Blog-Archiv 2020

 

WEIHNACHTEN UND NEUJAHR

Heinrich Löber schrieb am 21.12.2020
Wartburghospiz Mannheim Weihnachtskarte (1935)
Weihnachts- und Neujahrskarte des Wartburg-Hospizes Mannheim (1935) [LkA KA, 154., Nr. 961/10]
Allen unseren Benutzerinnen und Benutzern wünschen wir gesegnete Weihnachtstage sowie ein gesundes, krisenfestes und behütetes neues Jahr.
Mögen wir im Jahre 2021 eine Rückkehr in die Normalität erleben, den Umzug des Lesesaals (s. Beitrag vom 20.11.2020) planmäßig vollziehen und diesen vor allem mit Ihnen wie erhofft nutzen können.
Behalten Sie Ihren Forscherdrang und mögen die Recherchethemen nicht ausgehen! So freuen wir uns auch künftig, wenn Sie sich mit Ihren Anliegen an uns wenden.
 
In der Hoffnung besserer Zeiten grüßen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe
 

Der Wein ist schon da! Der Nachlass von Kurseelsorger Richard Elser recherchier- und nutzbar

Robert Schiller schrieb am 22.12.2020
BriefIngeborgBecker (3.09.1982) [150.116, Nr. 18]
"Der Wein ist schon da!" (3.09.1982). Mit der bekannten und hochgeschätzten Berliner Theologin D. Ingeborg Becker standen Elsers in regem Kontakt, indem sie ihr nicht selten Wein über die Grenze schickten [LkA KA, Nr. 150.116, Nr. 18].
Die beliebte und hochgeschätzte Berliner Theologin Dr. h.c. Ingeborg Becker (1910-1983) erhielt offenbar regelmäßig Weinpakete von Elsers aus Bad Krozingen. In den überlieferten Briefen von ihr an das Ehepaar Elser aus ihren letzten beiden Lebensjahren bedankt sie sich stets für den Wein aus dem Markgräfler Land, der den weiten Weg zu ihr nach Ost-Berlin gefunden hat: „... und als ich auf der Straße war, rief die nette Postfrau durchs Fenster mir nach: „Fr. B., da ist noch ein Paket!“ Und ich zog mit 5 Flaschen unter dem Arm fröhlich wieder heim.“.
Doch nicht nur von dieser freundschaftlichen Verbindung nach Berlin zeugen die als Nachlass Richard Elser (1911-2006) formierten Unterlagen. Sie geben vor allem Auskunft über seine bemerkenswerte Arbeit als Kurseelsorger in Bad Krozingen. Elser war der erste, der die 1974 errichtete „II. Pfarrstelle Krozingen“ bekleidete und bis zu seinem Ruhestand innehatte.
So sah das Haus der Kurseelsorge in Bad Krozingen 1995 aus. Hier wirkte 1974 bis 1978 Pfarrer Richard Elser als erster Krozinger Kurseelsorger [LkA KA, 166., Nr. 3844]
Richard Elser war mit Leib und Seele Pfarrer und hat diese Arbeit aus einer großen Glaubensüberzeugung und Frömmigkeit heraus wahrgenommen. Davon zeugen beispielsweise die gewissenhaften, maschinenschriftlichen Aufzeichnungen über die Predigtnachgespräche mit der ihm anvertrauten Lehrvikarin. Aus ihnen geht auch hervor, dass er ein sehr korrekter, aber auch gewitzter Pfarrer gewesen sein muss, wie ein Auszug aus einem Nachgespräch zeigt: „Fünfter Pluspunkt: Die richtige Länge. Ich kam auf etwa 17 Minuten. In Wirklichkeit wars mehr, denn die Einleitung zur Lesung, die Lesung selbst, das gehörte eigentlich dazu. Zwanzig Minuten in zwei Teilen. Das ist schon fast raffiniert.“ (18.01.1980).
Den Schwerpunkt des Nachlasses bilden Gottesdienstabläufe mit Predigten sowie Kasualgottesdienste. Nun ist dieser Nachlass bearbeitet, das Findbuch online recherchierbar und in unserem Lesesaal einsehbar.
 
 

130 Jahre in 18 Umzugskartons mit 97 Kirchen- und Familienbüchern Pforzheim übergeben

Heinrich Löber schrieb am 21.12.2020
Pforzheimer Familienbücher
Inhalt eines von 18 Umzugskartons mit 97 Pforzheimer Kirchen- und Familienbüchern
Zum Jahresende wurde dem Landeskirchlichen Archiv durch die Evangelische Kirchenverwaltung Pforzheim ein außerordentlicher Bestand als Depositum übergeben: 97 Kirchen- und Familienbücher der Stadt Pforzheim (inkl. Brötzingen, Dillstein, Dillweißenstein und Weißenstein) mit einer Gesamtlaufzeit von 1810 bis 1943 und einem Umfang von 5,2 Laufmetern.
Außerordentlich deshalb, weil sich darunter 22 Pforzheimer Familienbücher befinden, die 1880 durch Hauptlehrer Wilhelm Schillinger angelegt, bis zum Jahre 1820 zurückreichen und lückenlos bis 1938 geführt wurden und 23.889 Familien umfassen. Zwei Registerbänder erschließen die Familienbücher (bis 1918) und machen sie dadurch nutzbar.
Drei der 22 überformatigen Familienbücher Pforzheim
Drei der 22 überformatigen Familienbücher Pforzheim (Bände VIII bis X)
Mit diesen Familienbüchern liegt für Pforzheim als größere Stadt eine außerordentliche familienhistorische Quelle vor, die für Städte sonst nicht überliefert ist. Den verheerenden Bombenangriff auf die Stadt (23. Febr. 1945) haben sie im Vergleich zu zahllosen anderen Überlieferungen schadlos überstanden - ihr Wert ist also nicht hoch genug einzuordnen.
Während ein Hauptteil der Kirchenbücher verfilmt und digitalisiert sind, gilt das nicht für die Familien- und einige Kirchenbücher (vgl. auch das aktualisierte Findmittel):
  • Pforzheim Altstadtpfarrei Mischbuch 1892 – 1903 mit Register
  • Pforzheim Kirchengemeinde Taufen unehelicher Kinder 1901 - 1967
  • Pforzheim Nordstadtpfarrei Taufen Juli 1907 – Mai 1938 mit Register
  • Pforzheim Nordstadtpfarrei Trauungen Juli 1907 – 1938 mit Register
  • Pforzheim Nordstadtpfarrei Beerdigungenen Juli 1907 – Juli 1940 mit Register
  • Pforzheim Sedan- und Westpfarrei Beerdigungen 1895 – 1919 mit Gefallenen I. Weltkrieg, Register
  • Pforzheim Familienbuch (angelegt 1880 von Hauptlehrer Wilhelm Schillinger) [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch (angelegt 1880 von Hauptlehrer Wilhelm Schillinger) Apr. 1868 – Mai 1873 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch Mai 1873 – Juli 1879 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch (angelegt 1880 von Hauptlehrer Wilhelm Schillinger) Juni 1879 – Dez. 1883 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch Dez. 1883 – Juli 1885 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch (angelegt 1885 von Hauptlehrer Wilhelm Schillinger) Juli 1885 – Juli 1888 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch Juli 1888 – Juni 1891 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch (angelegt 1891 von Hauptlehrer Wilhelm Schillinger) Juli 1891 – Jan. 1894 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch Jan. 1894 – Mai 1896 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch (angelegt 1895 von Hauptlehrer Wilhelm Schillinger) Mai 1896 – Apr. 1899 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch (angelegt von Hauptlehrer Wilhelm Schillinger) Apr. 1899 – Aug. 1901 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch (angelegt von Hauptlehrer Wilhelm Schillinger) Aug. 1901 – Apr. 1904 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch (angelegt von Hauptlehrer Wilhelm Schillinger) Apr. 1904 – Aug. 1906 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch (angelegt von Hauptlehrer Wilhelm Schillinger) Aug. 1906 – 1908 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch (angelegt von Hauptlehrer Wilhelm Schillinger) 1909 – Mai 1911 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch (angelegt von Hauptlehrer Wilhelm Schillinger) Juni 1911 – Sept. 1913 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch Okt. 1913 – März 1918 [Register in eigenem Band]
  • Pforzheim Familienbuch März 1918 – 1922
  • Pforzheim Familienbuch 1922 – Febr. 1927
  • Pforzheim Familienbuch März 1927 – Juni 1930
  • Pforzheim Familienbuch Juli 1930 – Dez. 1934
  • Pforzheim Familienbuch Dez. 1934 – Febr. 1938
  • Pforzheim Register Familienbücher 1820 – 1913
  • Pforzheim Register Familienbücher 1913 – März 1918
  • Brötzingen Familienbuch 1827 – 1874 mit Register
  • Brötzingen Familienbuch 1875 – Nov. 1901 mit Register
  • Brötzingen Familienbuch Nov. 1901 – Aug. 1919 mit Register
  • (Dill)Weißenstein Familienbuch 1819 – 1885 mit Register
Diese sollen im I. Quartal 2021 für eine Verfilmung und Digitalisierung abgegeben und im Anschluß im Kirchenbuchportal (unter Berücksichtigung der Schutzfristen) veröffentlicht werden und natürlich im Lesesaal unseres Archiv einsehbar sein. Wir werden Sie an dieser Stelle darüber informieren.
 
