Blog-Archiv 2018

 

Weihnachten und Neujahr

Heinrich Löber schrieb am 20.12.2018
Bonfeld Evang. Kirche. Kanzelwand mit Weihnachtsbaum (2015)
Evang. Kirche Bonfeld (Württ.). Kanzelwand mit Weihnachtsbaum im Jahre 2015
Allen unseren Benutzerinnen und Benutzern wünschen wir gesegnete Weihnachtstage sowie ein gutes neues Jahr. Mögen auch im Jahre 2019 der Forscherdrang anhalten und Ihnen die Recherchethemen nicht ausgehen.
 
Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe
 

Nachlass von Karl Dürr (1892-1976) neu erschlossen

Heinrich Löber schrieb am 18.12.2018
Dürr, Karl
Oberkirchenrat Karl Dürr im Dezember 1961 [LkA KA, 154., Nr. 36]
In seiner Funktion als Vorsitzender der "Kirchlich-Positiven Vereinigung" und als einer der vier badischen Teilnehmer der Bekenntnissynode in Barmen (1934) hat Karl Dürr die "Badische Bekenntnisgemeinschaft" ausgerufen und [...] zusammen mit den Pfarrern des badischen Bruderrats entschieden Widerstand gegen die Gleichschaltungsbestrebungen der "Deutschen Christen" in Baden geleistet (Christoph Lang).
Dürr kommt durch seinen Widerstand gegen das Kirchenregiment des nationalsozialistischen Staates eine herausragende Bedeutung zu und ist damit eine bedeutende Person der Kirchengeschichte jener Jahrzehnte.
Der vorliegende Nachlass ist mehr als dienstlicher als ein persönlicher Nachlass zu beschreiben. So liegt er hauptsächlich in Form von Handakten vor. Hermann Rückleben hat einen Großteil des Nachlasses in den 1980er Jahren für das landeskirchliche Projekt "Die Evangelische Landeskirche in Baden im 'Dritten Reich'" erschlossen und ihn dabei in seiner historischen Gestalt belassen, die mal chronologischer, mal thematischer Natur sind. Innerhalb dieser Akten wurde eine Einzelblattverzeichnung mit Dokumentnummern vorgenommen. Das erstellte maschinenschriftliche Findbuch hat keine Indizes erhalten, so dass dessen Nutzung nur mühsam möglich ist. Außerdem kamen im Laufe der Jahre weitere Nachlassakten hinzu. Das war der Anlass, diesen Nachlass neu zu erschließen und das neu erstellte Findbuch als PDF online zu veröffentlichen.
Dr. Tabea Mußgnug hat im Zeitraum März bis Mai 2018 1,6 der 1,8 lfm. neu verzeichnet, die alten Signaturen aber beibehalten und durch unerschlossene Nachlassteile insgesamt 50 Akten gebildet. Die verbliebenen 0,2 lfm. wurden nun nachverzeichnet (Nrn. 51-66).
Auf eine Klassifikation musste verzichtet werden, weil dieser (Dienst-)Nachlass größtenteils in seiner historischen Gestalt belassen wurde, die schlechterdings keine sinnvolle Systematik erlaubt. So ist der Bestand "nur" chronologisch recherchierbar.
Der Nachlass enthält v. a.: eine Dokumentation "Bekennende Kirche" (BK); Nachrichten aus dem Reich; Unterlagen der Kirchenausschüsse; Flugblätter zum Kirchenkampf; Rundbriefe der BK; Sonderdrucke, Zeitungen und Flugschriften aus der Nachkriegszeit; Unterlagen zu einer kirchlichen und theologischen Neubestimmung nach 1945; Lageberichte aus Freiburg 1945.
Für die Kirchengeschichte Badens im Dritten Reich und die Geschichte des Kirchenkampfes sind diese Unterlagen nun komplett und komfortabler recherchierbar. Eine Einsicht ist im Lesesaal unseres Archivs möglich.
 
 

Fundstücke im Archiv: Gesangunterricht in Grenzach im 19. Jahrhundert

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 11.12.2018

Methoden Gesangsunterricht 1841 (043. Lörrach, Nr. 62)
Abhandlung von Lehrer W. Fischer über die Methode zum Treffen der Töne im Gesangunterricht (Frage 3; Juli 1841) [LkA KA, 043. Lörrach, Nr. 62: Grenzach - Vorsängerdienst]

Das Phänomen dürfte bekannt sein: Unterlagen sammeln sich an, werden immer mal wieder von einer Ecke zur anderen geräumt. Ja, so etwas kann auch mal in einem Archiv vorkommen. Zum Glück ist das dort kein Dauerzustand, denn eine der Hauptaufgaben von Archivarinnen und Archivaren ist die Sicherung, Ordnung und Zugänglichmachung von archivwürdigen Unterlagen. Wenn sich der Archivar oder die Archivarin den unbearbeiteten Stapeln annimmt, kann es so manch schöne Überraschung geben. So geschehen im Fall von Unterlagen aus dem 19. Jahrhundert, die der Landeskirchenkasse zuzurechnen sind. Diese werden derzeit bearbeitet und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Beim Sichten und Ordnen der Unterlagen kam es zu einem Zufallsfund, der zum Schmunzeln einlädt. Inmitten von Unterlagen zum Kirchensteuerwesen und zur Rechnungsprüfung in den Kirchengemeinden fand sich ein Dokument mit dem schönen Betreff

Gehorsamste Beantwortung der Frage: Welche Methode im Gesangunterricht führt am schnellsten und sichersten zum Treffen der Töne?

Die Abhandlung umfasst fünfzehn dicht beschriebene Seiten, die von Schullehrer Wilhelm Fischer aus Grenzach im Juli 1841 verfasst wurde. Es lässt sich nur vermuten, in welchem Zusammenhang Lehrer Fischer den Text verfasste. So wurde er dem Dekanatsarchiv Lörrach zugeordnet.

Der fehlende Kontext mag für ArchivarInnen und HistorkerInnen Mangel und Ansporn zugleich sein, dem Inhalt des Textes tut das keinen Abbruch. Schullehrer Fischer jedenfalls gibt hilfreiche Tipps zur Stimmausbildung. Falls nun der eine oder die andere SängerIn neugierig geworden sind, der Text steht allen Interessierten im Landeskirchlichen Archiv zur Einsicht zur Verfügung. Singen und dabei die Töne treffen – gerade im Advent genau das richtige!
 

Als hätte eine Armada von Schutzengeln diesen Ort und die Region bewacht

Vivian Ritter schrieb am 3.12.2018

Owingen_GD zum Flugzeugabsturz
Programm für den Ökumenischen Dankgottesdienst am 21.07.2002 in Owingen anläßlich des Flugzeugabsturzes sowie Auszug aus der Predigt von Dekan i. R. Ehemann [LkA KA, 044. Owingen, Nr. 52]
In der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 2002 ereignete sich eines der schwersten Flugzeugunglücke der deutschen Luftfahrtgeschichte über Owingen und Überlingen. Eine Passagiermaschine kollidierte in der Luft mit einem Transportflugzeug. Trotz der über 70 Toten, darunter 49 Kinder, muss man von Glück sprechen, dass kein bewohntes Gebiet von Wrackteilen getroffen wurde.

