Blog-Archiv 2022

 

Gesegnete Weihnachten und ein gutes 2023

Das Landeskirchliche Archiv Karlsruhe schrieb am 24.12.2022
Schifferweihnachtsfeier
Weihnachten in ärmlicheren Zeiten: Weihnachtsfeier der Schifferfamilien im Gemeindesaal der Hafenkirche Mannheim mit Pfarrer Fritz Voges im Vordergrund (1954) [LkA KA, 154., Nr. 306]
Allen unseren Benutzerinnen und Benutzern wünschen wir gesegnete Weihnachtstage sowie ein gesundes, krisenfestes und friedliches neues Jahr. Möge das Jahr 2023 bessere Aussichten für die Welt bereithalten.
 
Der Regelbetrieb unseres schönen "alten-neuen" Lesesaals konnte - gemeinsam mit der Landeskirchlichen Bibliothek - trotz pandemiebedingter Einschränkungen das ganze Jahr über laufen. Dies war vor einem Jahr so nicht zu erwarten.

Behalten Sie bitte auch 2023 Ihren Forscherdrang - mögen Ihnen die Recherchethemen nicht ausgehen! So freuen wir uns auch künftig, wenn Sie sich mit Ihren Anliegen an uns wenden.

Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe
 

"Erbacher-Bibel" online

Heinrich Löber schrieb am 22.12.2022
Wer sich mit badisch-evangelischer Ortskirchengeschichte befasst, kommt nicht umhin, zur "Erbacher-Bibel" (Karlsruhe 1994) zu greifen. Wir Archivarinnen und Archivare unserer Landeskirche haben sie stets zur Seite und es vergeht eigentlich kein Arbeitstag, an dem sie nicht eingesehen wird.
Anteil der evangelischen Bevölkerung
Baden - ein bunt gemischter Konfessionsteppich. Die rötliche Farbe zeigt den Anteil der evangelischen Bevölkerung an [Verlag Georg Westermann, Braunschweig, 1936]
Der Grund dafür ist: Das Gebiet des Badischen Landeskirche ist äußerst heterogen. Erkennbar ist dies auch daran: Erst in den Jahrzehnten seit etwa 1810 formierten sich in genuin katholischen Landesteilen auch selbständige evangelische Gemeinden. Diese waren klein, aber durch die Zuordnung etlicher Diaspora- und Nebenorte, also Orten in denen nur einzelne wenige Evangelische lebten, doch groß genug, um Eigenständigkeit zu erlangen. Als Beispiel lässt sich die Gemeinde Donaueschingen aufführen, die 1870 pastorisiert wurde und seit 1877 eine eigenständige evangelische Kirchgemeinde mit über 60 Diasporaorten (!!!) bildete. Hinzu kommt natürlich die Bikonfessionalität (reformiert / lutherisch), die in Baden bis zur Union (Okt. 1821) herrschte und die ein wichtiger Faktor auch der Kirchenbuchüberlieferung darstellt.
Erbacher-Bibel in Archion
Das muss man wissen: Unter "Allgemeine Hilfsmittel" findet man die "Erbacher-Bibel".
Die "Erbacher-Bibel" bietet parochial-konfessionsgeschichtliche Antworten auf all' diese Fragen. Daneben bildet sie auch die katholisch-badischen Orte ab. Verfasst hat Hermann Erbacher (1909-1999) Die rechtliche Struktur und Pastoration der Gemeinden von der Reformation bis zur Gegenwart - so der offizielle Titel - dieses Werk im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Baden. Deren erster Archivar war Hermann Erbacher seit 1939. Auch nach seinem Ruhestand (1974) war er bis weit in die 1990er Jahre hinein territorialkirchenhistorisch aktiv und war mit diesem Standardwerk natürlich der am besten geeignete Verfasser einer derartigen, 450 Seiten umfassenden Schrift [vgl. Schwinge, Lebensbilder V, S. 461].
Dadurch, dass auch genealogisch Forschende stets territorial-konfessionelle Fragen beantworten müssen, wurde dieses Werk im Kirchenbuchportal online veröffentlicht und damit der interessierten Öffentlichkeit zur Seite gestellt. Ein toller Service! Es wurde dort auf Ebene 2, wo die Ortsnamen stehen, ein Feld "Allgemeine Hilfsmittel" einfügt, das einen zur "Erbacher Bibel" leitet.
 

Innenstadtgemeinden Pforzheim - Folge III: Michaelspfarrei

Vivian Ritter schrieb am 19.12.2022 (Fortsetzung vom 12.12.2022)
Grabmal für Martin, Elisabeth und Barbar Achtsynit von Niefernburg in der Pforzheimer Schloßkirche
Grabmal für Martin, Elisabeth und Barbar Achtsynit von Niefernburg in der Pforzheimer Schloßkirche [LkA KA, 154., Nr. 373/2]
Trotz der im Jahr 1556 stattfindenden Auflösung der katholischen Stifte und Klöster blieb die Schloßkirche St. Michael (erste urkundliche Erwähnung 1342) weiterhin die Begräbnisstätte des Fürstenhauses und auch in katholischer Hand.
Durch die Einführung der evangelischen Kirchenordnung brauchte es auch eine evangelische Gemeinde. Diese wurde 1558 als "Stadtpfarrei" gegründet. Durch den Anstieg der evangelischen Bewohner Pforzheims wurden im Laufe der nächsten 400 Jahre weitere 12 Stadtpfarreien errichtet. Darunter auch 1869 die IV. Stadtpfarrei, welche sich aus dem 2. Diakonat entwickelte und den Namen Sedanspfarrei (Westpfarrei) erhielt.
Durch die große Anzahl der Stadtpfarreien wurden diese im Laufe der Zeit immer wieder umbenannt. So erhielt die I. Stadtpfarrei 1903 den Namen Mittelstadtpfarrei und 1958 erfolgte die Umbenennung in Lutherpfarrei. Die Sedanspfarrei erhielt 1966 den Namen Petruspfarrei.
Diese beiden Pfarreien teilten sich im Zweijahresrhythmus die Verwaltung der Schloßkirche, bis zu deren Fusion im Jahr 1989. Diese neue Gemeinde erhielt ihren Namen von der Schloßkirche St. Michael.
Im Jahr 2019 fusionierte die Michaelsgemeinde gemeinsam mit den Gemeinden Stadtkirche, Thomas, Altstadt und Markus zur Friedensgemeinde Pforzheim, welche den Großteil der Innenstadt und den kompletten Norden betreut. Fortsetzung folgt ...
 

Etwas fürs Auge: Hunderte pfarramtliche Druckschriften und Urkunden veröffentlicht

Robert Schiller schrieb am 15.12.2022
Original von O. Kolb mit vorgehaltener Transparentschablone
Original von O. Kolb mit vorgehaltener Transparentschablone, entworfen für den Hans-Thoma-Verlag Karlsruhe (um 1950) [LkA KA, 164., Nr. 444]
In den letzten Wochen wurde der zuvor retrodigitalisierte Bestand 164., Pfarramtliche Urkunden und Druckschriften, (vgl. Blogbeitrag vom 5.08.2022) auf Vollständigkeit überprüft, korrigiert und ergänzend.
Entstanden ist dabei ein Bilderbuch, welches die Vielfalt, Kultur, Frömmigkeiten und Veränderungen des Zeitgeschmacks, gar die Schönheit derartiger Schriftstücke kirchlich-pfarramtlichen Handelns auf eindrucksvolle Weise wiedergibt.
Dieses wundervolle Bilderbuch ist beim Betrachten - und sei es nur beim Durchblättern des Online-Findbuches - einfach etwas für das Auge.
 

Innenstadtgemeinden Pforzheim - Folge II. 2.: Stadtpfarrei

Vivian Ritter schrieb am 12.12.2022 (Fortsetzung vom 5.12.2022)
Pforzheim Stadtkirche (1968)
Die neu erbaute Stadtkirche mit ihrem 80m hohen Turm im Jahr ihrer Einweihung (1968) [LkA KA, 166., Nr. 1642]
Durch diese, und noch viele weitere Veränderungen innerhalb der Pforzheimer Gemeinden stellte das Pfarramt der Südpfarrei am 8.11.1967 den Antrag auf Namensänderung: Da es keine Nord- noch West- oder Ostpfarrei mehr gab, war der Name der Südpfarrei überholt. Der Ältestenkreis schlug vor, dass die Gemeinde mit dem Datum der Einweihung der Stadtkirche (21.4.1968) den Namen "JAKOBUSPFARREI" erhält. Dieser Antrag wurde am 11.12.1967 vom Kultus- und Verfassungsausschuss des Evangelischen Kirchengemeinderats Pforzheim genehmigt.
1968 stellte die Melanchthongemeinde die drittgrößte Gemeindegliederzahl nach der Altstadt- und Lukasgemeinde. Bereits im Jahr 1960 begannen die ersten Überlegung zum Wiederaufbau der zerstörten Stadtkirche. Ursprünglich sollte der alte Turm als Mahnmal erhalten bleiben. Besichtigungen ergaben jedoch, dass die Tragfähigkeit des Gemäuers nicht mehr gewährleistet werden konnte. Daher beschloss man, den Turm abzureißen und einen neuen zu errichten. Kritiker fragten zu dieser Zeit an, wieso das Bauvorhaben eines 80m hohen Turms erfolgte, wo doch noch immer Schulen und Krankenhäuser fehlten. Was diesen geantwortet wurde, ist leider nicht überliefert. Die Einweihung der neuen Stadtkirche erfolgte am 12. April 1968.
Durch den Bau der Stadtkirche, die sowohl als Gemeindekirche der Jakobus- und der Melanchthongemeinde, als auch im Sinne einer Zentralkirche der Stadt Pforzheim dienen sollte, rückten die Jakobus- und Melanchthongemeinde immer stärker zusammen. Bereits zum 1. Januar 1967 erfolgte der Zusammenschluss der Gemeindearbeit zwischen den beiden Gemeinden. Die Seelsorge, diakonische Betreuung der Kindergärten, Kasualien und Konfirmandenunterricht führte jedoch jede Pfarrei selbstständig durch. Hingegen gab es bereits gemeinsame Ältestenkreis- und Gemeinderatssitzungen und auch die Gemeindeversammlungen und -freizeiten, Konfirmandenrüsten und Gottesdienste wurden zusammen durchgeführt. Auf anderen Gebieten teilten die Gemeinden die Arbeit schwerpunktmäßig auf. So übernahm die Jakobusgemeinde die Organisation von Altenarbeit, Bibelabende, Diakonie, Feste und Feiern und die Kassenführung. Die Melanchthongemeinde befasste sich hingegen mit der Jugendarbeit, Seminaren und Bibelwochen und den Mitarbeiterrüsten. Zudem übernahm sie die Verantwortung der Kommunikation im Stadtbezirk und ergänzende Bürotätigkeiten. Mit der Geschäftsführung wechselten sich die Pfarrstelleninhaber in einem 2-Jahres-Turnus ab.
Diese enge Zusammenarbeit resultierte 1998 in einer längst überfälligen Fusion zur Stadtkirchengemeinde. Am 23. Februar 2005 wurde die Stadtkirche als Mitglied des Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e.V. zum Nagelkreuzzentrum Pforzheim, genau 60 Jahre nach Zerstörung der Stadt.
Durch die Fusion aller Innenstadtgemeinde Pforzheims ging auch die Stadtkirchengemeinde 2019 schließlich in der neu gebildeten Friedensgemeinde Pforzheim auf. Fortsetzung folgt ...
 

Ein Leben für die Kirche: Abschluss der Nachlassbearbeitung von Kirchenpräsident Klaus Wurth (1861-1948)

Maximilian Tschan schrieb am 8.12.2022
Kennkarte des Polizeiamtes Bretten für Klaus Wurth
Kennkarte von Klaus Wurth mit Fingerabdrücken, ausgestellt am 20.09.1946 vom Polizeiamt Bretten [LkA KA, 150.120, Nr. 91]
Nach mehrmonatiger Bearbeitung konnte nun der Nachlass von Klaus Wurth, übergeben im Laufe des Jahres durch seine Urenkelkinder, vollständig erschlossen und somit der Nachwelt auf alle Zeit zur Verfügung gestellt werden. In diesem Nachlass lässt sich zweifelsfrei erkennen, dass die Landeskirche und das Wohl ihrer Kirchengemeinde den Lebensmittelpunkt des früheren Kirchenpräsidenten bildeten.
Klaus Wurth wurde am 1. Dezember 1861 in Dundenheim geboren. Nach dem Theologiestudium in Heidelberg und Marburg folgten zunächst Anstellungen als Vikariat in Epfenbach und Weingarten, ehe er Pastorationsgeistlicher in Triberg wurde. Im Anschluss war er von 1894 bis 1906 in Liedolsheim tätig, zunächst als Pfarrverwalter und dann über zehn Jahre als Pfarrer. Letztere Tätigkeit übte er anschließend bis 1906 in Bretten aus. Ebenso war er seit 1895 als Mitarbeiter des „Korrespondenzblattes für die Evangelische Konferenz in Baden“ (bzw. „Kirchlich-Positive Blätter für Baden“) aktiv, wobei er 1904 die Aufgabe des Schriftleiters übernahm. Von 1911 bis 1924 war er Vorsitzender der Evangelischen Konferenz (ab 1920: Kirchlich-Positive Vereinigung) und ab 1914 war er Mitglied der Generalsynode bzw. Landessynode. 1920 wurde er Mitglied der Kirchenregierung und im darauffolgenden Jahr wurde er Kirchenrat. 1924 wurde Wurth schließlich zum Kirchenpräsidenten gewählt und trat 1933 von diesem Amt zurück. Dennoch blieb er bis zu seinem Tod 1948 kirchenpolitisch aktiv und äußerte sich immer wieder zu aktuellen Thematiken. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurde sein Zuhause zweimal ausgebombt, weshalb gewiss einige interessante Quellen verloren gingen.
Titel der Schrift Was lehrt die evangelische Mutter ihre Kind
Eine der Wurthschen Veröffentlichungen (1940) [LkA KA, 150.120, Nr. 66]
Der übergebene Nachlass besteht zu einem beachtlichen Teil aus handgeschriebenen, teilweise stenografischen Predigten, privater und beruflicher Korrespondenzen, selbstverfassten Ausarbeitungen - bspw. einem Lebenslauf, v. a. auch zu  kirchenpolitischen Themen - sowie Veröffentlichungen und deren Manuskripte. Der Nachlass beinhaltet zudem Urkunden und Zeugnisse, Unterlagen zu seinem Tod sowie Zeitungsartikel, zeitgenössisch als auch rezeptionsgeschichtlich. Außerdem sind Ausweise, Bankunterlagen sowie eine Büste (Otto Schneider, 1933) Bestandteile des Nachlasses.
Daneben sind einige Akten besonders hervorzuheben, wie etwa eine von den Besatzungsmächten ausgestellte Kennkarte (1946), Druckveröffentlichungen Wurths wie z.B. „Was die evangelische Mutter ihre Kinder lehrt“, was eine theologisch-pädagogische Anleitung zur Erziehung ist, von der Kirchenregierung ausgehändigte Urkunden sowie Briefe von Max von Baden, Großherzog Friedrich I. und Viktoria von Baden, damalige Königin Schwedens.
Der Nachlass „Klaus Wurth“ (Bestand 150.120) kann nun im Findmittel online recherchiert und im Lesesaal eingesehen werden. Allerdings wurden die darin enthaltene Bildwerke in Bestand 154., Fotos und Bilder, aufgenommen.
 