 

Ein Puzzleteil mehr ... Übergabe des druckfrischen OFB Hohenwettersbach

Heinrich Löber schrieb am 17.12.2020
Übergabe OFB Hohenwettersbach A. Meyer
Der Verfasser übergibt Heinrich Löber vom Landeskirchlichen Archiv sein neuestes Werk
Armin G. Meyer ist kein Unbekannter. Der Verfasser der Ortsfamilienbücher (OFB) Hof und Hofdienerschaft Durlach / Karlsruhe 1688-1761 und Karlsruhe. Reformiert 1722-1821 (beide 2014) legt nun ein weiteres wichtiges Werk baden-durlachischer Familiengeschichte vor: Ortsfamilienbuch Hohenwettersbach 1714-1815 mit den katholischen und reformierten Einwohnern, den Wiedertäufern sowie den Bewohnern des Batzenhofes und des Thomashofs.  Koblenz: Cardamina Verlag, 2020.
Eine bemerkenswerte Geschichte ist, dass die ältesten Hohenwettersbacher Kirchenbücher (1714 ff.) erst vor etwa zehn Jahren im Depositalbestand unseres Archivs aus der Versenkung und damit in das Bewusstsein geholt wurden, waren sie doch in der Literatur bislang nicht nachgewiesen (z. B. in dem Standardwerk Hermann Franz, Kirchenbücher in Baden, Karlsruhe 31957, S. 135).
Mit diesem Buch wird der Bestand badischer evangelischer Ortsfamilienbücher um ein bedeutendes Puzzlestück erweitert. Und wir freuen uns, dass dieses Werk unsere über 350 Titel umfassende OFB-Präsenzbibliothek wieder um ein wertvolles Stück attraktiver macht.
Der Titel wird in den digitalen Landeskirchlichen Zentralkatalog der Landeskirchlichen Bibliothek aufgenommen, der dem K10plus (GBV und SWB) angeschlossen ist, und damit recherchierbar sowie der interessierten Leserschaft zugänglich sein. Außerdem haben wir den Bestand der Ortsfamilienbücher unserer Bibliothek in einer einfachen, jenseits bibliographischer Titelangaben verfassten Übersicht veröffentlicht.
 
 

Es geht los! Startschuss für den neuen Lesesaal

Heinrich Löber schrieb am 11.12.2020
Leerer Lesesaal nach Südost (10.12.2020)
Blick nach Südost. Dort werden als "Theke II" Auslagen ihren Platz finden.
Leerer Lesesaal nach Nordost (10.12.2020)
Blick nach Nordost. Dort werden die Leseplätze eingerichtet.
Seit dieser Woche ist der Lesesaal der Landeskirchlichen Bibliothek im Evangelischen Oberkirchenrat eine Baustelle. Er wird zu einem gemeinsamen Lesesaal für das Archiv und die Bibliothek der Badischen Landeskirche umgestaltet (s. Beitrag vom 20.11.2020). Planmäßig werden ab Februar 2021 also die Archiv- und Bibliotheksnutzenden in einem Raum vereint, so wie das in der Württembergischen Landeskirche seit vielen Jahren der Fall ist, wo sich das Landeskirchliche Archiv und die Landeskirchliche Zentralbibliothek in Stuttgart einen Lesesaal teilen.
 
Jetzt ist der Raum leer geräumt und bildet einen seltenen Einblick. Die Präsenzbibliothek des (alten) Archivlesesaals wird in den Regalen nach Osten ihren Platz finden, dort, wo auch die Leseplätze eingerichtet werden.
 
 

Die Tage des Archiv-Lesesaals sind gezählt

Heinrich Löber schrieb am 20.11.2020
Karlsruhe EOK Lesesaal Dienstbibliothek (1908)
Die historische Dienstbibliothek des EOK im Jahre ihrer Erbauung (1908) (in: Moderne Bauformen. Monatshefte für Architektur 7 (1908), S. 149) [LkA KA, 154., Nr. 1087]
Etwa ein Vierteljahr noch wird der jetzige Lesesaal des Archivs für die Archivbesucher*innen zur Verfügung stehen. Dabei war die Bezeichnung 'Lesesaal' vielversprechender als sich dieser Raum wirklich präsentierte. Diese Lösung war über zwei Jahrzehnte lang ein Kompromiß und findet nun ein Ende.
Lesesaal der Landeskirchlichen Bibliothek in den 1980er Jahren
So war der Lesesaal der Landeskirchlichen Bibliothek über 30 Jahre eingerichtet. Er wurde 2020/21 zu einem gemeinsamen Lesesaal mit dem Archiv umgestaltet (Foto: nach 1984)
Die Planungen für eine Zusammenlegung des Archivlesesaals mit dem Lesesaal der Landeskirchlichen Bibliothek bestanden seit einigen Jahren. Nun sind sie konkret geworden und werden in den nächsten Monaten umgesetzt. Damit wird der über 20 Jahre als Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs dienende Raum im Erdgeschoss des Evangelischen Oberkirchenrats mit Blick gen Osten und hin zum Nymphengarten diese Verwendung verlieren und zu einem Dienstzimmer umfunktioniert.
Die Archivnutzenden werden ab Februar nächsten Jahres in dem wesentlich repräsentativeren und großzügigeren Raum der historischen Dienstbibliothek des Evangelischen Oberkirchenrates ihre Recherchen durchführen können. Die positiven Auswirkungen dieses Umzugs lassen sich jetzt schon erahnen:
Arbeiten in einem historischen, hellen, hohen Raum, umgeben von Büchern und ohne Umwege zu erreichen durch das Haupttreppenhaus. Eine Ankündigung und einen Vorgeschmack auf diese neue Arbeitsumgebung sollen Sie hiermit jetzt schon erhalten. Freuen wir uns auf diese aussichtsreichen Veränderungen.
Umzugsbedingte Schließzeiten erfahren Sie an dieser Stelle. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
 
 

(Vorläufiges) Findbuch der landeskirchlichen Bilder- und Fotosammlung recherchierbar