So sahen das auch die Pfarrer in Owingen, die, neben einem spontanen Gottesdienst, einen ökumenischen Dankgottesdienst am 21.7.2002 in der katholischen Pfarrkirche in Owingen ausrichteten. Der Gottesdienstplan sowie die Predigt von Dekan i. R. und Vakanzpfarrer Gert Ehemann lassen sich in den Archivunterlagen der Gemeinde Owingen finden. Sie führen uns heute noch einmal das erlebte Grauen vor Augen.

Diese und weitere Unterlagen kamen im Rahmen des Projekts „Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive“ nach Karlsruhe, wo sie derzeit bearbeitet werden.
 

Es geht los! – Die Reise von Team Nordbaden nach Wertheim

Marco Tänzer und Natascha Wetzel schrieben am 30.11.2018

Archivpflege ist auch schwere körperliche Arbeit
Archivpflege ist auch schwere körperliche Arbeit
Nach einer intensiven Planungsphase war es letzte Woche soweit: Team Nordbaden besuchte zusammen mit Archivpfleger Michael Hallerberg die ersten Pfarrarchive des Kirchenbezirks Wertheim. Die Fahrt führte das Team in die Pfarrgemeinden Bettingen-Urphar-Lindelbach, Dertingen-Kembach-Dietenhan, Eichel-Hofgarten, Wartberg und Bestenheid.

Eine der Hauptaufgaben war die Bewertung der Akten nach ihrer Überlieferungswürdigkeit. Während der Sichtung stießen die Projektmitarbeiter auf prägende Schwerpunktthemen der Kirchengemeinden, etwa im Bereich der Ökumene, interessante bis amüsante Korrespondenz, z.B. auf die Richtigstellung eines Zeitungsartikels aus der Zeit des Nationalsozialismus über den Ursprung des Weihnachtsfestes, auf ein reich ausgeschmücktes Schreiben über das dauerhafte Fernbleiben mehrerer Konfirmanden vom Unterricht sowie alte Überlieferungen zur Kirchengeschichte. Auch Fotos und Objekte – wie etwa ein Quartett des Kirchenbezirks Wertheim – fanden sich in Akten und Kartons.

Quartett mit Gebäuden und Gegenständen des Kirchenbezirks Wertheim (um 1980)
Quartett mit Gebäuden und Gegenständen des Kirchenbezirks Wertheim (um 1980)

Neben der Bewertung des Schriftguts prüfte das Team Nordbaden die Eignung der Pfarrarchive als Unterbringungsort für die Archivalien. Mithilfe eines Infrarotthermometers konnten Raumtemperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt innerhalb der Räumlichkeiten ermittelt werden.

Trotz vollem Zeitplan ergab sich die Möglichkeit zu einem Stadtrundgang durch Wertheim. Nach dem Durchschreiten eines mittelalterlichen Stadttores gelangte das Team in die Altstadt mit ihren historischen Gebäuden. Den Höhepunkt bildete die imposante Evangelische Stiftskirche. In der Nähe entdeckten die Mitarbeiter einen Gasthof, der darauf hinwies, dass Martin Luther dort bis zum heutigen Tag seine Zeche nicht beglichen hat.

Die Heilige Schrift im Regal - das Infrarotthermometer in der Hand
In einem Pfarramt: Die Heilige Schrift im Regal - das Infrarotthermometer in der Hand

Am letzten Tag der Dienstfahrt lud das Team die in den Vortagen mit archivwürdigen Akten befüllten Umzugskartons in den Sprinter. Um einen Achsenbruch zu vermeiden, ermittelte das Team das Gewicht des Schriftguts, bevor es zum Auto transportiert wurde. Mit 19 Zentnern bepackt machten sich die Projektmitarbeiter auf die Rückreise. Nun steht der Erschließung Wertheims nichts mehr im Wege!
Der Sprinter ist gepackt - 19 Zentner warten auf ihren Abtransport
Der Sprinter ist gepackt - 19 Zentner warten auf ihren Abtransport
 

Das Projekt 'Kirchenbuchportal' fährt in den Zielhafen ein ...

Heinrich Löber schrieb am 23.11.2018
Fehlerhafte KB-Dateien
Ausschnitt aus der bunten Reihe der bislang fehlerhaft vorliegenden Dateien - nun an Archion geliefert.
... nachdem unser Archiv mit dem heutigen Tage 122 Dateien digitalisierter Kirchen- und Familienbücher an die Kirchenbuchportal GmbH geliefert hat. Es handelt sich dabei zum einen um jene 115 Dateien, die fehlerhaft vorlagen und als Digitalisat neu erstellt wurden, zum anderen um weitere Bücher, die in den letzten Monaten überhaupt erst eine Sicherungsverfilmung und Digitalisierung erfahren haben. Damit ist eine jahrelange und mühevolle Arbeit erfolgreich zu einem Abschluß gekommen!

Wir haben das Findmittel zu den verfilmten und digitalisierten Kirchen- und Familienbüchern unserer Landeskirche als PDF-Dokument auf unserer Website veröffentlicht. Mit dieser Übersicht können Sie sich einen Überblick über die komplette Kirchenbuchüberlieferung unserer Landeskirche sowie der verfilmten/digitalisierten Familienbücher verschaffen. Der interessierte Benutzer hat also die komfortable Wahl, den Komplettbestand im Kirchenbuchportal (bis 1876) gegen Gebühr zu recherchieren, oder - unverändert - in unserem Archiv Einsicht in die verfilmten Büchern zu nehmen (hier über das Schwellenjahr 1876 hinaus bis in die 1960er Jahre). Es ist übrigens auch in unserem Lesesaal eine Archion-Recherche (auch Bücher anderer Landeskirchen!) zu den üblichen Tages- und Reprogebühren (vgl. Gebührenordnung) möglich. D. h., Sie müssen sich dafür nicht zwangsläufig bei Archion registrieren, sondern können - wenn das für Sie reizvoll ist - innerhalb der Benutzerzeiten Archion nutzen. Dafür müssen Sie sich bei einer Anmeldung den sogenannten 'PC-Platz' reservieren lassen. Vor Ort stehen wir auch mit Rat und Tat zur Seite, wenngleich Sie die Recherche natürlich selbst durchführen müssen.

Bis Archion die heute gelieferten Bücher veröffentlicht, wird sicherlich noch geraume Zeit verstreichen. Die Kirchenbuchportal GmbH teilt täglich unter dem Button „News“ mit, welche Kirchenbücher online gestellt wurden, so dass man den Verlauf verfolgen kann.