Innenstadtgemeinden Pforzheim - Folge II. 1.: Stadtpfarrei

Vivian Ritter schrieb am 5.12.2022 (Fortsetzung vom 28.11.2022)
Stadtkirche Pforzheim im zerstörten Zustand
Stadtkirche Pforzheim: Seitenansicht  über die Enz mit Fassaden- und Turmruine (ca. 1952) [LkA KA, 154., Nr. 778/4]
Die Stadtkirche Pforzheim musste im Laufe ihrer Geschichte viele Schicksalsschläge erdulden. Ab 1566 diente die ehemalige Dominikanerkirche als Stadtkirche. Diese wurde während der Orleans'schen Kriege im Jahr 1689 jedoch zerstört. Ein Neubau konnte 1721 eingeweiht werden. Jedoch sollte diese neue Kirche nicht lange stehen. Bereits 68 Jahre später (1789) brannte die Kirche nieder. Es dauerte ein Jahrhundert bis alle Verhandlungen zu Bauplatz, Finanzierung und Gestaltung des Gebäudes geklärt werden konnten. Diese 1899 erbaute "neue" Stadtkirche prägte das Stadtbild Pforzheims. Doch auch dieses Mal wurde die Kirche wieder Opfer eines Kriegs: Die Pforzheimer Schicksalsnacht des 23. Februars 1945 legte auch die Stadtkirche erneut in Trümmer. Besonders dabei ist jedoch, dass das Kruzifix der Kirche, welches noch aus der ehemaligen Dominikanerkirche stammte, alle Katastrophen überstand und zum Zeitpunkt der Neueinweihung der Stadtkirche in der Auferstehungskirche Pforzheims zu finden war.
1901 entstand in Pforzheim die so genannte Stadtpfarrei V. Deren Einzugsgebiet umfasste die Pforzheimer Südstadt, die zuvor zur Altstadtpfarrei gehörte, wodurch sie den Namen "Südpfarrei" erhielt. Zudem umfasste das Gebiet auch den Buckenberg. Dieser wurde 1926 abgelöst und der neugegründeten Buckenberggemeinde zugeordnet. Während des Bombenangriffs am 23. Februar 1945 kam Pfarrer Paul Rössger (1892-1945) zusammen mit seiner Frau und zwei seiner Kinder, wie so viele andere Pforzheimer Bewohner, ums Leben. Da es keine Kirche und keinen Pfarrer mehr gab, wurden die wenigen überlebenden Gemeindemitglieder von den umliegenden Gemeinden mitbetreut. Erst 1950 kam mit Adolf Würthwein (1911-1991) ein neuer Pfarrer in die Südpfarrei.
Durch diverse Veränderungen der Gemeindegrenzen in Pforzheim, besonders nach dem II. Weltkrieg, wurde am 1. Mai 1954 die Melanchthonpfarrei gegründet. Diese befand sich mitten in der zerstörten Innenstadt von Pforzheim. Der erste Pfarrverweser schrieb im ersten Visitationsbericht, dass der Blick aus dem provisorischen Pfarrhaus über ein Trümmerfeld ging. Durch den raschen Wiederaufbau der Pforzheimer Innenstadt kam es zu großen Zuzügen. Viele der neuen Pforzheimer Bewohner waren Flüchtlinge und Vertriebene. Für diese vielen Menschen musste eine neue Gemeinde gegründet werden. Das Gebiet der neuen Melanchthonpfarrei umfasste das der ehemaligen Mittelstadt- und Sedanpfarrei. Diese neue Zuteilung schien Probleme mit sich zu bringen, da sich die Bewohner des Sedanviertels eher der Auferstehungskirche zugehörig fühlten. Dies konnte jedoch durch die Neugründung der Petrusgemeinde 1966 behoben werden. Hier gilt zu erwähnen, dass die Melanchthonpfarrei (ehemalige Westpfarrei) ab dem 1. September 1966 in Petruspfarrei und die unbesetzte Sedanpfarrei zu Melanchthonpfarrei umbenannt wurden. Fortsetzung folgt ...
 

Innenstadtgemeinden Pforzheim - Folge I. 2: Altstadtgemeinde

Vivian Ritter schrieb am 28.11.2022 (Fortsetzung vom 21.11.2022)
Schloßkirche Pforzheim mit Gemeindezentrum
Aufgebaute Schloßkirche Pforzheim mit dem neuen Gemeindezentrum der Altstadtpfarrei (um 1980) [LkA KA, 166., Nr. 1698]
In der Nacht des 23. auf den 24. Februar 1945 wurde die Innenstadt von Pforzheim von der British Royal Air Force komplett zerstört. Die Stadt brannte mehrere Tage. Ungefähr ein Drittel der Pforzheimer Bevölkerung kam bei diesem Angriff ums Leben. Besonders stark war das Gebiet um die Altstadtkirche betroffen: Die Bevölkerung schrumpfte von 5109 (17.05.1939) auf 2 Personen (31.12.1945) und in der Oststadt von 4895 auf 1621 Personen. Die Altstadtkirche wurde bei dem Angriff stark beschädigt. Interessanterweise blieben die ältesten Mauerreste bestehen, darunter auch das Eingangsportal und der Chor, welcher aus dem 14. Jahrhundert stammte. Zudem fiel durch die Erschütterungen der Explosionen der Putz von den Wänden und legte Wandmalereien frei, welche während der Reformation übertüncht worden waren. Neben den baulichen Zerstörrungen gingen auch viele Unterlagen der Altstadtgemeinde in dieser Nacht in Flammen auf. Daher sind kaum Schriftstücke aus Vorkriegszeiten erhalten.
Von 1945 bis 1955 war die Pfarrei nicht besetzt und wurden von den anderen Pforzheimer Innenstadtgemeinden mitbetreut.
Der Wiederaufbau der Altstadtkirche erfolgte von 1949 bis 1952. Nach der Errichtung einer Notkirche, war dies der zweite Kirchenaufbau nach dem Krieg in der Badischen Landeskirche. Gelder hierfür kamen auch vom Staat und vom Landesdenkmalamt. 400 Gläubige fanden in der neugestalteten Kirche Platz. Während die Außenarbeiten am Kirchengebäude stattfanden, nutze das Landesdenkmalamt die Chance und führte im Inneren der Kirche Ausgrabungen durch. Reste der alten Römerstraße, römische und frühmittelalterliche Mauerzüge sowie gotische Bodenplatten wurden dabei freigelegt. Drei Grabplatten, welche um 1300 entstanden und ebenfalls während der Ausgrabungen gefunden wurden, wurden in den 1990er Jahren im Chor aufgehängt. Zu Gunsten des Wiederaufbaus führten die Alt-, Mittel- und Südstadtpfarrei einen erfolgreichen Basar durch. Die freigelegten Wandmalereien wurden 1952 gereinigt und erneuert. Die Einweihung der neuen Altstadtkirche wurde am 20. Juli 1952 gefeiert, die neue Weigle-Orgel kam zum Weihnachtsfest hinzu, die Glocken aber erst 1960. Die neuen Paramente stellten die Nonnen des Klosters Lichtental her, welches im 14. Jahrhundert das Patronatsrecht über die damalige Altstadtkirche hatte. Unter Pfarrer Harald Porsch (1912-1995) wurde der Wiederaufbau der Gemeindeeinrichtungen mit dem Neubau von Pfarrhaus, Kindergarten und Gemeindehaus Mitte der 1960er Jahre abgeschlossen.
Eine "neue" Altstadtpfarrei entstand 1954 durch die Teilung der Ostpfarrei. Neben dem alten Kindergarten in der Oranienstraße wurde 1964 ein zweiter Kindergarten in der Altstädterstraße 17 gegründet. Durch die Fusion aller Innenstadtgemeinden Pforzheims 2019 ging die Altstadtgemeinde in der Friedensgemeinde Pforzheim auf. Fortsetzung folgt ...
 

Innenstadtgemeinden Pforzheim - Folge I. 1: Altstadtgemeinde

Vivian Ritter schrieb am 21.11.2022 (Fortsetzung vom 14.11.2022)
Schloßkirche Pforzheim
Die wiederaufgebaute Schloßkirche, die Heimat der Altstadtgemeinde, im Jahr 1985 [LkA KA, 154., Nr. 362/11]
Die erste Holzkirche auf dem Gebiet der heutigen Pforzheimer Altstadt ruht auf einer alten Römerstraße, welche ca. 90 n. Chr. entstand. Sie war Bischof Martin von Tours geweiht. Im 9. oder 10. Jahrhundert fand der Bau einer vorromanischen Kirche an gleicher Stelle statt. Pforzheim erhält im 11. Jahrhundert das Marktrecht. Zur gleichen Zeit hat das Kloster Hirsau das Patronatsrecht über St. Martin. Der bisherige Kirchenbau wird in dieser Zeit durch eine romanische Pfeilerbasilika ersetzt. 1159 wird diese Kirche urkundlich erwähnt. Das Kloster Hirsau verliert das Patronatsrecht 1344 und übergibt es an das Kloster Lichtenau bei Baden-Baden. Darauf folgt der Abbruch des romanischen Chors und ein gotischer Neubau. Die Schlusssteine dieses Neubaus zeigen im Westen das badische Wappen und im Osten das Wappen des Grafen von Beichlingen.
1519 fanden in Pforzheim die ersten reformatorischen Predigten durch den Priester Johannes Schwebel statt. Im darauffolgenden Jahr kam es zur Verbreitung entsprechender Schriften, u. a. durch Johannes Ungerer. Der evangelische Glaube festigte sich mit den Jahren so stark, dass auch die Abwendung von Markgraf Philipp von Baden (1530) die Evangelischen nicht vertreiben konnte. Sie durften weiterhin in Pforzheim ihrem Glauben nachgehen. Mit der Einführung der evangelischen Kirchenordnung im Jahr 1556 wurden die katholischen Stifte und Klöster in der Pforzheimer Umgebung aufgelöst und dem Markgrafen unterstellt.
1534 entstand die (spätere sog.) Altstadtgemeinde. Der erste Pfarrer dieser Pfarrei war 1556 Mag. Joh. Stöffelin. Die Altstadtkirche wurde während des 30jährigen Krieges stark in Mitleidenschaft gezogen, als die abziehenden bayrischen Truppen die Altstadt anzündeten. Die Kirche brannte vollständig aus. Nach ihrem Wiederaufbau stahlen 1691 französische Truppen alle vier Glocken der Kirche. Die Gemeindemitglieder dezimierten sich so stark, dass über eine Auflösung der Gemeinde nachgedacht wurde, obwohl sie 1710 eine neue Orgel und 1714 zwei neue Glocken erhielt. Durch den Aufstieg von Pforzheim durch die Uhren- und Schmuckindustrie wuchs auch die Bevölkerung wieder an. Plötzlich war die Altstadtkirche für die vielen neuen Mitglieder zu klein geworden. In den Jahren 1823/24 wurde sie fast vollständig abgetragen und neu errichtet. Architekt war Karl August Schwarz, ein Schüler Weinbrenners. Mit der Errichtung eines Vikariats in Würm verlor die Altstadtgemeinde ihren letzten Filialort. Fünfzig Jahre nach dem Neubau der Kirche wurden viele Teile davon im neugotischen Stil verändert, so z.B. der Turm, das Gestühl, die Emporen und der Chorraum. Die Altstadtkirche lag im Hochwassergebiet der Enz, welche zwischen 1902 und 1912 reguliert wurde. Somit war die Kirche vor Hochwassern geschützt. 1902 trennte sich die Südstadtpfarrei und 1923 die Oststadtpfarrei von der Altstadtgemeinde. Wie viele andere Gemeinden auch, musste sich die Altstadtgemeinde während des I. Weltkriegs von ihren Glocken und den Orgelpfeifen trennen. Ab 1932 unterstand das Stadtvikariat IV dem Pfarrer der Altstadtgemeinde. 1936 erfolgte eine neuerliche Renovierung der Kirche, bei der mehr Raum in Inneren geschaffen wurde. Von diesem Zeitpunkt an diente die Kirche nicht nur der Altstadtgemeinde, sondern auch der Südstadt- und Ostpfarrei als Gotteshaus mit insgesamt ca. 15.000 Mitgliedern. Fortsetzung folgt ...
 

Aufrufe zu Energiesparmaßnahmen sind nichts Neues

Heinrich Löber schrieb am 17.11.2022
Umlauf des Rundschreibens des Reichsministeriums betr. Energieeinsparungen
Unterschriften der "Gefolgschaft" im EOK Karlsruhe unter das Rundschreiben (3.10.1939) [LkA KA, GA 6933]
Rundschreiben Reichsministerium betr. Energieeinsparungen
Rundschreiben des Reichsministeriums betr. Energieeinsparungen (21.09.1939) [LkA KA, GA 6933]
Im ersten Kriegsmonat des Zweiten Weltkriegs (September 1939) ließ der Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten Hanns Kerrl ein Rundschreiben An die kirchlichen Behörden mit der Aufforderung verfassen, den Kohle-, Energie- und Lichtverbrauch soweit als möglich zu drosseln [...] Die Maßnahmen sind unverzüglich durchzuführen [...] und von allen Energiesparmöglichkeiten stets sofort Gebrauch zu machen.
Dieses Rundschreiben erreichte am 27. September 1939 auch den Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe und wurde am 3. Oktober In Umlauf bei der Gefolgschaft zur unterschriftlichen Kenntnisnahme und Danachachtung gebracht. Es ist in den Generalakten (der Finanzabteilung) überliefert (GA 6933). 
 

