fernbleiben mehrerer Konfirmanden vom Unterricht sowie alte Überlieferungen zur Kirchengeschichte. Auch Fotos und Objekte – wie etwa ein Quartett des Kirchenbezirks Wertheim – fanden sich in Akten und Kartons.
Neben der Bewertung des Schriftguts prüfte das Team Nordbaden die Eignung der Pfarrarchive als Unterbringungsort für die Archivalien. Mithilfe eines Infrarotthermometers konnten Raumtemperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt innerhalb der Räumlichkeiten ermittelt werden.
Trotz vollem Zeitplan ergab sich die Möglichkeit zu einem Stadtrundgang durch Wertheim. Nach dem Durchschreiten eines mittelalterlichen Stadttores gelangte das Team in die Altstadt mit ihren historischen Gebäuden. Den Höhepunkt bildete die imposante Evangelische Stiftskirche. In der Nähe entdeckten die Mitarbeiter einen Gasthof, der darauf hinwies, dass Martin Luther dort bis zum heutigen Tag seine Zeche nicht beglichen hat.
Am letzten Tag der Dienstfahrt lud das Team die in den Vortagen mit archivwürdigen Akten befüllten Umzugskartons in den Sprinter. Um einen Achsenbruch zu vermeiden, ermittelte das Team das Gewicht des Schriftguts, bevor es zum Auto transportiert wurde. Mit 19 Zentnern bepackt machten sich die Projektmitarbeiter auf die Rückreise. Nun steht der Erschließung Wertheims nichts mehr im Wege!Das Projekt 'Kirchenbuchportal' fährt in den Zielhafen ein ...
Wir haben das Findmittel zu den verfilmten und digitalisierten Kirchen- und Familienbüchern unserer Landeskirche als PDF-Dokument auf unserer Website veröffentlicht. Mit dieser Übersicht können Sie sich einen Überblick über die komplette Kirchenbuchüberlieferung unserer Landeskirche sowie der verfilmten/digitalisierten Familienbücher verschaffen. Der interessierte Benutzer hat also die komfortable Wahl, den Komplettbestand im Kirchenbuchportal (bis 1876) gegen Gebühr zu recherchieren, oder - unverändert - in unserem Archiv Einsicht in die verfilmten Büchern zu nehmen (hier über das Schwellenjahr 1876 hinaus bis in die 1960er Jahre). Es ist übrigens auch in unserem Lesesaal eine Archion-Recherche (auch Bücher anderer Landeskirchen!) zu den üblichen Tages- und Reprogebühren (vgl. Gebührenordnung) möglich. D. h., Sie müssen sich dafür nicht zwangsläufig bei Archion registrieren, sondern können - wenn das für Sie reizvoll ist - innerhalb der Benutzerzeiten Archion nutzen. Dafür müssen Sie sich bei einer Anmeldung den sogenannten 'PC-Platz' reservieren lassen. Vor Ort stehen wir auch mit Rat und Tat zur Seite, wenngleich Sie die Recherche natürlich selbst durchführen müssen.
Bis Archion die heute gelieferten Bücher veröffentlicht, wird sicherlich noch geraume Zeit verstreichen. Die Kirchenbuchportal GmbH teilt täglich unter dem Button „News“ mit, welche Kirchenbücher online gestellt wurden, so dass man den Verlauf verfolgen kann.