Übrigens wurden weitere Bücher für eine Sicherungsverfilmung und Digitalisierung abgegeben, die als Sekundärquellen (Mennonitenregister, Familienbücher, Abschriften) den Bestand gehaltvoller machen, darunter:

  • Dossenheim (ref.) alphabetisches Familienbuch 1685 – 1829 mit voranstehenden Memorabilia 1941 – 1951
  • Dossenheim (ref.)  alphabetisches Familienbuch 1702 – 1952 mit Register
  • Ittlingen Mennoniten Mischbuch 1813 - 1850 mit Register
  • Lahr Familienbuch (1860) 1890 – 1906 mit Register
  • Lahr-Dinglingen (luth.) Familienbuch 1831 – 1898 (1938) (angelegt 1874 von Pfarrer Philipp Jakob Ludwig Daniel Wernigk) mit Register
  • Mietersheim Beerdigungen 1898 – 1978 mit Gefallenen II. Weltkrieg [teilw. masch.], Register
  • Offenburg (luth.) Taufen 1796 [Abschrift]
  • Offenburg Familienbuch (1835) 1852, 1857 mit Mischehen
  • Offenburg Familienbuch 1829 – 1889 (angelegt 1873 von Pfarrer Carl Bähr ) mit Register
  • Vörstetten (luth.) Familienbuch 1783 – Jan. 1821 mit Register
  • Vörstetten (luth.) Familienbuch (1782) 1821 - 1873 mit voranstehender Series pastorum 1588 – 1933, Register
  • Vörstetten Familienbuch 1874 - 1950 mit Register [zw. den Einträgen 1943]
  • Babstadt (luth.) Taufen 1654 – 1688 [fragm. Auszug aus dem Mischbuch Obergimpern]
  • Hertingen Trauungen 1860 – 1978 mit Jahresregister (1866-1869), Register
  • Hertingen Beerdigungen 1860 – 1978 mit Gefallenen I. u. II. WK, Jahresregister (1865–1869), Register
 

Ab jetzt wird auch digital archiviert!

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 8.11.2018

Im Landeskirchlichen Archiv wurden kürzlich die ersten digitalen Daten zur Archivierung übernommen. Es handelt sich um Excel-Tabellen, in denen zwischen 1997 und 2008 die Eckdaten kirchlichen Lebens in den einzelnen Kirchenbezirken Badens erfasst wurden. Der Vorteil, diese Daten in elektronischer Form zu übernehmen, besteht darin, dass sie so deutlich besser ausgewertet werden können als in Papierform.

Elektronische Daten dauerhaft aufzubewahren und zu gewährleisten, dass sie lesbar und benutzbar bleiben, ist aber gar nicht so einfach. Die meisten kennen das Problem: Teilweise können Dateien, die erst ein paar Jahre alt sind, schon nicht mehr geöffnet werden, wenn das Dateiformat veraltet ist. Diese entwickeln sich - ebenso wie die Soft- und Hardware - so rasch, dass man kaum Schritt halten kann. Vor diesem Hintergrund setzen die meisten Archive heute auf die so genannte Migrationsstrategie: Digitale Daten, die dauerhaft erhalten werden sollen, werden in ein möglichst langlebiges Dateiformat migriert. Die technologische Entwicklung muss beobachtet werden. Zeichnet sich ab, dass ein Format veraltet, werden die zu erhaltenden Dateien in ein aktuelleres migriert und immer so weiter. Auf diese Weise wird künftig auch mit den Statistik-Tabellen verfahren, die ab sofort als erster digitaler Bestand „Referat 1 - Kirchliche Grundsatzplanung“ im Landeskirchlichen Archiv zur Verfügung stehen.
 

Findbuch der Plakatsammlung veröffentlicht

Heinrich Löber schrieb am 13.09.2018
Goldene Worte (Aug. 1976 I)
Ausdruck einer Frömmigkeit aus dem Jahre 1976: Der Christ als Autofahrer - der Autofahrer als Christ ... [LkA KA, 159., Nr. 413]
Die im Spätsommer 2012 neu verzeichnete und mit einer Klassifizierung versehene Plakatsammlung wurde seitdem fortwährend nachverzeichnet. Es handelt sich dabei um Plakate, die von landeskirchlichen Einrichtungen an das Landeskirchliche Archiv abgegeben worden oder auf anderem Wege in das Archiv gelangt sind. Mit Stand von September 2018 sind 416 Plakate erschlossen, die eine Laufzeit von (1874, 1883) 1924 bis 2018 aufweisen. Anlaß genug, das Findbuch dieses sehr differenten Bestandes der interessierten Öffentlichkeit zugänglich und damit zielgerichtet nutzbar zu machen.
Der Klassifikation (= Inhaltsverzeichnis) kann man entnehmen, wie vielgestaltig diese Plakate thematisch sind. Entsprechend bunt ist die äußere Aufmachung derselben. Die Plakate selbst kann man aber "nur" im Rahmen eines Besuches unseres Archivs zu Gesicht bekommen.
Als Besonderheit sind die Konvolute aus dem Verlag Goldene Worte - Plakatmission, Stuttgart-Sillenbuch, hervorzuheben (1961-1976, 1991-1994). Die Plakatserie "Goldene Worte" erscheint seit 1912, seit einigen Jahren im Kreuz-Verlag, der zur Verlagsgruppe des Herder-Verlags gehört. Diese "Goldenen Worte" spiegeln eine eigene Frömmigkeit wider.
 

Standardisierungshilfe für Personalakten kirchlicher Angestellter in den Pfarrämtern überarbeitet

Heinrich Löber schrieb am 11.09.2018
Als wichtiges Hilfsmittel für die Aktenablage in den Pfarrämtern wurde die Standardisierungshilfe für Personalakten kirchlicher Angestellter komplett überarbeitet. Um sie für die Pfarrämter auch nutzbar zu machen, wurde diese Standardisierungshilfe auf unserer Website als PDF gestellt. Sie gliedert sich in zwei Teile: Standardisierungshilfe zu Personalakten kirchl. Angestellter in Pfarrämtern sowie Kassationsfristen bei Personalakten kirchl. Angestellter (Überblick nach Dokumenten).
Verbunden wird damit die Hoffnung, dass Fragen bei der Personalaktenablage durch die Kolleginnen in den Pfarrämtern selbständig und besser beantwortet werden können.
Bei Rückfragen können und sollen die Kolleginnen weiterhin an uns wenden.
 

Fast zwei Jahre Ärger mit dem Gemeinderechner in Ittlingen …

Johanna Wohlgemuth schrieb am 21.08.2018

Gemeinderechner in Ittlingen
LkA KA, 044. Ittlingen, Nr. 22
Dieser klaute erst den Schaukasten vor der Kirche, indem er ihn gewaltsam abriss,

 dann verhöhnte er die Bestohlenen mit einem stattdessen aufgehängten Plakat „… suchet, so werdet ihr finden“ (das ihn im Übrigen nach einem ausführlichen Gutachten verraten hat),

dann leugnete er alles,

widersprach der folgenden Kündigung, zeigte Reue, versprach Besserung,

um schlussendlich eine zweite Chance zu erhalten

und wieder etwas vom Pfarrhof zu klauen (diesmal ein Fenster).