Ein Meilenstein ist erreicht: Pforzheimer Innenstadtgemeinden vollständig erschlossen

Vivian Ritter schrieb am 14.11.2022
Pforzheim Stadtkirche als Ruine
Die Stadtkirche Pforzheim mitten im Trümmerfeld der Innenstadt mit St. Franziskus im Hintergrund (1945) [LkA KA, 154., Nr. 778/5]
Eine monatelange Arbeit hat ihren Abschluss gefunden: die Bearbeitung der Archive der im Jahr 2019 zur Friedensgemeinde Pforzheim fusionierten Pforzheimer Thomas-, Stadtkirche-, Michael-, Altstadt- und Markusgemeinde.
Damit wurde ein gehöriges Stück evangelischer Ortskirchengeschichte Badens dauerhaft für die Nachwelt gesichert und nutzbar gemacht. Denn Pforzheim ist als eine "urevangelische" (Groß-)Stadt ein wichtiger Bestandteil unserer Landeskirche.
Die Pforzheimer Katastrophe des Bombenangriffs am 23. Februar 1945 spiegelt sich auch in den Unterlagen wider: Auch 77 Jahren nach der Zerstörung der Stadt ist der Zusammenhalt der Innenstadtgemeinden herauszulesen. Besonders die ehemaligen Gemeinden Jakobus und Melanchthon (später Stadtkirchengemeinde) lebten diesen Zusammenhalt auf eine ganz besondere Art.
Als Ergebnis werden nun fünf einzelne Archive mit insgesamt 1042 Verzeichnungseinheiten und 17,3 laufenden Regalmetern verbucht. Zugleich ist damit das Projekt „Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive“ seinem Ziel wieder ein großes Stück nähergekommen. Die fünf Pfarrarchive werden als Deposita im Landeskirchlichen Archiv in Karlsruhe verbleiben. Ihre Findbücher sind online gestellt.
Fortsetzung folgt: In wöchentlichen Beiträgen stellen wir die Archive der einzelnen Gemeinden an dieser Stelle vor ...
 

Indochinakriegsbericht im Pfarrarchiv Schollbrunn-Oberdielbach

Anna Ohnmacht schrieb am 9.11.2022
Bilder des Indochina-Kriegsteilnehmers Kramer an Pfarrer Seibert in Schollbrunn-Oberdielbach (1950)
Bilder des Indochina-Kriegsteilnehmers Hermann Kramer an Pfarrer Seibert in Schollbrunn-Oberdielbach (1950) [LkA KA, 044., Schollbrunn-Oberdielbach, Nr. 182]
Im Bestand der Kirchengemeinde Schollbrunn-Oberdielbach wurde ein interessantes Zeitzeugnis gefunden: Briefe eines (unfreiwilligen?) Fremdenlegionärs aus Ostpreußen, welcher im französischen Indochinakrieg (1946-1954) in Vietnam kämpfte. 
Die Briefe stammen aus den Jahren 1949/50 und sind von dem Soldaten Hermann Kramer an den damaligen Pfarrer in Schollbrunn, Hellmuth Seibert (1910-1973), adressiert. Kramer hatte nach dem Zweiten Weltkrieg als Vertriebener keine Anlaufstelle und vertraute sich dem Schollbrunner Geistlichen an, da ein Kamerad Kramers ein Mitglied der Kirchengemeinde Schollbrunn war.
Briefe von Helmut Kramer an Pfr. Seibert (1950)
Briefe des Legionärs an seinen Gemeindepfarrer (1950) [LkA KA, 044. Schollbrunn-Oberdielbach, Nr. 182]
In den Briefen werden sowohl die alltäglichen Sorgen und Nöte Kramers geschildert als auch sein Glaube und gelegentlichen Zweifel daran. Außerdem schildert er einige militärische Operationen, an welchen er teilgenommen hat. Zudem sind zwei kleine Fotos vorhanden. Leider brechen diese Briefe abrupt ab und über das weitere Schicksal Hermann Kramers ist nichts zu finden.
Ein sehr interessantes und spannendes Dokument, welches den indochinesischen Krieg beleuchtet und näherbringt.
Zu finden sind die Briefe in der Verzeichnungseinheit Nr. 182 des Bestandes der Kirchengemeinde Schollbrunn-Oberdielbach. Der Bestand wurde im Oktober 2022 von Anna Ohnmacht bearbeitet und sein Findbuch ist online recherchierbar.
 

Die Bilder- und Fotosammlung ist weiter gewachsen

Heinrich Löber schrieb am 4.11.2022
Posaunen-Evangelisationsfahrt in Palermo
Feierstunde mit der Waldensergemeinde in der Kirche Reggio/Calabria bei der Posaunen-Evangelisationsfahrt der badischen Posaunenarbeit nach Palermo (Frühj. 1961) [LkA KA, Nr. 1531/3].
Durch Übergaben und Bestandssichtungen ist die Sammlung 154., Bilder und Fotos, weiter gewachsen. Im letzten Vierteljahr wurden etwa 80 Bildwerke in über 20 Motiven erschlossen. Dies waren hauptsächlich Übernahmen aus der landeskirchlichen Posaunenarbeit (Bestand 074.) als auch Bilder und Fotos aus dem Nachlass des Pfarrers an der Providenzkirche Heidelberg Karl Heinrich Mann (1912-1982) (Bestand 150.014).
Die Sammlung umfasst nun 4883 Bilder (durch die Alben sind es weit mehr) in 1540 Motiven. Durch diesen offenen Bestand wird das Leben und Handeln unserer Landeskirche in immer neuer Form und dadurch in einer herausragenden Weise überliefert.
Ein Blick in das (aktualisierte) Findmittel lässt manche unvermutete Entdeckung zu.
Jedes Bildwerk liegt übrigens retrodigitalisiert sowohl als Arbeitsderivat im JPG-Format als auch als Masterkopie im TIFF-Format vor. Reproduktionswünsche von Nutzenden oder für Veröffentlichungen können also unkompliziert abgewickelt werden.
Eine Veröffentlichung der Bilder- und Fotosammlung ist aus Fragen der Schutzfristen und des Urheberrechts leider nicht ohne Weiteres möglich.
 

AV-Medien "unter Dach und Fach""

Heinrich Löber schrieb am 25.10.2022
Kartoninhalt von Bestand 161., AV-Medien
Inhalt von einem der 23 Kartons.
Ein Vierteljahr hat die Sichtung und Bewertung des Bestandes der 'audiovisuellen Medien' beansprucht (s. Blogbeitrag vom 29.07.2022). Drei Ziele wurden dabei verfolgt, nämlich 1. die über Jahrzehnte zusammengesammelten Medieneinheiten zu überblicken, um einen als archivwürdig bewerteten und recherchierbaren Bestand zu erhalten, 2. diesen fortan verpackt im klimatisierten Neuen Magazin aufzubewahren, was für diese sensible Gattung besonders belangvoll ist, sowie 3. ein Findmittel zu erstellen. 
Filmspulen werden in Planschränken aufbewahrt
Filmspulen werden in Planschränken aufbewahrt, darunter der Film über die Evangelisationsfahrt der Landesposaunenarbeit im Frühjahr 1961 nach Palermo [LkA KA, Standort: 2/7/6]
Die 263 Einheiten des Bestands 161., Audiovisuelle Medien, haben dabei eine Standort- und keine Archivaliensignaturen erhalten. D.h., die einzelnen Medien sind nach ihrem Aufbewahrungs-Karton sowie Regalboden im Neuen Magazin (z. B.: "Kt. 5 - 54/7/1" o. "2/7/6") signiert. Die Sammlung umfasst 2,3 lfm. (= 23 Kartons) zzgl. 3 Planböden (LPs und Filmspulen). Das Findmittel ist online gestellt.
Badische und brandenburgische Jugendliche auf dem Kirchentag in Leipzig 1954
Der Kirchentag 1954 in Leipzig war der letzte gesamtdeutsche Kirchentag. Am Rande trafen sich auch brandenburgische und badische Jugendliche und hielten damit die innerdeutschen Beziehungen aufrecht, was sich als zunehmend schwierig und nach dem Mauerbau 1961 gänzlich unmöglich erwies [LkA KA, 154., Nr. 916]
Vorfindlich sind folgende Medientypen: Tonbandspulen (mit Klappbox o. runden Metallhüllen); CD/CD-R; DVD/DVD-R/DVD-Video; MC; VHS; LP; Filmspulen in Transportdosen; Festplatten. Abspielgeräte für Tonbänder, Filme, LP hat unser Archiv nicht, so dass nicht in jedem Falle die Lesbarkeit der Einheiten oder evtl. vorhandene Datenverluste geprüft werden konnte. Auch bezüglich der Speicherformate ergibt sich ein äußerst heterogenes Bild: Digitale Dateien sind sowohl in retrodigitaler als auch genuin digitaler Art vorhanden. 
Dias sowie Bilder und Fotos allerdings bilden eigene Bestände (166. sowie 154.).
Die Filmsequenzen über die feierliche Amtseinsetzung des 1. badischen Landesbischofs Julius Kühlewein (1873-1948) und die Verabschiedung des Kirchenpräsidenten Klaus Wurth (1861-1948) in der Stadtkirche Karlsruhe (23.07.1933) sind dabei nicht nur aufgrund ihres Alters als ein herausragendes kirchenhistorisches Zeugnis zu beurteilen. Hervorzuheben wäre auch eine Filmspule mit dem Titel "Kirchentag Leipzig 1954". Dieser war der letzte gesamtdeutsche Kirchentag (bis 1991). Aufgrund der angespannten Situation der Christ*innen in der DDR war er zugleich ein Politikum. Mit ihren 650.000 Besuchern war die Hauptversammlung des Leipziger Kirchentages am 11.07.1954 die größte Veranstaltung eines Kirchentages überhaupt. Auch ist der Film über der Posaunen-Evangelisationsfahrt der Landesarbeit evangelischer Posaunenchöre nach Palermo im Frühjahr 1961 erwähnenswert. Dieser wurde erst im September 2022 dem Archiv übergeben.
Als ein nächster, wohl auch langfristiger Schritt steht die Überlegung an, ob man die als archivwürdig bewerteten Einheiten retrodigitalisiert, um sie gemäß neuester archivfachlicher Erkenntnisse vor einem Datenverlust zu bewahren. Voraussetzung dafür ist die Verfügbarkeit von Abspielgeräten, um Datenverluste prüfen, den Inhalt und damit den Aussagegehalt wirklich erkennen und eine abschließende Bewertung durchführen zu können.
 

Garderobe mit Blick in die Stadt

Heinrich Löber schrieb am 18.10.2022
Foyer des Lesesaals mit Blick zum Garderobenraum
Es ist nicht weit zur Garderobe: Vom Foyer aus sieht man schon den Raum.
Garderobenspindschrank
Acht abschließbare Fächer stehen zur Verfügung
Mit dem Einzug der kälteren Jahreszeiten steht den Besuchenden unseres neuen Lesesaals nun auch eine Garderobe zur Verfügung.
Es handelt sich hierbei um acht Spinde, die mit einer Ein-Euro-Münze oder einem Einkaufschip zu bedienen sind. Dieser Spindschrank wurde in einem nicht mehr als Büro dienenden Zimmer aufgestellt, der nun als Multifunktionsraum der Etage dient: Hier sind also neben dem Garderobenspindschrank zwei Multifunktionsdrucker, ein Tisch zum Ausbreiten sowie Schränke für Druckerpapier aufgestellt. Dieser Raum befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Lesesaals. Von ihm hat man übrigens einen wunderschönen Blick auf die Badische Landesbibliothek, das Naturkundemuseum und weitere markante Gebäude der Stadt.
Notabene: Sollten die Nutzenden keine passende Münze oder passenden Chip im Gepäck haben, die Dienst habenden ArchivarInnen und BibliotherkarInnen haben dies im Blick und halten für diesen Fall Ersatz bereit.
 

Neue Gebührenordnung ist in Kraft getreten

Heinrich Löber schrieb am 13.10.2022
Titel der neuen Gebührenordnung
Auslöser für die neue Gebührenordnung war die Inbetriebnahme eines gemeinsamen Lesesaals von Archiv und Bibliothek im Evangelischen Oberkirchenrat.
Nun ist "Gebührenordnung für die Benutzung des Landeskirchlichen Archivs und der Landeskirchlichen Bibliothek (Archiv-Bibliothek-Gebührenordnung - ArchBiGebO)" veröffentlicht und in Kraft getreten. Sie bündelt die zu erhebenden Gebühren beider landeskirchlichen Einrichtungen und ordnet und erleichtert dadurch die Arbeit im Lesesaal sowohl für die Mitarbeitenden als auch die Nutzenden.
Zugleich wurde durch die 'ArchBiGebO' die Gebührentafel der nun außer Kraft gesetzten Gebührenordnung des Landeskirchlichen Archivs vom 21.02.2012 wesentlich verschlankt und damit lesbarer gemacht.
 

400. Geburtstag von Martin Luther als Grund zur Gründung: 40 Jahre Stipendien für badische Pfarrers- und Lehrerskinder

Auszubildende Lena Hauth schrieb am 7.10.2022
Im Rahmen meiner Ausbildung habe ich den Bestand 102., Lutherstiftung, retrokonvertiert und technisch bearbeitet. Doch kennt man die Deutsche Lutherstiftung, die nach 40 Jahren in den 1920er Jahren ihre Arbeit wieder einstellte?
Der Badische Hauptverein der Deutschen Lutherstiftung mit Sitz in Karlsruhe nahm 1885 seine Arbeit auf. Er ist eines der Glieder des Zentralvereins der Deutschen Lutherstiftung mit Sitz in Berlin, der am 31.10.1883, dem Reformationstag im Jubiläumsjahr des 400. Geburtstages von Martin Luther gegründet wurde.
Gemäß § 1 der Satzungen des Hauptvereins (vgl. Akte Nr. 16) hat er den Zweck, "Erleichterung der Erziehung von Kindern badischer evang. Pfarrer und Lehrer, insbesondere derer auf dem Lande, durch Gewährung von Stipendien und durch Nachweis von Verpflegungsstätten und Unterrichtsanstalten, die dem für die Kinder gewählten Beruf entsprechen", zu schaffen.
Badische Anteile am Zentralverband der Lutherstiftung
Der Zentralverein der Deutschen Lutherstiftung bestätigt dem Privatier Otto Bartning d. Ä. den Erhalt des 10%-Anteils des Badischen Hauptvereins über 227,64 M (11.01.1897) [LkA KA, 102, Nr. 64].
Ein Name fällt immer wieder ins Auge: "Privatier Otto Bartning". Es handelt sich hierbei um den Vater des gleichnamigen und berühmten (Kirchen-)Baumeisters Otto Bartning (d. J.) (1883-1959). Als wohlhabender Hamburger Überseekaufmann ließ er sich mit seiner Ehefrau, einer Tochter des badischen Prälaten Karl Wilhelm Doll (1827-1905), kurz vor der Geburt von Otto in Karlsruhe nieder. Doll wiederum war als Prälat zugleich im Verwaltungsrat der Lutherstiftung (bis 1894). Dies war wohl auch der Grund, warum sich Otto Bartning d. Ä. - auch als Vater von fünf schulpflichtigen Kindern - im Vorstand der Lutherstiftung über lange Zeit engagierte.
Der Bestand weist 88 Akten mit 1,2 Laufmetern auf und hat eine Gesamtlaufzeit von 1883 bis 1923. Er enthält vor allem Rechnungsbeilagen, Gesuche sowie Zeugnisse für Stipendien. Heinrich Löber erstellte eine Klassifikation. Das Findmittel ist online veröffentlicht.
Dadurch, dass es zur Deutschen Lutherstiftung keine Literatur gibt - auch einschlägige Lexika weisen keine Einträge auf -, ist dieser Bestand ein wichtiges Zeugnis dafür, in welchem Maße sich in der Badischen Landeskirche für eine Förderung einer angemessenen Bildung für den eigenen Nachwuchs eingesetzt wurde.
 