Heinrich Löber schrieb am 12.11.2020
Box Bestand 154
Eine Box, in der die Bilder und Fotos aufbewahrt werden. Hier sind vier von acht überlieferten Innenansichten der Hafenkirche Mannheim-Jungbusch zu sehen (1964-2000) [LkA KA, 154., Nr. 600/1,3,5,7].
Dieser wichtige Sammlungsbestand beinhaltet diverse Bildkonvolute unterschiedlichster Provenienz, Formate und Inhalte. Er speist sich zumeist aus Fotografien oder fotografischen Reproduktionen, die aus anderen Beständen des Archivs herausgelöst und diesem Bestand hinzugefügt wurden. Aber auch durch private oder sonstige nichtamtliche Übergaben sind Bilder und Fotos in diese Sammlung gelangt. Die Provenienz ist - soweit bekannt - aufgeführt. Es handelt sich um einen offenen Bestand, denn er erfährt fortwährend Zuwachs.
So stellt dieses Findbuch ein vorläufiges Findmittel, eine Momentaufnahme dar, auch weil noch zahllose Bilder und Fotos unerschlossen sind. Diese werden sukzessive verzeichnet. Zu gegebener Zeit wird ein neues Findmittel erstellt und veröffentlicht werden.
Anhand der Gliederung erschließt sich die Heterogenität der Objekte. Neben klassischen Motiven (Einzelpersonen/Porträts, Gebäude und Sachen) finden sich Gruppen- und Ereignisaufnahmen, Ortsansichten und andere Gattungen fotografischer Motive. Aber auch Alben mit unterschiedlichsten Motiven sind überliefert; diese sind gesondert klassifiziert.
Mit Stand von November 2020 handelt es sich um reichlich 1300 Motive, aber faktisch um weit mehr Bilder und Fotos, weil es sich bei einem Motiv durchaus um mehrere Aufnahmen handeln kann. Sie weisen eine Laufzeit vom Beginn der Fotografie in der Mitte des 19. Jahrhunderts (Atelierfotografie) bis in die Gegenwart auf. Alle Facetten ikonografischer Darstellungen, von der Amateurfotografie bis hin zu Atelierfotografie, sind enthalten.
Bezüglich kirchlicher Gebäude korrespondiert und ergänzt die Diasammlung (Bestand 166.; vgl. Findmittel) diese Sammlung auf hervorragende Weise.
Etwa 150 Bilder und Fotos sind digitalisiert und in der Software mit den Datensätzen verknüpft. Eine Veröffentlichung ist aber aus Fragen der Schutzfristen und des Urheberrecht hier nicht möglich. Für Reproduktions- und Veröffentlichungswünsche muss im Einzelfall eine entsprechende Prüfung stattfinden.
Die interessierte Öffentlichkeit erhält nun durch dieses Findmittel einen Überblick über die (erschlossene) Überlieferung und eine Anfrage nach Einsicht ist nunmehr zielgerichtet möglich.
 
 

Wer kann helfen?

Heinrich Löber schrieb am 22.09.2020
Crowdsourcing I Architekt F. Eberhard (Saal)
Großer Saal des Gebäudes von Arch. F. Eberhard [LkA KA, 154., o. S.]
Unser Hilferuf von Anfang 2019 brachte bislang keinen Erfolg. Wir wagen nun einen neuen Anlauf...
Archivarinnen und Archivare wissen viel oder sind im Stande, sich die nötigen Informationen zu besorgen - sei es aus den Akten, aus Büchern oder Nachschlagewerken. Dennoch tritt immer mal wieder der Fall ein, dass auch ihnen Grenzen in der Wissensbeschaffung gesetzt sind. Wie in diesem Fall:
Crowdsourcing I Architekt F. Eberhard (Speisesaal)
Speisesaal des Gebäudes von Arch. F. Eberhardt [LkA KA, 154., o. S.]
Es handelt sich hierbei um archivierungswürdige Fotos aus einer Mappe von dem freien Architekten Friedrich Eberhard aus Freiburg, die das Kirchenbauamt vor etlichen Jahren dem Archiv übergeben hat. Alle darin enthaltenen Bilder
Crowdsourcing I Architekt F. Eberhard (Außenansicht)
Außenansicht des Gebäudes von Arch. F. Eberhard [LkA KA, 154., o. S.]
konnten zugeordnet werden - nur bei diesen drei Aufnahmen ist keine Zuordnung möglich. Geschossen wurden diese Bilder übrigens von dem Fotografen Bruno Krupp, ebenfalls aus Freiburg. Es handelt sich bei dieser Mappe durchweg um kirchliche Gebäude im Großraum Freiburg, die in den Jahren von ca. 1975 bis 1990 geplant und erbaut wurden, so dass auch in diesem Fall von einem Gebäude / von Gebäuden aus dieser Region auszugehen ist.
Nun versuchen wir, über Ihre Mithilfe an die nötigen Informationen zu kommen. Wer kann helfen: Um welche(s) Gebäude handelt es sich
Wir freuen uns über eine Kontaktaufnahme (T.: 0721/9175-795; Email: archiv@ekiba.de)
 
 

„In diesem Haus bewahrheitet sich das Sprichwort ‚Not lernt beten‘.“ – Gefangenenseelsorge im Dekanat Mannheim nach 1945

Dr. Michael Hallerberg schrieb am 19.08.2020
Gefangenenseelsorge ist eines von vielen Arbeitsfeldern, dem die Pfarrer*innen nachgehen. Das obige Zitat stammt aus dem Archiv des Dekanats Mannheim, das unlängst erschlossen worden ist. Genauer gesagt hat ein Gefangener diesen Satz in einem Brief an seine Angehörigen im Frühjahr 1946 geschrieben. Anlass war ein Besuch des neu ernannten Bischofs Julius Bender (1893-1966) im Strafgefängnis Mannheim. Während der Veranstaltungsreihe „Geistliche Woche“ in Mannheim, die in jenem Jahr erstmals abgehalten wurde, weilte der Landesbischof in der Quadratestadt und suchte auch diese Anstalt auf, um eine Predigt über Lk. 15,11-32, das Gleichnis vom verlorenen Sohn, zu halten. In diesem zitierten Brief sowie in weiteren Schreiben, die auszugsweise an den Landesbischof weitergeleitet wurden, wurde gerade dieses Gleichnis durchaus positiv aufgenommen. So schrieb ein anderer Gefangener an seine Mutter vom „Besuch des Herrn Landesbischofs, welcher eine zum Herzen gehende wundervolle Predigt hielt.“ Aus dem Brief eines dritten Gefangenen heißt es: „Es war wirklich eine Feuerstunde [sic!] für uns Alle und ein Erlebnis und zeigte uns, daß unsere Kirche ihre Schäflein auch hier nicht vergessen hat.“
Gefangener R. Gießler an die Ev. Gemeinde Mannheim, 1951
Erste Seite des Briefes von Robert Gießler an die Evang. Gemeinde Mannheim (20.01.1951) [LkA KA, 043. Mannheim, Nr. 290]
Das Schreiben des Anstaltsleiters an den Landesbischof, in dem diese Zitatauszüge enthalten sind, ging in einer Abschrift auch dem Dekanat Mannheim zu und landete dadurch in der Akte zur Gefangenenseelsorge (Nr. 290). Neben diesem Brief enthält die Akte u.a. auch Schriftwechsel zu einem Gnadengesuch für eine Inhaftierte, zur Betreuung von entlassenen jugendlichen Mannheimern oder einen Brief eines Strafgefangenen, den er gerne über das Gemeindeblatt öffentlich bekannt geben wollte (Abb.).
Der Bestand liefert einen Überblick über die Geschichte des Dekanats Mannheim im 19. und 20. Jahrhundert. Inhaltliche Schwerpunkte sind u. a. Unterlagen zu den Bezirkssynoden und dem -kirchenrat, zur Ökumene, zu Pfarrkonventen und -konferenzen, zur Führung des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums in Neckarau, zur Schiffermission oder zu den Krankenhauspfarrämtern. Insgesamt hat der Bestand einen Umfang von 427 Verzeichnungseinheiten bzw. 5,7 lfd. Meter bei einer Laufzeit von 1811 bis 2018. Er lagert im Landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe und das Findbuch des Bestands ist auf der Homepage veröffentlicht.
 