Übrigens wurden weitere Bücher für eine Sicherungsverfilmung und Digitalisierung abgegeben, die als Sekundärquellen (Mennonitenregister, Familienbücher, Abschriften) den Bestand gehaltvoller machen, darunter:
- Dossenheim (ref.) alphabetisches Familienbuch 1685 – 1829 mit voranstehenden Memorabilia 1941 – 1951
- Dossenheim (ref.) alphabetisches Familienbuch 1702 – 1952 mit Register
- Ittlingen Mennoniten Mischbuch 1813 - 1850 mit Register
- Lahr Familienbuch (1860) 1890 – 1906 mit Register
- Lahr-Dinglingen (luth.) Familienbuch 1831 – 1898 (1938) (angelegt 1874 von Pfarrer Philipp Jakob Ludwig Daniel Wernigk) mit Register
- Mietersheim Beerdigungen 1898 – 1978 mit Gefallenen II. Weltkrieg [teilw. masch.], Register
- Offenburg (luth.) Taufen 1796 [Abschrift]
- Offenburg Familienbuch (1835) 1852, 1857 mit Mischehen
- Offenburg Familienbuch 1829 – 1889 (angelegt 1873 von Pfarrer Carl Bähr ) mit Register
- Vörstetten (luth.) Familienbuch 1783 – Jan. 1821 mit Register
- Vörstetten (luth.) Familienbuch (1782) 1821 - 1873 mit voranstehender Series pastorum 1588 – 1933, Register
- Vörstetten Familienbuch 1874 - 1950 mit Register [zw. den Einträgen 1943]
- Babstadt (luth.) Taufen 1654 – 1688 [fragm. Auszug aus dem Mischbuch Obergimpern]
- Hertingen Trauungen 1860 – 1978 mit Jahresregister (1866-1869), Register
- Hertingen Beerdigungen 1860 – 1978 mit Gefallenen I. u. II. WK, Jahresregister (1865–1869), Register
Ab jetzt wird auch digital archiviert!
Im Landeskirchlichen Archiv wurden kürzlich die ersten digitalen Daten zur Archivierung übernommen. Es handelt sich um Excel-Tabellen, in denen zwischen 1997 und 2008 die Eckdaten kirchlichen Lebens in den einzelnen Kirchenbezirken Badens erfasst wurden. Der Vorteil, diese Daten in elektronischer Form zu übernehmen, besteht darin, dass sie so deutlich besser ausgewertet werden können als in Papierform.
Findbuch der Plakatsammlung veröffentlicht
Standardisierungshilfe für Personalakten kirchlicher Angestellter in den Pfarrämtern überarbeitet
Fast zwei Jahre Ärger mit dem Gemeinderechner in Ittlingen …
dann verhöhnte er die Bestohlenen mit einem stattdessen aufgehängten Plakat „… suchet, so werdet ihr finden“ (das ihn im Übrigen nach einem ausführlichen Gutachten verraten hat),
dann leugnete er alles,
widersprach der folgenden Kündigung, zeigte Reue, versprach Besserung,
um schlussendlich eine zweite Chance zu erhalten
und wieder etwas vom Pfarrhof zu klauen (diesmal ein Fenster).
Neujahrsgrüße aus dem Feld
Dieser Feldpostbrief ist Teil der Überlieferung der ehemaligen Christusgemeinde in Lahr, die zwischen Mai und Juli 2018 im Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche in Baden archivarisch aufgearbeitet wurde. Der Bestand umfasst den Zeitraum von der Reformations-Jubelfestfeier in Lahr (29. Juni 1856) und der Stiftung der Kirchengemeinde durch den Lahrer Kaufmann Christian Wilhelm Jamm, der in seinem Testament Geldmittel für den Kirchenbau, deren Unterhalt sowie für die Finanzierung der Pfarrstelle vorgesehen hatte, bis zu dem Zeitpunkt, als die Kirchengemeinde in der neugegründeten Kreuzgemeinde Lahr aufging (2015). Besonders hervorzuheben ist die umfangreiche Dokumentation der Kirchenrenovierung in den Jahren 1997 und 1998 sowie eine Akte zur Wiederbeschaffung von Kirchenglocken. In beiden Weltkriegen musste die Christuskirche ihre Kirchenglocken für den Krieg zur Verfügung stellen und in beiden Situationen gelang es der Gemeinde, jeweils durch Spendensammlungen, für Ersatz zu sorgen.
Eine milde Gabe ...
…erhielt die junge Kirchengemeinde in Waibstadt von der badischen Großherzogin Luise geschenkt, als im Jahr 1910 die Einweihung der eigenen Kirche gefeiert werden konnte. Es handelte sich um eine Altar- und Kanzelbekleidung, die extra für die Waibstadter Kirchengemeinde in der Kunststickereischule des Badischen Frauenvereins angefertigt worden war. Dies geht aus den Unterlagen der jüngst verzeichneten Pfarrarchive der Kirchengemeinden in Waibstadt und Daisbach hervor.