Weitere Kirchen- und Familienbücher verfilmt und digitalisiert

Heinrich Löber schrieb am 21.09.2022
Ein Kirchenbucheintrag
Ein Taufeintrag
Weitere elf neu verfilmte und digitalisierte Kirchen- und Familienbücher wurden heute abgegeben und sind fortan im Lesesaal zu recherchieren, sei es verfilmt oder digital. Es handelt sich dabei um folgende Bücher:
1.    Rinklingen (ref.) Mischbuch 1735 – 1782,1764,1758 mit Protokollauszügen 1735, Admittierten 1748-1757
2.    Rinklingen (ref.) Verzeichnis evangelischer Bürger 1867-1895 (angelegt 1877)
3.    Rinklingen (ref.) alphabetisches Familienregister 1765 – 1877 (1895) (angelegt 1824 von Pfarrer Philipp Gaa) mit Auszügen aus den luth. Taufbüchern Bretten 1744-1822
4.    Rinklingen Familienbuch 1851 – Juli 1947 mit Register
5.    Rinklingen (ref.) Ahnentafeln (aszendierend bis 1744) Bickel, Gropp, Zickwolf, Böckle, Kast, Keßler, Schlehr, Sieber, Brandner (angelegt 1938 zur Erstellung von Ariernachweisen)
6.    Rinklingen Familienbuch Aug. 1947 – Okt. 1973 mit Register
7.    Bauschlott (luth.) Familienbuch 1818 – Juli 1888 (angelegt von Pfarrer Heinrich Nadler) mit Register
8.    Bauschlott Familienbuch Juli 1888 – Juni 1962 mit Register
9.    Schallbach Familienbuch 1849 – 1882 mit Register
10. Fischingen Familienbuch 1850 – 1884 mit Register
11. Pforzheim-Dillweißenstein (bis 1867 Weißenstein) (luth.) Familienbuch (1803) Nov. 1819 - Mai 1885 mit Register
Diese Bücher waren bisher nicht reproduziert und stehen nun der interessierten Öffentlichkeit zur Einsicht bereit (vgl. das Findmittel zum verfilmten Gesamtbestand). Dem Kirchenbuchportal wurden sie heute auch geliefert, so dass diese in absehbarer Zeit ebenda recherchiert werden können (außerhalb der Schutzfristen).
Zugleich wurden heute 23 neue Kirchen- und Familienbücher aus dem alten Kirchenbezirk Schopfheim für eine Verfilmung und Digitalisierung abgegeben. Der Prozess ist also bei Weitem nicht abgeschlossen ...
 

Hunderte "pfarramtliche Anlassdrucke" retrodigitalisiert

Robert Schiller schrieb am 5.08.2022
Kriegsurkunde zur Kriegskonformation 1915
Kriegs-Konfirmation 1915. Zur gesegneten Erinnerung an deines Volkes Kampf und deines Lebens Ziel [LkA KA, 164., Nr. 239]
In den letzten Monaten wurden die mehrere hundert Einheiten umfassende Sammlung des Bestandes 164., Pfarramtliche Urkunden und Druckschriften, im Rahmen einer projektbezogenen Arbeit durch Robert Schiller retrodigitalisiert.
Kindergottesdiensteinladung mit kindlichen Zeichnungen
Kindergottesdienst-Einladung mit kindlich wirkenden Zeichnungen zum Thema Gottesdienst [LkA KA, 164., Nr. 294]
In der Hauptsache beinhaltet diese Sammlung Muster von Tauf-, Konfirmanden-, Trau- und Patenurkunden sowie -bescheinigungen, die vom landeskirchlichen Hans-Thoma-Verlag Karlsruhe, welcher 2009 in die Liquidation ging, übergeben wurden. Daneben besteht er aus ausgefüllten Urkunden und anderen Einzelstücken unterschiedlichster Provenienz, zumeist aus Privatbesitz. Vorfindlich sind zudem Blätter aus der Christenlehre-, Schul- und Kindergottesdienstarbeit, synodale Urkunden, Dimissoriale, Geburtstagsschriften, Drucke zum Ewigkeitssonntag und zur Jahreslosung sowie kirchliche Ausweise und Auszeichnungen.
Der Bestand weist eine Laufzeit von (1786) 1850 bis 2000 auf.
Diese Gattung ist nun ans Licht geführt worden und kann jetzt in ihrer Mannigfaltigkeit präsentiert werden. Denn sie zeigt sehr eindrücklich den Zeitgeschmack, der sich gerade in diesen Gedenk- und Erinnerungsblättern widerspiegelt und die als Zeugnisse der Volksfrömmigkeit herangezogen werden können. Dabei wird eine Bewertung als "wunderschönes Einzelstück" oder "Kitsch" immer wieder je anders ausfallen.
Abgelegt wurden die Retrodigitalisate je als JPG-Arbeitsderivat sowie TIFF-Masterkopie.
In unserem neuen und digitalen Lesesaal ist es nunmehr möglich, diese Sammlung nicht nur in digitaler Form zu recherchieren, sondern auch zu nutzen. Das Findmittel haben wir auf unserer Homepage veröffentlicht. Darüber hinaus ist es in naher Zukunft geplant, die retrodigitalisierten Einheiten dieses Bestands virtuell zu präsentieren und Downloads anzubieten.
 

Endlich ein digitales Schulungsangebot

Vivian Ritter schrieb am 2.08.2022
Alte Bücher in einem Regal
Neben Erschließungen und der Unterstützung bei Recherchen, obliegt dem Landeskirchlichen Archiv auch die Schulung und Weiterbildung von all jenen, die innerhalb der Landeskirche mit Schriftgutverwaltung und Archivierung befasst sind. Den größten Teil machen hier die Pfarramtssekretär*innen, aber auch die Sekretär*innen der Dekanate und Verwaltungsämter aus.
Bisher wurde ein Mal im Jahr für diese Personen im Zentrum Hohenwart eine ganztägige Schulung angeboten. Da diese jedoch immer ausgebucht war und gerade die Kolleg*innen, welche in den weiter entfernten Bezirken arbeiten, einen sehr langen Anreiseweg bewältigen mussten, entschied das Landeskirchliche Archiv sich dazu, das Schulungsangebot auszuweiten.
Die Einführung von MS-Teams begünstigte diese Unterfangen. Inzwischen wurde ein Online-Curriculum aufgebaut, welches sich in zweistündigen Modulen mit den Themen 'Ablage von Schriftstücke', deren 'Archivierung', 'Kirchenbuch- und Siegelordnung', sowie 'Digitale Ablage' beschäftigt. Anmeldungen hierfür erfolgen über die Seite der Bildungskirche.
Darüber hinaus wurde das Angebot auch um eine monatlich digital stattfindende Fragerunde etabliert, welche ohne Anmeldung besucht werden kann. Die Daten hierzu finden sich hier.
Ansprechpartner hierfür sind die Archivpfleger*innen Dr. Michael Hallerberg und Vivian Ritter.
 

AV-Medien - ein Anfang ist getan

Heinrich Löber schrieb am 29.07.2022
Audiovisuelle Medien im Alten Magazin
Im ungesichteten Bestand 161. ist alles dabei: Tonbandspulen (mit Klappbox o. runden Metallhüllen); CD/CD-R; DVD/DVD-R/DVD-Video; MC; VHS; LP.
In diesen Wochen wurde damit begonnen, den Bestand der so genannten 'audiovisellen Medien' zu sichten und zu bewerten. Dies ist ein lang gehegtes Vorhaben, das nun angegangen wurde. Dieser Arbeitsschritt ist besonders wichtig, denn eine Lagerung in unklimatisierten Räumen sollte keine Dauerzustand sein - so werden die als archivwürdig bewerteten Medien fortan im klimatisierten Neuen Magazin untergebracht, was für diese für Informationsverluste besonders sensible Gattung von großem Belang ist.
Die Einheiten des Sammlungsbestands 161., Audiovisuelle Medien, erhalten vorerst eine Standort- und keine Archivaliensignatur.
Vorfindlich sind folgende Medientypen: Tonbandspulen (mit Klappbox oder runden Metallhüllen); CD/CD-R; DVD/DVD-R/DVD-Video; MC; VHS und LP. Auch bezüglich der Speicherformate ergibt sich ein äußerst heterogenes Bild. Und digitale Dateien sind sowohl in retrodigitaler als auch genuin digitaler Art vorhanden.
Abspielgeräte für Tonbänder hat unser Archiv allerdings nicht. Da muss noch eine Lösung gefunden werden.
Tonbänder der Landessynodalverhandlungen
Vier von zehn Regalböden des AV-Medien-Bestandes.
Der ungesichtete Teilbestand der AV-Medien bestückt (noch) zehn Regalböden und ist naturgemäß nicht in Laufmetern zu beschreiben.
Amtseinführung von Kühlewein als Landesbischof
Dieses Ereignis ist filmisch überliefert: Die Amtseinführung von Julius Kühlewein in das Amt des Bischofs am 23.07.1933 [LkA KA, 154., Nr. 462/3]
Als ein nächster, noch in der Zukunft liegender Schritt steht die Überlegung an, ob man analog vorliegende AV-Medien (Tonbänder, MC; VHS usf.) digitalisiert bzw. genuin digital vorfindliche Dateien in einem standardisierten Format im Digitalen Magazin archiviert, um sie gemäß neuester archivfachlicher Erkenntnisse vor einem Datenverlust zu bewahren. Diese Entscheidung wird erst nach dem Ende der Sichtung und Bewertung und einem damit vorhandenen Gesamtbild gefällt werden.
Um ein konkreteres Bild über den Inhalt des bisher gesichteten Bestandes zu erhalten, wird ein vorläufiges Findmittel veröffentlicht, das eine regelmäßige Aktualisierung erfährt.
Die Filmsequenzen über die feierliche Amtseinsetzung des 1. badischen Landesbischofs Julius Kühlewein (1873-1948) und die Verabschiedung des Kirchenpräsidenten Klaus Wurth (1861-1948) in der Stadtkirche Karlsruhe am 23. Juli 1933 bilden dabei nicht nur aufgrund ihres Alters ein herausragendes kirchenhistorisches Zeugnis. Sie waren in der Unionsjubiläums-Ausstellung im Generallandesarchiv 2021 zu sehen.
 

Die Landeskirche hat nun ein Archivgesetz

Heinrich Löber schrieb am 7.07.2022
Titel des Archivgesetzes im Gesetzesblatt
 
Ein viele Jahre währender Prozess hat nun ein gutes Ende gefunden: Die Landessynode hat auf ihrer Frühjahrssynode 2022 das landeskirchliche Archivgesetz beschlossen, das seit dem 1. Juli in Kraft ist.
Doch warum bedurfte es überhaupt eines landeskirchlichen Archivgesetzes?
Wie in anderen Landeskirchen auch entstand in der badischen Kirche das Bedürfnis, die Arbeit ihrer Archive durch die Schaffung einer Rechtsgrundlage zu regeln. Was auf staatlicher Seite durch das Erlassen von Archivgesetzen seit dem Ende der 1980er Jahre der Fall war, galt auf kirchlicher Seite zunächst nur für das Archivgesetz der EKD (1996), welches das Kernstück auch für die einzelnen landeskirchlichen Archivwesen war. Erst in den letzten Jahren erließen einige Landeskirchen eigene Archivgesetze, durch die für spezifische Fragen ihrer Kirche und gemäß ihrer Verfassung eine je eigene rechtliche Grundlage geschaffen wurden. So vollzog nun auch unsere badische Landeskirche diesen Schritt.
Im Archivgesetz sind die Aufgaben des Archivwesens, die Anbietungspflicht der Verwaltung, die Zugangs- und Benutzungsbedingungen für Dritte, die Schutzfristen für sach- und personenbezogenes Archivgut sowie weitere Bereiche archivischen Handelns festgelegt.
Weitere Rechtsverordnungen regeln das Nähere.
Nun ist das Archivgesetz veröffentlicht im GVBl. I 2022, S. 98-103 sowie auch mit einer Onlineversion.
 

Nach über sechs Jahrzehnten wieder aufgetaucht

Heinrich Löber schrieb am 29.06.2022
Das verloren geglaubte Kirchenbuch Wieslet (1726-1739)
Unbeschriftet und unscheinbar: Das verloren geglaubte Kirchenbuch Wieslet (1726-1739)
Ein kleines - oder großes? - Wunder ist geschehen! Das mindestens seit 60 Jahren verschollen geglaubte Kirchenbuch der lutherischen Kirchengemeinde Wieslet 1726 bis März 1739 ist wieder aufgetaucht.
Hermann Franz meldet 1957 den Fehlbestand in seinem Inventarium "Die Kirchenbücher in Baden" (3. Aufl., S. 270) noch nicht. Vielleicht aber ist es im Zuge der Verfilmungsaktion der Jahre 1960-1962 "untergetaucht"? Es wurde jedenfalls nicht verfilmt und galt bis heute als verschollen: Schon 1977 schrieb Dr. Martin Keller in der Zeitschrift "Markgräflerland": Seit zehn Jahren suche ich nach den verschollenen ältesten Kirchenbüchern von Wieslet [...] auf meine Bitte veranlaßte das Landeskirchliche Archiv beim Oberkirchenrat Karlsruhe eine Nachschau im Pfarramt Wieslet, wobei das älteste Kirchenbuch wiedergefunden wurde. Dies lässt Keller zu dem Urteil kommen: Es ist nicht zu glauben, wie gleichgültig die zuständigen Amtsstellen in derlei Fragen, wo es um die Sicherung wertvoller geschichtlicher Urkunden geht, sind. (S. 398). Über 20 Jahre später liest man im Vorwort seines Ortsfamilienbuches Weitenau und Wieslet (1998) weiterhin vom Verlust dieses Buches: Bis heute wurde das verschollene KB nicht mehr gefunden (S. VI).
Ob es wirklich an der von Martin Keller kritisierten Gleichgültigkeit der zuständigen Amtsstellen lag, dass dieses Wiesleter Kirchenbuch unentdeckt blieb, lässt sich nicht mehr prüfen. Es ist aber festzuhalten, dass es eine äußerlich unscheinbare Gestalt und keinen Titel aufweist.
Vorsatz des Kirchenbuches Wieslet 1726-1739
Dies Buch enthalt die von 1726 bis 1739 Geborenen, Gestorbnen und Copulirten - im Vorsatz kein Hinweis auf Wieslet.
Es geriet den Mitarbeitenden des Landeskirchlichen Archivs in die Hände, als sie im Mai 2022 bei der Sichtung der Unterlagen des Altdekanats Schopfheim etwa 150 Kirchen-, Familien- und weitere Amtsbücher mit nach Karlsruhe zum Zweck einer Sicherung und Sichtung brachten. Erst die gewissenhafte Einsicht in jenes Buch ließ es zweifelsfrei als das vermisste Kirchenbuch verifizieren.
Dieses Buch hat den äußeren Anschein eines Befehlbuchs und lässt die Kasualhandlungen dieser 14 Jahre nur nebensächlich erkennen. Ein Erklärungsversuch dafür, dass es "nicht ohne Weiteres" zugeordnet werden konnte.
Ein wahrer Fundus ist dieses 193 Doppelseiten umfassende Buch aber auch deshalb, weil es neben einem Befehlbuch (mit Register) einen liturgischen Kalender ("Texte und Lieder"), Zensus- und Kirchenrüge-Statuta, die Wiesleter Pfarrbesoldung, Notata über das Visitationsprotokoll 1762 sowie die "Schulhauß u. Collect"-Ordnung (1765) enthält.
Es handelt sich also bei diesem Buch neben seinem herausragenden Wert als familienhistorische Quelle um ein für die orts(kirchen)geschichtliche Forschung außerordentlich wertvolles Stück.
Es wird - wie bereits der Gesamtbestand unserer Kirchen- und Familienbücher - digitalisiert und steht in diesem Format im Kirchenbuchportal sowie in unserem Lesesaal (vgl. PDF-Findmittel) für eine Einsicht (endlich wieder) bereit.
 