 

Befehlbuch Eisingen 1751 bis 1777 ist zurück

Heinrich Löber schrieb am 11.08.2020
Befehlbuch Eisingen 1751-1777 Einband
Das 250 Jahre alte Befehlbuch Eisingen (1751-1777) ist zurück [044. Eisingen, o. Sign.]
Ein bislang in einem Privathaushalt befindliches 250 Jahre altes Befehlbuch ist in die Hände der Landeskirchlichen Archivs (zurück)gegeben worden. Es handelt sich dabei um das Eysinger Zweytes Befehl-Buch, angefangen 1751 und continuirt biß 1777.
Wie und wann dieses Befehlbuch der evangelischen Gemeinde Eisingen (Kirchenbezirk Badischer Enzkreis) in private Aufbewahrung geriet, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Glücklicherweise hat der aufmerksame Hausbesitzer dieses Fundstück als Akte zuordnen können und dergleichen getan: Er ließ im Staatsarchiv Bamberg eine Expertise erstellen, die auf unsere Landeskirche verwies.
Befehlbuch Eisingen 1751-1777 - Karfreitag als allg. Buß- und Fastentag
Dekret Allgemeiner Buß- u. Fasttag, am Charfreytag vom 7. März 1760 [044. Eisingen, o. Sign.]
Befehlbücher sind ein typischer Bestandteil von Pfarrarchiven. Als eine Vorform des Gesetzes- und Verordnungsblatts der Evangelischen Kirche in Baden (ab 1861) enthielt es alle Verordnungen (Reskripte und Dekrete), die für ein Pfarramt in der Markgrafschaft Baden-Durlach (wie es Eisingen war) von Belang und zu befolgen waren. Sie wurden handschriftlich geführt und sind wie ein Diensttagebuch allen pfarramtlichen Handelns zu lesen: Von Fragen der Verwaltung, des Schulwesens, der Visitationen und Finanzen bis hin zu gottesdienstlich-liturgischen Reglementierungen werden in Befehlbüchern alle Facetten behandelt. Die Themen sind am äußeren Rand vermerkt, um die Lesbarkeit zu erleichtern. Insgesamt hat diese Quellengattung einen hohen Aussagegehalt über das ortskirchliche Leben und Handeln.
Nun kommt das Zweite Befehlbuch Eisingen 1751 bis 1777 wieder an den Ort seiner Entstehung zurück: In die Evangelische Gemeinde Eisingen, um dort wie die anderen älteren Unterlagen auch in das Pfarrarchiv aufgenommen zu werden.
 
 

Nachlass der Pfarrerin und Religionslehrerin Dr. Doris Faulhaber jetzt nutzbar

Sarah Banhardt schrieb am 10.08.2020
Dass Pfarrerinnen heute ganz selbstverständlich und gleichgestellt in der badischen Landeskirche arbeiten können, verdanken wir u. a. Doris Faulhabers unermüdlichem Engagement. Jahrzehntelang setzte sie sich für die Rechte von Theologinnen, die Ordination von Frauen und schließlich die Gleichstellung im Pfarramt ein. Sie war dabei nie die erste, die die entscheidenden Schritte gehen konnte. Ihr selbst blieb der große Wunsch – das Gemeindepfarramt – verwehrt. Und doch trug sie wohl wie keine andere dazu bei, dass die rechtlich legitimierte Diskriminierung von Frauen in der Evangelischen Landeskirche in Baden 1971 nach mehr als 50 Jahren beendet wurde.
 
Doris Faulhaber mit ihrer Mutter Paula (Tiengen, 1921) [LkA KA, 154., Nr. 45/1]
Doris Faulhaber mit ihrer Mutter Paula (Tiengen, 1921) [LkA KA, 154., Nr. 45/1]
Doris Faulhaber wurde 1907 in Mannheim-Rheinau geboren und wuchs in Mannheim auf. Dort prägte sie der Konfirmandenunterricht bei Pfarrer Ernst Lehmann (1861-1948) und der Kontakt zum Bund Deutscher Jugendvereine (später Bund Christdeutscher Jugend - BDJ), dem sie lebenslang verbunden blieb. Im Mädchenkreis der Lutherkirche Mannheim lernte sie die Theologinnen Grete Gillet (1895-1970) und Maria Heinsius (1893-1979) kennen und beschloss, trotz schlechter Zukunftsperspektive, nach dem Abitur Theologie zu studieren. Ab 1926 studierte Faulhaber in Heidelberg, Tübingen und Münster evangelische Theologie. Im Oktober 1929 legte sie das 1. theologische Examen vor dem Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe ab, ein Jahr später absolvierte sie auch das 2. theologische Examen. Nach einer Aushilfstätigkeit im Jugend- und Wohlfahrtsdienst in Karlsruhe und kurzer Zeit als Pfarrgehilfin in Mannheim-Waldhof promovierte Faulhaber bei Martin Dibelius (1883-1947) zum Kirchenbegriff im Johannesevangelium (1932-1935). Anschließend war sie in Freiburg und Mannheim als Religionslehrerin und Krankenhausseelsorgerin tätig.
Während des 2. Weltkrieges übernahm Doris Faulhaber in Mannheim immer mehr Aufgaben von an der Front befindlichen Pfarrer. Ab 1942 war sie alleine für Krankenhausseelsorge zuständig und versah die Pfarrvertretung in der Kirchengemeinde Mannheim-Wallstadt. Im Januar 1944 wurde Faulhaber mit acht weiteren Theologinnen zum Dienst als Vikarin eingesegnet.
Nach dem Krieg musste Doris Faulhaber, wie alle badischen Vikarinnen, ihre Stelle in der Gemeinde und der Krankenhausseelsorge wieder abgeben. Schweren Herzens entschied sie sich, dauerhaft in den Schuldienst zu treten. Von 1946 bis zu ihrer Pensionierung 1969 war sie als Religionslehrerin am Mannheimer Liselotte-Gymnasium tätig.
 
Mit ihrer ehemaligen Schülerin und späteren Kollegin Hilde Bitz verband Faulhaber eine mehr als vier Jahrzehnte überdauernde „Lebens-, Arbeits- und Wohngemeinschaft“ (Hilde Bitz an Irmtraud Bankes, 16.09.2008; 150.113, Nachlass Bitz, Nr. 378).
 
Bereits zu Studienzeiten setzte sich Doris Faulhaber für die Rechte der Theologinnen ein. Dieses Thema sollte sie ihr ganzes Leben begleiten. Nach der Einführung von Richtlinien zur Verwendung der Pfarrkandidatinnen im kirchlichen Dienst 1930 forderte sie deren Umsetzung immer wieder ein. Als Mitglied im Konvent der Theologinnen in Deutschland sowie als Vertrauensvikarin des badischen Theologinnenkonventes vernetzte sie sich deutschlandweit mit anderen Theologinnen, um dem Erreichen ihres Zieles, das gleichberechtigte Pfarramt für Frauen, näher zu kommen.
Badischer Theologinnenkonvent in Neckargemünd (20.07.1958) - Faulhaber (mi.) berichtet von einer oberkirchenrätlichen Verlautbarung [LkA KA, 154., Nr. 1259/2]
Als badische Konventssprecherin hielt sie Kontakt zu den badischen Theologinnen und zur Kirchenleitung. Sie verfasste zahlreiche Eingaben an die Landessynode und trug den Entscheidungsträgern die Anliegen der Theologinnen vor. Ohne ihre Arbeit wären die vielen kleinen Schritte zum gleichgestellten Pfarramt (Ordination statt Einsegnung 1958, Titel "Pfarrerin" 1962) in Baden womöglich noch später gegangen worden.
Nachdem Doris Faulhabers Bemühungen um die Gleichstellung im Pfarramt in Baden im Frühjahr 1971 durch Beschluss der Landessynode zum Abschluss kamen, übernahm Hilde Bitz (1929-2017) im Dezember 1971 als erste badische Pfarrerin offiziell ein Gemeindepfarramt . Doris Faulhaber zog mit ihr „als Pfarrfrau“ in die Mannheimer Paul-Gerhardt-Gemeinde.
 