Die 1842 als Filiale der Kirchengemeinde Neckarbischofsheim gegründete Gemeinde hielt ihren ersten eigenen Gottesdienst im Jahr 1885 noch im Saal der örtlichen Schule ab. 1932 wurde Waibstadt zum Diasporaort und 1968 zur Filiale der Kirchengemeinde Daisbach. Dies ist insofern besonders, als dass Daisbach zu dieser Zeit lediglich ein eigenständiges Dorf, Waibstadt hingegen eine Stadt mit etwa fünfmal mehr Einwohnern war. Als sich 1971 die politischen Gemeinden beider Ortschaften vereinigten, wurde Daisbach dementsprechend zum Ortsteil von Waibstadt. Das evangelische Pfarramt für die beiden Orte befindet sich in Daisbach, aber jede Ortschaft besitzt bis heute einen eigenen Kirchengemeinderat. 1974 erfolgte die Umbenennung in den heutigen Namen.
Eine protestantische Gemeinde in Daisbach existierte seit der Zeit der Reformation. Der Lehnsherr Bernhard Göler von Ravensburg führte 1522 den evangelischen Glauben in lutherischer Ausprägung in seinen Besitztümern ein. Auch eine kleine reformierte Kirchengemeinde bildete sich in der Folgezeit in Daisbach, die im Zuge der Badischen Kirchenunion von 1821 mit der lutherischen Gemeinde vereinigt wurde.
Wie ihre Schwestergemeinde in Waibstadt erlebte auch die Kirchengemeinde in Daisbach in ihrer Geschichte diverse Um- und Neubauten sowie Renovierungen ihrer Gebäude. Eine besondere Aktion stellte dabei die Glockenbeschaffung nach dem Zweiten Weltkrieg dar. Zwei der drei Glocken, die seit 1937 im neuerrichteten Kirchturm den Daisbachern die Stündlein schlugen, wurden im Januar 1942 im Zuge der „Mobilisierung der Eisenreserven“ zu Kriegszwecken ausgebaut und eingeschmolzen. Seit Sommer 1946 bemühte sich die Kirchengemeinde darum, Ersatz zu beschaffen, was angesichts der chaotischen Umstände der Nachkriegszeit mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war. So musste die Kirchengemeinde neben der Finanzierung auch selbstständig das Rohmetall sowie weitere Hilfs- und Formstoffe für den Glockenguss, wie Bienenwachs, organisieren. Dass dies innerhalb von zwei Jahren gelang, ist eine bemerkenswerte Leistung. Im Sommer 1948 läuteten erstmals seit über sechs Jahren wieder drei Kirchenglocken in Daisbach.
Das Archiv der beiden Gemeinden ist in den vergangenen Monaten überarbeitet und verzeichnet worden. Die Glockenbeschaffung, die Gabe von Großherzogin Luise sowie weitere Details und Informationen aus der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinden Waibstadt und Daisbach sind damit nun bequem recherchierbar. Während die Originalakten mittlerweile wieder an das Pfarramt der Kirchengemeinde übergeben worden sind, lassen sich die Bestände mittels eines Onlinefindbuchs auf der Homepage des Landeskirchlichen Archivs zukünftig durchsuchen.
Findbuch Sammlungsbestand 'Handschriften und Manuskripte' veröffentlicht
Diese Sammlung enthält zumeist in Buchform vorliegende handschriftliche Aufzeichnungen, die ohne Zusammenhang überliefert sind. Dadurch besteht sie hauptsächlich aus Einzelstücken. Der Bestand enthält derzeit 30 Akten mit einer Laufzeit von 1741 bis 1969 und einem Umfang von 0,5 lfm.
Neben Mitschriften von Vorlesungen und Seminaren, Vorträgen und Reden, von Gemeindeveranstaltungen und Konfirmandenunterricht sind Manuskripte von Werken, Vorträgen und Reden; Entwürfe; Abschriften; Gebets- und Sprüchesammlungen; Korrespondenzen sowie Tagebücher in dieser Sammlung überliefert. Predigten bilden einen eigenen Sammlungsbestand (152.). Die Provenienz bzw. Zeitpunkt der Übernahme und Übergeber sind - soweit bekannt - genannt.