 

"Nun liebes Feldberg gute Nacht!". Von einem Abschied und Kirchenteppichen

Michael Hallerberg schrieb am 9.06.2022
Abschiedsgedicht von Vogt Isaac Riegger 1771
Abschlussstrophe des „letzten Abschied des seeligen Herrn Isaac Rieggers“ (+ 8.07.1771) [LkA KA, 044. Feldberg, Nr. 117]
Die Kirchengemeinde in Feldberg am Blauen im Schwarzwald hat eine langewährende Geschichte, die bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Bedingt durch Überfälle infolge von Kriegen, wie dem 30jährigen Krieg, sind die ältesten Unterlagen der Kirchengemeinde allerdings verloren gegangen. Während die Kirchenbücher der Gemeinde immerhin bis in das Jahr 1639 zurückreichen, geht die Überlieferung des Verwaltungsschriftguts „erst“ im Jahr 1741 los. Dieses Schriftgut ist im Verlauf des vergangenen halben Jahres im Landeskirchlichen Archiv in Karlsruhe bearbeitet worden. Ein erstes Findbuch für das Pfarrarchiv Feldberg wurde bereits 1994 angelegt, aber seitdem sind einige Akten hinzugekommen, die jetzt nachverzeichnet wurden, da die Kirchengemeinde Feldberg 2019 mit den Kirchengemeinden der Nachbarorte Niedereggenen und Obereggenen zur „Kirchengemeinde Eggenertal-Feldberg“ fusionierte.
Zwei guterhaltene Akten aus der ferneren und der jüngeren Vergangenheit sollen exemplarisch für den Bestand hier kurz vorgestellt werden: Zunächst „der letzte Abschied des seeligen [sic!] Herrn Isaac Rieggers wohlverdienten Vogts zu Feldberg von den Seinigen“. Rieggers verstarb am 8. Juli 1771 im Alter von 46 Jahren an Tuberkulose. Am 10. Juli 1771 wurde er laut dem Titel seines in gedruckter Form vorliegenden Abschiedsgedicht, das im Pfarrarchiv unter der lfd. Nr. 117 verzeichnet wurde, „unter einer volkreichen und sehr ansehnlichen Leichen-Begleitung zur Erde bestattet“. Interessant ist an diesem Dokument sowohl die Form als auch der Inhalt. Der Aspekt der Drucklegung, also einer Vervielfältigung, zeugt von der Bedeutung Rieggers in der Feldberger Gesellschaft, da so viele Menschen den aufwändig gestalteten Abschied Rieggers von seinen Hinterbliebenen erhalten konnten, und auch von seinem Wohlstand. Die aufwändige Gestaltung der Druckschrift mit mehreren kleinen Grafiken verstärkt diesen Eindruck. Inhaltlich ist interessant, dass er seinen Abschied in Gedichtform verfasst hat und jedem Familienmitglied eine, im Fall seiner Ehefrau sogar zwei Strophen gewidmet hat. In den letzten beiden Strophen spricht er auch Personen an, die nicht mit ihm verwandt oder verschwägert waren, nämlich ein namenloser Nachbar sowie die Gemeinde Feldberg, in der er „fast dreißig Jahre in vollem Seegen [sic!] zugebracht“ habe.
Feldberger Kirchenteppich von Annerose Frenzel 1982
Miniaturexemplar des Modellentwurfs des „Feldberger Kirchenteppichs“ (Annerose Frenzel; 34 x 17 cm) [LkA KA, 044. Feldberg, Nr. 294]
Über 200 Jahre später entstand ein besonderer Kunstgegenstand, der „Feldberger Kirchenteppich“. Auf Anregung der Heimatdichterin Paula Hollenweger entwarf die Malerin und Textilkünstlerin Annerose Frenzel aus Neuenburg am Rhein den Teppich, der neben biblischer Symbolik auch Motive aus der Natur bzw. Landwirtschaft und zwischenmenschlichen Gemeinschaft zeigt. Im Frühjahr 1982 begannen acht Feldberger Frauen gemeinsam mit der Künstlerin mit den Stickarbeiten im Gobelinstil. Am 6. November 1983 konnte das insgesamt ca. 6,20 Meter lange und ca. 2,40 Meter hohe Kunstwerk der Kirchengemeinde übergeben werden und befindet sich seitdem in der Feldberger Kirche. In der Verzeichnungseinheit 294 ist neben Vorzeichnungen der Motive und dem Entwurf einer Begleitbroschüre mit Detailaufnahmen des Teppichs auch ein Miniaturexemplar in der Größe von 34 Zentimeter Länge und 17 Zentimeter Höhe enthalten.
Das Pfarrarchiv der Kirchengemeinde Feldberg hat einen Umfang von 295 Verzeichnungseinheiten, die eine Laufzeit von 1741 bis 2021 umfassen. Insgesamt nimmt es 4,7 lfd. Meter Raum in Anspruch. Es befindet sich seit Mai 2022 gemeinsam mit den Archivbeständen der Kirchengemeinden Niedereggenen und Obereggenen im Pfarramt der Kirchengemeinde Eggenertal-Feldberg in Schliengen-Niedereggenen. Das Findbuch des Bestands ist hier online einsehbar.
 

Albert-Schweitzer-Brief kehrt wieder "nach Hause"

Anna Ohnmacht schrieb am 2.06.2022
Albert-Schweitzer-Brief vom 24.05.1955
Dieser Brief von Albert Schweitzer hing viele Jahre im Pfarramt der Christuskirche Karlsruhe und kehrt nun zurück nach Görwihl [LkA KA, 044. Albbruck-Görwihl, o. Sign.]
Eine Besonderheit erhielten die Mitarbeitenden des landeskirchlichen Projekts 'Pfarrarchiverschließung' vor einigen Wochen in ihre Hände: Ein Originalbrief von Albert Schweitzer (1875-1965), dem berühmten Arzt, Theologen, Kulturphilosophen und Musiker.
Geschrieben hat der 80jährige Albert Schweitzer den Brief vor über 65 Jahren, am 24. Mai 1955, an den Justizrat Arnold Kley. Dieser war damals Vorsitzender des Ältestenkreises in Görwihl (Kirchenbezirk Hochrhein). Arnold Kley hatte Albert Schweitzer angefragt, ob das neue evangelische Görwihler Gemeindehaus dessen Namen tragen dürfe. Darauf antwortete Schweitzer, dass dies ihm eine Ehre wäre.
Zu Weihnachten 1955 übereignete Herr Kley den Brief dann dem Albert-Schweitzer-Haus in Görwihl.
Als das Gemeindehaus im Jahre 2012 aufgegeben wurde, wurde der Brief schließlich einer Gemeinde zugeeignet, die ebenfalls ein Albert-Schweitzer-Gemeindezentrum betreibt – die Christusgemeinde in Karlsruhe.
Über das Projekt, das auch die Görwihler Akten bearbeitet, wird der Brief nun wieder seiner ursprünglichen Provenienz zugeordnet und in das Archiv der Kirchengemeinde Albbruck-Görwihl Eingang finden. Nach dessen Bearbeitung wird das Archiv mit einem Findmittel recherchierbar und werden dadurch dessen Akten zielgerichtet einsehbar sein.
 

Neuer Webauftritt unseres Archivs

Heinrich Löber schrieb am 25.05.2022
time to relaunch
Am 16. Mai war es soweit: Unsere Landeskirche ging mit einem Relaunch ihres Webauftritts online. Treue Besuchende unserer Seite haben schnell bemerkt, dass nichts mehr so ist, wie es über viele Jahre war. Denn unser Archiv erhielt in diesem Zusammenhang eine sogenannte 'Satellitenseite', also einen eigenen Webauftritt. Unser "alter Webauftritt" wurde stillgelegt - er ist also nicht mehr öffentlich sichtbar. Aber nun sind Sie da und haben uns gefunden!! Das ist wunderbar und war unser Ziel.
Wir Mitarbeitenden des Landeskirchlichen Archivs haben in den letzten Monaten viel Zeit in die Konzeption und die Umsetzung dieser Seite investiert. Und wir sind noch nicht am Ende. Mancher Button ist noch leer, vieles im Versuchsstatus. Dies fordert auch von Ihnen Geduld und Verständnis.
Aber das Wichtigste ist: Wir sind auffind- und erreichbar. Aber auch virtuell attraktiver? Wir sind in jedem Falle für Anregungen, Kritik und Hinweise dankbar, denn dieser öffentliche Auftritt ist ja für Sie, die Nutzenden unseres Archivs, gemacht. Wenn Sie mögen, dann schreiben Sie uns: archiv@ekiba.de.
Viel Vergnügen beim Entdecken unserer Arbeit, Bestände und vielseitigen Angebote ...
 

Weitere Findmittel von Beständen landeskirchlicher Ämter online

Heinrich Löber schrieb am 4.05.2022
Versorgung Vertriebener im Evang. Hilfswerk Heidelberg 1946
Versorgung Vertriebener durch das Evangelische Hilfswerk im Lutherhaus Heidelberg, Kirchstraße 2 (1946) [LkA KA, 154., Nr. 744]
Ein halbes Dutzend Findmittel wurde in den letzten Wochen online gestellt. Damit ist ein weiterer Schritt der Digitalisierung und Zugänglichmachung von Erschließungsdaten geschehen. Es handelt sich diesmal um Findbücher von Beständen landeskirchlicher Ämter, nämlich:
  • 065. Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA) und Evangelische Arbeitnehmerschaft (EAN);
  • 067. Landeskirchenkasse;
  • 070. Evangelisches Sozial- und Presseamt;
  • 071. Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Baden;
  • 072. Orgel- und Glockenprüfungsamt;
  • 077. Arbeitsrechtliche Kommission (ARK).
Sie finden sie in unserer Beständeübersicht.
Die Transformation ins Digitale kommt immer weiter voran: Mittlerweile sind etliche hundert Findmittel von Beständen aller unserer Bestandsgruppen online recherchierbar.
 
 

550 Grafiken und Gemälde recherchierbar

Heinrich Löber schrieb am 20.04.2022
Faisst, Clara Klavier spielend (Lithogr. Carolus Vocke, 1928)
Eine Lithographie des Künstlers Carolus Vocke (1899-1979) aus dem Jahr 1928 mit der Karlsruher Musikerin und Dichterin Clara Faisst (1872-1948), entnommen aus dem Nachlass Lehmann-Faisst (150.041, Nr. 163) [LkA KA, 153., Nr. 107] 
Sammlungsbestände ergänzen die planmäßige und amtlich-verwaltungsinterne Überlieferung. Dies sind in unserem Archiv z. B. Handschriften und Manuskripte (Bestand 151.), Predigten (Bestand 152.), Bilder und Fotos (Bestand 154.), Karten und Pläne (Bestand 156.), Plakate (Bestand 159.) oder Siegel (Bestand (160.) [vgl. Beständeübersicht].
Darunter ist auch der Sammlungsbestand 'Grafiken und Gemälde' (Bestand 153.). Dieser beinhaltet diverse Bildkonvolute unterschiedlichster Provenienz, Formate und Inhalte. Er speist sich größtenteils aus grafischen/gemalten/gestochenen Bildwerken, die aus anderen Beständen des Archivs herausgelöst und diesem Bestand hinzugefügt wurden. Aber auch durch private oder sonstige nichtamtliche Übergaben sind Grafiken und Gemälde in diese Sammlung gelangt. Die Provenienz ist - soweit bekannt - vermerkt.
Dr. Tabea Mußgnug bearbeitete im Herbst 2012 diesen Bestand, der zu diesem Zeitpunkt aus 513 Einheiten bestand; seitdem wurde er nach dem Zuflußprinzip fortwährend ergänzt, so dass alle in unserem Archiv befindlichen Grafiken und Gemälde verzeichnet sind. Mit Stand vom 24.11.2021 handelt es sich um 543 Verzeichnungseinheiten mit einer Gesamtlaufzeit von 1558 bis 2013.
Neun Signaturen sind zudem retrodigitalisiert archiviert (Nrn. 76, 107, 113, 132, 133/1-5, 491/4, 495, 528 und 530).
Die einzelnen Grafiken und Gemälde werden nach Format und weiteren bestandserhalterischen Kriterien gelagert, daher ist eine Standortsignatur angegeben.
Es handelt sich um einen offenen Bestand, denn er erfährt fortwährend Zuwachs. Dennoch ist die Onlineveröffentlichung des 153er-Findmittels nur von Vorteil, um eben diesen Bestand mit seinen hunderten Bildwerken recherchierbar zu machen. Reproduktionswünsche müssen im Einzelfall (Urheber- und Veröffentlichungsgenehmigungsrechte) geprüft werden.
 