Bis zu ihrem Tod am 17. Juli 1991 lebte Doris Faulhaber mit Hilde Bitz in der gemeinsamen Wohnung in Mannheim. Beide sind in einem Grab auf dem Mannheimer Hauptfriedfhof beigesetzt.
 
Faulhaber, Bitz bei einem Ausflug (1984)
Doris Faulhaber und Hilde Bitz bei einer Tagung des (ehemaligen) Bundes Christdeutscher Jugend (BJD) auf der Aschenhütte (Sept. 1984) [LkA KA, 154., Nr. 1258/1]
Hilde Bitz bewahrte den Nachlass von Doris Faulhaber auf und sortierte ihn teilweise. Nach ihrem Tod gelangte er ins Landeskirchliche Archiv. Er gewährt Einblick in ihr theologisches Denken und Arbeiten, aber auch in ihr Privatleben. So befinden sich im Nachlass einige Fotoalben, z. B. mit Bildern aus Doris Faulhabers Kindheit und Jugend. Zahlreiche Einzelfotos wurden der Foto- und Bildersammlung (Bestand 154.) hinzugefügt, darunter auch stimmungsvolle Aufnahmen des badischen Theologinnenkonventes. Neben Notizen zu Schwesternabenden, Bibelarbeiten, Vorträgen und Aufsätzen gibt v. a. das erhaltene Unterrichtsmaterial wertvolle Einblicke in Doris Faulhabers berufliches Wirken.
Ihr Einsatz für die Frauenordination und die Gleichstellung im Pfarramt ist durch eine umfangreiche Sammlung belegt. Hierin finden sich u.a. gesetzliche Regelungen von nahezu allen westdeutschen evangelischen Landeskirchen, Unterlagen des Konvents Evangelischer Theologinnen in Deutschland und des badischen Theologinnenkonvents. Spannende Einblicke gewährt zudem die zahlreich erhaltene Korrespondenz mit deutschen Theologinnen. Allein aus dem Briefwechsel mit der badischen Theologin und Pfarrerin Grete Gillet sind mehr als 200 Schriftstücke erhalten.
 
Der Nachlass von Doris Faulhaber ist mit einem Onlinefindbuch recherchierbar und kann im Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe eingesehen werden.


 

Das Projektteam ist wieder voll besetzt

Natascha Müller schrieb am 24.07.2020
N. Müller
Die neue Kollegin im Garten der Paul-Gerhardt-Gemeinde, dem Sitz des Projekts.

Mein Name ist Natascha Müller. Seit dem 01. Juli 2020 darf ich das Team des Projekts „Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive“ ergänzen. Zurzeit studiere ich noch in Heidelberg Geschichte und Historische Grundwissenschaften und habe bereits einiges an Erfahrung in verschiedenen Archiven sammeln dürfen. Durch meine Mitarbeit im Projekt erhoffe ich, meine Archivkenntnisse weiter vertiefen sowie die Ortsgeschichte der evangelischen Kirche in Baden für die Forschung recherchierbarer machen zu können.

 

 

Kreative Ideen sind gefragt

Das Projektteam schrieb am 24.07.2020
Arbeitsplatz in einem Rastatter Pfarramt
Archivieren auch auf einem Kinderteppich ...
Corona behindert nicht nur die privaten, sondern auch die beruflichen Reisepläne. Für das Projekt "Pfarrarchiverschließung" sind Reisen in die Kirchenbezirke und ihren Gemeinden unter normalen Umständen eine essenzielle Aufgabe. Da jegliches Reisen mit mehr als zwei Personen momentan (noch) nicht (wieder) möglich ist, mussten sich die Projektmitarbeiter*innen etwas Neues einfallen lassen, um auch weiterhin ihrer Arbeit nachkommen zu können.
 
Daher möchten wir uns als Projekt bei allen Gemeinden bedanken, die ihre Unterlagen geliefert haben oder noch bringen werden. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
 
Eine andere Strategie haben zwei Kolleginnen umgesetzt: Nach Absprache mit einer Gemeinde verlegten sie ihre Arbeitsplätze kurzerhand in deren Pfarramt und erschlossen dort eineinhalb Wochen lang die Unterlagen des Pfarrarchivs und verpackten sie archivgerecht. Auch hier gilt ein großes Dankeschön an alle Beteiligten, die das möglich gemacht haben!
 
 

Archive der historischen Kirchengemeinden Nassig-Sonderriet und Neunkirchen erschlossen

Anna Ohnmacht und Vivian Ritter schrieben am 1.07.2020

PfA Nassig unbearbeitet
So kamen die Nassiger Pfarrarchivakten nach Karlsruhe.
Viele lose Blätter in zuweilen schwer lesbaren Schriften stellten die Kolleginnen aus dem Projekt "Pfarrarchiverschießung" vor eine harte Prüfung ihrer Paläographie-Kenntnisse. Die zum Teil stark verschmutzen Akten - hier hatte es sich der Staub der letzten 400 Jahre bequem gemacht - mussten gesäubert werden, bevor die eigentliche Einsicht beginnen konnte.
Gotteshausrechnungen Nassig
Gotteshausrechnungen Nassig 1800/01 sowie 1804/05 [LkA KA, 044. Nassig-Sonderriet, Nrn. 45. 256]

Bei einigen dieser Akten war starke Teamarbeit gefragt und eine Seite konnte schon mal über mehrere Tage von Hand zu Hand wandern, bis deren Inhalt endlich entschlüsselt werden konnte. Die Freude am Erkennen schon eines Wortes steckte das ganze Büro an.

 

Transport Neunkirchen
400 Jahre "unbearbeitete" evangelische Kirchengeschichte Neunkirchen
In den Kirchengemeinden Nassig-Sonderriet und Neunkirchen sind in erster Linie die finanziellen Situationen durch eine fast komplette Sammlung von Rechnungs- und Fondsunterlagen ab dem 18. Jahrhundert nachvollziehbar.

Besonders schwierig gestaltete sich die Zuweisung von Bauakten, da aus den einzelnen Schriftstücke nicht immer hervorging, ob es sich bei genanntem Gemeindehaus um das im Hauptort handelt oder der Nebenort ein eigenes erhielt.

Trotz Staub, Schmutz und schwierig zu lesenden Akten hatten die Kolleginnen Freude an der Bearbeitung der Archive und konnten auch so einiges für die Zukunft mitnehmen.
Die Findmittel dieser beiden historisch wertvollen Bestände sind fortan online recherchierbar und die Akten (analog) nutzbar.
 

Mehr Farbe als man denkt. Von Skatkarten, Mustern, Kleisterfarben und Modeldruck im Pfarrarchiv Gernsbach

Anna Eifler schrieb am 10.06.2020

Kleisterpapier blau (Gernsbach)
Einband eines Rechnungsbandes mit blauem und einem Ziermuster versehenen Kleisterpapier [LkA KA, 044. Gernsbach, o. S.]
Während Archivar*innen sich üblicherweise mit dem Inhalt von Archivgut beschäftigen, widmen Restaurator*innen sich Archivalien in der Regel aus einem anderen Blickwinkel:

Bei der Trockenreinigung des Pfarrarchivs Gernsbach fielen, wie so oft bei Altarchiven mit Akten aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die schönen Kleisterpapiere ins Auge, mit denen die Einbände der Rechnungsbücher bezogen sind. Es gibt diese Papiere in vielen Farben und mit zahlreichen unterschiedlichen Mustern. Für ihre Herstellung werden farbige Pigmente mit einem Kleister aus Weizenstärke gebunden und dann entweder direkt auf ein Trägerpapier gestrichen oder mit Hilfe von Holzmodeln aufgebracht. Bei der ersten Variante können mittels Werkzeuge Muster in die farbige Kleistermasse eingearbeitet werden, unser Beispiel in Blau. Bei der zweiten Variante werden Holzmodel mit der Masse bestrichen und auf das Trägerpapier aufgedruckt.