 

Neujahrsgrüße aus dem Feld

Michael Hallerberg schrieb am 15.08.2018

Feldpost
Der Feldpostbrief von Emil Lässle an Pfarrer Richard Krastel vom 7. Januar 1943 (LkA KA, 044. Lahr-Christus, Nr. 191)
Richard Krastel, der von 1922 bis 1950 Pfarrer an der Christuskirche in Lahr war, erhielt im Januar 1943 einen Feldpostbrief des Unteroffiziers Emil Lässle. Lässle, zu diesem Zeitpunkt in Amsterdam stationiert, bedankt sich in seinem Schreiben sehr herzlich für die Weihnachts- und Neujahrsgrüße, die ihn vom Evangelischen Volksverein in Lahr erreichten. Er richtet seinen Dank dafür sowohl an Pfarrer Krastel als auch an die Schriftführerin des Vereins. Ferner äußert er in seinem Schreiben den Wunsch, dass die Soldaten die kommende Weihnacht zu Hause bei ihren Familien verbringen mögen. Da der Zweite Weltkrieg von diesem Zeitpunkt an bekanntermaßen noch über zwei Jahre andauern sollte, ist sein Wunsch leider nicht in Erfüllung gegangen. Lässles weiteres Schicksal lässt sich aus den vorliegenden Unterlagen nicht rekonstruieren.

Dieser Feldpostbrief ist Teil der Überlieferung der ehemaligen Christusgemeinde in Lahr, die zwischen Mai und Juli 2018 im Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche in Baden archivarisch aufgearbeitet wurde. Der Bestand umfasst den Zeitraum von der Reformations-Jubelfestfeier in Lahr (29. Juni 1856) und der Stiftung der Kirchengemeinde durch den Lahrer Kaufmann Christian Wilhelm Jamm, der in seinem Testament Geldmittel für den Kirchenbau, deren Unterhalt sowie für die Finanzierung der Pfarrstelle vorgesehen hatte, bis zu dem Zeitpunkt, als die Kirchengemeinde in der neugegründeten Kreuzgemeinde Lahr aufging (2015). Besonders hervorzuheben ist die umfangreiche Dokumentation der Kirchenrenovierung in den Jahren 1997 und 1998 sowie eine Akte zur Wiederbeschaffung von Kirchenglocken. In beiden Weltkriegen musste die Christuskirche ihre Kirchenglocken für den Krieg zur Verfügung stellen und in beiden Situationen gelang es der Gemeinde, jeweils durch Spendensammlungen, für Ersatz zu sorgen.

Die Originalunterlagen sind mittlerweile wieder an das Pfarramt der Kreuzgemeinde übergeben worden. Ein Findbuch, das im Rahmen der Erschließung angefertigt wurde, kann auf der Homepage des Landeskirchlichen Archivs eingesehen werden. Damit ist der Bestand der ehemaligen Christusgemeinde in Lahr zukünftig bequem online recherchierbar.
 

Eine milde Gabe ...

Michael Hallerberg schrieb am 19.07.2018

Waibstadt-Daisbach
Bauzeichnung der Südansicht der Waibstadter Kirche, abgenommen von der Ev. Kirchenbauinspektion in Heidelberg am 8. April 1910 (044. Waibstadt, Nr. 59) [links]; Glückwunschschreiben von Großherzogin Luise von Baden zur Kircheneinweihung in Waibstadt vom 7. Oktober 1910 (044. Waibstadt, Nr. 58) [rechts]

…erhielt die junge Kirchengemeinde in Waibstadt von der badischen Großherzogin Luise geschenkt, als im Jahr 1910 die Einweihung der eigenen Kirche gefeiert werden konnte. Es handelte sich um eine Altar- und Kanzelbekleidung, die extra für die Waibstadter Kirchengemeinde in der Kunststickereischule des Badischen Frauenvereins angefertigt worden war. Dies geht aus den Unterlagen der jüngst verzeichneten Pfarrarchive der Kirchengemeinden in Waibstadt und Daisbach hervor.

Die 1842 als Filiale der Kirchengemeinde Neckarbischofsheim gegründete Gemeinde hielt ihren ersten eigenen Gottesdienst im Jahr 1885 noch im Saal der örtlichen Schule ab. 1932 wurde Waibstadt zum Diasporaort und 1968 zur Filiale der Kirchengemeinde Daisbach. Dies ist insofern besonders, als dass Daisbach zu dieser Zeit lediglich ein eigenständiges Dorf, Waibstadt hingegen eine Stadt mit etwa fünfmal mehr Einwohnern war. Als sich 1971 die politischen Gemeinden beider Ortschaften vereinigten, wurde Daisbach dementsprechend zum Ortsteil von Waibstadt. Das evangelische Pfarramt für die beiden Orte befindet sich in Daisbach, aber jede Ortschaft besitzt bis heute einen eigenen Kirchengemeinderat. 1974 erfolgte die Umbenennung in den heutigen Namen.

Eine protestantische Gemeinde in Daisbach existierte seit der Zeit der Reformation. Der Lehnsherr Bernhard Göler von Ravensburg führte 1522 den evangelischen Glauben in lutherischer Ausprägung in seinen Besitztümern ein. Auch eine kleine reformierte Kirchengemeinde bildete sich in der Folgezeit in Daisbach, die im Zuge der Badischen Kirchenunion von 1821 mit der lutherischen Gemeinde vereinigt wurde.

Wie ihre Schwestergemeinde in Waibstadt erlebte auch die Kirchengemeinde in Daisbach in ihrer Geschichte diverse Um- und Neubauten sowie Renovierungen ihrer Gebäude. Eine besondere Aktion stellte dabei die Glockenbeschaffung nach dem Zweiten Weltkrieg dar. Zwei der drei Glocken, die seit 1937 im neuerrichteten Kirchturm den Daisbachern die Stündlein schlugen, wurden im Januar 1942 im Zuge der „Mobilisierung der Eisenreserven“ zu Kriegszwecken ausgebaut und eingeschmolzen. Seit Sommer 1946 bemühte sich die Kirchengemeinde darum, Ersatz zu beschaffen, was angesichts der chaotischen Umstände der Nachkriegszeit mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war. So musste die Kirchengemeinde neben der Finanzierung auch selbstständig das Rohmetall sowie weitere Hilfs- und Formstoffe für den Glockenguss, wie Bienenwachs, organisieren. Dass dies innerhalb von zwei Jahren gelang, ist eine bemerkenswerte Leistung. Im Sommer 1948 läuteten erstmals seit über sechs Jahren wieder drei Kirchenglocken in Daisbach.

Das Archiv der beiden Gemeinden ist in den vergangenen Monaten überarbeitet und verzeichnet worden. Die Glockenbeschaffung, die Gabe von Großherzogin Luise sowie weitere Details und Informationen aus der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinden Waibstadt und Daisbach sind damit nun bequem recherchierbar. Während die Originalakten mittlerweile wieder an das Pfarramt der Kirchengemeinde übergeben worden sind, lassen sich die Bestände mittels eines Onlinefindbuchs auf der Homepage des Landeskirchlichen Archivs zukünftig durchsuchen.