 

Weltkirchenkonferenz 1925 in Stockholm. Hunderte weitere Bilderwerke ergänzen die Bildersammlung

Heinrich Löber schrieb am 14.04.2022
Teutoburger Wald Hermannsdenkmal. BK-Reichslager (1933)
Reichslager der Schüler-Bibelkreise Durlach 10, Ettlingen 2 und Pforzheim vor dem Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald (Pfingsten 1933) [LkA KA, 154., Nr. 1461]
Die mehrere tausend Bildwerke umfassende Bilder- und Fotosammlung erfuhr in den letzten beiden Monaten aufgrund von Bestandserschließungen sowie Übergaben eine bemerkenswerte Erweiterung. Etwa 300 Bilder umfasst dieser Zuwachs, der sowohl bestehende Motive ergänzt als auch neue beisteuert. Dabei handelt es sich um alle Facetten bildhafter Darstellungen: Porträts, Gebäudeansichten, Ereignisse und Gruppenaufnahmen, aber auch Alben. Alle diese Bildmotive spiegeln das landeskirchliche Handeln auf eine ganz andere Art und Weise als die klassische Aktenüberlieferung wider.
Hauptsächlich sind es Bildwerke aus folgenden, in den letzten Monaten bearbeiteten oder übernommenen Beständen:
  • 163.11, Badische Bibellandheime e.V.
  • 150.013, Nachlass Maas, Hermann
  • 150.036, Nachlass Goldschmidt, Auguste
  • 150.066, Nachlass Lierse, Gerhard
  • 150.105, Nachlass Heinsius, Maria
  • 150.120, Nachlass Wurth, Klaus.
Kirchenpräsident Wurth im Talar und mit Amtskreuz (li.)  u. a. Teilnehmer*innen der Stockholmer Weltkirchenkonferenz laufen durch ein Spalier zum Gottesdienst (Aug. 1925)
Kirchenpräsident Wurth im Talar und mit Amtskreuz (li.)  u. a. Teilnehmer*innen der Stockholmer Weltkirchenkonferenz laufen durch ein Spalier zum Gottesdienst (Aug. 1925) [LkA KA, Nr. 1513/1]
Eine besondere Entdeckung waren dabei acht Fotos von der Weltkirchenkonferenz für praktisches Christentum in Stockholm (19. bis 30.08.1925), die in dem Ende März 2022 übergebenen Nachlass des badischen Kirchenpräsidenten Klaus Wurth (1861-1948) zu Tage traten. An dieser Konferenz nahm Wurth in seiner Funktion als Kirchenpräsident unserer Landeskirche (1924-1933) teil.
Weltkirchenkonferent am Standort Sigtuna.
Klaus Wurth (6. v. r.) u. a. Konferenzteilnehmer*innen stehend beim Pausengespräch in Sigtuna (24.08.1925) [LkA KA, 154., Nr. 1513/7]
Diese Bewegung für praktisches Christentum (Life and Work) war eine der großen ökumenischen Bünde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die 1937 schließlich das Vorhaben der Gründung eines ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in die Wege leiteten. So gibt es auch eine historische Verbindung zur 11. Vollversammlung des ÖRK, deren Gastgeber vom 31.08. bis 8.09.2022 für 5.000 Gäste aus 350 Mitgliedskirchen ausgerechnet unsere Landeskirche in Karlsruhe ist.
Das Findmittel des nun 4.798 Bildwerke in 1514 Einheiten umfassenden und auch retrodigitalisiert vorliegenden Bestandes (154.) haben wir auf unserer Homepage veröffentlicht. Aufgrund der Komplexität und teilweiser ungeklärter Urheberrechte ist eine Veröffentlichung der Sammlung nicht möglich; konkrete Reproduktions- und Veröffentlichungswünsche müssen im Einzelfall geprüft werden.
 
 

Pforzheimer Genealogen aufgepasst! 120 Jahre Familiengeschichte(n) des evangelischen Pforzheim: 23889 Familieneinträge digital nutzbar

Heinrich Löber schrieb am 8.04.2022
Drei der 22 überformatigen Familienbücher Pforzheim
Drei der 22 überformatigen Familienbücher Pforzheim (Bände VIII bis X)
Ein außerordentlicher familienhistorischer Quellenschatz erreichte im Dezember 2020 unser Archiv: Es handelte sich dabei um 97 Kirchen- und Familienbücher der Stadt Pforzheim (inkl. Brötzingen, Dillstein, Dillweißenstein und Weißenstein) mit einer Gesamtlaufzeit von 1810 bis 1943 und einem Umfang von 5,2 Laufmetern (vgl. Blogbeitrag vom 21.12.2020). Die Familienbücher stellten dabei eine Neuentdeckung dar.
Die Stadt Pforzheim und das Pforzheimer Land sind wie die gesamte Markgrafschaft Baden-Durlach seit der Reformation eine durchweg evangelische Gegend und damit ein bedeutender Bestandteil unserer Landeskirche, was sich in der Überlieferung unseres Archivs widerspiegelt. Dies schlägt sich auch in den Beständen der Kirchen- und Familienbücher nieder, die im Pforzheimer Fall außerordentlich bedeutend ist: Es handelt sich - neben der lückenlosen Überlieferung der Kirchenbücher - bei der Sekundärüberlieferung der Familienbücher um einen außergewöhnlichen Fall: 22 Familienbücher der "Kirchengemeinde Pforzheim", 1880 durch Hauptlehrer Wilhelm Schillinger angelegt, umspannen 118 Jahre Pforzheimer Familiengeschichte (1820-1938) und 23.889 Familien. Zwei Registerbänder erschließen die Familienbücher (bis 1918) und machen sie dadurch nutzbar.
Dass für eine Stadt der Größe Pforzheims (1830: 6.284 Einwohner und 1939: 78.743 Einwohner) Familienbücher geführt wurden, ist absolut außergewöhnlich. Aus diesem Grund stellen sie für familienhistorische Forschungen eine außerordentlich wertvolle Quelle dar!! Das ist vor allem auch deshalb von Belang, da sie den verheerenden Bombenangriff auf die Stadt (23. Febr. 1945) schadlos überstanden haben - ihr Wert ist also nicht hoch genug einzuordnen. Man kann angesichts des Krieges in der Ukraine erahnen, um welchen Glücksumstand es sich hier handelt.
Pforzheimer Genealogen können sich freuen: Diese herausragende Überlieferung ist nicht nur erfasst (s. Findmittel der verfilmten Standesbücher), sondern steht fortan auch verfilmt und digital in unserem Lesesaal zur Verfügung; an das Kirchenbuchportal sind diese Bücher ebenso geliefert, wo sie in absehbarer Zeit online recherchierbar sein werden.
 
 

98 Jahre nach seiner Wahl zum Kirchenpräsidenten gelangten Nachlassunterlagen von Klaus Wurth (1861-1948) ins Archiv

Heinrich Löber schrieb am 31.03.2022
Büste von Kirchenpräsident Wurth
Büste von Klaus Wurth, 1933 von dem Karlsruher Bildhauer und Keramiker Otto Schneider modelliert. Sie wurde mit den Nachlassunterlagen dem Archiv übergeben [LkA KA, 150.120, o. S.]
Der Pfarrer Klaus Wurth, ab 1894 in Liedolsheim und ab 1906 an der Oberen Pfarrei in Bretten im Amt, war Zeit seines Lebens kirchenpolitisch aktiv: 1895 begann er mit seiner Mitarbeit im „Korrespondenzblatt“ der konservativen Evangelischen Konferenz. 1904 wurde Klaus Wurth Schriftleiter dieser Zeitschrift. Ab 1914 war er Mitglied der Generalsynode (ab 1920 Landessynode).
1920 wurde Klaus Wurth Mitglied der Kirchenregierung. Seit 1919 besaß die Landeskirche eine neue Kirchenverfassung, nach der die Kirchenregierung fortan aus dem Kirchenpräsidenten, dem Prälaten und sechs Mitgliedern der Landessynode bestand. Seine Wahl zum Kirchenpräsidenten durch die Landessynode der Evangelischen Landeskirche Badens erfolgte 1924. Mit Klaus Wurth bekleidete das Amt des Kirchenpräsidenten nun kein Jurist, sondern ein Pfarrer.
Amtseinführung Kühlewein
Verabschiedung des Kirchenpräsidenten Klaus Wurth (r.) sowie Amtseinführung des ersten Landesbischofs Julius Kühlewein am 23.07.1933 in Karlsruhe [LkA KA, 154., Nr. 462/2]
 
Die in diesen Tagen von seinen Urenkeln übergeben Unterlagen enthalten eine Büste (Otto Schneider, 1933), Quellen zum Manuskript des Buchs von seinem Enkel Klaus Finck: Klaus Wurth (1861-1948). Ein Leben für die Kirche im Umbruch. Selbstverlag. Norderstedt 2004 (teilw. Kopien), theologische Vorträge (teilw. Kopien), kirchenpolitische Äußerungen, Abschriften aus: Gedanken über Bibelworte, Menschen und Zeitgeschehen von D. Klaus Wurth. 1943-1947, Predigten von Wurth (1891-1948), Unterlagen zu den Landessynodalverhandlungen 1914, 1918/19, Protokollen des EOK sowie der Kirchenregierung 1920-1934, Auszüge aus seiner Personalakte [Kopien], Urkunden, Fotos (diese wurden herausgelöst und dem Bestand 154., Bilder und Fotos, hinzugefügt), Unterlagen zu seinem Tod (Anzeige, Gottesdienst, Anzeigen usf.), rezeptionsgeschichtliche Unterlagen (bis 1962) sowie Aufsätze und Beiträge über Wurth, Zeitungsartikel, Korrespondenzen [u. a. mit Schwiegersohn Albert Finck (1895-1958, Maler, Professor am Staatstechnikum Karlsruhe sowie Kirchenfenstergestalter)], Ausweise und Bankunterlagen. Ingesamt umfassen sie 0,7 laufende Meter und haben eine Laufzeit von 1891 bis 1962.
Fast 90 Jahre nach seinem zwangsweisen Ausscheiden aus dem kirchlichen Dienst ermöglicht diese Übergabe nun eine Neubewertung der Person Wurth, der in bewegter Zeit Teil der Kirchenleitung war. So umstritten Wurth beurteilt wurde, umso interessanter ist eine Neu-Beschäftigung mit seinem Wirken für "seine Kirche": Er, der deutschnationale und antidemokratische Positionen vertrat, sich zugleich für eine Trennung von Kirche und Staat in Form einer Partnerschaft auf Augenhöhe und ohne gegenseitige Bevormundung aussprach, lehnte in der Konsequenz eine Umsetzung des "Führerprinzips" ab und geriet dadurch zunehmend ins Abseits, so dass er zum 1. Juli 1933 seinen Rücktritt erklärte. Gegen Kriegsende kehrte Wurth, nachdem er zweimal ausgebombt wurde, nach Bretten zu seinen Kindern zurück, wo er 1948 starb.
Es ist geplant, diesen Nachlass (Sign.: 150.120) zeitnah zu bearbeiten und damit recherchierbar zu machen. Eine Bestandsbeschreibung ist bereits durch die Zentrale Nachlassdatenbank veröffentlicht.
 
 

Die Folgen von Flucht und Vertreibung. Der Nachlass von Pfarrer Gerhard Lierse als Vorsitzender des Landeskonvents der zerstreuten evang. Ostkirchen

Heinrich Löber schrieb am 28.03.2022
Lierse, Gerhard
Gerhard Lierse als neuer Dekan in Durlach (Sept. 1968) [Stadtarchiv Karlsruhe, Bildarchiv Schlesiger, A 16 72/4/39]
Wieder sind in Europa Millionen Menschen auf der Flucht. Welche Langzeitfolgen und Nachwirkungen eine derartige Katastrophe für die Betroffenen hat kann man der Arbeit von Pfarrer Gerhard Lierse (1916-2006) als Vorsitzenden des Badischen Landeskonvents der zerstreuten evangelischen Ostkirchen herauslesen. Als Sohn des Breslauer Pfarrers Walther Lierse (1873-1957) war Gerhard Lierse selbst Vertriebener und machte sich als solcher diese Tätigkeit zu eigen. Die von Pfarrer Reinhard Buschbeck im Februar 1996 dem Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe übergebenen Unterlagen geben davon ein beredtes Zeugnis. Diese wurden zu einem "Nachlass Gerhard Lierse" formiert, aber es handelt sich dabei v. a. um Handakten, also um genuine Unterlagen aus der Arbeit des Vorsitz, und weniger um Unterlagen aus dem privaten Umfeld des Pfarrers und Durlacher Dekans Gerhard Lierse. Sie korrespondieren mit dem Bestand 112., Landeskonvent Baden des zertreuten evangelischen Ostkirchen, der wiederum 2016 bearbeitet wurde und dessen Findmittel online recherchiert werden kann.
Diese "Nachlassakten" geben als reine Verwaltungsakten aber durchaus Auskunft über die seelsorgerliche Arbeit an den zehntausenden evangelischen Vertriebenen, die in Baden ihre neue Heimat gefunden hatten, und zeigen, wie wichtig der Zusammenhalt nach einem gemeinsam erlittenen Schicksal ist und welche Rolle dabei die Pflege von kirchlichen Traditionen spielt, z. B. das Feiern von Gottesdiensten mit der Liturgie der einstigen Heimatkirche. Diese Arbeit ist auch heute noch - nach fast acht Jahrzehnten (!) - wichtig und spiegelt sich in den tätigen Vereinen, Verbänden und Organisationen wider, z. B. in der 'Gemeinschaft evangelischer Schlesier'. Es bleibt zu hoffen, dass die Ereignisse der Gegenwart keine ähnliche Geschichte aufweisen mögen.
Im Rahmen eines Praktikums wurde der "Nachlass Gerhard Lierse" durch Elisa Zielmann bearbeitet. Er umfasst 15 Akten in 0,15 lfm. und weist eine Laufzeit von (1937) 1955 bis 1989 auf. Das vorfindliche Album Gedächtnisgottesdienst '25 Jahre Heimatvertrieben' in der Lutherkirche Freiburg am 25.01.1970 wurde herausgelöst und dem Bestand 154., Bilder und Fotos, hinzugefügt (Sign.: 154., Nr. 1507). Der Nachlass Gerhard Lierse ist - ebenso wie der Bestand des Landeskonvents - mittels eines Online-Findbuchs recherchierbar sowie in der Nachlassdatenbank des Bundesarchivs nachgewiesen; die Akten selbst sind im Lesesaal unseres Archivs einsehbar.
 