Tackern ohne Metallklammern – ein umwelt- und ressourcenschonendes Werkzeug
Sie haben das noch nie gemacht? Dann probieren Sie es doch mal aus, macht keinen Spaß!
Die wenigsten von Ihnen werden sich Gedanken über Heftklammern machen. Für Archivarinnen und Archivare ist das jedoch ein Thema aus dem Arbeitsalltag. Die Metallklammern im Papier fangen teilweise sehr schnell an zu rosten, viele Unterlagen werden auf diese Weise schon nach kurzer Zeit beschädigt. Im Archiv sollen Dokumente jedoch möglichst dauerhaft vor Schaden bewahrt und erhalten werden. Daher ist eine – unbeliebte – Aufgabe im Archiv das Entmetallisieren. In mühevoller Handarbeit werden aus allen Unterlagen, die für archivwürdig befunden wurden, Tacker- und Büroklammern entfernt.Nachlass des Religionslehrers und Pfarrdiakons Eugen Müller (1927-2006) übernommen
Aus dem Pfarrarchiv Weiler (Villingen)
Was Pfarrer Zipperer genau gesagt haben soll oder ob es zu einer Anzeige kam, ist leider nicht mehr nachvollziehbar.
Deutlich ist aber, dass das Verhältnis zwischen den beiden Männern bereits vorher äußerst angespannt war und Pfarrer Zipperer auch und vor allem von Zimmermanns Ehefrau sehr wenig hielt.
Schon einen Monat zuvor schrieb der Pfarrer einen Brief an das Großherzogliche Kreisschulamt und bat um Versetzung des Hauptlehrers. Dieser sei „unfähig“ und besitze „weder bei den Schülern noch bei der Bevölkerung das nötige Ansehen, um irgendwelchen erzieherischen Einfluss ausüben zu können“.
Der Grund dafür? Ganz klar Zimmermanns Verhalten in der Öffentlichkeit, wo sein Aufzug und seine „den ganzen Lehrerstand blamierenden Absonderlichkeiten“ notwendigerweise „zum Lachen reizen“.
Besonders verantwortlich dafür macht Pfarrer Zipperer den Einfluss der Ehefrau Zimmermanns, „die eben alles andere ist, nur keine Hausfrau“. Sie vernachlässige die Kinder und treibe sich währenddessen mit anderen Abtrünnigen stundenlang schwätzend auf der Straße herum.
Neue Quellen zur Geschichte der badischen Kirchengemeinden jetzt recherchierbar: Das überarbeitete Findbuch der Spezialakten ist online
Import weiterer badischer Kirchen- und Familienbücher bei Archion
Aber auch die Online-Recherche in Kirchenbüchern anderer Landeskirchen ist in unserem Lesesaal möglich, weil wir die Einsicht in das Kirchenbuchportal zu den üblichen Tages- und Reprogebühren anbieten! D. h., Sie müssen sich dafür nicht bei Archion registrieren und ein Ticket erwerben, sondern sich bei einer Anmeldung nur den sogenannten 'PC-Platz' reservieren lassen.