Modeldruck (Rechnungsband 1806, Gernsbach)
Modeldruck mit dreifarbigem Rautenmuster auf dem Einband eines Rechnungsbandes (1806) [LkA KA, 044. Gernsbach, o. S.]
Für unser Beispiel mit dem dreifarbigen Rautenmuster musste der Druck in drei Phasen erfolgen, dabei war das Trocknen des vorangegangenen Farbauftrags wichtig. Diese Art der Herstellung war somit deutlich aufwändiger als beim flächigen Auftrag.

Karo-König (Gernsbach)
Der grimmige Blick des Karo-Königs trat nach 200 Jahren wieder zum Vorschein. Die Spielkarte stabilisiert die Oberrandbindung und das Aktenbändchen wurde zusätzlich gesiegelt [LkA KA, 044. Gernsbach, o. S.]
Bei den Altarchiven wurden häufig alte Spielkarten für die Stabilisierung der Oberrandlochung an den Akten verwendet - so auch beim Pfarrarchiv Gernsbach. Die Karten wurden entweder der Länge nach gefaltet oder auch häufig zerschnitten und vor das erste bzw. letzte Blatt der Akte im Bereich der Lochung mit aufgefädelt. Die Karten eignen sich gut für diese Stabilisierung, da sie aus einem festen Karton sind und nicht so leicht einreißen wie Papier. Unser Beispiel, der Karo-König, wurde sehr wahrscheinlich auch mit Kleisterfarben im Modeldruckverfahren hergestellt.

 

 
 
 

Kleinvieh macht auch Mist – Beifang im Archiv

Anna Ohnmacht schrieb am 15.05.2020
Entmetallisierung (Kiste)
Akten des 20. Jh. beinhalten nicht nur das geschriebene Wort
Der Arbeitsalltag im Archiv ist vielfältig: Übernahme, Bewertung, Erschließung und Nutzbarmachung von Aktenbeständen ist noch lange nicht alles. So nimmt auch eine ganz bestimmte Arbeit Zeit in Anspruch – die Entmetallisierung. Und die hat es in sich: Die Mitarbeiter*innen plagen sich mit alten, kaputten Büroklammern und sich nicht lösen wollenden, rostenden und zusammenfallenden Heftklammern ab.
Entmetallisierung (Flaschen)
Ein Teil des Beifangs

Im Projekt „Pfarrarchiverschließung“ wurde in den letzten sechs Monaten von den Mitarbeiter*innen das Ergebnis der Entmetallisierung gesammelt. Und das kann sich sehen lassen: So sieht man auf den Bildern das gesammelte Metall aus elf verschiedenen Pfarrarchiven.
 
 
 

Das Gute an der Krise - über 50 Online-Findmittel in vier Wochen

Heinrich Löber schrieb am 21.04.2020
Beispiel eines Findbuchdeckblatts
Beispiel eines Findbuchdeckblatts (hier: LkA KA, 150.063)
Was machen eigentlich Archivar*innen ohne Akten im Home-Office? Die Antwort kann einfach lauten: Digitalisieren! Allerdings nicht die Akten, wie es sich mancher erhofft, aber deren Findmittel. Durch sie ist es der interessierten Öffentlichkeit möglich, sich selbständig und weltweit einen Überblick über die Überlieferung zu verschaffen. Dadurch können Anfragen konkreter gestellt und Nutzungsvorhaben zielgerichteter umgesetzt werden.
Mit Stand von heute wurden in den letzten vier Wochen über 50 Online-Findmittel veröffentlicht. Es handelt sich dabei um die Findbücher folgender Bestände:
  • 041. Prälatur Mittelbaden;
  • 042. Kirchengemeindeamt Heidelberg;
  • 043. Dekanate:
  • 043. Adelsheim;
  • 043. Baden-Baden;
  • 043. Emmendingen;
  • 043. Hochrhein;
  • 043. Karlsruhe-Stadt (alt);
  • 043. Karlsruhe-Stadt (neu);
  • 043. Lörrach;
  • 043. Mosbach;
  • 043. Müllheim (alt);
  • 043. Müllheim (neu);
  • 043. Neckargemünd (alt; nur Generalia);
  • 043. Pforzheim-Stadt (alt);
  • 043. Pforzheim-Stadt (neu);
  • 043. Schopfheim;
  • 043. Sinsheim;
  • 043. Wiesloch;
  • 044. Pfarrämter:
  • 044. Freiburg - Kreuz;
  • 044. Freiburg - Lukas;
  • 044. Friedrichstal;
  • 044. Gottmadingen;
  • 044. Karlsruhe - Stephanus;
  • 044. Mannheim - Melanchthon-Ost;
  • 044. Mannheim-Sandhofen (Dreifaltigkeit);
  • 044. Schweigern mit Epplingen;
  • 044. Schwetzingen - Melanchthon;
  • 044. Spielberg;
  • 044. Überlingen - Auferstehung;
  • 044. Überlingen - Paul-Gerhardt;
  • 044. Unter- und Obergrombach;
  • 044. Villingen - Petrus;
  • 044. Wolfach mit Bad Rippoldsau;
  • 046. Evang. Erwachsenenarbeit Freiburg;
  • 047. Schuldekanate:
  • 047. Karlsruhe-Durlach;
  • 047. Müllheim;
  • 061. Männerarbeit;
  • 067. Landeskirchenkasse;
  • 071.01. Flüchtlingslager Bad Antogast und Altschweier;
  • 114. Förderverein Kindergottesdienst e.V.;
  • 120.06. August-Winning-Haus Wilhelmsfeld [Bestandsgeschichte];
  • 150. Nachlässe:
  • 150.018 Gegenheimer, Willi;
  • 150.021 Hauß, Fritz Hermann;
  • 150.030 Zandt, Dr. Otto Theodor;
  • 150.031 Rückleben, Dr. Hermann;
  • 150.051 Roland, Otto;
  • 150.053 Dorn, Ludwig Friedrich;
  • 150.054 Hübner, Prof. Erich;
  • 150.056 Wittstock, Heinrich;
  • 150.063 Voges, Fritz;
  • 150.064 Kehrberger, August;
  • 150.067 Vogel, Hans;
  • 150.072 Roos, Magnus Friedrich;
  • 150.074 Hagner, Karl;
  • 150.079 Proß, Karl;
  • 165. Verein für klassische Kirchenmusik Mannheim;
  • 193. Landeskirchl. Beauftragter f. Rundfunk und Fernsehen beim SWR.
Sie sind im PDF-Format in unserer Beständeübersicht recherchierbar; die Akten selbst allerdings "nur im Lesesaal".
 
 

Am Arbeitsplatz ist es doch am Schönsten

Vivian Ritter schrieb am 9.04.2020

Paul-Gerhardt-Kirche Karlsruhe
In Räumen der Paul-Gerhardt-Kirche werden die Archive bearbeitet
Die Corona-Pandemie sorgt dafür, dass vieles auch bei uns im Archiv anders läuft. Die meisten Kolleginnen und Kollegen sind derzeit im Home-Office und kommen nur hin und wieder an ihren Arbeitsplatz zurück. Doch was macht ein Archivmitarbeitender im Home-Office ohne Akten? Das Landeskirchliche Archiv nutzt diese Chance, Findbücher aus den letzten 30 oder mehr Jahren, die nur analog vorliegen, zu retrokonvertieren. Auch ich habe diese Aufgabe zwei Wochen gemacht. Mein Arbeitsalltag sah folgendermaßen aus: Nach dem Frühstück wurde das „Büro“ auf dem Esstisch aufgebaut, zum Mittagessen wieder weggeräumt, danach wiederaufgebaut und abends verschwand der Laptop wieder in seiner Tasche. Dazu kam der ergonomisch nicht perfekte Esszimmerstuhl.