 

Im Dienste der Kirche: Die Diakonisse Auguste Goldschmidt (1887-1978) bekommt einen würdigen Platz gewidmet

Elisa Zielmann schrieb am 24.03.2022
Auguste Goldschmidt vor dem Wandbibelwort (Jes. 52,7) im Eingangsbereich des Schwesternerholungsheims Friedenshöhe in Bad Herrenalb (um 1950) [LkA KA, 154., Nr. 1500]
Zu diesem Nachlass gibt es keine Geschichte zur Übergabe. Der "Nachlass Auguste Goldschmidt" ist einfach vorhanden: Es ist nicht überliefert, wie er hergekommen ist und wie lange er im Landeskirchlichen Archiv liegt. Es wird vermutet, dass die zu diesem Nachlass formierten Unterlagen über das Diakonissenmutterhaus Mannheim zu uns gelangten. Nun wurde der Nachlass aufgearbeitet und darin ließ sich das Leben einer Frau wiederfinden, die ihr Leben der Kirche widmete.
Diakonissen am Fenster der Friedenshöhe
Diakonissen gucken aus dem Erker der I. Etage des Schwesternerholungsheims Friedenshöhe in Bad Herrenalb; Auguste Goldschmidt ist links im Bild (um 1955) [LkA KA, 154., Nr. 1501]
Auguste Goldschmidt wurde am 22.04.1887 in Waldshut geboren. Im Alter von 21 Jahren entschied sie sich, ihr Leben der Diakonie im Diakonissenmutterhaus Mannheim zu widmen. Während der Zeit des I. Weltkriegs wurde sie berufen, sich um Verwundete zu kümmern: von 1914 bis 1916 in Weinheim, dann bis 1918 in Mannheim. Hierfür wurde ihr das Badische Verdienstkreuz für freiwillige Kriegshilfe überreicht. In dieser Zeit schaffte Auguste Goldschmidt es auch - nach neun Jahren geleisteter Arbeit - am 10. Juni 1917 eingesegnet zu werden. 1920 leistete sie dann ihr Krankenpflegeexamen ab; dass sie in dem Bereich fähig war, konnte sie bereits durch die Jahre zuvor unter Beweis stellen.
Neben einigen kurzen Diensten in unterschiedlichen Gemeinden war das Hauptwerk von Auguste Goldschmidt ihr Dienst in der „Friedenshöhe“ im Bad Herrenalb, dem Schwesternerholungsheim des Diakonissenmutterhauses Mannheim. Bis zu ihrem Tod am 31.01.1978 widmete sie sich ihrem Dienst vollständig und wurde von ihren Mitschwestern zutiefst geschätzt.
Nun kann ihr Nachlass im Online-Findmittel des Landeskirchlichen Archivs recherchiert werden und auch im Lesesaal vor Ort eingesehen werden.
 
 

Heinsius Zwei von Zwei bearbeitet

Elisa Zielmann schrieb am 23.03.2022
Vor mittlerweile sechseinhalb Jahren brachte Klaus Heinsius aus Fürstenfeldbruck den Nachlass seiner Tante Maria Heinsius (1893-1979) zu uns in das Landeskirchliche Archiv. Im Nachlass ließen sich allerlei Aufzeichnungen nicht nur von ihr, sondern auch von ihrem Ehemann, dem Pfarrer und Religionslehrer Wilhelm Heinsius (1890-1967) finden, von dem bereits ein zu einem Nachlass formierter Bestand existiert (150.002). Hauptsächlich bestanden die übergebenen Unterlagen aus Schulzeugnissen, Promotionsurkunden, Fotos und Postkarten von Maria, ihren Freunden und Verwandten und Manuskripten zu Veröffentlichungen.
Ehepaar Heinsius (1963)
Ehepaar Wilhelm und Maria Heinsius zu ihrem 70. Geburtstag in ihrer Freiburger Wohnung (30.03.1963) [LkA KA, 154., Nr. 1492/8]
Denn Maria Heinsius war nicht nur eine Pfarrfrau: Die am 30.03.1893 in Regensburg als Pfarrerstochter geborene Agnes Adele Luise Maria Stoeber beschäftigte sich bereits vor dem Studium intensiv mit der evangelischen Theologie. Dass ihr Vater Wilhelm Stoeber (1841-1912) Pfarrer und später Kirchenrat war, begünstigte dieses Interesse nur. An der Ruprecht-Karls-Universität erlangte sie im Juli 1917 als erste Frau die Doktorwürde (damals noch die Lizentiatinwürde). Wenige Monate später heiratete sie Wilhelm Heinsius, den sie zuvor im Studium kennengelernt hatte. Mit ihm zusammen las sie Dialektische Theologie von Karl Barth oder Ernst Troeltsch. Sie lebte mit ihrem Mann zunächst in Strümpfelbrunn bei Mosbach, später in der Melanchthonstadt Bretten, in denen er jeweils seiner Arbeit als Pfarrer und sie ihrer Arbeit in der Gemeinde nachkam. Als ihr Mann 1933 in den Schuldienst wechselte, engagierte sich Maria ebenfalls mehr in anderen Bereichen: Sie trat Frauenorganisationen bei und widmete sich auch mehr dem wissenschaftlichen Schreiben. So veröffentlichte sie bis an ihr Lebensende (1979) zahlreiche Publikationen über und um Frauen in der Kirche - ihr Fokus war dabei die frühe Neuzeit.
Badischer Theologinnenkonvent mit Maria Heinsius (1958)
Maria Heinsius (Mitte) als Teilnehmerin beim Badischen Theologinnenkonvent in Neckargemünd (20.07.1958) [LkA KA, 154., Nr. 1259/1]
1944 entschloss sie sich dazu, das II. Theologische Examen abzulegen, was sie im Alter von 53 Jahren (!) im Jahre 1946 auch mit der Note „gut“ bestand (LkA KA 150.105, Nr. 6/2). Maria Heinsius wurde zu den Pfarrkandidat:innen aufgenommen. Sie wurde zwar nie ordiniert, was sie auch bedauerte, durfte aber in den Pfarreien, die während der NS-Zeit vakant wurden, Predigten und Gottesdienste halten. Diese Praxis wurde in den 1950er Jahren wieder eingestellt und so widmete sie sich ihrem Lehrauftrag an der Evangelisch-sozialen Frauenschule Freiburg und der Arbeit im Verwaltungsrat im Diakonie-Werk. Sie wurde über ihren Tod am 18.01.1979 hinaus für ihre Arbeit und ihre Beiträge zur Frauenarbeit gewürdigt und gefeiert.
Der Nachlass „Maria Heinsius“ kann nun im Findmittel online recherchiert und im Lesesaal eingesehen werden. Allerdings wurden die vorfindlichen Bildwerke in Bestand 154., Fotos und Bilder, aufgenommen und die genuinen Unterlagen, die ihren Mann Wilhelm Heinsius anbetreffen, in dessen Nachlass (Bestand 150.002) aufgenommen, wo sie nachverzeichnet werden.
 
 

Der Kunstmaler und Kirchenkünstler Harry MacLean (1908-1994) wurde ans Tageslicht gebracht

Elisa Zielmann schrieb am 15.03.2022
Selbstporträt MacLean
Selbstporträt von Harry MacLean (um 1975) [LkA KA, 150.094, Nr. 3/1]
Litzelstetten Kirche
Die Fenster mit Glasmosaiken in der Kirche Litzelstetten sind ein Werk von MacLean (1970): Die Emmausjünger; Jesus offenbart sich den elf Jüngern; Der zum Himmel aufgehobene und wiederkommende Herr (Bilder: Mai 1984) [LkA KA, 166., Nr. 2732]
Vor zehn Jahren erreichten das Landeskirchliche Archiv Unterlagen des Kunstmalers und Kirchenkünstlers Harry MacLean, übergeben von seiner Witwe. MacLean war ein bedeutsamer Kirchenkünstler, der seine Fähigkeiten erst nach dem Zweiten Weltkrieg an seinem neuen Lebensort, Heidelberg, präsentieren konnte. Durch Glasmalereien in evangelischen wie katholischen Kirchen genauso wie durch künstlerisches Mosaik an Altarwänden und Verzierungen an Kirchenglocken wurde MacLean zu einem renommierten Künstler im südwestdeutschen Raum.
Hierfür wurde er drei Jahre vor seinem Tod mit dem Willibald-Kramm-Preis ausgezeichnet, mit dem jährlich herausragende Heidelberger Künstler:innen ausgezeichnet werden.
Aufgrund der besonderen Formate seiner Kunstwerke, lassen sich im Nachlass MacLean hauptsächlich Aufnahmen von diesen wiederfinden, so wie zwei Fensterentwürfe für die Peterskirche Heidelberg, die im Jahre 2020 abgegeben wurden, allerdings in die Graphik- und Gemäldesammlung eingeflossen sind (153., Nr. 539/1-2).
Der Nachlass MacLean (Bestand 150.094) lässt sich nun durch das Findbuch online recherchieren und im Lesesaal einsehen, ebenso wie Dias von einzelnen seiner Werke (s. Kirchenfenster der Evang. Kirche in Litzelstetten).
 
 

Erneut ein Maas im Haus: Die Erschließung des abgegebenen persönlichen Nachlasses ist vollendet!

Elisa Zielmann schrieb am 10.03.2022
Reisepass Maas
Reisepass, ausgestellt 1961 [LkA KA, 150.013, Nr. 221/5]
Kurz nach der Aktualisierung des Nachlasses von Hermann Maas (s. Beitrag vom 28.01.2022) stand dessen Enkel (angekündigt) vor unserer Eingangstür mit einem großen Plastikkorb voll mit Dokumenten, Fotos und allmöglichen Besonderheiten wie der hauseigenen Mesusa. Der Inhalt der Kiste offenbarte noch viel mehr: Originale der Briefe von Avital und Schalom Ben-Chorin, von denen im Hause bis jetzt nur Kopien vorhanden waren, handschriftliche Vorbereitungen zu Reden und Predigten und vor allem etwas zuvor Ungesehenes im vorfindlichen "Nachlass Maas": Persönliches. Der Reisepass mit all seinen Visa für Israel, Urkunden zur Diamantenen Hochzeit, Einladungen vom Großherzog zur Frühstückstafel, Briefe von Martin Buber und Albert Schweitzer. All diese Aufbewahrungen zeigen, was Maas und seine Nachkommen für aufbewahrungswürdig hielten, und das, was das Archiv hier für archivwürdig hält. Wie zu erwarten war, befanden sich viele Schriften, Urkunden und Briefe mit einem Bezug zu Israel und/oder dem Judentum in den persönlichen Nachlassunterlagen - jedoch nicht nur.
Baumpflanzzertifikat
Zertifikat des Jüd. Nationalfonds für zwei gepflanzte Bäume von Walter und Gretel Picard zum 80. Geburtstag von Maas (5.08.1957) [LkA KA, 150.013, Nr. 236/2]
Eine ganze Reihe an Predigten, Ansprachen und Gottesdiensten hatte der Enkel für ihn mit aufbewahrt und auch reichlich Korrespondenzen zu seinen Freunden im Ausland, aber auch zuhause in Heidelberg und der Region. Generell lässt sich aus der Erweiterung des Großbestandes „Nachlass Hermann Maas“ erkennen, dass Maas vieles seiner Freunde und Familie aufbewahrte.
85. Geburtstag Maas
Hermann Maas mit seiner Frau Kornelie zu seinem 85. Geburtstag in seinem Heidelberger Arbeitszimmer (1962) [LkA KA, 154., Nr. 594/7]
Und auch wenn es sein Einsatz für die Verbesserung von deutsch-israelischen und christlich-jüdischen Verhältnissen war, für den er bekannt ist, interessiert das Archiv der Landeskirche Baden sich natürlich auch an Maas in seiner Rolle als Prälat. Besonders interessant sollten, zumindest für eine kirchenhistorische Perspektive, auch die Korrespondenzen und Predigten während der NS-Zeit werden; so schrieb Maas einem Freund, dem Hauptlehrer Otto Kratzert aus Weingarten, anlässlich seines Lehrverbots und dessen spätere Migration nach England während der späten 1930er Jahre (Akte Nr. 224).
 
Für das Archiv ist die Erschließung des persönlichen Nachlasses ein voller Erfolg, denn in den vorherigen Teilbeständen ließ sich so gut wie nichts Persönliches von Maas wiederfinden. Die Akten sind nun (erneut) vollständig erschlossen und können durch das Findmittel online recherchiert werden und sind analog im Lesesaal einsehbar.
 
 

Verbreitung von kirchlich-erbaulichem Schrifttum als Aufgabe. 140 Jahre nach seiner Gründung ist die Überlieferung des Evangelischen Schriftenvereins für Baden bearbeitet

Elisa Zielmann schrieb am 2.03.2022
Konfirmationsbescheinigung Leimen (1903)
Konfirmationsbescheinigung von Eva Schober in Leimen. Diese stammt aus dem Verlag des Schriftenvereins und hat die Darstellung von Jesus bei Maria und Martha als Motiv (1903) [LkA KA, 164., Nr. 509]
Hermann Flügel war seit Mai 1895 Geschäftsleiter des Schriftenvereins und Inhaber der Evang. Verlags- und Sortimentsbuchhandlung Flügel & Co. in Karlsruhe
Im April 2021 wurde unser Archiv kontaktiert: Bei einem Nachlassaufkauf wurden auch Unterlagen des Evangelischen Schriftenvereins für Baden erworben und der Käufer war bereit, diese an das Landeskirchliche Archiv abzugeben.
Der Schriftenverein formierte sich 1883 unter Pfarrer Conrad Kayser (1848-1929) und war zu Beginn in der Markgrafenstraße (damalig Spitalstraße) ansässig. Tatsächlich lassen sich in der Überlieferung jedoch hauptsächlich Verträge, Korrespondenzen und diverse finanzielle Anlagen aus der geschäftsführenden Zeit von Sortiments- und Verlagsbuchhändler Hermann Flügel (1866-1944) auffinden. Dieser bezog das Amt bereits im Jahre 1895 und leitete den Schriftenverein nicht nur durch den Ersten Weltkrieg, sondern auch durch die Inflationszeit und den anschließenden (Wieder-)Aufbau des Finanzwesens des Schriftenvereins. Unter dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Pfarrer Johannes Köhnlein (1845-1901; im Amt seit 1897), kam es zu Veränderungen in den Publikationen des Vereins. Denn dieser war nicht nur nachweislich eine Aktiengesellschaft (seit 1889), sondern selbstverständlich auch ein Verlag mit hauseigenen Veröffentlichungen.
Pfarrer Köhnlein bewirkte eine künstlerische Fortentwicklung der Publikationen. Unter ihm wurden die verschönerten Konfirmationsbescheinigungen zum ersten Mal kreiert und veröffentlicht. Und auch als Pfarrer Mühlhäußer 1902 die Nachfolge von Pfarrer Köhnlein antrat, blieben die Konfirmationsdrucke weiterhin beliebt und wurden dementsprechend verbreitet.
Einige der Konfirmationsurkunden befinden sich ebenfalls im Landeskirchlichen Archiv und können im Findbuch (Bestand 164.) recherchiert werden ebenso wie eine weitere Verzeichnungseinheit zum Finanzwesen im Bestand „Evangelisches Sozial- und Presseamt“ (Bestand 070., Nr. 117) zu finden ist, für den aber noch kein Online-Findmittel besteht.
 