 

Findbuch Sammlungsbestand 'Handschriften und Manuskripte' veröffentlicht

Heinrich Löber schrieb am 6.07.2018

Tagebuch Glünkin [151.,Nr. 30]
Einträge des Tagebuchs vom Apr./Mai 1870 von Stadtmissionar Wilhelm Friedrich Glünkin [LkA KA, 151., Nr. 30]
Die Übergabe eines Tagebuchs von dem Stadtmissionar Wilhelm Friedrich Glünkin (1834-1899) durch dessen Urenkelin war der Auslöser, das Findbuch des kleinen, aber sehr gehaltvollen Sammlungsbestandes 151. 'Handschriften und Manuskripte' online zu stellen.

Diese Sammlung enthält zumeist in Buchform vorliegende handschriftliche Aufzeichnungen, die ohne Zusammenhang überliefert sind. Dadurch besteht sie hauptsächlich aus Einzelstücken. Der Bestand enthält derzeit 30 Akten mit einer Laufzeit von 1741 bis 1969 und einem Umfang von 0,5 lfm.

Neben Mitschriften von Vorlesungen und Seminaren, Vorträgen und Reden, von Gemeindeveranstaltungen und Konfirmandenunterricht sind Manuskripte von Werken, Vorträgen und Reden; Entwürfe; Abschriften; Gebets- und Sprüchesammlungen; Korrespondenzen sowie Tagebücher in dieser Sammlung überliefert. Predigten bilden einen eigenen Sammlungsbestand (152.). Die Provenienz bzw. Zeitpunkt der Übernahme und Übergeber sind - soweit bekannt - genannt.

Stadtmissionar Glünkin sinniert hier über einen nächtlichen Traum, der ihn am nächsten Tag (30. April 1870) in Karlsruhe beschäftigt und bei ihm Zweifel aufkommen lässt, ob er sich bei seiner Brautsuche auf dem richtigen Wege befindet. Er legt sie auch in Gottes Hand: so möge er mir eine von Herzen Gläubige, die etwas mehr als gewöhnliche Bildung besitze, edler Natur + Gemüthsart sei, dabei innerlich + äußerlich reinlich + keusch, gewand im Haus + im Verkehr mit den Leuten angenehm; die etwas Vermögenn habe, für mich das rechte Alter + und auch körperlich wohl gebaut + gewachsen sei, + in der rechten Menschen + und Gottesliebe stehe. Der Eintrag endet mit einem Gebetsruf Wenn ich, o Herr, nach deinem Willen heirathen soll, so schenke mir eine mit diesen Eigenschaften ausgerüstete Person. Ob dieses Gebet des Stadtmissionars Glünkin erhört wurde?
 
Das Findbuch zu diesem Bestand steht nun allen Interessierten zur Einsicht auf unserer Homepage als PDF zur Verfügung und macht diesen bequemer recherchierbar. Die Akten selbst müssten allerdings im Lesesaal eingesehen werden.
 

Tackern ohne Metallklammern – ein umwelt- und ressourcenschonendes Werkzeug

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 3.07.2018

2018-07_Tacker ohne Klammern_Abb.1
Verrostete Büroklammer in einem Schriftstück
Haben Sie schon mal Heftklammern aus Dokumenten entfernt? Vielleicht vor dem Schreddern der Akten im Aktenvernichter? Ja? Dann wissen Sie bestimmt, wie furchtbar lästig das ist. Zwar gibt es Enthefter als Hilfsmittel, dennoch hat man sich schnell die Haut am Metall aufgeritzt oder einen Fingernagel abgebrochen.

Sie haben das noch nie gemacht? Dann probieren Sie es doch mal aus, macht keinen Spaß!

Die wenigsten von Ihnen werden sich Gedanken über Heftklammern machen. Für Archivarinnen und Archivare ist das jedoch ein Thema aus dem Arbeitsalltag. Die Metallklammern im Papier fangen teilweise sehr schnell an zu rosten, viele Unterlagen werden auf diese Weise schon nach kurzer Zeit beschädigt. Im Archiv sollen Dokumente jedoch möglichst dauerhaft vor Schaden bewahrt und erhalten werden. Daher ist eine – unbeliebte –  Aufgabe im Archiv das Entmetallisieren. In mühevoller Handarbeit werden aus allen Unterlagen, die für archivwürdig befunden wurden, Tacker- und Büroklammern entfernt.
2018-07_Tacker ohne Klammern_Abb.2.
Papierschlaufe des metallfreien Tackers
Doch Tackern mit Metallklammern ist kein Muss: Inzwischen gibt es eine praktische Alternative, die ohne Metallklammern auskommt. Solche Tacker stanzen eine Lasche ins Papier, mit der die Seiten zusammengehalten werden. Bis zu zehn Seiten lassen sich auf diese Weise zusammenfügen. Die klammerlosen Tacker gibt es in verschiedenen Designs und Varianten im normalen Bürobedarf oder im Internet – und das schon für kleines Geld. Darüber freuen sich nicht nur Archivarinnen und Archivare. Denn nur ein kleiner Teil von Unterlagen gelangt letztlich ins Archiv. Nein, entscheidend ist, dass damit insgesamt viel weniger Metall ins Altpapier gelangt, das im Recyclingverfahren mühsam und aufwändig aussortiert werden muss. Die Umweltbilanz des Altpapiers kann so verbessert werden. Anschaffen lohnt sich also!
 

Nachlass des Religionslehrers und Pfarrdiakons Eugen Müller (1927-2006) übernommen

Heinrich Löber schrieb am 19.06.2018
Eine von fünf Kisten des Nachlasses Eugen Müller
In  der letzten Woche wurde dem Landeskirchlichen Archiv der Nachlass des Religionslehrers und Pfarrdiakons Eugen Müller (1927-2006) übergeben.
Nach Reichsarbeitsdienst (1944/45) und Kriegsgefangenschaft absolvierte Eugen Müller zunächst eine Elektroinstallationslehre, bevor er 1949/50 Aspirant der Diakonenanstalt Karlshöhe Ludwigsburg wurde und 1950-1953 eine Ausbildung zum Gemeindehelfer und Katechet ebenda machte. 1953/54 arbeitete Müller als Jugendwart im Kirchenbezirk Rheinbischofsheim und war ab 1954 Religionslehrer in Kehl. 1970 begann er als Pfarrdiakon seinen Dienst in der Gemeinde Kehl-Sundheim und schließlich seit 1971 als Verwalter der Johannespfarrei Kehl. Zum 1. Januar 1990 ging er in den Ruhestand.
Der dienstliche Nachlass enthält in der Hauptsache Predigten (chronologisch, auch nach Kirchenjahr), aber auch Texte (Gottesdienstabläufe, Gebete, Liturgien, Betrachtungen), Kasualansprachen, Materialien zur Gemeindearbeit (Krippenspiele, Bildbetrachtungen, Familiengottesdienste, Sprechmotetten, biblische Spiele, Bibliodramen usf.). Des Weiteren sind Ausbildungsunterlagen, Prüfungsarbeiten, -predigten und -katechesen unter den Unterlagen.
Eugen Müllers Nachlass reiht sich ein in nun insgesamt 114 Nachlässe von Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens unserer Landeskirche in unserem Archiv. Allerdings ist er der einzige Nachlass eines als Pfarrdiakons eingesetzten Theologen. Damit schließt er eine Lücke, weil er beispielhaft aufzeigt, wie ab den 1970er Jahren eingesetzte Pfarrdiakone theologisch und gemeindlich gearbeitet haben.
Mit 1,2 lfm. ist der Nachlass sehr umfangreich; die Laufzeit umfasst die Jahre 1952 bis 1998. Er wird hoffentlich zeitnah erschlossen werden können, um ihn besser recherchierbar zu machen. Einsehbar ist er allerdings schon jetzt. Den Nachweis, ein Biogramm und eine Bestandsbeschreibung finden sich in der Nachlassdatenbank des Bundesarchivs.
 