Jetzt sitze ich wieder an meinem Arbeitsplatz in der Paul-Gerhardt-Kirche, alleine im Büro, und genieße die „normalen“ Arbeitsabläufe und auch die Arbeit mit den Akten.

Der Corona-Virus sorgt dafür, dass man die kleinen Dinge im Leben wieder schätzt. Und wenn es nur der eigene Schreibtisch im eigenen Büro ist, den man unter normalen Umständen vielleicht gerne gegen Home-Office austauschen würde.

 

 

Projektstart 'Pfarrerbuch Baden-Durlach und der Ortenau 1556-1806 (1810)'

Heinrich Löber schrieb am 1.04.2020
Der Corona-Pandemie zum Trotz startet heute das Projekt 'Pfarrerbuch Baden-Durlach und der Ortenau 1556-1806 (1810)'. Die beiden Projektmitarbeiter nehmen allerdings nicht wie ursprünglich geplant in den Diensträumen des Landeskirchlichen Archivs ihre Arbeit auf, sondern beginnen im Homeoffice. Die Grundlage ihrer Arbeit bildet das von Rolf Eilers, Freiburg, im Auftrag des Vereins für Kirchengeschichte in der Evangelischen Kirche in Baden in jahrelanger akribischer Forschungsarbeit erstellte Manuskript eines 'Pfarrerbuchs der Markgrafschaft Baden-Durlach'. Die Arbeit hat zum Ziel, es für eine Drucklegung vorzubereiten. Zunächst wird mit der Digitalisierung der Series pastorum begonnen.
Es handelt sich bei diesem presbyterologischen Werk um 141 evangelische Gemeinden (darunter 13 Kirchgemeinden der Ortenau) und 1.800 Pfarrer. Wie alle klassischen Pfarrerbücher ist es aufgebaut in zwei Teile: 1. Series pastorum (Aufzählung aller Pfarrer einer Gemeinde in chronologischer Reihenfolge) und 2. Pfarrer (deren Biogramme in alphabetischer Folge).
Die 250jährige Geschichte des Pfarrstandes dieses für die badisch-evangelische Kirchengeschichte wichtigen Territoriums erhält dadurch ein wichtiges Nachschlagewerk, das den "Klassiker" des Badischen Pfarrerbuchs von Heinrich Neu (1938/39) ergänzen und bei neuen Forschungserkenntnissen berichtigen wird.
 
 

ARCHION: fehlende 28 Kirchen- und Familienbücher folgen

Heinrich Löber schrieb am 17.03.2020
Mit dem heutigen Tag ist wegen der Corona-Pandemie unser Lesesaal geschlossen worden. Doch Corona zum Trotz wird der virtuelle Kirchenbuchlesesaal erweitert. Das Kirchenbuchportal Archion gibt nämlich in der nächsten Zeit 28 Kirchen- und Familienbücher unserer Landeskirche für eine Nutzung frei. Es handelt sich dabei um die wenigen Bücher (jenseits der Schutzfristenregelung), die nach ihrer Digitalisierung noch auf eine Onlinestellung gewartet hatten:
  • Dossenheim (ref.) Familienbuch (alphabetisch) 1685 - 1829 mit voranstehenden Memorabilia 1941-1951, anschließenden einzelnen Stammblättern, v. a. von Mischehen;
  • Dühren (luth.) Familienbuch (alphabetisch) 1745 - 1870 mit Stammbaum Hans Dürr (geb. Reihen 1608), etlichen weiteren Genealogien;
  • Eichstetten (luth.) Familienbuch (alphabetisch) 1705 - 1839;
  • Eutingen Trauungen 1861 - 1904 mit Register [teilw. verblasst];
  • Freiburg Christuspfarrei Familienbuch 1855 - 1898 (angelegt 1892 von Pfarrer Ludwig Schmitthenner) mit Register;
  • Grötzingen Beerdigungen 1849 - 1897 mit Jahresregister;
  • Haßmersheim Taufen 1860 - 1921 mit Kommunikanten 1885-1946, Register;
  • Heddesheim Taufen 1825 - 1886 mit Register;
  • Heidelberg-Neuenheim Trauungen 1867 - 1869 mit Register, alphabetischem Familienbuch 1867-1926 (angelegt 1879);
  • Hertingen Beerdigungen 1860 - 1978 mit Gefallenen I. u. II. WK, Jahresregister (1865-1869), Register;
  • Hochstetten (luth.) Beerdigungen 1796 - Jan. 1870 mit Register;
  • Hugsweier (luth.) Trauungen 1660 - Jan. 1870 mit Register [bis 1786 Abschrift];
  • Kehl-Dorf Familienbuch (alphabetisch) 1861 - 1872 mit voranstehendem Register [masch.];
  • Mannheim-Sandhofen (ref.; ab 1755 auch luth.) Familienbuch (alphabetisch) 1577 - 1850 mit Chronik, etlichen Zeitungsartikeln, Notabilia 1681-1912, Register [zw. den Notabilia];
  • Mauer (luth.) Familienbuch 1780 - 1873 (alphabetisch; angelegt 1835) mit Vorfahrentafel Johann Maier (geb. 1896), Johann Georg Welz (geb. 1816), Register;
  • Mönchweiler Taufen 1846 - Juni 1882 mit Jahresregister (bis 1869), Statistik;
  • Mosbach (luth.) Stammtafeln 1695 - 1821 (alphabetisch; angelegt 1913 von Pfarrer Wilhelm Meerwein);
  • Neckarelz Taufen 1855 - März 1870 mit Register;
  • Oberweiler Trauungen 1843 - 1886 mit Jahresregister (1857-1876), Register;
  • Ottoschwanden Beerdigungen 1840 - Jan. 1870 mit Jahresregister;
  • Peterzell Taufen 1870 - 1893 mit Register;
  • Pforzheim-Dillweißenstein Beerdigungen 1868 - Jan. 1930 mit Gefallenen I. WK, Register (ab 1908, bis 1907);
  • Reichartshausen Familienbuch 1804 - 1822 (angelegt 1852) mit Ortschronik 1908-1958, Statistik, Gefallenen I. u. II. WK;
  • Sinsheim Mischbuch 1864,1861,1868 - Jan. 1870 mit Register;
  • Tannenkirch Taufen 1858 - 1870 mit Register;
  • Weil a. Rh. Familienbuch 1833 - 1885 (angelegt 1858 von Pfarrer Ludwig Dorn) mit unehelichen Kindern 1841-1863, Wetteraufzeichnungen 1825-1841, Register;
  • Wiesloch Beerdigungen Sept. 1856 - Jan. 1870 mit Register;
  • Wössingen Trauungen 1851 - 1889 mit Register.
 

Gelebte Ökumene in Wertheim und der Nordirland-Konflikt

Natascha Wetzel schrieb am 25.02.2020

Pfarrer Zeilinger an Reverend Paisley 10.08.1970 I [044. Waldenhausen, Nr. 82]
Pfarrer Zeilinger an Reverend Paisley (10.08.1970), 1. Seite [LkA KA, 044. Waldenhausen, Nr. 82]
Bei der Erschließung von Beständen fallen dem Bearbeitenden oft kleine Schätze in die Hände. Dies trifft auch auf das nun erschlossene Pfarrarchiv Waldenhausen zu, dessen Findbuch nun online recherchiert werden kann.

In Akte Nr. 82 befindet sich ein im Jahr 1970 verfasster Brief des Pfarrers Helmut Zeilinger an niemand geringeren als Reverend Ian Paisley. Der 2014 verstorbene Gründer der Freien Presbyterianischen Kirche sowie der Demokratisch-Unionistischen Partei (DUP) war u. a. Mitglied des Europäischen Parlaments und verzögerte durch seine harte Haltung gegenüber den katholischen Iren eine Versöhnung im Nordirland-Konflikt.