'Schätze ausgegraben' - SWR-Beiträg zum Projekt Pfarrarchiverschließung
Dieses „Fräulein“, das war die Gemeindediakonin der Gottesauerpfarrei 1933-1935. Sie war angeblich Mitglied der SPD und hatte – was viel brisanter war – ganz öffentlich mit einem ehemaligen Rechtsanwalt jüdischen Glaubens zu tun. Nachdem die Forderung nach ihrer Entlassung nichts nach sich zog, wurde sie schließlich wegen Rassenschande angezeigt. Die Gemeindediakonin und Pfarramtskandidatin nahm die Bedrohung aber rechtzeitig wahr und floh 1935 in die Schweiz. Sie entkam damit noch rechtzeitig einem geplanten Verhör durch die Badische Geheime Staatspolizei und tat damit den richtigen Schritt, auch wenn sich dadurch der Verdacht von offizieller Seite aus „erhärtet“ hatte. (LkA KA, 044., Karlsruhe Gottesauerpfarrei, Nr. 24)
„Egal, wenn nur der Krieg zu Ende geht“ (1916)
Mit diesem Satz endet die Kriegschronik des Pfarrers Wilhelm Brauns im Dezember 1916. 93 eng beschriebene Seiten fassen wochenweise den Ersten Weltkrieg und die Erlebnisse des Pfarrers auf den Schlachtfeldern zusammen. Dazu sammelte der Schreiber zahlreiche Postkarten, Zeitungsartikel und eigene Aufnahmen von Schützengräben und Soldaten. (LkA KA, 044., Michelfeld, Nr. 363)
„Wenn die Mädchen draußen blieben, würden sie noch viel mehr Unheil anstellen und die Menschheit noch mehr verseuchen“ (1932)
So das Urteil des Mädchenheims Bretten zur Bedeutung ihrer Zwangs- bzw. Heimerziehung, nachdem eine ledige Mutter, die durch das Heim in eine Arbeitsstelle vermittelt war, im Oktober 1934 in die bayerische Landeshauptstadt entfloh. Die Begründung für ihr Verhalten? Das Mädchen sei „unbeschreiblich einfältig und [habe] […] eine Affenliebe zu dem Kind, aus der all ihre Fehler stammen.“ (a.a.O., Nr. 193)
Ein Pfarrer setzt sich ein (1953)
Wegen „groben Unfugs“ verurteilte ein Gericht fünf Jugendliche 1953 zu jeweils 12,50 DM Strafe. Die Jungs hatten einen Fahrzeughalter darauf hingewiesen, dass sein Wagen in der Kircheneinfahrt stehe. Als dieser sich weigerte, den Pkw umzuparken, hoben die Jugendlichen den Wagen kurzerhand an und stellten ihn quer. Die Einfahrt war wieder frei, der Fahrzeughalter sauer. Der Pfarrer, der sich kurz vor der Tat und schon viele Male im Beisein der Jugendlichen über den Wiederholungstäter beschwert hatte, sah die Schuld bei sich und bat um Straferlass oder Abmilderung. Mit Erfolg: statt 12,50 DM mussten die Jungs „nur“ 10 DM zahlen. (LkA KA, 044., Karlsruhe Gottesauerpfarrei, Nr. 86)
Beziehungsdrama Ost-West (1979)
Ein Pfarrer aus Karlsruhe brach 1979 die langjährige Patenbeziehung zum Ort Lindenberg (DDR) ab, da der dortige Pfarrer sich von seiner Frau getrennt hatte. Dass aber sie diejenige war, die ihren Mann heimlich verlassen hatte und zwar mit einem gewissen „Hermann“, mit dem sie schon viele Jahre lang eine Affäre gehabt hatte, besänftigte den Karlsruher Pfarrer nicht.
Sicherlich ein herber Schlag für den Lindenberger Pfarrer, für dessen Vorgänger schon 1954 klar war: „Lieber als Hausdiener oder Arbeiter dort [BRD], als als Pfarrer hier [DDR]. Warum soll man die Wahrheit nicht schreiben.“ (a.a.O., Nr. 93)
In einem SWR-Rundfunk-Interview wird das in den Startlöchern stehende Projekt 'Pfarrarchiverschließung' vorgestellt und dabei Bezug auf diese Funde genommen. Na, neugierig geworden?
Über den Start des Projektes informieren wir an dieser Stelle.
'Bürgerrechte' und Demokratie' - Tag der Archive im Stadtarchiv Karlsruhe
Der Tag der Archive steht unter dem Motto 'Bürgerrechte und Demokratie'.