Aus dem Pfarrarchiv Weiler (Villingen)

Johanna Wohlgemuth schrieb am 6.06.2018

Altes Rindvieh!
"Altes Rindvieh! Charakterisiert sich selbst mit diesem Brief." Bemerkung von Pfarrer Karl Zipperer unter einem Schreiben (LkA KA, 044., Weiler (Villingen), Nr. 25)
"Altes Rindvieh!". Mit diesen deutlichen Worten kommentierte Pfarrer Karl Zipperer (1870-1936) in Weiler (Villingen) 1905 einen Brief des Hauptlehrers Zimmermann, in welchem der Verfasser droht, gegen eine angebliche Verleumdung seiner Frau während einer Predigt des Pfarrers vorzugehen.

Was Pfarrer Zipperer genau gesagt haben soll oder ob es zu einer Anzeige kam, ist leider nicht mehr nachvollziehbar.

Deutlich ist aber, dass das Verhältnis zwischen den beiden Männern bereits vorher äußerst angespannt war und Pfarrer Zipperer auch und vor allem von Zimmermanns Ehefrau sehr wenig hielt.

Schon einen Monat zuvor schrieb der Pfarrer einen Brief an das Großherzogliche Kreisschulamt und bat um Versetzung des Hauptlehrers. Dieser sei „unfähig“ und besitze „weder bei den Schülern noch bei der Bevölkerung das nötige Ansehen, um irgendwelchen erzieherischen Einfluss ausüben zu können“.

Der Grund dafür? Ganz klar Zimmermanns Verhalten in der Öffentlichkeit, wo sein Aufzug und seine „den ganzen Lehrerstand blamierenden Absonderlichkeiten“ notwendigerweise „zum Lachen reizen“.

Besonders verantwortlich dafür macht Pfarrer Zipperer den Einfluss der Ehefrau Zimmermanns, „die eben alles andere ist, nur keine Hausfrau“. Sie vernachlässige die Kinder und treibe sich währenddessen mit anderen Abtrünnigen stundenlang schwätzend auf der Straße herum.

Pfarrer Zipperer hatte übrigens Erfolg, der Hauptlehrer Zimmermann verlor acht Monate später seine Stelle und wurde nach Linkenheim versetzt.
 
Weitere (Ortskirchen-)Geschichten lassen sich bald zielgerichtet bergen. Das Pfarrchiv Weiler wird derzeit erschlossen und mit einem Findbuch nutzbar gemacht. Das Findbuch wird als PDF auf unserer Website veröffentlicht. Schauen Sie nach, auch welche Pfarrarchiv-Findbücher bereits recherchierbar sind.
 

Neue Quellen zur Geschichte der badischen Kirchengemeinden jetzt recherchierbar: Das überarbeitete Findbuch der Spezialakten ist online

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 9.03.2018

Neuere Spezialakten
So bunt und vielfältig wie die Geschichte: Die Spezialakten des Evangelischen Oberkirchenrats Karlsruhe (SpA)
Die Spezialakten des Evangelischen Oberkirchenrats (Spezialia) sind eine hervorragende Fundgrube für alle, die sich mit der Geschichte der einzelnen Kirchengemeinden in Baden beschäftigen möchten. Sie enthalten Dokumente zu den einzelnen Pfarr- und Kirchengemeinden und sind damit Quellen für die lokale Kirchen- und Ortsgeschichte. Inhaltliche Schwerpunkte liegen auf der Gründung und Organisation der Pfarreien, der Pfarrstellen und deren Inhabern, den Besitz- und Vermögensverhältnissen sowie kirchlichen Gebäuden.

Der Archivbestand der Spezialakten wurde im letzten Jahr erweitert, als ein großes Spezialia-Zwischenarchiv aufgelöst und zum großen Teil archiviert wurde. Der Bestand ist nunmehr auf über 28.000 Verzeichnungseinheiten angewachsen und umfasst knapp 430 laufende Regalmeter. Das Findbuch wurde komplett überarbeitet und steht nun allen Interessierten zur Einsicht und Recherche als PDF auf unserer Homepage zur Verfügung. Mehr als 4400 Seiten vermitteln den Zugang zur Geschichte von den historisch knapp 1000 Pfarr- und Kirchengemeinden.
 

Import weiterer badischer Kirchen- und Familienbücher bei Archion

Heinrich Löber schrieb am 26.02.2018
Diese beiden Bücher bilden den Anfang der Veröffentlichung hunderter Digitalisate
Mit dem gestrigen Tage begann - früher als geplant - die Onlinestellung weiterer Kirchen- und Familienbücher unserer Landeskirche durch die Kirchenbuchportal GmbH. Es handelt sich dabei um die 944 Bücher, die Ende 2017 an Archion geliefert wurden und nun sukzessive eingestellt werden. Damit wird der Gesamtbestand der Kirchenbücher unserer Landeskirche (bis Febr. 1870 - in Einzelfällen auch darüber hinaus) online recherchierbar sein.
Darunter sind nun auch zahllose Familienbücher, die im Laufe der letzten zwei Jahre verfilmt und digitalisiert wurden.
Über das als PDF online gestellte Findmittel kann sich der interessierte Nutzer eine Übersicht über die Überlieferung verschaffen: Bis zur Filmnummer 1341 wurden alle Kirchen- und Familienbücher an Archion geliefert. Eine Ausnahme bilden 137 Bücher (dort nicht markiert), die fehlerhaft vorliegen und als Digitalisat derzeit neu erstellt werden, sowie die Bücher, die momentan verfilmt / digitalisiert werden (markiert mit Derzeit zur Verfilmung/Digitalisierung abgegeben).
Hat das Folgen für die Benutzung in unserem Archiv? Es besteht unverändert die Möglichkeit, zu den Benutzerzeiten Einsicht in die verfilmten Bücher zu nehmen, hier auch über das Schwellenjahr 1870 hinaus.