Pfarrer Zeilinger an Reverend Paisley 10.08.1970 II [044. Waldenhausen, Nr. 82]
Pfarrer Zeilinger an Reverend Paisley (10.08.1970), 2. Seite [LkA KA, 044. Waldenhausen, Nr. 82]
Die damals in den Medien stets präsente Lage in Nordirland beschäftigte auch die Hospitalpfarrei, mit der die Kirchengemeinde Waldenhausen zu dieser Zeit vereinigt war. Sie pflegte, wie sich (absichtlich?) bereits aus dem ersten Satz des Schreibens entnehmen lässt, ein gutes Verhältnis mit den dort ansässigen Katholiken. „Some time ago, in our city of Wertheim a group of Protestant and Catholic laymen, pastors and priests met as they are used to get together from time to time.“ Pfarrer Zeilinger fasst den Inhalt des Gruppengesprächs über den Nordirland-Konflikt zusammen, bevor er dem Reverend deren gemeinsame Haltung darüber präsentiert – eine Meinung, die beim Empfänger des Schreibens wohl auf wenig Gegenliebe gestoßen ist. „But we now have the idea that even those social and political problems could be solved through men of good will. We are convinced that the time should have passed in which one tried to solve problems through polemics and through methods like fire and sword.“

Doch warum wenden sich die Wertheimer an Ian Paisley? Neben der Bekundung des Interesses am und der Sorge bzgl. des Nordirlandkonflikts ist es „an indication for that kind of partnership of Protestant and Catholic Christians which we started in our region and which should become self-evident in many and different ways all over the world, and so also in your country.“ – Geradeaus gesagt: Sehen Sie, es geht auch anders!

Ob Reverend Ian Paisley den Brief erhalten und gelesen hat? Ein Antwortschreiben ist jedenfalls nicht überliefert. Den Aussagegehalt dieses Briefes – als Zeugnis des guten ökumenischen Miteinanders, welches im gesamten Bestand immer wieder sichtbar wird – schmälert es nicht.
 
 

Findbuch Sammlungsbestand 'Predigten' veröffentlicht

Heinrich Löber schrieb am 4.02.2020
Rothe, Richard etwas nach unten blickend (um 1854)
Der berühmte Heidelberger Theologe Richard Rothe (1799-1867) (um 1854, Fotograf: Eduard Lange, Heidelberg) [LkA KA, 154., Nr. 510]
Zu den Sammlungsbeständen unseres Archiv zählt auch die kleine, aber feine Predigtsammlung (Abt. 152). Diese enthält Predigten, die ohne Zusammenhang überliefert sind. Dadurch besteht sie hauptsächlich aus Einzelstücken: insgesamt 50 Predigten in 13 Akten mit einer Laufzeit von 1841 bis 1997 und einem Umfang von 0,2 lfm. Dieser Bestand erfährt bei Neuzugängen eine Fortschreibung; es handelt sich dabei also nicht um einen historischen Sammlungsbestand.
Als älteste Überlieferung sind Predigten des berühmten Heidelberger Neutestamentlers und Dogmatikers, Direktors des Predigerseminars sowie 1. Universitätspredigers Richard Rothe aus den Jahren 1841/42 zu nennen. Die neuesten Predigten dieser Sammlung sind sieben Predigten der Gottesdienstreihe zum Thema ‚Glaubensbekenntnis' im Rahmen des 175jährigen Jubiläums der Badischen Landeskirche in der Pauluskirche Pforzheim (1996/97).
Das Findbuch zu diesem Bestand steht nun allen Interessierten zur Einsicht auf unserer Homepage als PDF zur Verfügung und macht diesen bequem recherchierbar. Die Akten selbst müssten allerdings im Lesesaal eingesehen werden.
 
 

Bedeutender Bestand des Kinderheims Beuggen bearbeitet

Heinrich Löber schrieb am 13.01.2020
Verzeichnis der Armen-Schullehrer-Zöglinge 1820 [120.01.,Nr. 366]
Auszug aus dem Zöglingsverzeichnis (1820-1914), hier aus dem Jahrgang 1820, welches wichtige biographische Daten enthält (Herkunft, Ein- und Austritt, Berufseinstieg) [LkA KA, 120.01., Nr. 366]

Der historisch bedeutende Bestand des Kinderheims Beuggen ist vollständig erschlossen und nun durch ein Online-Findmittel recherchierbar. Die Quellen der 170jährigen Geschichte dieser Anstalt zeigen den Beginn der Jugendfürsorge unter dem aus der schwäbisch-pietistischen Tradition stammenden Christian Heinrich Zeller (1779-1860). Daneben ist der massive Widerspruch an seiner Pädagogik aus dem Lager des Liberalismus in der Folgezeit herauslesbar sowie die weitere Geschichte im ausgehenden 19. und im 20. Jahrhundert nachvollziehbar. Für die Benutzung gelten allerdings in besonderer Weise die Schutzfristregelungen bei personenbezogenen Daten, v. a. bei Akten aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Daher wurden im Online-Findmittel zahlreichen Angaben anonymisiert.

Nach der Auflösung des Kinderheims (1981) wurde der Bestand vom Landeskirchlichen Archiv übernommen. Eine Ersterschließung ist im Febr. 1987 durchgeführt und ein kurzgehaltenes tabellarisches Findbuch erstellt worden. Von Sept. bis Nov. 2017 haben Azubis begonnen, den Bestand zu retrokonvertieren und technisch zu bearbeiten. Ab Archivnummer 298 wurde diese Arbeit ab August 2019 von Hartfried Depner fortgesetzt und Anfang Dezember 2019 abgeschlossen. Bei dieser Neuverzeichnung wurden nicht wenige Akten nachkassiert.

Neben den klassischen Verwaltungsakten befinden sich im Bestand 7,2 lfm. Zöglings- und Personalakten, für die es zwei Findkarteikästen als Findkartei gab. Diese Karteien wurden mit erschlossen. Des Weiteren ist der Nachlass von Unterlagen der Nachkommen von Familie Zeller aus den 1930er/1950er Jahren (Briefe, Bücher, fromme Bilder etc.) durch Frau Christa Schäfer geb. Funk (übergeben am 21.08.2012 in Beuggen) eingearbeitet und als "Nachlass Zeller" klassifiziert. Bücher wurden an die Landeskirchliche Bibliothek abgegeben (s. Nr. 470).

Der Bestand umfasst 1376 Verzeichnungseinheiten mit einem Gesamtumfang  von 17,5 laufenden Regalmetern und weist eine Laufzeit von (1534) 1804 bis 2006 auf.

 

epd-Südwest berichtet über Familienforschung im Landeskirchlichen Archiv

Heinrich Löber schrieb am 8.01.2020
Der epd-Südwest veröffentlichte in seiner Ausgabe Nr. 247 vom 27.12.2019 den Artikel "Auf den Spuren der Vorfahren". Es handelt sich hierbei um einen Bericht über eine Hobbygenealogin, die angeregt durch ein sog. "Schatzkästlein", das sie von ihrer Mutter erhielt, zur Genealogie kam. Nicht zuletzt durch unser Archiv konnte die Familienforscherin zahlreiche Forschungserfolge verbuchen: aszendierend bis 1580 sind nun ihre Vorfahren nachweisbar - darüber hinaus "tauchte" auch Verwandtschaft in den USA auf, zu der sie seitdem in Kontakt steht.
Eine weitere Begleiterscheinung ist bemerkenswert: Ihre eigenen genealogischen Daten bilden nun den Grundstock für das Manuskript eines Ortsfamilienbuches Rüppurr. Doch lesen Sie selbst - hier in der Printausgabe des Evangelischen Kirchenboten (2/2020) "Mithilfe von Kirchenbüchern auf den Spuren der Ahnen":
Evang.Kirchenbote 2(2020) - Art. Tomek, Löber
Aus: Evangelischer Kirchenbote 2/2020, S. 9.