Im Rahmen von vier Führungen durch sonst für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Magazine werden Archivalien zu verschiedenen Aspekten von Bürgerrechten und Demokratie gezeigt. Themen sind die frühen Stadtrechte Karlsruhes, Stadtratsprotokolle, die Entwicklung der Rechte der jüdischen Bevölkerung und die Orte der Demokratiegeschichte in Karlsruhe. Außerdem besteht zweimal die Gelegenheit, an einer Führung in der Ausstellung "Vor 50 Jahren - mit Horst Schlesiger durch das Jahr 1968" teilzunehmen, die um 11 Uhr von Bürgermeister Dr. Albert Käuflein eröffnet wird:
Im Lesesaal werden zudem durchgehend die vielfältigen digitalen Angebote des Stadtarchivs vorgestellt und im Vorgriff auf die nächste große Ausstellung "Bewegt euch! - 1968 und die Folgen in Karlsruhe" im Stadtmuseum verschiedene Exponate dieser Ausstellung präsentiert. Außerdem findet ein Bücherflohmarkt statt.
Vielleicht sieht man sich?
In den Akten entdeckt ... Künstlerisch begabt in Gondelsheim
Parteilichkeit in der Armenfürsorge? Der Fall des Gondelsheimer Pfarrers Zipse
Anlaß war ein Artikel in der sozialdemokratischen Zeitung Der Volksfreund am 12.01.1911, der dem Gondelsheimer Pfarrer Martin Zipse (1862-1939) parteiische Armenfürsorge vorwarf. Er habe einer bedürftigen älteren Dame den Empfang von Weihnachtsgaben durch die Gräfin Douglas vorenthalten, und das bloß, weil deren Söhne Sozialdemokraten waren. Erschwerend habe der Pfarrer zudem „Unfrieden zwischen ein junges Ehepaar gestiftet“, indem er den Eltern der Braut den zukünftigen Schwiegersohn als Sozialdemokraten und Umstürzler vorstellte.
Weil der Verfasser des Artikels nicht eindeutig identifiziert werden konnte - der Sohn des Hauptverdächtigen erhielt übrigens kurz vor dem Prozess zwei Stunden Arrest wegen „ungebührlichen Benehmens dem Ortsgeistlichen gegenüber“ -, klagte der Pfarrer schließlich gegen die Redaktion des Volksfreundes. Mit fünf geladenen Zeugen fand im März 1911 das Hauptverfahren vor dem Großherzoglichen Schöffengericht statt.
Das Ergebnis? Der Pfarrer übe „seine Seelsorge und Armenpflege völlig unparteiisch“ aus, die Vorwürfe im Artikel seien nichts weiter „als eine völlig aus der Luft gegriffene schmähliche Verleumdung“, wie die Brettener Sonntags-Zeitung am 26.03.1911 schrieb. Der Volksfreund blieb am Ende auf den Kosten des Verfahrens sitzen (150–200 RM) und wurde verpflichtet, das Gerichtsurteil im eigenen Blatt abzudrucken.
Übrigens bestätigt das Urteil die Meinung eines Gondelsheimer Bürgers, der zum Schmähartikel schon am 17.01.1911 öffentlich Stellung bezog: Der Pfarrer erfülle „sein Amt mit seltenerer Gewissenhaftigkeit“.
Ganz anders also als viele seiner Kollegen, tatsächlich nämlich hatten viele Geistliche der evangelischen Kirche den Vorwurf der Parteilichkeit verdient. Denn, wie Rainer Hering allgemein formuliert, die „evangelischen Landeskirchen waren eng mit dem Staat verbunden und unterstützten die […] Verfolgung der Sozialdemokraten vielfach. Sie wurden daher […] als Teil des obrigkeitsstaatlichen Repressionsapparates wahrgenommen.“ (Rainer Hering: SPD und Kirchen in Deutschland. In: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Nr. 4 (2011), S. 43f.)














![Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe Tagebuch Glünkin [151.,Nr. 30]](https://www.archiv-ekiba.de/im/img/5StHYI-LbSrXmS-LWn6lWev3Y2BDmSlRbIJDbVvgYSjX5fO1mfCpmFlHYK3D_Rv3_IOcmfYLYIDg5FB3JFrH5SxLJFh25SCRYK3A5KlR5Sj1mSjASG-RW0jAb2ZufGWdf0jq_F_/s,x,250,y,250/f,w/tagebuch_gluenkin_[151._nr._30].webp)