Aber auch die Online-Recherche in Kirchenbüchern anderer Landeskirchen ist in unserem Lesesaal möglich, weil wir die Einsicht in das Kirchenbuchportal zu den üblichen Tages- und Reprogebühren anbieten! D. h., Sie müssen sich dafür nicht bei Archion registrieren und ein Ticket erwerben, sondern sich bei einer Anmeldung nur den sogenannten 'PC-Platz' reservieren lassen.

 

'Schätze ausgegraben' - SWR-Beiträg zum Projekt Pfarrarchiverschließung

Johanna Wohlgemuth schrieb am 23.02.2018
Für ein Interview mit dem SWR zum Projekt 'Pfarrarchiverschließung' wurden zahlreiche Akten aus Pfarrarchiven rund um Karlsruhe gesichtet und interessante Begebenheiten zu Tage gebracht:
 
„Was kann dieses Fräulein […] diesem Juden […] für wertvolles Material liefern, der es vielleicht dann ins Ausland verschickt als Hetzmaterial […] wir blamieren uns ja jämmerlich“ (1935)

Dieses „Fräulein“, das war die Gemeindediakonin der Gottesauerpfarrei 1933-1935. Sie war angeblich Mitglied der SPD und hatte – was viel brisanter war – ganz öffentlich mit einem ehemaligen Rechtsanwalt jüdischen Glaubens zu tun. Nachdem die Forderung nach ihrer Entlassung nichts nach sich zog, wurde sie schließlich wegen Rassenschande angezeigt. Die Gemeindediakonin und Pfarramtskandidatin nahm die Bedrohung aber rechtzeitig wahr und floh 1935 in die Schweiz. Sie entkam damit noch rechtzeitig einem geplanten Verhör durch die Badische Geheime Staatspolizei und tat damit den richtigen Schritt, auch wenn sich dadurch der Verdacht von offizieller Seite aus „erhärtet“ hatte. (LkA KA, 044., Karlsruhe Gottesauerpfarrei, Nr. 24)

„Egal, wenn nur der Krieg zu Ende geht“ (1916)

Mit diesem Satz endet die Kriegschronik des Pfarrers Wilhelm Brauns im Dezember 1916. 93 eng beschriebene Seiten fassen wochenweise den Ersten Weltkrieg und die Erlebnisse des Pfarrers auf den Schlachtfeldern zusammen. Dazu sammelte der Schreiber zahlreiche Postkarten, Zeitungsartikel und eigene Aufnahmen von Schützengräben und Soldaten. (LkA KA, 044., Michelfeld, Nr. 363)

„Wenn die Mädchen draußen blieben, würden sie noch viel mehr Unheil anstellen und die Menschheit noch mehr verseuchen“ (1932)

So das Urteil des Mädchenheims Bretten zur Bedeutung ihrer Zwangs- bzw. Heimerziehung, nachdem eine ledige Mutter, die durch das Heim in eine Arbeitsstelle vermittelt war, im Oktober 1934 in die bayerische Landeshauptstadt entfloh. Die Begründung für ihr Verhalten? Das Mädchen sei „unbeschreiblich einfältig und [habe] […] eine Affenliebe zu dem Kind, aus der all ihre Fehler stammen.“ (a.a.O., Nr. 193)

Ein Pfarrer setzt sich ein (1953)

Wegen „groben Unfugs“ verurteilte ein Gericht fünf Jugendliche 1953 zu jeweils 12,50 DM Strafe. Die Jungs hatten einen Fahrzeughalter darauf hingewiesen, dass sein Wagen in der Kircheneinfahrt stehe. Als dieser sich weigerte, den Pkw umzuparken, hoben die Jugendlichen den Wagen kurzerhand an und stellten ihn quer. Die Einfahrt war wieder frei, der Fahrzeughalter sauer. Der Pfarrer, der sich kurz vor der Tat und schon viele Male im Beisein der Jugendlichen über den Wiederholungstäter beschwert hatte, sah die Schuld bei sich und bat um Straferlass oder Abmilderung. Mit Erfolg: statt 12,50 DM mussten die Jungs „nur“ 10 DM zahlen. (LkA KA, 044., Karlsruhe Gottesauerpfarrei, Nr. 86) 

Beziehungsdrama Ost-West (1979)

Ein Pfarrer aus Karlsruhe brach 1979 die langjährige Patenbeziehung zum Ort Lindenberg (DDR) ab, da der dortige Pfarrer sich von seiner Frau getrennt hatte. Dass aber sie diejenige war, die ihren Mann heimlich verlassen hatte und zwar mit einem gewissen „Hermann“, mit dem sie schon viele Jahre lang eine Affäre gehabt hatte, besänftigte den Karlsruher Pfarrer nicht.

Sicherlich ein herber Schlag für den Lindenberger Pfarrer, für dessen Vorgänger schon 1954 klar war: „Lieber als Hausdiener oder Arbeiter dort [BRD], als als Pfarrer hier [DDR]. Warum soll man die Wahrheit nicht schreiben.“ (a.a.O., Nr. 93)

In einem SWR-Rundfunk-Interview wird das in den Startlöchern stehende Projekt 'Pfarrarchiverschließung' vorgestellt und dabei Bezug auf diese Funde genommen. Na, neugierig geworden?

Über den Start des Projektes informieren wir an dieser Stelle.

 

'Bürgerrechte' und Demokratie' - Tag der Archive im Stadtarchiv Karlsruhe

Heinrich Löber schrieb am 23.02.2018
Aller zwei Jahre findet der Tag der Archive statt - in diesem Jahr ist es wieder soweit. In Karlsruhe ist es wiederum das Stadtarchiv, das aus diesem Anlaß am 3.03.2018 von 11 bis 15 Uhr seine Pforten öffnet.

Der Tag der Archive steht unter dem Motto 'Bürger­rechte und Demokra­tie'.
Im Rahmen von vier Führungen durch sonst für die Öffent­lich­keit ­nicht zugäng­li­che Magazine werden Archi­va­lien zu verschie­de­nen A­spek­ten von Bürger­rech­ten und Demokratie gezeigt. Themen sind die frühen Stadt­rechte Karlsruhes, Stadt­ratspro­to­kolle, die Ent­wick­lung der Rechte der jüdischen Bevöl­ke­rung und die Orte der Demokra­tie­ge­schichte in Karlsruhe. Außerdem besteht zweimal ­die Gelegen­heit, an einer Führung in der Ausstel­lung "Vor 50 Jahren - mit Horst Schlesiger durch das Jahr 1968" teilzu­neh­men, die um 11 Uhr von Bürger­meis­ter Dr. Albert Käuflein eröff­net wird:


Im Lesesaal werden zudem durch­ge­hend die vielfäl­ti­gen digita­len ­An­ge­bote des Stadt­ar­chivs vorge­stellt und im Vorgriff auf die nächste große Ausstel­lung "Bewegt euch! - 1968 und die Folgen in Karls­ru­he" im Stadt­mu­seum verschie­dene Exponate dieser Aus­stel­lung präsen­tiert. Außerdem findet ein Bücher­floh­mark­t ­statt.