 

Briefe des Pfarrers und Religiösen Sozialisten Heinz Kappes (1893-1988) übergeben

Heinrich Löber schrieb am 24.02.2022
Heinz Kappes
Heinrich Martin (Heinz) Kappes im Jahre 1958 [LkA KA, 154., Nr. 449]
Im Januar diesen Jahres erreichten unser Archiv Briefe von Heinrich Martin (Heinz) Kappes, einem bedeutenden Pfarrer unserer Landeskirche, der als Religiöser Sozialist von der badischen Kirchenleitung im August 1933 gegen seinen Willen aus dem Pfarramt Büchenbronn entfernt und in den Ruhestand versetzt wurde.
Bei den übergebenen Briefen handelt es sich um Post von Heinz Kappes an einen seiner Jahrzehnte später wirksamen Nachfolger auf der Pfarrstelle in Büchenbronn, Pfarrer Dr. Friedrich Katz.
Diese Briefe aus den Jahren 1978 bis 1986 ergänzen nun den einstmals als "Sammlung Kappes" gebildeten Bestand, der im Rahmen eines Schülerpraktikums von Daniel Schäfer im Februar 2014 als "Nachlaß Heinz Kappes" bearbeitet wurde. Genau zehn Jahre später erfuhr dieser Nachlass nun eine weitere Bearbeitung, eben in Form einer Nachverzeichnung (Nrn. 44 f.). Neben diesen Briefen wurde ein maschinenschriftlicher und mit einer Widmung versehener Manuskriptauszug von Kappes' Übersetzung von Band II der Biographie des indischen Politikers und Yoga-Philosophen Aurobindo Ghose (1872-1950) (verfasst von K. R. Srinivasa Iyengar) aufgenommen (Nr. 45). Kappes war von Aurobindos Philosophie begeistert, dessen Yoga-Spiritualität er in zahllosen Vorträgen im Land vermittelte.
Das aktualisierte Findbuch ist online recherchierbar und die Akten selbst im Lesesaal unseres Archiv einsehbar.
In diesen Zusammenhang passt, dass das Projekt LERNORT KISLAU Ende letzten Jahres einen Motion-Comic über Heinz Kappes veröffentlicht hat mit dem Titel Mutig, standhaft, glaubensstark. Heinz lässt sich nicht mundtot machen.
 
 

Gerettet!

Vivian Ritter schrieb am 10.02.2022
Bauschlott Pfarrhaus
Hier war das Archiv gelagert. Das Pfarrhaus Bauschlott wurde 1765 erbaut und 1958 renoviert (Jan. 1985) [LkA KA, 166., Nr. 1703]
Das Archiv der evangelischen Kirchengemeinde Bauschlott kam nach einem Hilferuf der Sekretärin im Oktober 2021 nach Karlsruhe, um bearbeitet zu werden. Das Pfarrhaus mit Pfarrbüro soll saniert werden und bei den Räumungsarbeiten fanden sich in einem Schrank unter der Treppe alte Rechnungsbände. Diese waren in keinem guten Zustand. Im Laufe der Zeit hatte sich Schimmel, angezogen durch die Feuchtigkeit, dem engen Raum im Schrank und der Dunkelheit, in den gebundenen Akten eingenistet und ausgebreitet.
Bauschlott Heiligen Lagerbuch_1607
Bauschlath Hailigen Legerbuch. Ernewert Inn Anno Domini 1607 [LkA KA, 044. Bauschlott, Nr. 33]
Nach Sichtung der Lage und Akten beschloss man in Karlsruhe, diese Unterlagen zu retten. Und das war ein Glück. Es zeigte sich, dass die Unterlagen eine fast vollständige und 200jährige Abrechnung des Heiligen Johannesfonds - gebildet, um das Kirchengebäude zu unterhalten - von 1719 bis 1918 aufwiesen. Lediglich die Jahre 1813, 1862 und 1910-1915 sind nicht überliefert. Im Jahr 1746 richtete die Gemeinden den Almosenfonds ein, dessen Rechnungsunterlagen ebenfalls fast vollständig vorhanden sind.
Highlight des Bestands bildet jedoch das 415 Jahre alte Heiligen Lagerbuch, welches auf 1607 datiert ist (Nr. 33).
Bauschlott Bericht Pfarrer Georg Zandt 1709 Einführung der Reformation
Kirchengeschichte des Bauschlotter Pfarrers Zandt (1709) [LkA KA, 044. Bauschlott, Nr. 29]
Bauschlott findet seine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1071 im Kloster Lorsch. Nach vielen Schenkungen, Erbschaften und Verkäufen fand die bis dahin katholisch geprägte Gemeinde ihren Weg in die lutherische Markgrafschaft Baden-Durlach. 1581 kommt der erste evangelische Pfarrer, Daniel Schrötlin (1556-1623), nach Bauschlott. Über seine Einsetzung findet sich ebenfalls ein Bericht im Bestand, welcher 1709 von Pfarrer Johann Georg Zandt (um 1640 - 1714) verfasst wurde (Nr. 29).
Das Archiv der evangelischen Gemeinde Bauschlott gehört mit seiner Vollständigkeit zu den eher seltenen Fällen. In den meisten Gemeinden haben spätestens die Ereignisse aus den beiden Weltkriegen die historischen Unterlagen zerstört, sofern die Gemeinden überhaupt auf eine derart lange Historie zurückblicken können.
Das Pfarrarchiv ist bearbeitet und kann anhand eines Findbuchs online recherchiert werden.
 
 

Ende einer großen Arbeit - 4507 Bildwerke, 1459 Motive, 2 Formate und 4 Monate ...

Robert Schiller schrieb am 7.02.2022
Emmauskirche Mannheim-Schönau
Glasfenster der Emmauskirche Mannheim-Schönau mit Darstellung des Abendmahls (ca. 1980) [LkA KA, Nr. 553]
Von Mai bis Anfang September 2021 wurde im Rahmen einer Projektarbeit die historische Bilder- und Fotosammlung (Bestand 154.) unseres Archivs durch Robert Schiller retrodigitalisiert, in der Software als JPG-Arbeitsderivat verknüpft sowie als TIFF-Masterkopie abgelegt. Die Sammlung umfasst im Wesentlichen klassische Motive (Einzelpersonen/Porträts, Gebäude und Sachen), aber auch Gruppen- und Ereignisaufnahmen, Ortsansichten und andere Gattungen fotografischer Motive, die sowohl schwarz/weiß als auch farbig überliefert sind (vgl. Blogeintrag vom 18.05.2021).
Es handelt sich um einen offenen Bestand, weil er durch Übernahmen oder Herauslösung von Bildwerken aus anderen Beständen ständig Zuwachs erfährt. Mit Stand von Heute besteht diese Sammlung aus 4.507 Bildwerken in 1.459 Motiven.
Hugsweier Jugend- und Gemeindehaus
"Fürs Hugsweierer Gemeindehaus / Rücke flugs 10 Pfennig raus!" Auch eine derartige Bausteinkarte mit einer Zeichnung von N.N. Schulbruck befindet sich in der Sammlung (um 1920) [LkA KA 154., Nr. 857]
Während der Retrodigitalisierungsmaßnahme waren ausgewählte Objekte dieses Bestandes für die Ausstellung zum 200jährigen Jubiläum der Evangelischen Landeskirche Baden im Generallandesarchiv in Karlsruhe ausgeliehen. Diese fehlenden Bilder bzw. Motive wurden nach Beendigung der Ausstellung nachträglich retrodigitalisiert und mit den entsprechenden Datensätzen verknüpft. Einige wenige Objekte erforderten spezielle Einstellungen am Archivscanner, bevor diese gescannt werden konnten.
 
Landesposaunentag Karlsruhe (1954)
6. Landesposaunentag in Karlsruhe, Blasen am Prinz-Wilhelm-Denkmal (1954) [LkA KA., Nr. 818/8]
Die nun vorliegende Historische Bilder- und Fotosammlung ermöglicht einen beeindruckenden Rückblick auf das Leben und Wirken unserer Badischen Landeskirche quer durch die letzten 180 Jahre. Jedes Bild bzw. Motiv erzählt seine eigene Geschichte und führt zu interessanten Rückschlüssen.
In unserem neuen und digitalen Lesesaal ist es nunmehr zielgerichtet möglich, diese Sammlung in digitaler Form zu recherchieren und zu nutzen. Das Findmittel haben wir auf unserer Homepage veröffentlicht. Aufgrund der Komplexität und teilweiser ungeklärter Urheberrechte ist eine Veröffentlichung der Sammlung nicht möglich; konkrete Reproduktions- und Veröffentlichungswünsche müssen im Einzelfall geprüft werden.


 

Der zum "Nachlaß Hermann Maas" formierte Bestand wurde neu bearbeitet

Heinrich Löber schrieb am 28.01.2022
Heidelberg Konfirmation mit Pfarrer Hermann Maas
Pfarrer Maas mit einem Konfirmandenjahrgang in Heidelberg mit der Peterskirche im Hintergrund (1936) [LkA KA, 154., Nr. 1075/1]
In mehrfacher Hinsicht ist der zu einem "Nachlaß Hermann Maas" (150.013) formierte Bestand eine Besonderheit: Zum einen setzt er sich in nur geringem Teil aus persönlichen Unterlagen zusammen wie es bei Nachlässen eigentlich der Fall ist. Zum anderen ist er einzelblattverzeichnet, also schriftstückgenau recherchierbar. Des Weiteren dokumentiert dieser Bestand Maas' Wirkungsgeschichte bis in die jüngste Gegenwart hinein.
Dieser "Nachlaß" besteht aus fünf Teilbeständen:
  • Handakten aus dem eigentlichen Nachlaß Hermann Maas;
  • Das Archiv der Hermann-Maas-Stiftung;
  • Die 'Sammlung Albrecht Lohrbächer';
  • Die Verwaltungsunterlagen der Hermann-Maas-Stitung;
  • Unterlagen von Avital und Schalom Ben-Chorin.
Hermann Ludwig Maas (1877-1970) war Pfarrer unserer Landeskirche und Pionier des jüdisch-christlichen Dialogs. Als Zionist war er lebenslang ein Freund Martin Bubers. Seit 1915 hatte er die Pfarrstelle an der evangelischen Hauptkirche in Heidelberg, der Heiliggeistkirche, inne und war seit 1933 Mitglied im Pfarrernotbund. 1952 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Heidelberg gewählt.
Jerusalem Yad Vashem, Gedenkstein für Hermann Maas
Jerusalem Yad Vashem, Gedenkstein für Hermann Maas in der "Allee der Gerechten" zu seinem 100. Geburtstag mit Blumen geschmückt (5.08.1977) [LkA KA, 154., Nr. 612]
Maas engagierte sich auch in der politischen Arbeit. Sein lebenslanges Interesse galt der friedlichen Verständigung der Völker und Religionen. Hermann Maas knüpfte hierbei umfangreiche internationale Kontakte, die ihm bei seiner Hilfstätigkeit zugunsten verfolgter Juden in der Zeit des Nationalsozialismus zugute kamen. Dies hatte zur Folge, dass er 1943 auf Druck des Regimes durch den Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe in den Ruhestand versetzt und schließlich zur Zwangsarbeit nach Frankreich verschleppt wurde. Nach 1945 nahm Maas seine Tätigkeit als Pfarrer wieder auf, ein Jahr später zugleich als Kreisdekan des Kirchenkreises Nordbaden (ab 1956 mit dem Titel Prälat). Auch seine internationale Arbeit setzte er nach Kriegsende fort. Er war der erste christliche Deutsche, der offiziell vom Staat Israel zu einem Besuch im Land eingeladen und empfangen wurde. Im März und April 1950 hielt er sich in Israel auf. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrte Maas mit einer der höchsten Auszeichnungen des Staates Israel als Gerechter unter den Völkern.
Schalom Ben-Chorin (1975)
Der deutsch-israelische Journalist und Religionswissenschaftler Schalom Ben-Chorin (1913-1999) (1975)
Die Unterlagen zu dieser derart bedeutenden Persönlichkeit unserer Landeskirche erfreuen sich einer starken Benutzung und dies war der Anlass, die 2,9 Laufmeter dieses Bestandes gemäß den neuesten Erkenntnissen der Bestanderhaltung technisch neu zu bearbeiten und das Findmittel einer Neubearbeitung zu unterziehen. Nach der Erschließung durch Walter Schnaiter im Jahre 2015 und einer Nachverzeichnung durch Johannes Kabbe 2019 erfuhr dieser Bestand nun seine (vorerst) Letztgestalt. Die Akten des Bestandes sind durch das Findmittel online recherchierbar und im Lesesaal einsehbar.
Übrigens handelt es sich bei den nachverzeichneten Unterlagen um Briefe von Hermann Maas an Schalom Ben-Chorin und seine Frau Avital (1950-1968), die dem Archiv von OKR Wolfgang Schmidt, zuvor Propst in Jerusalem, im September 2019 übergeben wurden und in hebräischer Sprache verfasst sind. Die Briefe an Avital Ben Chorin sind sehr persönlich und in einer tiefen Verehrung verfasst. So schreibt Maas beispielsweise am 20.07.1958 an Avital: "Ich fühle mich selbst als Jude, bei Tag und bei Nacht". Die Briefe haben die Signaturen 211-216 und 219 und harren noch einer Auswertung.
 
 

Das neue Jahr fängt mit Neuem an: Digitaler Lesesaal ist gestartet

Heinrich Löber schrieb am 11.01.2022
Digitaler Lesesaal - Kirchen- und Familienbücher werden nur noch digital vorgelegt
Digitaler Lesesaal - Kirchen- und Familienbücher werden seit Anfang 2022 nur noch digital vorgelegt
Digitalisiert wurden die Kirchen- und Familienbücher unserer Landeskirche schon vor etlichen Jahren. Auslöser war das Kirchenbuchportal, wo der Gesamtbestand seit 2015 veröffentlicht und gegen Gebühr virtuell recherchierbar ist, wenngleich deszendierend planmäßig "nur" bis 1876.
Schon lange bestand der Wunsch, die über 7.500 reprodigitalisierten Kirchen- und Familienbücher auch im Lesesaal für eine Einsicht bereitzustellen, jenseits der magischen Grenze des 1. Februar 1876 (Einführung der Personenstandsgesetzgebung unter Reichskanzler Bismarck) bis in die 1960er Jahre hinein. Die Inbetriebnahme des neuen und mit der Landeskirchlichen Bibliothek gemeinsamen Lesesaals im vergangenen Jahr war der Anlass, auch dieses Vorhaben umzusetzen. Dies ist nun geglückt.
Was heisst das für die Nutzenden? Alles ist wie immer, nur dass die Bücher, deren Laufzeit nach 1876 beginnt, nicht mehr als Verfilmung vorgelegt werden, sondern diese zusammen mit den älteren Büchern in einem separaten Laufwerk vereint an drei PC-Arbeitsplätzen komfortabel einsehbar sind. Durch die IT wurde ein Schreib-, Lösch- und Kopierschutz eingerichtet. Auch ist das Erstellen von Reproduktionen unkompliziert möglich. Seit heute läuft der Probebetrieb - wir hoffen, dauerhaft und mit Erfolg.
Natürlich steht das Mikrofilmlesegerät weiterhin zur Verfügung, denn die Verfilmungen weisen - entgegen den digitalen Dateien - kein Wasserzeichen auf.