Vielleicht sieht man sich?

 

In den Akten entdeckt ... Künstlerisch begabt in Gondelsheim

Johanna Wohlgemuth schrieb am 21.02.2018

Zeichnung-Gondelsheim

Aus Rechnungsakten der Almosenfondsverwaltung im Pfarrarchiv der Evang. Gemeinde Gondelsheim (1837-1840) (LkA KA, 044., Gondelsheim, Nr. 295)

In einer Rechnung der Almosenfondsverwaltung (1837-1840), die sich im Pfarrarchiv der Evangelischen Kirche Gondelsheim befindet, findet sich auf der Rückseite einer Quittung von 1838 ein kleines Kunstwerk, versehen mit den Worten: „Fondre! C’est moi qui commande“ (Blitz! Ich kommandiere). Ob da wohl jemandem langweilig war?

 

Parteilichkeit in der Armenfürsorge? Der Fall des Gondelsheimer Pfarrers Zipse

Johanna Wohlgemuth schrieb am 14.02.2018
Anklage Pfarrer M. Zipse Gondelsheim (1911) (aus 044. Gondelsheim, Nr. 51)
Vorladung von Pfarrer Martin Zipse durch das Großherzogliche Amtsgericht vom 10.03.1911 (LkA KA, 044., Gondelsheim, Nr. 51)
Eine Akte des Gondelsheimer Pfarrarchivs widmet sich dem 'Prozess des Pfarrers gegen den Volksfreund wegen Beleidigung bzw. des Vorwurfes der Parteilichkeit in der Armenfürsorge. 1910-1912' (Nr. 51).

Anlaß war ein Artikel in der sozialdemokratischen Zeitung Der Volksfreund am 12.01.1911, der dem Gondelsheimer Pfarrer Martin Zipse (1862-1939) parteiische Armenfürsorge vorwarf. Er habe einer bedürftigen älteren Dame den Empfang von Weihnachtsgaben durch die Gräfin Douglas vorenthalten, und das bloß, weil deren Söhne Sozialdemokraten waren. Erschwerend habe der Pfarrer zudem „Unfrieden zwischen ein junges Ehepaar gestiftet“, indem er den Eltern der Braut den zukünftigen Schwiegersohn als Sozialdemokraten und Umstürzler vorstellte.

Weil der Verfasser des Artikels nicht eindeutig identifiziert werden konnte - der Sohn des Hauptverdächtigen erhielt übrigens kurz vor dem Prozess zwei Stunden Arrest wegen „ungebührlichen Benehmens dem Ortsgeistlichen gegenüber“ -, klagte der Pfarrer schließlich gegen die Redaktion des Volksfreundes. Mit fünf geladenen Zeugen fand im März 1911 das Hauptverfahren vor dem Großherzoglichen Schöffengericht statt.

Das Ergebnis? Der Pfarrer übe „seine Seelsorge und Armenpflege völlig unparteiisch“ aus, die Vorwürfe im Artikel seien nichts weiter „als eine völlig aus der Luft gegriffene schmähliche Verleumdung“, wie die Brettener Sonntags-Zeitung am 26.03.1911 schrieb. Der Volksfreund blieb am Ende auf den Kosten des Verfahrens sitzen (150–200 RM) und wurde verpflichtet, das Gerichtsurteil im eigenen Blatt abzudrucken.

Übrigens bestätigt das Urteil die Meinung eines Gondelsheimer Bürgers, der zum Schmähartikel schon am 17.01.1911 öffentlich Stellung bezog: Der Pfarrer erfülle „sein Amt mit seltenerer Gewissenhaftigkeit“.

Ganz anders also als viele seiner Kollegen, tatsächlich nämlich hatten viele Geistliche der evangelischen Kirche den Vorwurf der Parteilichkeit verdient. Denn, wie Rainer Hering allgemein formuliert, die „evangelischen Landeskirchen waren eng mit dem Staat verbunden und unterstützten die […] Verfolgung der Sozialdemokraten vielfach. Sie wurden daher […] als Teil des obrigkeitsstaatlichen Repressionsapparates wahrgenommen.“ (Rainer Hering: SPD und Kirchen in Deutschland. In: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Nr. 4 (2011), S. 43f.)

 

Bedeutendes Stück kirchlicher Zeitgeschichte digitalisiert

Heinrich Löber schrieb am 12.02.2018
Erstes Treffen 1957 in Gersbach (Postkarte Zonengrenze, Gedicht von Hermann Claudius)
Die ersten Seiten des ältesten von 57 Tagebüchern der Ost-West-Begegnungstreffen der Partnerkirchen Baden und Berlin-Brandenburg (Freundeskreis Gersbach): Postkarte von der Zonengrenze sowie Gedicht "Es wandeln sich die Reiche" von Hermann Claudius (LkA KA, 163.04., Nr. 18)
Da konnten die Brandenburger noch in den Westen reisen: Abschied im Badischen Bahnhof Basel nach dem ersten Treffen im badischen Gersbach (Aug. 1957). Auszug aus dem ältesten Tagebuch der Ost-West-Begegnungstreffen der Partnerkirchen Baden und Berlin-Brandenburg (Freundeskreis Gersbach) (LkA KA, 163.04., Nr. 18)
Ist das Zufall oder Fügung? Als am 5.02.2018 der Tatsache gedacht wurde, dass die innerdeutsche Grenze nun solange nicht mehr das Land trennt, wie sie als Mauer Bestand hatte, erreichten ein Tag später die Digitalisate der 57 Tagebücher des 'Freundeskreises Gersbach' unser Archiv. Sie bilden den Hauptteil des Bestandes 163.04., Ost-West-Begegnungen der Partnerkirchen Baden und Berlin-Brandenburg (Freundeskreis Gersbach), der im Rahmen eines Festaktes im Juni 2014 dem Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe übergeben wurde.
Diese lückenlose Überlieferung der Tagebücher (1957 bis 2013) ist ein bedeutendes Stück kirchlicher Zeitgeschichte, spiegelt sie doch gelebte Gemeinschaft von Christen im Osten und Westen unter erschwerten Bedingungen wider. Über fast drei Jahrzehnte war der Besuch nur in einer Richtung möglich. Es ist dabei interessant zu lesen, wie die Westdeutschen das Leben ihrer ostdeutschen Glaubensschwestern und -brüder wahrgenommen haben. Die immense Freude über den Fall der Mauer 1989 findet in den Tagebüchern auf eindrückliche Weise Niederschlag.
Der Bestand wurde erschlossen und ist durch das Online-Findmittel "grenzenlos" recherchierbar und im Lesesaal unseres Archivs unter Beachtung der Schutzfristen nutzbar. Eine Kopie der Digitalisate wird im März 2018 dem Archiv der Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz übergeben, zu dessen Provenienz diese Tagebücher unbedingt gehören.